mini|Heutige Verwaltungseinheiten, die den Namensbestandteil Pommern führen: In Deutschland Mecklenburg-Vorpommern (ein kleiner Teil Vorpommerns liegt in Brandenburg), in Polen die Woiwodschaft Westpommern, die Woiwodschaft Kujawien-Pommern und die Woiwodschaft Pommern Pommern ist eine Region in den deutschen Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sowie in den polnischen Woiwodschaften Westpommern, Pommern und Kujawien-Pommern, die von der Ostseeküste und deren vorgelagerten Inseln von knapp 50 km bis zu fast 200 km weit ins Binnenland reicht. Der Name Pommern ist die eingedeutschte Form eines slawischen Landschaftsnamens, der von einer slawischen Phrase mit der Bedeutung „am Meer“ abgeleitet ist – vgl. po morzu „am Meer, entlang des Meeres“ oder po morze „bis zum Meer“ im Polnischen. Westliche Begrenzung ist die Recknitz. Die Auffassung über die östliche Grenze ist in Deutschland und in Polen verschieden.
Begriff Nach deutschem Verständnis ist Pommern das Gebiet des früheren Herzogtums bzw. der späteren preußischen Provinz Pommern.Bertelsmann – Das Neue Universallexikon. Wissen Media Verlag, Gütersloh/München 2007, ISBN 978-3-577-09099-5, S. 757.Der Brockhaus in einem Band. 12. Auflage. Brockhaus Verlag, Leipzig/Mannheim 2006, ISBN 3-7653-1682-2, S. 698. Die Provinz Pommern lag innerhalb der deutschen Staatsgrenzen von 1937D. h., der deutschen Staatsgrenzen vor dem Anschluss Österreichs im März 1938. und existierte als solche von 1815 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Gebiet setzt sich aus dem westlich der Oder gelegenen Vorpommern und dem östlich der Oder gelegenen Hinterpommern zusammen. Die östlich an Hinterpommern anschließende Landschaft bis zur Ossa, Weichsel und Nogat wird Pommerellen genannt, was so viel wie „Kleinpommern“ bedeutet.
Im Polnischen gibt es den Namen Pommerellen nicht. Im polnischen Verständnis bildet Pommerellen (als Weichselpommern oder Ostpommern benannt) den Kern Pommerns und besteht aus dem Danziger Pommern am Ostufer der unteren Weichsel und Nogat sowie dem historischen Kulmerland am Ostufer der Ossa. Das Gebiet des ehemaligen Greifenherzogtums und damit der ehemaligen preußischen Provinz Pommern wird im Polnischen Westpommern oder auch Stettiner Pommern genannt. Die polnische Bezeichnung Przedpomorze für Vorpommern entspricht der deutschen, obwohl dieser Teil Pommerns von Zentralpolen aus betrachtet der entfernteste ist. Manchmal spricht man auch vom sogenannten Mittelpommern (Pomorze Środkowe) mit Koszalin und Słupsk als Oberzentren.
Geografie mini|Physische Karte der Provinz Pommern im Jahr 1905 mini|Strand bei Ahrenshoop (Halbinsel Darß) in Vorpommern mini|Satellitenaufnahme der Odermündung mit Stettiner Haff, Peene, Peenestrom, Usedom, Swine, Wollin, Dievenow und Pommersche Bucht Politisch verteilt sich Pommern heute auf die deutschen Länder Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sowie die polnischen Woiwodschaften Westpommern mit der Hauptstadt Stettin (Szczecin), Pommern mit der Hauptstadt Danzig (Gdańsk) sowie Kujawien-Pommern mit den Hauptstädten Bromberg (Bydgoszcz) und Thorn (Toruń).
