Verden (Aller) () (Plattdeutsch Veern) ist die Kreisstadt des Landkreises Verden in Niedersachsen und eine selbständige Gemeinde. Die Stadt liegt in der Mittelweserregion an der Aller unmittelbar vor deren Mündung in die Weser. Sie trägt als Zentrum der Pferdezucht und des Pferdesports den Beinamen Reiterstadt. Der Zusatz „Aller“ hat sich zu einer Zeit eingebürgert, in der im deutschsprachigen Raum für die heute französische Stadt Verdun ebenfalls der Name „Verden“ gebräuchlich war. Der Stadtname stammt von „Furt“ oder „Fähre“. Die Stadt lag günstig an einer Furt durch die Aller, in der Nähe einer wichtigen Handelsstraße.

Geografie Verden liegt kurz vor der Mündung der Aller in die Weser, die die westliche Grenze des Stadtgebietes bildet. Im Nordosten der Stadt befindet sich die Achim-Verdener Geest. Die Stadt befindet sich etwa 35 km von Bremen und 70 km von Hannover entfernt. Die Verdener Altstadt liegt östlich der Aller, direkt gegenüber befindet sich der Stadtteil Hönisch. Benachbarte Gebietskörperschaften und Samtgemeinden sind Langwedel, Blender (zur Samtgemeinde Thedinghausen), Hilgermissen (zur Samtgemeinde Grafschaft Hoya, Landkreis Nienburg), Dörverden und Kirchlinteln.

Stadtteile mini|Dom mini|„Lugenstein“ (2018) Die Stadt Verden ist eine Einheitsgemeinde und besteht neben der Kernstadt aus sieben Ortschaften mit jeweils eigenem Ortsrat: Borstel Dauelsen einschließlich Halsmühlen und Eissel Döhlbergen-Hutbergen einschließlich Groß Hutbergen, Klein Hutbergen und Rieda Eitze Hönisch Scharnhorst Walle

Nachbargemeinden Verden grenzt an folgende Nachbarkommunen, die, sofern nicht anders vermerkt, ebenfalls zum Landkreis Verden gehören:

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Bis in die frühe Eisenzeit lassen sich im Weichbild der Stadt Spuren menschlicher Siedlung nachweisen. So wurde in den 1940er Jahren der älteste Jagdspeer der Menschheitsgeschichte in einer Mergelgrube im nahegelegenen Ort Lehringen entdeckt. Die ersten Spuren sesshaften Lebens im Bereich der unteren Aller liegen mit Funden von Gehöftgruppen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. vor. Seit dieser Zeit ist die Gegend rund um Verden vermutlich durchgehend besiedelt gewesen, auch wenn die Siedlungsstandorte immer wieder gewechselt haben. Im Bereich des Verdener Doms finden sich Siedlungsspuren in Form von Pfostengruben aus dem Zeitraum zwischen 660 und 210 v. Chr.

Aber nicht nur als Siedlungsraum war die Region rund um Verden schon in der Frühgeschichte von Bedeutung. Auch spielte sich hier ein gewisser Fernhandel ab. Bronzezeitliche Hortfunde, also Funde von Handelswaren, die mutmaßlich fahrende Händler in Flussnähe versteckt hatten, zeugen von einem Handelsverkehr, der den Standort des heutigen Verden passierte und von Irland über Thüringen, Süddeutschland und Frankreich bis nach Südeuropa reichte.Ausstellung im Domherrenhaus Verden (Stadtmuseum)

Im frühmittelalterlichen Sachsenreich befand sich nördlich des Domplatzes am sog. „Lugenstein“ eine wichtige Thingstätte des Sturmigau.

Mittelalter und Frühe Neuzeit mini|hochkant|Turm des Doms, Südseite Ferdi in Saxonia, unter dieser Bezeichnung wird Verden in einer Urkunde Karls des Großen zum ersten Mal in etwa heutiger Namensform erwähnt. Der Name weist auf Furt oder Fähre hin. Tatsächlich gabelte sich an dieser Stelle die Aller, wodurch der Fluss flacher wurde und eine geringere Strömung aufwies. So bildete sich eine natürliche Furt, welche es Reisenden auf den Überlandwegen ermöglichte, den Fluss zu überqueren, der ansonsten ein unüberwindbares Hindernis darstellte. Außerdem schiebt sich hier ein Ausläufer einer Geestplatte bis weit in die Aller-Weser-Niederung und endet nur wenige Meter neben dem Flusslauf. Diese Faktoren waren vermutlich ausschlaggebend für die Entstehung der ersten dauerhaften Siedlung in Verden.

