mini|Schriftzug Wolfsburg als Rabatte am Ortseingang, das W als Logo des VfL Wolfsburg gestaltet Wolfsburg ist eine kreisfreie Großstadt im Osten des Landes Niedersachsen. Die Stadt wurde 1938 als Sitz des Volkswagenwerks gegründet und ist mit Einwohnern (Stand ) die fünftgrößte Stadt in Niedersachsen. Die Volkswagen-Fabrik in Wolfsburg war mit einer Fläche von 6,5 Quadratkilometern bis zum Bau der Tesla Gigafactory 5 in den Vereinigten Staaten im Jahr 2022 die größte Fabrik der Welt.

Wolfsburg zählt zu den wenigen Stadtgründungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Bis Mai 1945 trug die Stadt den Namen Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben.Walter Krämer, Götz Trenkler, Denis Krämer: Das neue Lexikon der populären Irrtümer. 555 weitere Vorurteile, Mißverständnisse und Denkfehler von Advent bis Zyniker. Eichborn, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-8218-0587-0, S. 365; Ungekürzte Taschenbuchausgabe (= Piper. 4612). Piper, München/Zürich 2006, ISBN 3-492-24612-5. Die Stadt war als Wohnort für die Mitarbeiter des Volkswagenwerkes konzipiert, in dem der KdF-Wagen – der spätere VW Käfer – produziert werden sollte.

Im Jahre 1972 überschritt die Einwohnerzahl die Grenze von 100.000, wodurch Wolfsburg zur Großstadt wurde. Im Jahr 2010 war das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf das höchste aller deutschen Städte.ssu/dpa-AFX: Wirtschaftskraft. Kleinstädte toppen München bei Pro-Kopf-Einkommen. In: spiegel.de. Spiegel Online. 29. Juli 2013, abgerufen am 19. April 2015 („Laut einer Studie haben kleinere Ballungszentren in Deutschland eine weit größere Wirtschaftskraft als Großstädte. Der VW-Standort Wolfsburg belegt demnach Platz eins, die Millionenmetropole München nur Rang 14.“).Wirtschaftskraft der Städte. Groß ist nicht gleich stark. In: iwkoeln.de. Informationen aus dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln. 1. August 2013, abgerufen am 5. Dezember 2017.

Wolfsburg bildet mit den Städten Braunschweig und Salzgitter eine Regiopolregion sowie eines der neun Oberzentren in Niedersachsen und gehört zur Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg. Die nächstgelegenen größeren Städte sind Braunschweig rund 26 Kilometer südwestlich, Magdeburg rund 64 Kilometer südöstlich und Hannover rund 74 Kilometer westlich.

Geografie mini|Übersicht der Region Das Aller-Urstromtal mit dem Mittellandkanal verläuft in Ost-West-Richtung durch Wolfsburg. Das Stadtgebiet greift im Süden auf die Hochfläche des Ostbraunschweigischen Flachlands, im Norden auf den Vorsfelder Werder, im Westen auf das Feuchtgebiet Barnbruch und im Osten auf das Niedermoorgebiet Drömling über. Der höchste Punkt liegt mit bei Almke, der niedrigste mit im Ilkerbruch. Ehemals abgerufen am 29. Januar 2013. Die höchste Erhebung in der Kernstadt ist mit der Klieversberg.

Nachbarkreise und -gemeinden Die nachfolgenden Landkreise, Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Wolfsburg (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen):

Landkreis Gifhorn: Calberlah, Osloß, Weyhausen, Tappenbeck, Jembke, Tiddische, Rühen Landkreis Helmstedt: Danndorf, Velpke, Groß Twülpstedt, Königslutter am Elm, Lehre

Stadtgliederung mini|Gliederung der Stadt und Flächennutzung mini|Gliederung der Stadt Wolfsburg

Die Stadt Wolfsburg ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in 16 Ortschaften nach § 90 NKomVG, die sich wiederum in 41 Stadtteile gliedern. Jede der 16 Ortschaften wird durch einen Ortsrat vertreten. Jeder Ortsrat hat einen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden. Die Ortsräte werden von den Bürgern direkt gewählt und sind in ihrem Gebiet zu allen wichtigen Angelegenheiten anzuhören.

Die 16 Ortschaften und die zugehörigen Stadtteile:§ 13 der Hauptsatzung der Stadt Wolfsburg vom 7. Dezember 2022, zuletzt geändert durch Ratsbeschluss vom 18. Dezember 2024 (PDF; 575 kB). In: wolfsburg.de, abgerufen am 4. Juli 2026.Kurzübersicht Bevölkerung: Einwohner*innen der Stadt Wolfsburg am 31.12.2023 (am Ort der Hauptwohnung). Stadt Wolfsburg – Referat Daten, Strategien, Stadtentwicklung – Abteilung Statistik und Stadtforschung (PDF; 24 kB).

