mini|Wappen des Zisterzienserordens mit der Devise Cistercium mater nostra („Cîteaux/Zisterz, unsere Mutter“)

Zisterzienser und Zisterzienserinnen nennen sich die Mönche und Nonnen, die in der Tradition der Gründer des Klosters Cîteaux ein Leben des Gebets, der Lesung und der Arbeit führen wollen. Der Zisterzienserorden entstand durch Reformen aus der Tradition des Ordens der Benediktiner. Zu den verschiedenen Zweigen der Zisterzienser zählen neben dem Zisterzienserorden (, Ordenskürzel OCist, früher SOCist), einem monastischen Orden in der römisch-katholischen Kirche, auch die Zisterzienser der strengeren Observanz, genannt Trappisten (Ordenskürzel OCSO, früher OCR) und die männlichen und weiblichen Laiengemeinschaften der Zisterzienseroblaten, die einem der genannten Orden unterstellt sind, sowie die Kongregationen der Bernhardinerinnen. Außerhalb der katholischen Kirche gibt es die Gemeinschaft der Evangelischen Zisterzienser-Erben und den Orden von Port Royal.

Geschichte Mutterkloster und Namensgeber der Zisterzienser ist das 1098 von dem Benediktiner Robert von Molesme († 1111) und zwanzig weiteren Mönchen der Abtei Molesme gegründete Kloster Cîteaux (lateinisch Cistercium, deutsch Zisterze). Abweichend werden Zisterzienser aber auch nach dem hl. Bernhard von Clairvaux Bernhardiner bzw. Bernhardinerinnen genannt. In Frankreich ist die Bezeichnung Bernardins geläufiger.

Gründung des Ordens mini|Der hl. Bernhard von Clairvaux im Antiphonar der Äbtissin von Sainte Marie de Beaupré, 1290

Ein wesentlicher Anlass zur Ordensgründung war in der vom Kloster Cîteaux etwa 100 Kilometer entfernten Abtei Cluny zu suchen. Diese große und angesehene Benediktinerabtei in Burgund hatte im 11. Jahrhundert durch Spenden, Stiftungen und Erbschaften ein großes Vermögen und weite Ländereien erworben. Die ursprüngliche Einfachheit der monastischen Lebensweise und das Ideal, von der eigenen Hände Arbeit zu leben, wurden in Cluny vernachlässigt.

Vor diesem Hintergrund bemühte man sich im 11. Jahrhundert an verschiedenen Orten, die Ideale der Benediktsregel wieder zur Geltung zu bringen. In diesem Kontext steht auch die Gründung der Abtei in Molesme im Jahre 1075 durch Robert von Molesme. Allerdings war ihm schon nach kurzer Zeit das Leben seiner Klostergemeinschaft nicht streng genug, so dass er 1098 mit anderen reformbereiten Mönchen aus Molesme auszog und in einer abseits gelegenen Gegend in Cîteaux ein neues Kloster gründete. Die neue Gemeinschaft hatte das Ziel, die Ordensregel des Benedikt von Nursia (Regula Benedicti) in wörtlicher Auslegung zu leben. Einnahmen aus Verpachtung und Zinsen sowie die Erhebung des Zehnten lehnte sie ab. Abgeschiedenheit von der Welt und Einfachheit der Lebensweise gehörten zu ihren Grundidealen.

Robert von Molesme wurde bereits 1099 auf Betreiben seiner früheren Mitbrüder von Papst Urban II. nach Molesme zurückberufen. An seine Stelle als Abt von Cîteaux trat Alberich von Cîteaux, der das Kloster zehn Jahre lang leitete. 1109 löste ihn Stephan Harding ab, der der neuen Gemeinschaft mit seiner Carta Caritatis eine Verfassung gab; am 23. Dezember 1119 wurde diese durch Papst Calixt II. in der Bulle Ad hoc in apostolicae sedis bestätigt.Ausschnitt aus Florent Cygler: Das Generalkapitel im hohen Mittelalter: Cisterzienser, Prämonstratenser. Manche vertreten Stephan Harding als Gründergestalt des Zisterzienserordens; die Bewegung gilt als der erste zentralistisch gegliederte Ordensverband der Kirchengeschichte.

