Celle [] ist eine große selbständige Stadt mit Einwohnern () und Kreisstadt des Landkreises Celle in Niedersachsen. Die Mittelstadt gilt als südliches Tor zur Lüneburger Heide und ist ein Ort mit einer pittoresken Altstadt mit über 400 Fachwerkhäusern und einem Schloss im Stil der Renaissance und des Barocks.

Geografie Celle liegt im Urstromtal der Aller, einem Nebenfluss der Weser. Zur niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover im Südwesten sind es rund 40 km, Braunschweig liegt 55 km südöstlich und nach Hamburg im Norden sind es 120 km. Celle ist nach Lüneburg die zweitgrößte Stadt zwischen Hannover und Hamburg.Das mit exakten Zahlen zu belegen ist schwierig, weil die statistischen Methoden unterschiedlich sind. Celle hat lt. Landesbetrieb für Statistik knapp 70.000 Einwohner. In Lüneburg sind es lt. Landesbetrieb für Statistik mehr als 74.000.

Die Fläche des Stadtgebiets beträgt  Quadratkilometer. Innerhalb des Stadtgebiets münden im Osten der Fluss Lachte und im Westen der Fluss Fuhse in die Aller.

* Entfernungen sind gerundete Straßenkilometer bis zum Ortszentrum.

Stadtgliederung Die Stadt Celle ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in folgende Stadtteile (Zahlen vom 31. Dezember 2021) auf, die Ortschaften nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz bilden:

Stadtteil Einwohner Flächein km² Einwohnerpro km² Altencelle 4.740 24,280 195 Altenhagen 855 7,102 120 Blumlage/Altstadt 8.145 4,011 2.031 Bostel 609 5,359 114 Boye 808 8,449 96 Garßen 2.728 32,891 83 Groß Hehlen 2.949 14,950 197 Hehlentor 7.807 3,530 2.212 Hustedt 529 14,198 37 Klein Hehlen 6.331 4,997 1.267 Lachtehausen 644 7,461 86 Neuenhäusen 7.829 2,970 2.636 Neustadt/Heese 10.756 10,216 1.053 Scheuen 1.022 13,093 78 Vorwerk 3.114 3,894 800 Westercelle 6.793 7,967 853 Wietzenbruch 4.797 10,671 450 Gesamt 70.456 176,045 400

Nachbargemeinden Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Celle. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Landkreis Celle: Stadt Bergen, Eschede, Beedenbostel und Lachendorf (beide Samtgemeinde Lachendorf), Wienhausen (Samtgemeinde Flotwedel), Nienhagen und Adelheidsdorf (beide Samtgemeinde Wathlingen), Hambühren und Winsen (Aller).

Klima Der Jahresniederschlag beträgt 692 mm. Er liegt im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 39 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im August, und zwar 1,5-mal mehr als im Februar. Sie sind fast gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 1 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,9 °C. Die wärmsten Monate sind Juli mit durchschnittlich 17,5 °C und August mit 17,1 °C und die kältesten Januar mit 0,6 °C und Februar mit 1,1 °C.

Geschichte mini|Fragment der Stadtwall-Stützmauer von 1530 (am ehemaligen Schützenmuseum, Rückseite Altencellertorstraße)Eckart Rüsch: Das unbekannte Celle. Hinter den Fassaden der Fachwerkstadt (= Holznagelschriften. IGB-Beiträge zu Hauslandschaften. Band 2). Interessengemeinschaft Bauernhaus e. V., Lilienthal 2011, ISBN 978-3-9810618-7-1, S. 66 (, abgerufen am 2. Juli 2022). mini|Stadtplan von Celle (1754); zu sehen ist u. a. die Stadtbefestigung, das Schloss „I“, die Altstadt „II“, darunter der Französische Garten, an den Triftanlagen „III“ das Zuchthaus „18“, und oben links Klein Hehlen „XV“ mini|Altes Rathaus in Weserrenaissance (1579) mini|Hugenottenstraße mini|Historisches Oberlandesgerichtsgebäude mini|Neues Rathaus