782 fand im Rahmen der Unterwerfung der Sachsen im Verlauf der Sachsenkriege durch Karl den Großen hier das Blutgericht von Verden statt, bei dem angeblich 4500 aufständische Adelige hingerichtet wurden.

Um 850 wurde das Bistum Verden errichtet, das als kirchliche Diözese in der Reformation unterging. In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Stadt aus zwei Siedlungskernen zusammen: der Norderstadt mit Rathaus und Johanniskirche und der Süderstadt mit dem geistigen Zentrum um den Dom, dem die Fischersiedlung an der Aller angegliedert war. Daneben bestand noch die Nikolaikirche am Sandberg. Außerhalb des Ortes bestand in der Zeit des 10./11. Jahrhunderts auf einer Anhöhe an der Aller die Alte Burg Verden als Wallburg.

Vom 11. Jahrhundert bis 1648 bestand das Fürstbistum Verden als eigenständiges Territorium, in dem die Verdener Bischöfe und deren lutherische Rechtsnachfolger als Reichsfürsten herrschten.

Am 12. März 1259 wurde Verden durch bischöfliches Privileg das Stadtrecht nach bremischem Recht verliehen. 1476 gründete Berthold II. von Landsberg das Augustinerinnen-Kloster Mariengarten „unser leven Frouven Rosengarten“ in der Norderstadt, in dessen Räume Franz Wilhelm von Wartenberg 1630 die Jesuiten einziehen ließ, sodass die Nonnen in das Kloster Frankenberg ziehen mussten. Im 15. Jahrhundert wurde Verden freie Reichsstadt bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges. 1568 ist die Reformation im „Stifte Verden“ durch den Landesherrn und evangelischen Bischof Eberhard von Holle (geb. 1531 in Uchte) eingeführt worden.

Hexenverfolgung Von 1517 bis 1683 fanden in Verden Hexenverfolgungen statt. 80 Frauen und neun Männer gerieten in Hexenprozesse, 26 Frauen und sechs Männer wurden verbrannt. Margarethe Sievers, 15 Jahre, Tochter eines Steinhauers, vermutlich nervenkrank, angezeigt von den eigenen Eltern, wurde 1618 enthauptet. Sechs Frauen starben unter der Folter, fünf in der Haft. Im Jahr 1606 wird bei 16 Prozessen vermerkt: Flucht, Prozessausgang unbekannt.Joachim Woock: Unterrichtsmaterialien zum Thema „Hexenverfolgung im Stift Verden und in den Herzogtümern Bremen-Verden“, Verein für Regionalgeschichte Verden e. V., Verden 2009, S. 88–96. Heinrich Rimphoff, ab 1642 Superintendent über das Bistum Verden, war für die Wiederaufnahme der Hexenverfolgungen im Bistum Verden verantwortlich. Zusammen mit dem Verdener Domkapitel, dem Magistrat und der juristischen Fakultät der Universität Rinteln war er 1647 treibende Kraft in einem Hexenprozess, der für mehrere Frauen mit dem Tod endete.

Der Hexenprozess gegen Catharine Wolpmann war der Auslöser dafür, dass Königin Christina 1649 im schwedischen Königreich, zu dem Verden an der Aller damals gehörte, Hexenprozesse verbot.Geschichtswerkstatt Achim / Jürgen Siemers: Königin Christine verbot Hexenprozesse, Achimer Kreisblatt vom 10. Februar 2004ndr.de vom 27. April 2016: Niedersachsen – Hexenverfolgung wenig erforscht

Zugehörigkeit zu Schweden und Hannover, Napoleonische Zeit Durch den Westfälischen Frieden fiel das Bistum Verden als Reichslehen an die schwedische Krone. 1667 wurden die Norder- und Süderstadt durch die schwedische Krone zwangsvereint. Im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg wurde 1675 Verden in einem Feldzug durch mehrere Staaten des Heiligen Römischen Reiches und Dänemark erobert und blieb bis zum Kriegsende 1679 in alliiertem Besitz. Im Zuge des Friedens von Saint-Germain im Jahr 1679 fiel Verden wieder an Schweden. Durch Kauf kam Verden dann nach kurzer dänischer Herrschaft 1719 zum Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, welches umgangssprachlich auch als Kurhannover bekannt war. Von 1765 bis 1805 war die Stadt Garnison des 5. Kurhannoverschen Kavallerie-Regiments. Von März bis Dezember 1810 war Verden Distrikthauptstadt im Departement der Elbe- und Weser-Mündung, einem Teil des Königreichs Westphalen. Dann wurde es vom Kaiserreich Frankreich annektiert und war bis Ende 1813 ein Teil des Departement der Wesermündungen. 1814 kam Verden wieder zu Kurhannover, das sich auf dem Wiener Kongress zum Königreich Hannover erhob, und nahm als Garnison das Garde Husaren-Regiment auf.