Lage Beispielbild Ortschaft Stadtteile Einwohner (31.12.2023,Hauptwohnsitz) Ortsrat (stimmberechtigte Mitglieder) 60px 110px Almke-Neindorf AlmkeNeindorf 2087 7 60px 110px Barnstorf-Nordsteimke BarnstorfNordsteimke 3503 9 60px 110px Brackstedt-Velstove-Warmenau BrackstedtVelstoveWarmenau 3817 9 60px 110px Detmerode Detmerode 7902 13 60px 110px Ehmen-Mörse EhmenMörse 9398 13 60px 110px Fallersleben-Sülfeld FallerslebenSülfeld 14375 17 60px 110px Hattorf-Heiligendorf HattorfHeiligendorf 4510 9 60px 110px Hehlingen Hehlingen 1772 7 60px 110px Kästorf-Sandkamp KästorfSandkamp 1949 9 60px 110px Mitte-West EichelkampHagebergHohensteinKlieversbergLaagbergRabenbergWohltberg 18425 17 60px 110px Neuhaus-Reislingen NeuhausReislingen 7581 11 60px 110px Nordstadt Alt-WolfsburgKreuzheideTeichbreiteTiergartenbreite 9678 15 60px 110px Stadtmitte HellwinkelHeßlingenKöhlerbergRothenfeldeSchillerteichStadtmitteSteimker BergSteimker Gärten 17667 17 60px 110px Vorsfelde Vorsfelde 12389 17 60px 110px Wendschott Wendschott 4037 7 60px 110px Westhagen Westhagen 9141 15

Sonderbezirk Einen Sonderfall stellt das Gebiet mit Volkswagenwerk und Allerpark in der Stadtgliederung dar. Obwohl es sich fast mittig im Wolfsburger Stadtgebiet befindet, ist es keiner Ortschaft zugeordnet, sondern wird als „Sonderbezirk“ geführt. Ziel der Stadt Wolfsburg ist es, langfristig den Allerpark politisch zuzuordnen. Jedoch erhebt die Ortschaft Nordstadt ebenso wie die Stadtmitte Ansprüche auf den Allerpark. Der Ostteil des Allersees, der sich im Allerpark befindet, gehört politisch zur Ortschaft Neuhaus-Reislingen. Das liegt an den alten Gemarkungsgrenzen, die durch die Gebietsreform 1972 nicht geändert wurden.

Geschichte Vorgeschichte der Stadt Wolfsburg mini|hochkant|Landes- und Provinzzugehörigkeit des heutigen Stadtgebietes bis 1932: Freistaat Braunschweig (braun), Provinz Hannover (Freistaat Preußen, dunkelblau), Provinz Sachsen (Freistaat Preußen, hellblau) Im Jahre 1302 wurde die Wolfsburg als Sitz des Adelsgeschlechts derer von Bartensleben erstmals urkundlich erwähnt. Anfangs war dies ein Wohnturm an der Aller, der erst in späteren Jahrhunderten seinen wehrhaften Charakter als Wasserburg erhielt. Eine Vorgängeranlage war vermutlich die um 1200 entstandene Turmhügelburg Rothehof der Rothehöfer Linie des Geschlechts. 1372 folgte die erste urkundliche Erwähnung der Burg Neuhaus. Nach dem Erlöschen des Geschlechts derer von Bartensleben 1742 ging ihr Besitz einschließlich der Wolfsburg durch Erbgang an die Grafen von der Schulenburg über. Das gräfliche Gut war ein bedeutender Arbeitgeber für die der Burg nahe liegenden Siedlungen Rothenfelde und Heßlingen sowie den schulenburgischen Gutsweiler Rothehof.

Einige der heutigen Ortsteile, darunter Heßlingen mit dem bis 1928 als Gutsbezirk selbstständigen Wolfsburg, gehörten im 18. Jahrhundert zum Holzkreis des Herzogtums Magdeburg und bildeten so preußische Exklaven zwischen zwei welfischen Territorien. 1932 wurden sie aus dem Landkreis Gardelegen, der seit 1816 zur preußischen Provinz Sachsen gehörte, in den Landkreis Gifhorn der (seit 1866 ebenfalls preußischen) Provinz Hannover umgegliedert. Andere Ortsteile, wie Vorsfelde und die vom Landkreis Helmstedt zu Wolfsburg gekommenen Dörfer, gehörten über Jahrhunderte zum Gebiet des Herzogtums Braunschweig, hingegen Fallersleben und die schon vor 1932 zum Landkreis Gifhorn gehörenden Dörfer zum Kurfürstentum bzw. Königreich und zuletzt Provinz Hannover.

Über das heutige Stadtgebiet verlief im 18. und 19. Jahrhundert die Postroute Braunschweig–Calvörde.

