mini|Der Hafen von Göteborg, die Poseidon-Statue sowie weitere Sehenswürdigkeiten in Göteborg
Göteborg (; ; veraltet Gotenburg oder Gothenburg; , ) ist eine Großstadt in den schwedischen Provinzen Västra Götalands län, deren Residenzstadt sie ist, und Hallands län sowie den historischen Provinzen Västergötland, Bohuslän und Halland.
Göteborg ist nach Stockholm und vor Malmö die zweitgrößte Stadt Schwedens mit 596.841 Einwohnern (31. Dezember 2022); denselben Rang nimmt auch die Storgöteborg („Groß-Göteborg“) genannte, 13 Gemeinden umfassende Metropolregion mit 1.071.744 Einwohnern (Stand Januar 2023) ein.
Geographie mini|Satellitenbild von Göteborg Die Universitätsstadt liegt an der Westküste Schwedens beiderseits des Hauptarmes des Flusses Göta älv, der dort in das Kattegat mündet. Die Stadtteile nördlich des Flusses liegen auf der Insel Hisingen zwischen Göta älv und seinem rechten Arm Nordre älv, der viertgrößten und bevölkerungsreichsten Insel Schwedens.
Im Vergleich etwa zu Stockholm weist Göteborg eine klimatisch günstigere Lage auf und bietet mit seinem eisfreien Seehafen im Mündungsbereich des Göta älv einen bedeutenden Wirtschaftsvorteil (Schwerindustrie und Fährschifffahrt).
Der Stadt vorgelagert liegt im Kattegat der Göteborger Schärengarten (skärgård) mit kleinen und kleinsten felsigen Schäreninseln, die zum Teil bewohnt sind.
Göteborg ist Hauptort der Gemeinde Göteborg von Västra Götalands län, die jedoch nicht das gesamte Stadtgebiet umfasst. Dieses zusammenhängend bebaute Gebiet, der Tätort Göteborg, liegt nach Einwohnern zu 80 % auf dem Territorium der Gemeinde Göteborg (457.927 Einwohner auf 145,39 km²). Kleinere Teile des Tätorts umfassen Teile der umliegenden Gemeinden Mölndal (39,35 km², 60.513 Einwohner, 11 %), Partille (12,26 km², 30.425 Einwohner, 5 %, beide Västra Götalands län) und Kungsbacka (18,14 km², 23.934 Einwohner, 4 %, Hallands län).Statistiska centralbyrån: Tätorter 2015 som delas av kommungräns (Excel-Datei) Andererseits gehören Teile der Gemeinde nicht zum Tätort Göteborg, insbesondere die 2015 neu ausgewiesenen Tätorte Björlanda och Torslanda (23.088 Einwohner) auf Hisingen und Gunnared och Hammarkullen (45.106 Einwohner) im Nordosten der Stadt, die zuvor zum Tätort Göteborg gehörten (alle Angaben mit Stand 31. Dezember 2015).
Zur historischen Provinz (landskap) Bohuslän gehören die nordwestlichen Stadtteile auf der Insel Hisingen, während die zentralen und östlichen Gebiete in Västergötland liegen. Durch die Zuordnung der zuvor eigenständigen Tätorte Kungsbacka, Lindome und einiger kleinerer zum Tätort Göteborg 2015 dehnt sich dieser nun nicht nur bis in die Provinz Hallands län, sondern auch in die Landskap Halland aus, womit Göteborg der einzige Ort Schwedens in drei historischen Provinzen ist.
Zur Metropolregion gehören neben der Gemeinde Göteborg und den Gesamtterritorien der genannten Gemeinden Kungsbacka, Mölndal und Partille auch die neun weiteren, umliegenden Gemeinden Ale, Alingsås, Härryda, Kungälv, Lerum, Lilla Edet, Öckerö, Stenungsund und Tjörn, außer der Gemeinde Kungsbacka (Hallands län) alle in der Provinz Västra Götalands län.
Stadtgliederung mini|Die zehn Stadtteilratsgebiete Göteborgs von 2011 bis 2020 Seit dem 1. Januar 2021 besteht Göteborg aus vier Stadtbezirken (stadsområden), die in 96 Stadtviertel (primärområden, wörtlich „Primärgebiete“) unterteilt sind. Zuvor war die Stadt von 2011 bis 2020 in zehn sogenannte „Stadtteilratsgebiete“ (stadsdelsnämndsområden) gegliedert, die aus dem teilweisen Zusammenschluss der seit 1989 bestehenden 21 Stadtbezirke hervorgegangen waren.