Preußen und Deutsches Kaiserreich

Nach dem von Hannover verlorenen Deutschen Krieg gelangte Verden wie das gesamte Königreich Hannover durch Annexion als Provinz zu Preußen. Ab 1873 führte das Haus Hohenzollern und somit der Deutsche Kaiser auch den Titel Fürst zu Verden. Bis zum Ersten Weltkrieg bestimmten Handel und Handwerk sowie zahlreiche örtliche und überörtliche Behörden und Dienststellen und die Garnison (erst Kavallerie, dann Artillerie – Ulanen-Regiment Nr. 14, Feld-Artillerie-Regiment Nr. 26) die Entwicklung Verdens.

Weimarer Republik und Zeit des Nationalsozialismus Während der letzten vier Reichstagswahlen verzeichnete die NSDAP im Altkreis VerdenWahlergebnis des Altkreises nach Werner Schröter / Joachim Woock: »Stolpersteine« Biografien aus Verden : Gedenksteine für die Opfer des Nationalsozialismus. Verein für Regionalgeschichte Verden e.V, Verden 2009, Fußnote 6, S. 65. (online) konsistent höhere Stimmenanteile als im Wahlkreis Ost-Hannover,Reichstagswahlen in der Weimarer Republik 1918–1933, Wahlkreis Ost-Hannover zu dem Verden gehörte. Dieser Wahlkreis wiederum hatte im Vergleich zur Weimarer Republik insgesamt ebenfalls höhere Stimmenanteile für die NSDAP:

+ Prozentualer Stimmenanteil für die NSDAPReichstagswahl vom Altkreis Verden Wahlkreis Ost-Hannover Weimarer Republik September 1930 20,6 % 20,6 % 18,3 % Juli 1932 54,7 % 49,5 % 37,3 % November 1932 44,4 % 42,9 % 33,1 % März 1933 56,5 % 54,3 % 43,9 %

Die Wehrmacht hatte in den zum Teil noch heute erhaltenen Kasernen Front- und Ersatztruppenteile sowie andernorts Kommandobehörden bzw. Dienststellen und andere Einrichtungen des Wehrkreises X untergebracht. Verden war ab November 1943 formeller Sitz eines Plünderungs-SondergerichtesJoachim Woock, Rede anlässlich der Wanderausstellung „Justiz im Nationalsozialismus“, 2002 Am 9. November 1943 wurde der Sitz des Plünderungs-Sondergerichtes formell von Wesermünde, wo weiterhin Verhandlungen stattfanden, nach Verden verlegt. Mit der Möbelfabrik Wöhler, dem Gaswerk sowie einzelnen Handwerksbetrieben („Sozialgewerk“) befanden sich in der Stadt Verden Firmen, die zivile Zwangsarbeiter einsetzten. Des Weiteren betrieb das KZ Neuengamme vom Januar bis April 1945 in Verden ein Außenlager, in dem acht KZ-Häftlinge für die SS-Bauleitung Verden beim Ausbau einer Schulungsstätte der Schutzstaffel (SS) im Sachsenhain arbeiten musstenMarc Buggeln: In: Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 5: Hinzert, Auschwitz, Neuengamme. C.H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-52965-8, S. 530.. Von Kampfhandlungen blieb die Stadt weitgehend verschont.

Nachkriegszeit mini|hochkant|Gedenkmedaille zum 1000-jährigen Bestehen von eigenen Markt-, Münz-, Zoll- und Bannrechten Zu Beginn der 1950er Jahre stellte die Sozialistische Reichspartei die stärkste Fraktion in Verden. Von 1945 bis 1993 war Verden Garnisonsstadt der Britischen Rheinarmee, unter anderem der britischen 7. Panzerdivision. Im Stadtgebiet siedelten sich viele Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern, der Tschechoslowakei und Bessarabien an. Hinzu kamen in den 1960er Jahren Gastarbeiter aus Südeuropa und Anatolien. 1985 feierte die Stadt das 1000-jährige Bestehen von eigenen Markt-, Münz-, Zoll- und Bannrechten. Nach 1990 kamen viele Zuwanderer aus Osteuropa nach Verden, wo nicht zuletzt auch als Folge des Abzugs der britischen Truppen Wohnraum frei geworden war.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Borstel, Dauelsen, Döhlbergen, Eitze, Groß Hutbergen, Hönisch, Klein Hutbergen, Scharnhorst und Walle eingegliedert (→ Gebietsreform in Niedersachsen).

Jüngere Geschichte