Die Aller (Al) ist ein 260 km langer, südöstlicher und rechter Nebenfluss der Weser in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen (Deutschland).
An der Mündung der Aller in die Weser bei Verden ist sie mit einer mittleren Wasserführung von 120 m³/s nicht nur deren größter Nebenfluss, sondern zugleich der größte nicht ins Meer mündende Fluss Norddeutschlands. Ihr unterer Teil, die 115,8 km lange (Fließstrecke) Unteraller, ist als Bundeswasserstraße ausgewiesen. Während der Allerregulierung in den 1960er Jahren wurde der Fluss weitgehend ausgebaut und an einigen Stellen begradigt sowie größtenteils zum Hochwasserschutz eingedeicht.
Namensdeutung Für die Erklärung des 781 als Alera, 803 als Elera, 1096 als Alara überlieferten Flussnamens gibt es drei Möglichkeiten:
Deutung als Verkürzung von *Eleraha, wobei *Eler auf Urgermanisch *olisa oder Altslawisch olsa (poln.: olsza) für Erle zurückzuführen wäre und aha (sprich: „Acha“) einem in Flussnamen häufigen alten Wort für Wasser entspricht (vgl. lateinisch aqua). Der Baumname ist vom Niederdeutschen als Eller übernommen worden, was dem Wort Aller sehr nahekommt. Aller würde also so viel wie „Erlenwasser“ bedeuten, was sich daraus herleiten könnte, dass der Flusslauf großteils mit Erlen bewachsen war, einer Baumart, die bevorzugt auf nassen Standorten wächst. In Hans Krahes System der alteuropäischen Hydronymie stellt der alte Name der Aller als Alara ein Beispiel für eine Reihe von Flussnamen mit der Wurzel al- dar, die über einen großen Teil Europas verbreitet sind und Krahe zufolge alle auf eine indoeuropäische Wurzel *el-/*ol- mit der Bedeutung fließen zurückgehen. Urverwandt wären beispielsweise Alle, Alster, Iller, Elz oder Ilmenau. Krahes Hypothese wird allerdings in der Sprachwissenschaft kontrovers diskutiert. Modifiziert übernahm Theo Vennemann Krahes Modell in der Theorie der vaskonischen Sprache. Gemäß dem Namensforscher Albrecht Greule liegt hier ein germ. *al- mit r-Ablautung vor, womit Flussnamen gebildet wurden, die sich auf ein anschwellendes Gewässer beziehen.
Verlauf Oberaller mini|hochkant=1.5|Abschnitt der oberen Aller in Gifhorn mit Allerkanal, einer der verbliebenen Flussbereiche mit engen Mäandern Die Aller entspringt in Sachsen-Anhalt im westlichen Randbereich der Magdeburger Börde zum Börde-Hügelland aus mehreren Quellbächen, die sich an der Nordostseite des Hohen Holzes westlich der Druxberger Hügelkette bei Eggenstedt und Gehringsdorf sammeln.
Sie fließt zunächst im Oberallergraben als kanalartig ausgebauter Bach durch hügeliges, intensiv bewirtschaftetes Ackerland in nordwestlicher Richtung. Der Fluss passiert die Orte Eilsleben und Wefensleben und nimmt dann bei Belsdorf den Ablauf des Seelschen Bruches auf. Bei Alleringersleben hat das Fließgewässer die A2 unterquert und tritt zwischen den Flechtinger Höhenzug im Osten und den Lappwald mit seinen Ausläufern im Westen. Nach etwa 60 Flusskilometern erreicht sie bei Oebisfelde den Südrand des Drömlings und damit das Urstromtal, dem sie bis zur Mündung folgt. Jenseits der Landesgrenze zu Niedersachsen knickt die Aller daher bei Grafhorst nach Westen ab. Hier liegt das Geländeniveau bei . Bis zur etwa 150 km entfernten Mündung verliert die Aller nur 40 m an Höhe, so dass sie ab hier deutlich langsamer durch eine nunmehr breite, als Grünland genutzte Aue fließt. Sie hat ab Wolfsburg eine generell westnordwestliche Richtung.
In Wolfsburg unterquert die Aller in Wendschott den Mittellandkanal in einem Düker, durchquert den Allerpark und passiert den Allersee.
mini|hochkant=1.5|Flussschleife der Oberaller in Sassenburg-Dannenbüttel mini|hochkant=1.5|Hochwasser der Alten Aller in Verden Südlich von Weyhausen zweigt von der Aller der 1860 bis 1863 erbaute und etwa 15 km lange Allerkanal ab. Er sollte die damals gefürchteten und langandauernden Hochwasser schneller ableiten. Der Kanal verläuft bis zur Rückleitung westlich von Gifhorn einige Kilometer südlich der Aller durch den Barnbruch und an Gifhorn vorbei, während die Aller durch die Stadt fließt. In diesem knapp 30 km langen Abschnitt parallel zum Allerkanal kann der Fluss noch in seinem natürlichen Flussbett mäandrieren. Östlich von Gifhorn bei Osloß wird die Aller vom Elbe-Seitenkanal in einer Trogbrücke überquert. Westlich der Stadt mündet bei Müden als erster großer Nebenfluss die etwas wasserreichere Oker ein.