Mittelalter Celle wird als Kellu („Siedlung am Fluss“)Adolf Bach: Deutsche Namenkunde. Band II: Die deutschen Ortsnamen. Teilband 1: Einleitung. Zur Laut- und Formenlehre, zur Satzfügung, Wortbildung und -bedeutung der deutschen Ortsnamen. Winter, Heidelberg 1953, , S. 36.Heinrich Wesche: Unsere niedersächsischen Ortsnamen. Niedersächsische Landeszentrale für Heimatdienst, o. O. [Hannover] 1957, , S. 38. 993 erstmals urkundlich in der Grenzbeschreibung des Bistums Hildesheim erwähnt. Der Ort lag im Bereich des heutigen Stadtteils Altencelle an der Brunonenburg und der Aller. Er erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung als Zoll- und Umschlagplatz für die Handelsschiffe auf dem Fluss. Im 11. Jahrhundert verfügte der Ort über das Münzrecht. Eine Münze ist im Münzfund von Sandur auf den Färöern enthalten. 1249 wird „Kellu“ oder „Tsellis“ erstmals als Stadt genannt. 1292 forderte Herzog Otto der Strenge die Bewohner auf, in das etwa 3 km nordwestlich gelegene neue Celle zu ziehen. Es hatte sich als Handelsort an einer Furt durch die Aller gebildet. Dort befand sich bereits im 12. Jahrhundert ein befestigter Turm, der später zum Schloss Celle ausgebaut wurde.Sabine Maehnert: In: celle.de, August 2010.

1301 wurde das Stadtrecht gewährt.Heinrich Gottfried Gengler: Codex juris municipalis Germaniae medii aevi = Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Band 1. Ferdinand Enke, Erlangen 1863, , S. 479–482 (); siehe auch S. 982–983 (); B. R. Grüner, Amsterdam 1968, . Zur gleichen Zeit begann der Bau der Stadtkirche.

Im Jahre 1378 wurde Celle mit Herzog Albrecht Residenz der Herzöge von Sachsen-Wittenberg. In dieser Zeit wird die Entstehung der Stadtbefestigung von Celle mit einer Stadtmauer angenommen. Ab 1433 residierten die Fürsten von Lüneburg im Celler Schloss. 1453 gründete Herzog Friedrich der Fromme vor den Toren der Stadt ein Franziskaner-Kloster. Am 3. Oktober 1453 genehmigte Papst Nikolaus V. die Verlegung des Konvents in die Stadt.Sabine Machnert: Celle – Franziskaner. In: Josef Dolle unter Mitarbeit von Dennis Knochenhauer (Hrsg.): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810 (= Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen. Band 56). Teil 1. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-89534-957-7, S. 301 f. Im Jahr 1464 ermöglichte das Kornschifffahrtsmonopol einen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt.

16. bis 18. Jahrhundert 1524 wurde die Reformation durch Herzog Ernst I. (den Bekenner) von Braunschweig-Lüneburg in Celle eingeführt. Celle war damit die erste Stadt nach Wittenberg, die sich vollständig der Reformation anschloss.Zu Celles Fürstenreformation siehe Reformationsstadt Celle. Deutschland. Schritte der Prinzen in eine neue Zeit. In: reformation-cities.org/cities, abgerufen am 11. Oktober 2020.

Im Jahre 1570 erbaute sein Sohn Herzog Wilhelm die Schlosskapelle, die 1585 eingeweiht wurde.