In der Region liegen die Pommersche Bucht und das dahinterliegende Stettiner Haff, auch Oderhaff genannt. Die größten Inseln vor der Pommerschen Küste sind Usedom, Wollin (Wolin) und Rügen. Die Inseln Rügen und Usedom und die vorpommersche Boddenküste weisen durch ein Gemisch aus Landkernen eine enge Verzahnung von Land und Meer und sie verbindenden Nehrungen (hier nicht so genannt) auf. Das vorpommersche Binnenland ist durch ein Netz von Urstromtälern geprägt, deren Talboden hier nur wenig über dem Meeresspiegel liegt. Da das Stettiner Haff (Oderhaff) eine Meeresbucht ist, sind die drei Mündungsarme der Oder, also Peenestrom, Swine (Świna) und Dievenow (Dziwna) keine Flüsse, sondern Meeresarme. Zwischen Dievenow und Danziger Bucht (Zatoka Gdańska) erstreckt sich die Pommersche Ausgleichsküste. Dort wurden die Buchten durch Strömungseinwirkung geschlossen und bilden jetzt Strandseen, wie den Lebasee. Am Ende der Ausgleichsküste ragt die Halbinsel Hela (poln. Hel) in die Danziger Bucht. Im Binnenland Hinterpommerns und Pommerellens erstreckt sich die während des Eiszeit geformte Pommersche Seenplatte, deren östlicher Teil auch Kaschubische Seenplatte genannt wird. Der Streifen zwischen Küste und Seenplatte heißt Slowinzisches Küstenland (Pobrzeże Slowińskie).
Vorpommern mit den Oberzentren Stralsund und Greifswald liegt größtenteils im Land Mecklenburg-Vorpommern. Der südlichste Teil Vorpommerns liegt im Land Brandenburg und geht in seiner Ausdehnung im Süden bis an die Randow und die Welse. Die meisten vorpommerschen Gemeinden Brandenburgs sind im Amt Gartz (Oder) zusammengefasst. Die vorpommerschen Orte Schönow, Jamikow, Kunow und Kummerow sind Teil der Stadt Schwedt/Oder. Ein Teil Vorpommerns, nämlich der aus dem Kreis Police (Pölitz) und dem Stadtkreis Szczecin (Stettin) bestehende sogenannte Stettiner Zipfel, der östlichste Abschnitt der Insel Usedom (Uznam) mit der Kreisstadt Świnoujście (Swinemünde), die zum Kreis Kamień (Cammin) gehörende Insel Wolin (Wollin), sowie die Gmina Goleniów (Gollnow) im Kreis Goleniów, gehören zur polnischen Woiwodschaft Westpommern.
Ursprung und Bedeutung des Namens Der Name leitet sich vom slawischen po more ab und bedeutet „am Meer“. Pommern ist ursprünglich das Land des slawischen Stammes der Pomoranen.
Die lateinische Bezeichnung Pommern ist aufgeschrieben als Formulierung longum mare (‚entlang des Meeres‘) im Dagome-Iudex-Dokument von ca. 1086, ein Regest der Kurie bezüglich einer etwa um 990 erfolgten Schenkung an den Papst von „Dagome und Ote“ (Mieszko I. und Oda von Haldensleben), die ihr Land als „Schinesge“ (frühen polnischen Piastenstaat) beschreibt. Der spanisch-arabisch-jüdische Reisende Ibrahim ibn Jaqub besuchte – ebenfalls in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts – die bis heute nicht sicher lokalisierte Handelsstadt Vineta in der Nähe der Odermündung und erwähnte auch Demmin und den vorpommerschen Volksstamm der Ranen. Die erste Erwähnung Pommerns findet sich für das Jahr 1046 über einen Zemuzil, Herzog der Pommern („Zemuzil [dux] Bomeraniorum“). In den Chroniken des Adam von Bremen um 1070 und des Gallus Anonymus um 1113 wird Pommern häufig erwähnt.
Vorpommern und Hinterpommern in anderen Sprachen Die polnische Bezeichnung für Vorpommern ist Pomorze Przednie oder Przedpomorze, also die wörtliche Übersetzung des deutschen Namens, obwohl es von Polen aus betrachtet jenseits der Oder liegt. Ins Englische kann Vorpommern sowohl mit Hither Pomerania, Fore Pomerania als auch mit Western Pomerania übersetzt werden, so dass letzteres nicht eindeutig ist. Hinterpommern heißt Farther Pomerania oder Further Pomerania, Rear Pomerania. Im Französischen ist Vorpommern Poméranie antérieure, oft aber gleichlautend mit Westpommern als Poméranie occidentale genannt. Im Spanischen steht Pomerania Occidental, Pomerania Anterior oder Antepomerania für Vorpommern, während Hinterpommern Pomerania Central, also „Mittelpommern“, heißt.
Sprache und Kultur mini|Muttersprachen der Provinz Pommern laut Volkszählung von 1905 In Vorpommern wird Deutsch und östliche Dialekte des Niederdeutschen (Mecklenburgisch-Vorpommersch und Mittelpommersch) gesprochen.
