Nummer 6 () ist eine britische Fernsehserie aus dem Jahr 1967 von Patrick McGoohan, der auch die Hauptrolle spielt. Nachdem die namenlose Hauptfigur ihre Stelle als Agent beim britischen Geheimdienst gekündigt hat, wird sie an einen abgelegenen Ort verschleppt und dort als „Nummer 6“ festgehalten. Der oft wechselnde Leiter des Ortes, „Nummer 2“, versucht in jeder Folge, den Grund für die Kündigung herauszufinden. Im Gegenzug versucht „Nummer 6“, die Identität des Oberhauptes, „Nummer 1“, herauszufinden und dem Ort zu entkommen.

Die Außenaufnahmen wurden in Portmeirion, einem Hotelkomplex im nördlichen Wales, gedreht.

Die avantgardistische Serie weist bereits einige Merkmale der Postmoderne auf, auch wenn dieser Begriff zum Zeitpunkt der Produktion noch nicht etabliert war. Sie gilt als Meilenstein der Fernsehunterhaltung.Nummer 6 auf fernsehserien.de

Handlung mini|Portmeirion – Pantheon, in der Serie Amtssitz von „Nummer 2“

In der Einführungssequenz, die fast jeder Episode vorangestellt ist, wird der grundlegende Plot eingeführt: Der Protagonist, offensichtlich ein Agent des britischen Geheimdienstes, kündigt wütend seinen Job. Zurück in seiner Wohnung beginnt er, seine Sachen zu packen, und wird dabei durch einströmendes Gas betäubt. Später erwacht der Agent, scheinbar noch immer im selben Raum, an einem unbekannten Ort, The Village. Das Dorf ist durch eine mediterran anmutende Architektur gekennzeichnet und wird neben den Gefangenen auch von Wächtern bewohnt. Eine Unterscheidung zwischen beiden Gruppen ist nur schwer möglich, da die Bewohner allesamt Ferienkleidung tragen. Niemand in dem Dorf gibt ihm Auskunft darüber, wo er sich befindet. Fluchtversuche werden durch die Wächter und einen großen schwebenden weißen Ball namens „Rover“ (in der alten deutschen Fassung zunächst „Hystero“) verhindert, der Flüchtlinge bewusstlos drücken und sogar töten kann.

An Stelle eines Namens ist jeder Bewohner durch eine Nummer gekennzeichnet, die sich auf Ansteckplaketten, Wohnungsschildern oder Telefonen befindet. Die Hauptfigur, deren Name der Zuschauer nie erfährt, wird von allen als „Nummer 6“ bezeichnet. Der Verantwortliche im Ort ist eine Person, die als „Nummer 2“ bezeichnet und in fast jeder Episode von einer anderen Person verkörpert wird. Auch Frauen treten gelegentlich in dieser Rolle auf. Ziel von „Nummer 2“ ist es, den Grund der Kündigung von „Nummer 6“ herauszufinden. Zu diesem Zweck werden in vielen Folgen Instrumente der Gehirnwäsche eingesetzt, zum Beispiel durch Hypnose bedingtes Schnelllernen und Konditionierung mittels Elektroschocktherapie. Verhörtechniken bis zur Folter werden ebenso gezeigt. „Nummer 6“ besteht diese verwirrenden, surrealen Situationen, die seiner Zermürbung dienen sollen, nur aufgrund seines starken Willens und seiner logischen Denkfähigkeit. Ein wesentliches Motiv seines Widerstands ist das Beharren auf seiner Individualität und der persönlichen Freiheit.

Die letzte Folge der Originalserie (Fall Out) löste wegen des vielfach interpretierbaren Schlusses und der Verweigerung einer konventionellen „Auflösung“ der rätselhaften Handlung stürmische Proteste bei den englischen Zuschauern aus. Patrick McGoohan musste zeitweise sogar untertauchen, da Fans ihn vor seinem Haus belästigten. Er zog für sich und seine Familie die Konsequenzen und ließ sich in Kalifornien nieder, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Idee Script-Editor George Markstein war von Beruf Journalist und widmete sich vor allem geheimdienstlichen Themen, begann dann auch als Schriftsteller und Drehbuchautor für das Fernsehen zu arbeiten. Aus seiner journalistischen Tätigkeit kannte er einen Ort in Schottland – das Anwesen Inverlair Lodge – wo der Britische Geheimdienst während des Krieges Agenten und Personen mit sensiblen Kenntnissen zu ihrem eigenen und dem Schutz des Landes interniert hatte. Dieses Wissen bildete die Basis, auf der er zusammen mit Patrick McGoohan, mit dem er bereits die Serie Geheimauftrag für John Drake (Secret Agent, auch: Danger Man, 1960) entwickelt hatte, die Grundidee zu Nummer 6 legte.