1660 errichtete Herzog Christian Ludwig von Celle in Altenhagen einen Reiherpfahl mit Inschrift, der an die Reiherbeize mit Edelfalken erinnert. Im Jahre 1660 zählte man in Celle 3750 Einwohner.Jürgen Ricklefs et al.: Geschichte der Stadt Celle. Köln 1959, S. 103. Von 1665 bis 1705 erlebte Celle eine kulturelle Blüte als Residenz unter Herzog Georg Wilhelm mit einem Aus- und Umbau des noch mittelalterlich geprägten Schlosses zum vierflügeligen Barockschloss. Kulturell einflussreich war Georg Wilhelms französische Gattin, Eleonore d’Olbreuse, die hugenottische Glaubensgenossen und italienische Baumeister nach Celle holte und auch am Vertrag von Celle mitwirkte. In dieser Zeit wurden der Französische und der Italienische Garten angelegt und das barocke Schlosstheater errichtet. Die Hugenotten erhielten im Jahr 1700 eine eigene Kirche, heute eine der wenigen erhaltenen Hugenottenkirchen in Nordwestdeutschland. Etwa 300 Hugenotten ließen sich in Celle nieder, und nicht wenige arbeiteten im Schloss als Köche oder Diener, und einige eröffneten in der Stadt Handwerksbetriebe als Schneider, Tischler, Handschuh- oder Perückenmacher.Jürgen Ricklefs et al.: Geschichte der Stadt Celle. Köln 1959, S. 58. Sie machten französische Mode in Celle bekannt und sorgten für einen nicht geringen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt. Da innerhalb der Stadtmauern kein Platz für so viele Neubürger war, plante man ab 1680 eine Stadterweiterung, die sich westlich der Altstadt auf rund 75 Hektar Fläche über etwa 1,5 Kilometer Länge erstrecken sollte. Es kam in den Folgejahrzehnten allerdings nur ansatzweise zur Ausführung dieser „Westceller Vorstadt“ im heutigen Ortsteil Neuenhäusen im Bereich der heutigen Straßenzüge Trift/Bahnhofstraße, mit den rechtwinkligen Querstraßen Breite Straße, Hugenottenstraße, Emigrantenstraße und Jägerstraße.Andreas Flick, Sabine Maehnert, Eckart Rüsch, Norbert Steinau: Die Westceller Vorstadt. Celles barocke Stadterweiterung. Geschichte und Bauten. Hrsg. von der Stadt Celle. Celle 2010, S. 12 ff. Typische Barockbauten dieser Zeit in der Westceller Vorstadt sind die Hofbeamtenhäuser an der Trift und Bahnhofstraße; architekturgeschichtlich herausragend ist die schlossartige Anlage des Zuchthauses nach Plänen des Oberhofbaumeisters Johann Caspar Borchmann (Trift 14, erbaut ab 1711Andreas Flick, Sabine Maehnert, Eckart Rüsch, Norbert Steinau: Die Westceller Vorstadt. Celles barocke Stadterweiterung. Geschichte und Bauten. Hrsg. von der Stadt Celle. Celle 2010, S. 138 ff., heute JVA Celle).

Im Jahre 1705 starb der letzte Celler Herzog Georg Wilhelm und vererbte das Fürstentum Lüneburg an seinen Neffen Georg Ludwig (den späteren englischen König Georg I.) in Hannover. Celle gehörte nun zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Als Ersatz für den Verlust des Status als Residenzstadt erhielt Celle in den folgenden Jahrzehnten drei Verwaltungseinrichtungen: das Oberappellationsgericht, das Zuchthaus und das Landgestüt. Damit begann die Entwicklung zur Beamten- und Juristenstadt. Noch heute sind u. a. das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen und das für den größten Teil Niedersachsens zuständige Oberlandesgericht in Celle ansässig. Zugleich findet sich in Celle eine Justizvollzugsanstalt (kurz JVA Celle), deren Außenstelle Salinenmoor 11 km nördlich der Innenstadt 2014 geschlossen wurde.

1786 gründete Albrecht Thaer die erste deutsche Landwirtschaftliche Versuchsanstalt in den Dammaschwiesen (heute Thaers Garten). Die Albrecht-Thaer-Schule ist heute Teil eines Berufsbildungszentrums im Celler Stadtteil Altenhagen.

19. bis 20. Jahrhundert Im Jahre 1842 wurde die Cambridge-Dragoner-Kaserne für das gleichnamige, nach Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge, benannte 1. Hannoversche Dragoner-Regiment Nr. 9 errichtet. Nach Erweiterung 1913 und Wiederaufbau nach partiellem Brandschaden 1936 wurde die Kaserne 1945, vom britischen Militär genutzt, in Goodwood Baracks umbenannt und war von 1976 bis 1996 Sitz der Panzerbrigade 33 der Bundeswehr; die abermalige Umbenennung in Cambridge-Dragoner-Kaserne erfolgte 1980. Seit 1996 ist das Gelände insbesondere Sitz eines der größten Jugendzentren Niedersachsens (CD-Kaserne).

Von 1869 bis 1872 erfolgte der Bau der Großen Infanteriekaserne für das Infanterieregiment Nr. 77. 1938 ist die Kaserne in Heidekaserne umbenannt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Kaserne durch britische Truppen genutzt, welche 1993 das Gelände verließen. Seit 1999 befindet sich in dem umgenutzten monumentalen Backsteingebäude das Neue Rathaus mit der Celler Stadtverwaltung. Auf den umliegenden Freiflächen und dem Exerzierplatz wurden Wohngebäude errichtet und der Stadtpark angelegt.