Das deutschsprachige Pommern wurde kulturräumlich seit Robert Holstens sprachgeographischen Arbeiten (beginnend 1913) in West-, Mittel- und Ostpommern unterteilt. Westpommern umfasst dabei den größten Teil Vorpommerns bis etwa zur Zarow im Süden, schließt sich dialektal eng an Mecklenburg an und wird auf niedersächsische Kolonisation im Mittelalter zurückgeführt. Mittelpommern umfasst vor- wie hinterpommersches Gebiet auf beiden Ufern der Oder. Mundartliche Merkmale weisen bzw. wiesen hier eher Ähnlichkeiten zur Mark Brandenburg im Süden auf, weswegen auch vom „mittelpommerschen Keil“ gesprochen wird, der sich als Ergebnis mittelalterlicher niederfränkisch-märkischer Kolonisation entlang der Oder von Süden her zwischen die eher niedersächsisch geprägten Küstengebiete geschoben habe. Weiter östlich folgte (mit einem breiten Übergangsgebiet zwischen Ihna und Rega) Ostpommern, d. h. in etwa das mittlere und östliche Hinterpommern, das wiederum eher auf niedersächsische Besiedlung zurückgeführt wurde, jedoch mit starken slawischen Einflüssen und deutlichen Eigenmerkmalen gegenüber Vorpommern (vgl. zur Mundart: Ostpommersch). Neben der Sprache sah Holsten diese kulturräumlichen Grenzen 1928 manifestiert in: der ursprünglichen Form des Stadtrechts (lübisch oder magdeburgisch), Bauformen (bes. bei Kirchen), der Verbreitung des Niedersachsenhauses, der Verbreitung gewisser Fastnachtspeisen (Heißwecken in Milch), Osterbräuchen und Eigenheiten der Gilden. Kurt Dröge zufolge verselbständigte sich diese v. a. siedlungshistorisch hergeleitete kulturelle Dreiteilung Pommerns und prägte den Blick auf viele andere, damit zeitlich und sachlich gar nicht mehr direkt zusammenhängende Bereiche (z. B. die mittelpommersche Bezeichnung der erst im 18. Jh. eingeführten Kartoffel als „Nudel“, die sich an ostmitteldeutsche Begriffe anschließt). Die „grenzenlos überdimensionierte Historisierung“ (Dröge) erreichte mit dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt und festigte sich in der Nachkriegszeit, als die Auflösung der deutschen Siedlungsgebiete einer Romantisierung Vorschub leistete und zugleich weitere Forschungen erschwerte.Kurt Dröge: Der „mittelpommersche Keil“. Genese eines kulturwissenschaftlichen Stereotyps. In: Land am Meer. Pommern im Spiegel seiner Geschichte. Roderich Schmidt zum 70. Geburtstag. Hg. v. Werner Buchholz u. Günter Mangelsdorf. Köln/Weimar/Wien 1995, S. 759–785, passim.
In Hinterpommern wird aufgrund der nahezu vollständigen Vertreibung der Deutschen im Rahmen der Westverschiebung Polens nach dem Zweiten Weltkrieg heute fast ausschließlich Polnisch gesprochen. In Pommerellen und den östlichen Gebieten Hinterpommerns, bei Bytów (Bütow) sprechen etwa 160.000 Menschen die kaschubische Sprache. Das in früheren Zeiten in großen Teilen Hinterpommerns verbreitete Slowinzische wurde schon vor dem Zweiten Weltkrieg nur noch von wenigen Menschen gesprochen. Nach 1945 wurde kein Gebrauch dieser Sprache mehr erwähnt.
mini|Großes Neunfeldriges Wappen von Pommern in einem Glasfenster der St. Bartholomaei-Kirche, Hansestadt Demmin
Geschichte
Vor der Völkerwanderung war das spätere Pommern von den ostgermanischen Stämmen der Rugier (seit dem 6. Jahrhundert vor Chr.) im Westen und der Goten (seit etwa 100 vor Chr.) im Osten besiedelt. Als große Teile derselben im Zuge der Völkerwanderung neue Sitze im Süden aufsuchten, ließen sich dort ab dem Ende des 5. Jahrhunderts slawische Stämme nieder.