Die Episode Colony Three (1964) aus der Drake-Serie weist Parallelen mit Nummer 6 auf: So begibt sich Drake undercover an einen abgelegenen Ort irgendwo in Osteuropa hinter dem Eisernen Vorhang in einen exakten Nachbau einer typischen britischen Kleinstadt. Dieser wird von britischen Bürgern bewohnt, die aus unterschiedlichen Gründen die Fronten gewechselt haben (Liebe, Geld, Ideologie). Sie alle sind zu Trainingszwecken hier, um später unerkannt als Spione nach Großbritannien zurückzukehren. Niemand kann den Ort verlassen, alle stehen permanent unter Überwachung durch Verantwortliche im Hintergrund, die als „Nummer 1“ und „Nummer 2“ bezeichnet werden. Wie „Nummer 6“ erhält Drake eine Führung durch den Ort, und in einer Szene wird ein Bewohner Elektroschocks unterzogen. Es gelingt ihm am Ende, den Ort zu verlassen.

Produktion Ursprünglich plante Patrick McGoohan eine Miniserie mit sieben Episoden. Lew Grade, Chef von ITC Entertainment, wollte die Serie aber in die USA verkaufen und benötigte daher eine größere Anzahl an Episoden. Im Spätsommer 1966 fanden zunächst die Außenaufnahmen im walisischen Portmeirion statt. Es entstanden als erstes die Episoden: Die Ankunft, Freie Wahl, Schachmatt und Die Anklage. Den Abschluss der geplanten ersten Staffel bildete die Episode Pas de deux (Once Upon a Time).Robert Fairclough: The Prisoner. The Official Companion To The Series. A Carlton Book, 2002.

Markstein verließ die Produktion vor Beendigung der ersten 13 Episoden aufgrund von Differenzen mit McGoohan über den möglichen Fortgang der Reihe. Nach Abschluss dieser ersten Folgen kam es zu einer Produktionspause von mehreren Monaten und McGoohan selbst übernahm seine erste Hollywoodrolle in Eisstation Zebra (Regie: John Sturges). Während seiner Abwesenheit, und als die ersten Folgen bereits im Fernsehen liefen, wurde beschlossen, weitere Episoden zu drehen und Nummer 6 nach 17 Episoden zu Ende zu bringen. Die Kosten waren extrem hoch und die Einschaltquoten schwach. Nach einigen personellen Wechseln nahm das Team die Produktion wieder auf. 1967 fanden zusätzliche Außenaufnahmen statt und unter großem Zeitdruck mussten neue Drehbücher entwickelt werden. Ein Ergebnis dieses Produktionsprozesses ist die Episode 2 : 2 = 2 (Do Not Forsake Me, Oh My Darling), in der die Persönlichkeit von „Nummer 6“ auf eine andere Person übertragen wurde. Dadurch wurde McGoohan nicht benötigt, und Nigel Stock konnte die Rolle von „Nummer 6“ komplett übernehmen. McGoohan selbst tritt erst kurz vor Ende in einer nach seiner Rückkehr aus den USA hergestellten Szene auf.

Nach weiteren vier produzierten Episoden wurde Pas de deux als quasi erster Teil zusammen mit Demaskierung (Fall Out) schließlich zum Doppelfinale.

Prolog Der Vorspann endet in jeder Episode mit einem Dialog zwischen „Nummer 6“ und „Nummer 2“. Ausnahmen sind die Episoden Die Ankunft, 2 : 2 = 2, Harmony und Demaskierung. In der deutschen Version wird der Text von der jeweiligen „Nummer 2“ gesprochen. Im Original spricht die amtierende „Nummer 2“ dagegen nur in den Episoden Die Glocken von Big Ben, A. B. und C., Der General, Die Anklage, Schachmatt und Pas de deux den Prolog. Die übrigen werden von Robert Rietty gesprochen. Die Episoden Harmony (14) und Demaskierung (17) sind ohne Vorspann, stattdessen beginnt die Abschlussfolge mit einem zehnminütigen Zusammenschnitt der vorhergehenden Folge. Die Episode 2 : 2 = 2 (13) hat vor dem Vorspann noch eine zusätzliche Szene („pre-credit sequence“).

Episoden Die Reihenfolge der Episoden unterscheidet sich je nach Land oder ausstrahlendem Sender. Die Serie hatte ihre Fernsehpremiere nicht in Großbritannien, sondern in Kanada. Harmony wurde bei der US-Erstausstrahlung von CBS nicht gezeigt. Bei der erneuten Ausstrahlung 1969 war die Reihe dann vollständig.

Die Episoden wurden 2010 in Deutschland vom Sender Arte in der so genannten britischen Standardreihenfolge ausgestrahlt. Die „richtige“ Reihenfolge ist umstritten.