Die eigentliche Blütezeit von Cîteaux begann mit dem Eintritt Bernhards, Sohn des Ritters Tescelin le Roux aus Fontaine-lès-Dijon. Er trat im Jahr 1112 mit 30 Gefährten dem Konvent bei. Von diesem Zeitpunkt an wuchs die Gemeinschaft rasch, sodass man bald vier Tochterklöster, die sogenannten Primarabteien, gründen konnte: 1113 La Ferté, 1114 Pontigny und 1115 Clairvaux, dessen Abt Bernhard wurde, sowie schließlich im gleichen Jahr Morimond. 1120 wurde mit der Abtei Tart das erste Zisterzienserinnenkloster gegründet.

mini|Cîteaux und seine vier ersten Tochterklöster

Ausbreitung und Blütezeit Insbesondere aufgrund des Wirkens von Abt Bernhard von Clairvaux begann der Orden sich sehr rasch in ganz Europa auszubreiten. Durch Predigt, persönliches Beispiel und theoretische Vorgaben zum Klosterbau wurde er zum eigentlichen Ordensvater, so dass die Zisterzienser manchmal als Bernhardiner bezeichnet werden. Ein weiblicher Zweig nennt sich heute Bernhardinerinnen.

Der Orden breitete sich auf zwei verschiedene Arten aus: Einerseits wurden neue Konvente an Stellen gegründet, an denen es zuvor keine Klöster gegeben hatte, andererseits schlossen sich zahlreich bereits bestehende Abteien dem Orden an. Am Ende der dynamischen Expansionsperiode, also um 1300, war der Orden in allen wichtigen Ländern Europas vertreten und zählte insgesamt 742 Niederlassungen.Hansjürg Stückelberger: Europas Aufstieg und Verrat. PJI, Adelberg 2015, Seite 155

Ab dem 13. Jahrhundert erlaubte der Zisterzienserorden auch Frauenkonventen, sich dem Orden anzuschließen, wogegen er sich zuvor gesträubt hatte. In der Folge stieg die Anzahl der Klöster der Zisterzienserinnen stark an. Dies erfolgte zum einen durch Neugründung von Klöstern, aber auch zahlreiche bereits bestehende Frauenklöster wurden nach zisterzienserischen Regeln reformiert und dem Orden unterstellt. Im Generalkapitel wurde die Expansion argwöhnisch betrachtet. Es beschloss 1228, keine weiteren Frauenklöster mehr in den Orden aufzunehmen.

mini|hochkant=1.4|Frankreich im 12. Jahrhundert

Entwicklung in Frankreich Wichtige Teile des heutigen Frankreich gehörten im 12. Jahrhundert noch zum Heiligen Römischen Reich, insbesondere Lothringen und alles Gebiet östlich der Rhone (unter anderem die Abtei Hautecombe). Im Gegenteil unterstand sogar das Herzogtum Burgund (mit Cîteaux) zwar weltlich als Lehen dem König von Frankreich, aber kirchlich dem Erzbistum Lyon, dessen Sitz im Heiligen Römischen Reich lag.

Geographisches Zentrum des Ordens war Frankreich, auch wenn die Dominanz der französischen Klöster im Laufe des 12. Jahrhunderts abnahm. Um 1150 lagen noch 180 von 350 Klöstern in Frankreich, um 1300 nur noch ca. 240–250 von 700. Die dynamische Entwicklung in Frankreich wurde seinerzeit durch die Unterstützung höchster kirchlicher und politischer Kreise ermöglicht, die besonders durch das Wirken Bernhards vermittelt wurde. Die Könige von Frankreich, die Herzöge von Burgund, die Grafen der Champagne und viele andere Adelige förderten Niederlassungen des Ordens mit umfangreichen Stiftungen. Zu den bedeutenden französischen Zisterzen zählen (zusätzlich zu den fünf ersten) auch Fontenay (Burgund), Trois-Fontaines (frz. Teil des Hzm Bar), Longpont (bei Soissons), Ourscamp (bei Noyon). Im Bistum Auxerre lag das Kloster Pontigny, dessen Abteikirche in zisterziensisch schlichter Ausstattung am Beginn der Gotik entstand. mini|Bernhard von Clairvaux als Lehrer im Kapitelsaal, von Jean Fouquet, im Musée Condé, Chantilly

Entwicklung in den Niederlanden und Belgien Niederländisches und wallonisches Sprachgebiet waren im 12. Jahrhundert zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich aufgeteilt; Flandern und das Artois gehörten zum Königreich Frankreich und als Bistum Thérouanne zum Erzbistum Reims. Die Grafschaft Hennegau und große Teile des Herzogtums Brabant gehörten zum Heiligen Römischen Reich und zum Reims unterstehenden Bistum Cambrai. Der Osten Belgiens und der größte Teil der heutigen Niederlande gehörten zum Heiligen Römischen Reich. Zu den Suffraganen des Erzbistums Köln gehörten das Bistum Utrecht (mit dem der größte Teil der heutigen Niederlande), das Bistum Lüttich (östliches Belgien), das Bistum Limburg und das Bistum Münster mit den Groninger Ommelanden.

