mini|300px|Sondershausen
Sondershausen ist eine im Norden des Freistaates Thüringen gelegene Mittelstadt und die Kreisstadt des Kyffhäuserkreises. Sie erstreckt sich im Tal der Wipper zwischen den Höhenzügen Hainleite im Süden und Windleite im Norden.
Bedeutung Sondershausen war bis 1918 Residenzstadt des Fürstentums Schwarzburg-Sondershausen. Bis 1920 war Sondershausen die Landeshauptstadt des Freistaates Schwarzburg-Sondershausen.
Bis zur Reformation und dem Bauernkrieg war die Stadt mit dem Stift Jechaburg das geistliche Zentrum Nordthüringens. Durch den Residenzstatus entwickelte sie sich über die Jahrhunderte zur Garnisonsstadt und zum Verwaltungszentrum, zur Musikstadt und zum Kulturzentrum. Das um 1600 gegründete Loh-Orchester und zahlreiche berühmte Musiker und Komponisten wie zum Beispiel Max Bruch, Franz Liszt und Max Reger prägten die Stadt in der Vergangenheit und bis heute. Kulturelle Höhepunkte sind die jährlichen Thüringer Schlossfestspiele und diverse musikalische Aufführungen an Spielorten in der gesamten Stadt.
Sondershausen ist Bergbaustadt. Das älteste und tiefste noch befahrbare Kalibergwerk der Welt – das Bergwerk „Glückauf“ – liegt im Norden des Stadtgebietes. Es ist in Teilen touristisch erschlossen und kann von Gästen befahren werden. Zum Bergwerk gehören ein untertägiger Konzertsaal, eine Kegelbahn und ein kleiner Gondelteich in mehr als 700 Meter Tiefe.
Der im Jugendstil errichtete Gebäudekomplex des Petersenschachtes liegt unweit vom Stadtkern und stellt den zweiten Bergwerksstandort im Stadtgebiet dar. Das Fördergerüst des Petersenschachtes, das auf Wunsch des Fürsten dem Pariser Eiffelturm nachempfunden wurde, stellt ein Wahrzeichen der Stadt dar und ist von Bedeutung für die deutsche Industriearchitektur.
Sondershausen vermarktet sich als Musik- und Bergstadt.
Die geschichtsträchtigste Sehenswürdigkeit Sondershausens ist das Residenzschloss des Fürstenhauses Schwarzburg-Sondershausen, dessen Gebäudekomplex von mehr als sieben Stilepochen geprägt wurde. Das Schloss enthält ein Museum und kann besichtigt werden. Zu den Exponaten des Schlossmuseums gehören der Püstrich von Sondershausen, eine um 1540 gefundene, 57 cm großen Bronzefigur aus der Gruppe der Püsteriche und die barocke Goldene Kutsche, die einzige ihrer Art in Deutschland. Etwas abgelegen, im Waldgebiet der Hainleite, südlich der Stadt liegt das Jagdschloss Zum Possen. Das weitläufige Gelände ist bei den Bewohnern und Gästen der Stadt als Ausflugsziel beliebt und umfasst unter anderem einen Wildpark und den Possenturm, den höchsten Fachwerkturm Europas.
Lage mini|Blick zum Frauenberg und Schloss Sondershausen liegt im Wippertal, einer Flusslandschaft mit der Wipper und der Bebra, die begrenzt wird von den Höhenzügen der Hainleite im Süden und der Windleite im Norden. Die höchsten Erhebungen im Stadtgebiet bilden der Possen mit 432 m und der Frauenberg mit 411 m.
Im Süden befindet sich Erfurt, die Landeshauptstadt Thüringens, etwa 50 km von Sondershausen entfernt und im Norden die Hochschulstadt Nordhausen.
Geologie Sondershausen liegt im Bereich der Triasformation. Die Gesteinsschichten von Süden nach Norden können wie folgt benannt werden: In der Hainleite finden wir den Unteren und Mittleren Muschelkalk. Darin enthalten sind geologische Aufschlüsse und Fossilien (vorwiegend Kopffüßer (Ceratiten) und versteinerte Seelilien). Der Muschelkalk läuft nach dem Steilabbruch in Richtung Norden bis zur Windleite in den Mittleren Buntsandstein aus. Im westlichen Teil von Sondershausen bis zum Graß lagern eiszeitliche Sedimente. Die Landschaft ist durch Sandsteinboden und Lehmboden gekennzeichnet.