Stadt- und Werksgründung sowie Zweiter Weltkrieg mini|hochkant|Grundsteinlegung des Volkswagenwerks durch Adolf Hitler, 1938 Am 8. März 1934 forderte Adolf Hitler bei der Eröffnung der 24. Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung (IAMA) in Berlin den Bau eines Wagens für breite Schichten der Bevölkerung.Jürgen Lewandowski: VW. Typen und Geschichte. Steiger-Verlag, Augsburg 1998, ISBN 3-89652-126-8, S. 8. Als Standort für die Fabrik zum Bau dieses Automobils und der für die Belegschaft erforderlichen Stadt – das heutige Wolfsburg – wurde Ende 1937/Anfang 1938 von der Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH (GeZuVor) ein Gebiet nahe Schloss Wolfsburg ausgewählt, dessen Grund und Boden überwiegend Günther Graf von der Schulenburg gehörte. Um einer befürchteten Enteignung zuvorzukommen, verkaufte Graf von der Schulenburg mit Kaufvertrag vom 12. Juli 1938 das Gut Wolfsburg an die GeZuVor, ferner das Forstrevier Rothehof sowie Grundbesitz in Heßlingen und Sandkamp, Schloss Wolfsburg blieb vom Verkauf ausgenommen. 1937 erwarb er mit den Mitteln aus der Veräußerung ein Gut in Golzow (Oderbruch) (575 ha), auch in Remplin wurde ein Gut (2038 ha) erworben.Stadtmuseum Schloss Wolfsburg (Hrsg.): Die Geschichte der Region, des Schlosses und der Stadt Wolfsburg. Wolfsburg 2000, ISBN 3-922618-24-3, S. 38

Da mit dem Verlust des rund 2000 Hektar umfassenden Grund und Bodens und des Gutes die wirtschaftliche Grundlage zum Unterhalt des Schlosses verloren gegangen war, ließ er ab 1938 ein neues Schloss auf einem ihm gehörenden Waldgrundstück in der damaligen Gemeinde Tangeln in der Altmark, rund 35 Kilometer von Schloss Wolfsburg entfernt, erbauen. Von 1939 bis 1940 diente er als Rittmeister der Reserve einer Militärischen Aufklärungsabteilung am Westwall als Kommandeur. Anschließend konnte er sich wieder der Leitung seiner Güter und dem Bau von Schloss Neumühle widmen, das während seiner Abwesenheit seine Frau in Zusammenarbeit mit dem Architekten Paul Bonatz betreut hatte. Mitte November 1942 verließ Günther Graf von der Schulenburg mit seiner Familie Schloss Wolfsburg und bezog sein neu errichtetes Schloss Neumühle. Am 19. März 1943 verkaufte er Schloss Wolfsburg an die für die Produktion des Volkswagens gegründete Stadt des KdF-Wagens, das heutige Wolfsburg. Am 26. Mai 1938 legte Adolf Hitler den Grundstein für das Volkswagenwerk auf der Nordseite des Mittellandkanals, in dem ursprünglich der KdF-Wagen produziert werden sollte (später als VW Käfer gebaut).

Um die nötigen Arbeiter unterzubringen, sollte in unmittelbarer Nähe eine neue Stadt entstehen. Daher wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1938 durch Verordnung des Oberpräsidenten der Provinz Hannover die „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ im Landkreis Gifhorn gebildet. Sie bestand aus den vormaligen Gemeinden Rothehof-Rothenfelde und Heßlingen (einschließlich des Wohnplatzes Wolfsburg) sowie einzelnen Grundstücken der Gemeinden Mörse (Gemarkungen Mörse, Hattorf und Barnstorf), Sandkamp, Fallersleben und Hattorf, alle zum Landkreis Gifhorn gehörig. Das Zentrum der neuen Stadt sollte in der Gemarkung Heßlingen entstehen. Der Bau von Kirchen wurde ab 1939 bewusst ausgeschlossen, da Wolfsburg eine Stadt ohne Kirchen werden sollte.Katholische Kirche – Dekanat Wolfsburg Gifhorn Helmstedt: In: dekanat-wob-he.de. Abgerufen am 30. Juni 2013. Bereits zu dieser Zeit wurde der Einsatz von ausländischen Facharbeitern in Erwägung gezogen. Die in Bahnhofsnähe errichtete Tullio-Cianetti-Halle erinnert mit ihrem Namen an ein 1937 ratifiziertes Abkommen mit der italienischen Mussolini-Regierung. Der an der Bahnstrecke Berlin–Lehrte liegende Bahnhof trug weiterhin den Namen Rothenfelde-Wolfsburg.Strecke 208 und Strecke 209d im Kursbuch 1944. In: pkjs.de, abgerufen am 11. September 2024.

Während des Zweiten Weltkriegs diente das neu gebaute Autowerk vor allem der Rüstungsindustrie, auch unter Einsatz tausender Zwangsarbeiter. In den für die Produktion der KdF-Wagen gebauten Hallen wurden Kübelwagen, Ersatzteile für Panzer und andere Rüstungsgüter wie die „Vergeltungswaffe 1“ produziert. KZ-Häftlinge wurden unter anderem im KZ Arbeitsdorf und im KZ-Außenlager Laagberg zwangsinterniert und unter menschenunwürdigen Bedingungen zum einen in der Rüstungsproduktion, aber hauptsächlich zu Bauarbeiten herangezogen.