Auch auf dem Gebiet der heutigen Niederlande und Belgiens entwickelte sich der Orden rasch. In den 30er Jahren des 12. Jahrhunderts wurden mit Orval (1132), Vaucelles (1132) und Ter Duinen (1138) die ersten drei Abteien gegründet, denen während des 12. und 13. Jahrhunderts noch viele weitere folgten. Auch zahlreiche Frauengemeinschaften suchten seelsorgerliche Betreuung bei den Zisterziensern und bemühten sich um den Anschluss an den Orden. Ab 1182 zeigten sich die Mönche mit der Inkorporierung des Frauenklosters Herkenrode bereit, dieser Aufgabe nachzukommen. Die Zisterzienserinnenkonvente der Niederlande und Belgiens brachten zahlreiche geistig bedeutende Persönlichkeiten hervor, so zum Beispiel die Mystikerinnen Ida von Nivelles, Lutgard von Tongern und Beatrijs von Nazareth. Die Zisterzienser waren bald aufgrund ihrer effektiven Wirtschaftsweise ein bedeutender Faktor für die Region. Zum Teil setzten sie ihre große Kapitalkraft für den Landesausbau ein, etwa durch größere Eindeichungsmaßnahmen. Hier ist zum Beispiel die Abtei Ten Duinen zu nennen, die nicht nur größere Einpolderungsmaßnahmen durchführte, sondern deren Äbte auch mehrfach als Ratgeber der Grafen von Flandern auftraten. Kloster Aduard nordwestlich von Groningen galt einst als das reichste, größte und berühmteste Kloster in den nördlichen Niederlanden. Seine (heute verschwundene) Basilika wurde ab 1240 mit einem Umgangschor errichtet, acht Jahre vor dem Baubeginn des gotischen Kölner Doms.

Entwicklung in Deutschland mini|Kloster Lehnin, „Königshaus“, 14. Jahrhundert mini|Münster Bad Doberan

Insgesamt entstanden 91 Männerklöster auf dem Gebiet des späteren Deutschland. Das erste deutsche Zisterzienserkloster war das 1123 gegründete Kloster Kamp; im Jahre 1127 folgte Kloster Ebrach und kurz darauf Kloster Walkenried. Zwar war der Orden erst ab 1190 dazu bereit, auch Frauenklöster in den Orden zu inkorporieren, trotzdem entstanden schon im 12. Jahrhundert in Deutschland insgesamt 15 Konvente für Frauen. Im 13. Jahrhundert kam es sogar zu einer Art „Gründungsboom“: Zwischen 1200 und 1250 entstanden etwa 160 Zisterzienserinnenklöster im deutschen Sprachraum.

Die männlichen Zisterzienser erlangten im 12. und 13. Jahrhundert durch ihre Besiedlungen, besonders im Raum östlich der Elbe, hervorragende Bedeutung. Hier sind unter anderem die Zisterzen Sittichenbach, Doberan, Lehnin, Pforte, für Schlesien Kloster Leubus (in Polen), für Pommern Kloster Kolbatz, für Pommerellen Kloster Pelplin und für den böhmischen Bereich Kloster Waldsassen zu nennen. Diese Klöster wurden von den jeweiligen regionalen adeligen Herren unter anderem mit dem Ziel unterstützt, über die Missionierung der in diesen Gebieten lebenden, zum Teil noch heidnischen Slawen und über die wirtschaftliche Leistungskraft der Mönche das Land zu konsolidieren und schrittweise auszudehnen. Die Zisterzienser schufen hier landwirtschaftliche Musterbetriebe, förderten Obst- und Weinbau, Pferde- und Fischzucht, Bergbau sowie den Wollhandel und trugen auch zur Verbreitung der hochmittelalterlichen Kultur bei. Viele im Zuge des zisterziensischen Baubooms geschaffenen Gebäude wiesen Elemente des neu entstehenden gotischen Baustils auf, wie zu sehen zum Beispiel im Kloster Chorin, was dessen mittel- und osteuropäische Ausbreitung förderte. Bedeutende spätmittelalterliche monastische Bibliotheken befanden sich in den Klöstern zisterziensischer Regel, etwa in der Abtei Himmerod.

In der Mystikbewegung erlangten drei deutsche Zisterzienserinnen große Bedeutung: Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und die hl. Gertrud von Helfta, die alle dem Kloster Helfta angehörten, das man „die Krone der deutschen Frauenklöster“ nannte.

Entwicklung in Österreich Das Stift Rein wurde 1129 durch Markgraf Leopold den Starken gegründet und von Kloster Ebrach aus besiedelt. Es ist das weltweit älteste noch bestehende Zisterzienserkloster. Die Gründung des Klosters Heiligenkreuz erfolgte 1133 vom Mutterkloster Morimond in Burgund. Weitere Neugründungen waren unter anderem 1138 das Stift Zwettl, 1142 Stift Viktring, 1202 das Stift Lilienfeld, 1263 das Kloster Goldenkron und 1273 das Stift Stams.

Entwicklung in der Schweiz