Vegetation Auf der Hainleite um den Possen befinden sich überwiegend Karstbuchenwälder mit Rot-, Blut- und Weißbuchen, die über 20 Orchideenarten beheimaten, wie den Frauenschuh, Fuchs’ Knabenkraut und das Weiße Waldvöglein. Eine botanische Kuriosität ist zweifelsohne die Blutbuche, die um 1680 spontan zwischen gewöhnlichen Rotbuchen als Mutation aufgetreten sein soll. Alle heutigen Blutbuchen sind damit Abkömmlinge dieses seltenen Baumes, der Mutterblutbuche im Forstort Oberspier. Weiterhin lassen sich finden: Sonnenröschen, Golddistel, Hufeisenklee, Wiesenknopf, Hügelmeier, Fliegenorchis, Bingelkraut, Leberblümchen, Akelei und die Frauenberg-Lilie. Vertreter der Halbschattenpflanzen der Region sind Berghartheu und Rivinus-Veilchen, Vertreter der Strauchflora: Liguster, Pfaffenhütchen, Hasel, Wolliger Schneeball, Geißblatt und Hornstrauch.
Klima mini|Diagramm zum Niederschlag Sondershausen gehört aufgrund seiner Lage zur Vegetationszone des sommergrünen Laubwaldes im humiden Klimagebiet.
Die Oberflächenformen der Umgebung, das heißt die Tallage Sondershausens, prägen weitestgehend das lokale Klima. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 8 Grad Celsius und die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge beträgt 540 mm. Weiterhin gibt es ein Niederschlagsgefälle von West nach Ost auf Grund unterschiedlicher Meereshöhenlagen und quer über die östliche Windleite verlaufende Landstufe, in die sich zwei Hebungsachsen des Kyffhäusergebirges vereinigen. Dies bildet eine Barriere in einer sogenannten Gewitterzugsstraße.
Stadtgliederung mini|Stadtgliederung Die Stadt Sondershausen gliedert sich in neun Stadt- und elf Ortsteile. Dabei bilden die ehemals eigenständigen Dörfer Bebra, Jechaburg, Stockhausen und Jecha, das Zentrum, das Wohngebiet Franzberg und die Neubaugebiete Borntal (entstand in den 1960er Jahren), Östertal und Hasenholz (1970er/80er Jahre) die Stadtteile. Zu Sondershausen gehören weiterhin die Ortsteile Berka, Großberndten, Großfurra, Himmelsberg, Hohenebra, Immenrode, Kleinberndten, Oberspier, Schernberg, Straußberg und Thalebra.
Geschichte mini|Sondershausen, Kupferstich aus der Topographia Germaniae von 1650 mini|Stadtansicht im 19. Jahrhundert mini|Hoftheater Sondershausen
Frühgeschichte und Mittelalter Das Umfeld von Sondershausen war nachweislich Durchgangsgebiet vieler Völkerschaften. Die ältesten Zeugnisse in Nordthüringen aus dieser Zeit entdeckte man in Bilzingsleben. Dabei handelt es sich um original erhaltene Feuer- und Werkstellen eines Rastplatzes von Jägern und Sammlern vor 350.000 bis 400.000 Jahren. Vor etwa 7000 Jahren siedelten hier Linienbandkeramiker, die mit Ackerbau und Viehzucht begannen. Mit dem Ende der Jungsteinzeit vor ca. 4000 Jahren gibt es erste Nachweise für Metallurgie in der Region. Ab dem 7./8. Jahrhundert vor Chr. entwickelte sich die Herstellung von Werkzeugen aus Eisen. Diese Zeit war durch zahlreiche kriegerische Auseinandersetzungen gekennzeichnet, die vom Raum um das Mittelmeer beeinflusst wurden, sodass Handelsbeziehungen vom Nordsee- und Ostseeraum bis zum mittleren Atlantik gestört bzw. abgebrochen wurden.
Vor der Zeit der Christianisierung wird auf dem Frauenberg bei Sondershausen eine wichtige kultische Stätte der germanischen Bewohner vermutet.
Neben den Einzelhofsiedlungen wurden verstärkt Befestigungen gebaut. In der vorrömischen Eisenzeit verdichteten sich langsam die Siedlungen. Die Festungen und Wallanlagen, wie man sie auch heute noch um Sondershausen findet, wurden ausgebaut. Funde aus der Zeit der Völkerwanderung, der Hunneneinfälle, des Thüringischen Königreichs und der Frankenzeit sind teilweise nur noch schwer nachweisbar. Sondershausen selbst entstand vermutlich im 8. Jahrhundert als fränkische Siedlung. Auf dem Frauenberg fand man reich ausgestattete fränkische Adelsgräber aus dem späten 7. Jahrhundert.