Mittelaller Zwischen der Okermündung und Celle wird die Aller in einem etwa 30 km langen Abschnitt als Mittelaller bezeichnet. Wenig oberhalb von Celle fließt sie an Wienhausen und seinem Kloster vorbei. In Celle ist sie zur Energiegewinnung gestaut und durchquert hier mit ihren Seitenarmen, dem Magnusgraben und dem Stadtgraben, die Parkanlage Französischer Garten, die Altstadt und das Schloss.
Unteraller Der letzte, 112,1 km lange (Schifffahrtsstrecke, verkürzt durch Schleusenkanäle) Abschnitt unterhalb von Celle ist schiffbar (Bundeswasserstraße). Größere Orte sind zunächst Winsen, oberhalb dessen von rechts die Örtze mündet, und Wietze. Bei Eickeloh führt eine Gierseilfähre über die Aller. Dort mündet von links die Leine, wie schon die Oker etwas wasserreicher als die Aller, jedoch mit kleinerem Einzugsgebiet und nicht länger als der Fließweg von der Okerquelle bis zur Leinemündung. Danach passiert der Fluss Ahlden. Von Eilte (Teil von Ahlden) bis Hülsen hat sie mehrere ausgeprägte Mäander; dass die Krümmungen hier nicht so eng sind wie oberhalb der Okermündung, ist kein Ausdruck einer Begradigung, sondern physikalische Folge der wesentlich größeren Abflussmenge. Die Mäander bilden zwei Gruppen. In der ersten Gruppe von Eilte bis Frankenfeld ist am eindrucksvollsten die Schleife, in deren Prallhang von rechts die Böhme mündet, die Schleife umschließt auf dem linken Ufer eine anderthalb Kilometer lange, aber an der engsten Stelle mit dem Dorf Bosse nur 160 m breite Landzunge. Es folgt auf dem linken Ufer die kleine Stadt Rethem. Die Allerschleifen zwischen Wohlendorf und Hülsen sind seit 2004 Naturschutzgebiet. Schließlich mündet die Aller rund 4 Kilometer nordwestlich von Verden, beim Ortsteil Eissel, in die Weser. Davor gibt es eine Alte Aller als ehemaligen linken Parallellauf gegenüber Verden, danach eine weitere Alte Aller rechts des Langwedeler Schleusenkanals zur früheren, weiter flussabwärts gelegenen Allermündung.
Aller-Urstromtal mini|hochkant=1.5|Allertal bei Wietze, im Hintergrund Erhebungen der Lüneburger Heide mini|hochkant=1.5|Verdener Dünen am nördlichen Rand des Aller-Urstromtals mini|Binnendüne bei Winsen (Aller)
Oberhalb von Wolfsburg tritt die Aller in die eiszeitliche Abflussrinne des Aller-Urstromtals als Teil des Breslau-Magdeburg-Bremer Urstromtals ein. Das durchschnittlich 20 km breite Tal entstand während der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit vor rund 200.000 Jahren. Darin flossen Schmelzwässer in die Nordsee. Die heutige Flussaue ist in das kilometerbreite Urstromtal mit seinen vielen ehemaligen verflochtenen Strömungsrinnen nur wenig eingesenkt. Innerhalb dieser Aue änderten sich früher die Mäander mit jedem Hochwasser. Heute befinden sich zahlreiche trockenliegende Altarme, Totarme und Restarme in der Flussaue (z. B. die Alte Aller). In der letzten Kaltzeit, der Weichselkaltzeit, wurde nördlich der Aue ein flussparalleler breiter Saum von Binnendünen aufgeweht.
Die Flussaue der Allerniederung zwischen Celle und Verden wird heute hauptsächlich als Grünland genutzt. Die feuchten, grundwassernahen Niederungen der Aller und der einmündenden Nebengewässer mit ihren Altarmen, Kolken, Baumgruppen und Buschreihen weisen eine artenreiche Flora und Fauna auf. Durch Aufschotterung infolge des nacheiszeitlichen Meeresanstieges und durch den stauenden Dünenwall bildeten sich abseits der Flussläufe Brüche und Moore. Im unteren Bereich wird auf Lehmböden auch Ackerbau betrieben. Im Oberlauf werden auf Sandböden vielfach Kiefernforste bewirtschaftet.
Erhaltene Mäander gibt es auf Fluss-km 181 bis 151 bei Gifhorn (Fließweg 30 km, Luftlinie mit Knick 18,45 km, ohne Knick 17,65 km, Verhältnis 1,7 : 1) und auf Fluss-km 49,5 bis 23,5 vor und hinter Rethem (Fließweg 26 km, Luftlinie 12 km, Verhältnis 2,2 : 1).