Anmerkungen:

Besetzung und deutsche Fassung Dreizehn Episoden der Serie wurden 1969 deutsch synchronisiert (Dialogbuch und -regie: Joachim Brinkmann) und zwischen August 1969 und April 1970 samstagnachts im ZDF ausgestrahlt. ARTE zeigte im Sommer 2010 Nummer 6 dann erstmals komplett: Die vier seinerzeit vom ZDF nicht bearbeiteten Episoden wurden dafür unter Dialogbuch und -regie von Frank Wesel synchronisiert. „Nummer 6“ wurde nun von Bernd Rumpf gesprochen, da sich die Stimme von McGoohans früherem Synchronsprecher Horst Naumann zu stark verändert hatte.

Auftritte„Nummer 6“ Patrick McGoohanHorst Naumann (1969)Bernd Rumpf (2010)durchgehendButlerAngelo Muscat14 Ep.Supervisor Peter SwanwickLeo Bardischewski (1969)Lothar Hinze (2010)8 Ep. „Nummer 2“Leo McKernWalter ReicheltEp. 2, 16 und 17Colin GordonErnst Fritz FürbringerEp. 3, 6Guy DolemanChristian MarschallEp. 1George BakerManfred SchottEp. 1Eric PortmanKlaus SonnenscheinEp. 4Anton RodgersIlja RichterEp. 5Mary MorrisEp. 8Peter WyngardeHerbert WeickerEp. 9Patrick CargillChristian MarschallEp. 10Derren NesbittJan HendriksEp. 11John SharpPeter GroegerEp. 12Clifford EvansAlf MarholmEp. 13David BauerErnst MeinckeEp. 14Kenneth GriffithGerd DuwnerEp. 15RichterChristian MarschallEp. 17NadiaNadia GrayEva PflugEp. 2EngadineKatherine KathMaria LandrockEp. 3Nummer 58Rachel HerbertDebora WeigertEp. 4ArbeitsvermittlerGeorge BensonMichael PanEp. 4AlisonJane MerrowGundi EberhardEp. 5Nummer 12John CastleVolker LechtenbrinkEp. 6Mrs. ButterworthGeorgina CooksonCarola HöhnEp. 7BeobachterinNorma WestIngrid CapelleEp. 8TurmRonald RaddWalter ReicheltEp. 9Tochter des UhrmachersAnnette AndreUrsula HerwigEp. 7„Nummer 86“Angela BrowneChristin MarquitanEp. 12Der Colonel/„Nummer 6“Nigel StockKlaus KindlerEp. 13SeltzmanHugo SchusterWolfgang BüttnerEp. 13„Nummer 8“/The KidAlexis KannerSascha RotermundEp. 14„Nummer 48“Jürgen ClaussenEp. 17

Nummer 2 Obwohl in fast jeder Episode eine neue Nummer 2 auftritt, gibt es Ausnahmen von diesem Prinzip: Leo McKern ist in zwei Episoden die Nummer 2 (Die Glocken von Big Ben und Pas de deux) und tritt als besiegte ehemalige Nummer 2 nochmals in Demaskierung auf. Die von Nummer 6 überlistete Nummer 2 der Episode A, B & C (Colin Gordon) fungiert in Episode Der General erneut als Nummer 2 und wird erneut überlistet. Die Nummer 2 der Episode Hammer oder Amboss wurde vom selben Schauspieler gespielt (Patrick Cargill) wie Thorpe, ein illoyaler Assistent von Nummer 6 früherem Londoner Chef aus den Episoden Die Glocken von Big Ben und Herzlichen Glückwunsch. Die Nummer 2 der Episode 3 – 2 – 1 – 0 wird von Kenneth Griffith gespielt, der auch als Richter in der Schlussepisode Demaskierung auftritt.

Dreimal nehmen Frauen die Position der Nummer 2 ein (Rachel Herbert, Georgina Cookson und Mary Morris in den Episoden Freie Wahl, Herzlichen Glückwunsch und Die Anklage).

Symbolik Die Serie weist eine deutliche Verwendung von Ding-Symbolen auf. Darüber hinaus tauchen etliche Motive mit leitmotivischem Charakter in verschiedenen Episoden auf:

Penny-Farthing-Hochrad rechts|Penny-Farthing-Hochrad Das Penny-Farthing-Hochrad ist in der Serie allgegenwärtig und wird auf den Erkennungsmarken, den Hubschraubern, auf Konservendosen, an Taxis gezeigt und ist das Emblem des Ortes. Für Patrick McGoohan war es ein ironisches Symbol des Fortschritts, steht es doch gleichermaßen für Fortbewegung wie für Immobilität und Beharrung.Matthew White, Jaffer Ali: The Official Prisoner Companion. New York 1988, S. 122.

Rover