1125 wurde Sondershausen erstmals urkundlich als Siedlung unter Verwaltung von zwei Dienstmannen des Mainzer Erzbischofs namens Wydego und Remarus erwähnt. Im 13. Jahrhundert sind „Marschälle von Sondershausen“ bekannt, die ab 1213 dem Thüringer Landgrafen und ab 1287 dem Erzbistum Mainz lehnspflichtig waren.
Die Zeit um 1300 war entscheidend für die Entwicklung der Ortschaft zur Stadt. Die Grafen von Hohnstein, die seit 1263 auf der Spatenburg ansässig waren, wurden erstmals als Besitzer Sondershausens genannt und verhalfen dem Ort zwischen 1295 und 1341 zum Stadtrecht, was das älteste Stadtsiegel (1341) mit Hohnsteiner Heraldik belegt. Die Stadt umfasste damals etwa 400 Häuser, die in einem unregelmäßigen Viereck zu Füßen einer Burg (heutiges Schloss) lagen. Nach dem Tod Heinrich V. von Hohnstein 1356 ohne männlichen Erben ging die Stadt in den Besitz der gräflichen (1697 fürstlichen) Dynastie Schwarzburg, die Sondershausen als ihren Sitz ausbauten. Prägend für die kleine Stadt wurde der im Bezug auf die Größe erstaunlich hohe Kulturanspruch, der aus der Hofhaltung hervorging. Bereits im 14. Jahrhundert ist für Sondershausen eine Stadterweiterung westlich der Altstadt (Oberstadt bis zum Lohtor) und eine größere östlich der Altstadt (Neustadt bis zum Wippertor) nachgewiesen. Zumindest für die Oberstadt belegen archäologische Ausgrabungen auf dem Postplatz (1998/99), dass sich hier vor allem solche Gewerbe wie Töpfereien und Gerbereien ansiedelten, die wegen ihrer Umweltbelästigung durch Feuer, Rauch und Geruch innerhalb der Stadt nicht geduldet wurden. Die Bürger zu jener Zeit waren größtenteils Handwerker und Händler, deren Wirkungskreis nicht über den örtlichen bzw. regionalen Rahmen hinauswuchs. Seit 1391 wurde ein Schulmeister in der Stadt ausgewiesen.
Um 1300 ist erstmals eine jüdische Gemeinde in Sondershausen nachgewiesen, deren Zeugnis, die Mikwe von Sondershausen, ein Ritualbad, auch heute noch zu besichtigen ist. Nach den Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes (1349) durften sich Juden erst wieder am Ende des 17. Jahrhunderts in der Stadt niederlassen.
Bis zur Reformation im 16. Jahrhundert war Sondershausen mit dem Stift Jechaburg auch geistliches Zentrum Nordthüringens.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Graf Günther XL. Die zentrale Figur des 16. Jahrhunderts in Sondershausen war Graf Günther XL. (Schwarzburg), auch „der Reiche“ oder „der mit dem fetten Maule“ genannt. Er ließ 1534 anstelle der Sondershäuser Burg und unter teilweiser Verwendung von deren Substanz ein Renaissanceschloss errichten.
1539 bekannte der Graf sich zur Reformation in seinem Herrschaftsbereich und konvertierte, wobei er aus der Säkularisation von Kirchengütern stark zu profitieren verstand.
Im Schmalkaldischen Krieg stellte die Grafschaft beiden Parteien Hilfstruppen, sodass es zur Besetzung Sondershausens am 28. November 1546 durch Truppen des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen führte.
Zwischen 1561 und 1567 verweilte als Gast einer der bedeutendsten Besucher, die die Stadt aufweisen kann, Wilhelm von Oranien, der mit dem Grafen Günther XLI. verschwägert war.
Mit der schwarzburgischen Erbteilung von 1571 entstand unter Graf Johann Günther die sich über neun Generationen fortsetzende Linie Schwarzburg-Sondershausen, die Sondershausen zu ihrer Residenz ausbaute.
Im Dreißigjährigen Krieg waren die Stadt und ihr Umland Durchzugsgebiet kaiserlicher und schwedischer Truppen. 1639 besetzten 600 Schweden und im Folgejahr 1.500 schwedische Reiter Sondershausen. In jener Zeit hatte die Stadt auch den verheerenden Stadtbrand vom 3. Juni 1621, die „Thüringische Sintflut“ vom 29. Mai 1613 und die Pestjahre 1598, 1611 und 1626 zu verzeichnen. Die Bevölkerungszahl reduzierte sich zeitweilig um die Hälfte. Die Stadtkirche St. Trinitatis wurde auf den Fundamenten des Vorgängerbaus „St. Andreas“ errichtet und fiel schon im Jahr nach ihrer Vollendung dem Stadtbrand vom 3. Juni 1621 zum Opfer. Ihr Wiederaufbau zog sich bis 1691 etappenweise hin.