Das Weser-Aller-Flachland gehört zu einer Haupteinheitengruppe der naturräumlichen Großregionen Deutschlands (Gruppe 62 bzw. D31).
Zuflüsse
Die größten Zuflüsse Die Aller hat drei Nebenflüsse von über 100 km Länge, alle drei von links. Dies sind bei Müden (Aller) die Oker, in Celle die Fuhse und bei Schwarmstedt die Leine. Die Oker ist länger und wasserreicher als die Aller oberhalb ihrer Mündung, also hydrologisch der eigentliche Oberlauf der Aller. Die Fuhse bringt nur Wasser aus dem Harzvorland, keines aus dem Harz selber. Die Leine ist mit 280 km Länge der drittlängste Fluss im Flusssystem der Weser, hydrologisch betrachtet nach den Flussläufen Werra-Weser (751 km) und Oker-Aller-Weser (460 km), namentlich betrachtet nach der Weser selber und der Werra (299,6 km). Ihr Einzugsgebiet von 6.517 km² ist größer als das der Werra (5.497 km²).
Die anderen Nebenflüsse entwässern vor allem Teile der Lüneburger Heide.
Zuflüsse oberhalb der Oker Reihenfolge flussabwärts, Zuflüsse des Allerkanals sind danach eingereiht, wie sie vor dessen Anlage mündeten: li.: Salzbach aus Morsleben re.: Bartenslebener Hauptgraben li.: Brunnentalbach aus Bad Helmstedt li.: Riole aus dem Lappwald li.: Graslebener Mühlengraben re.: Schölecke re.: Lohne re.: Spetze li.: Lapau re.: Mittlerer Drömlingsgraben li.: Katharinenbach re.: Vorderer Drömlingsgraben li.: Steekgraben mit Hehlinger Bach re.: Wipperaller li.: Hasselbach re.: Kleine Aller li. in den Allerkanal: Kronriede re.: Beverbach re.: Springriede re.: Maschgartenbach li.: Clausmoorgraben re.: Triangeler Moorkanal re.: Platendorfer Moorgraben li. in den Allerkanal: Mühlenriede (alter Unterlauf bis zur Aller: Barnbruchsgraben) re.: Ise li. in den Allerkanal: Hehlenriede li. durch die Alte Hehlenriede in den Allerkanal: Vollbütteler Riede und Rötgesbütteler Riede li. in den Allerkanal: Viehmoorgraben li. Wittesmoorgraben
Zuflüsse zwischen Oker und Leine re. vor Wienhausen das Schwarzwasser re. zw. Lachtehausen und Celle die Lachte li. in Celle die Fuhse li. in den Fuhsekanal die Burgdorfer Aue re. bei Winsen (Aller) die Örtze li. in Wietze die Wietze
Zuflüsse unterhalb der Leine re. bei Hodenhagen die Meiße re. in Böhme die Böhme li. in Rethem die Alpe, deren Hauptmündung durch einen Umfluter in die der Wölpe verlegt wurde li. in Rethem-Wüllendorf der Schipsegraben re. vor Kirchlinteln-Hohenaverbergen die Lehrde, re. in Verden-Eitze der Gohbach li. in Verden die Wätern (ab Wahnebergen als Alte Aller) re. 2 km vor der Allermündung bei Verden-Dauelsen der Halsebach.
Schlösser, Burgen, Klöster mini|Merian-Kupferstich vom Renaissanceschloss Hodenhagen-Hudemühlen an der Aller, 1654 Bunkenburg, als Ringwallanlage des 13. Jahrhunderts an der Aller in Ahlden (Aller) Burg Bierde bei Bierde Burg Blankenburg bei Essel Burg Blankenhagen bei Grethem Burg Hodenhagen bei Hodenhagen Burg Hudemühlen im Hodenhagener Ortsteil Hudemühlen, im 14. Jahrhundert als Burg entstanden, im 16. Jahrhundert zum Renaissanceschloss umgebaut und im 19. Jahrhundert abgerissen Burg Oebisfelde, als Niederungsburg vermutlich im 10. Jahrhundert auf einer Sandbank der Aller im Sumpfgebiet des Drömlings erbaut Burg Rethem in Rethem (Aller), im 13. Jahrhundert entstanden und Ausbau zur bastionierten Anlage im 17. Jahrhundert Dom zu Verden, im 12. Jahrhundert entstanden Kloster Wienhausen, ehemals zisterziensisches Kloster aus dem 13. Jahrhundert Schloss Bartensleben, als Wasserburg entstanden Schloss Ahlden, 1549 als Wasserschloss an der Aller erbaut, in deren Flussbett ab 1618 die Leine floss Schloss Celle, entstanden im 10. Jahrhundert als Wehrturm an einer Allerfurt Schloss Gifhorn, 1581 fertiggestelltes Schloss mit Festungscharakter