Die vier Stadtbezirke mit ihren zugehörigen Primärgebieten sind: 1 Nordost 2 Centrum 3 Sydväst 4 Hisingen Agnesberg Angereds Centrum Bergum Eriksbo Gamlestaden Gunnilse Gårdstensberget Hammarkullen Hjällbo Linnarhult Lövgärdet Norra Kortedala Rannebergen Södra Kortedala Utby Västra Bergsjön Östra Bergsjön Annedal Bagaregården Björkekärr Guldheden Haga Heden Härlanda Inom Vallgraven Johanneberg Kallebäck Krokslätt Kungsladugård Kålltorp Kärralund Landala Lorensberg Lunden Majorna Masthugget Olivedal Olskroken Redbergslid Sanna Skår Stampen Stigberget Torpa Vasastaden Änggården Överås Askim Billdal Bratthammar Fiskebäck Flatås Frölunda Torg Grevegården Grimmered Guldringen Hagen Hovås Högsbo industriområde Högsbohöjd Högsbotorp Järnbrott Kannebäck Kaverös Långedrag Näset Ruddalen Skattegården Södra skärgården Tofta Ängås Önnered Arendal Backa Björlanda Brunnsbo Eriksberg Hjuvik Jättesten Kvillebäcken Kyrkbyn Kärra Kärrdalen Lindholmen Länsmansgården Nolered Norra Biskopsgården Rambergsstaden Rödbo Skogome Skälltorp Slätta Damm Svartedalen Säve Södra Biskopsgården Tuve
Klimatabelle
Geschichte mini|Festung Älvsborg mini|Gravur Göteborgs von Erik Dahlbergs Suecia antiqua et hodierna 1690–1710 mini|Karte von Göteborg (um 1710)
Über mehrere tausend Jahre hinweg wohnten Menschen an der Stelle des heutigen Göteborg. Schon in der Steinzeit bestand eine Siedlung an der Mündung der Göta älv (heute Stadtteil Sandarna). In Göteborg befinden sich elf Petroglyphen, also in Stein oder Fels geritzte bildliche Darstellungen aus prähistorischer Zeit.
Wegen der häufigen Plünderungen durch Seefahrer flüchteten die Bewohner um 1100 etwa 40 Kilometer weit flussaufwärts. Dort entstand Gamla Lödöse (auch Lödöse genannt), Göteborgs älteste Vorgängersiedlung. Ein anderer Vorläufer Göteborgs war die Festung Älvsborg.
Die Mündung des Göta älv war zu dieser Zeit Schwedens einziger Zugang zur Nordsee. Da Dänemark – im Mittelalter Vormacht in Skandinavien – den Zugang zur Ostsee kontrollierte, hatte der Hafen für Schweden besondere Bedeutung. Im 13. Jahrhundert wurde die Festung Älvsborg an den Klippen des heutigen Stadtteils Kungsladugård gebaut. Lödöse lag als Handelsplatz zu weit flussaufwärts, weshalb man 1473 eine neue Stadt, Neu Lödöse, an der Mündung des Flusses Säveån in den Göta Älv baute. Heute befindet sich dort der Stadtteil Gamlestaden.
Um die Festung herum bildete sich in Richtung Westen ebenfalls ein Dorf. Die Festung selbst wurde von den Dänen 1563 und 1612 erobert. Beide Male mussten die Schweden hohe Ablösesummen bezahlen, um die Festung zurückzubekommen.
17. Jahrhundert Karl IX. legte 1603 eine Stadt auf Hisingen, der viertgrößten Insel Schwedens, im Ästuar des Göta älv an, die jedoch 1612 von Dänemark im Kalmarkrieg (1611–1613) abgebrannt wurde. Das heutige Göteborg wurde 1619 durch König Gustav II. Adolf gegründet. 1621 bekam Göteborg das Stadtrecht.
Während des 17. Jahrhunderts siedelten sich hier viele protestantische Einwanderer aus dem Süden der Niederlande, Deutschland und Großbritannien an, die für Göteborgs schnelle Entwicklung eine große Rolle spielten. König Gustav II. Adolf beschäftigte Niederländer im Stadtbau, weil sie zu dieser Zeit Experten im Bauen auf Marschboden waren. Sie bekamen dafür unter anderem wirtschaftliche und rechtliche Privilegien. Der Stadtrat von 1641 war mit vier Schweden, drei Deutschen, zwei Schotten und drei Niederländern besetzt. Der niederländische Einfluss war an den heute größtenteils zugeschütteten Grachten der sehenswerten Altstadt zu erkennen.
Bis 1658 gehörten das unmittelbar angrenzende Bohuslän im Norden und Halland im Süden zu Dänemark-Norwegen. Göteborg wurde dementsprechend stark befestigt. Schließlich war sie eine der am stärksten befestigten Städte in Nordeuropa, mit Steinmauern und Bastionen.
1660 starb König Karl X. Gustav während des Ständereichstags in der Stadt.
Ab 1680 gehörte Göteborg zur Provinz Göteborgs och Bohus län, die bis 1998 bestand. 18. Jahrhundert Im 18. Jahrhundert war die Wirtschaft der Stadt durch Fischerei und den Hafen geprägt. Schon damals wurden von hier aus größere Mengen Eisen- und Holzwaren ausgeführt. Im Jahre 1731 verlegte die Schwedische Ostindien-Kompanie, die den Handel mit China und dem Fernen Osten wahrnahm, ihren Sitz nach Göteborg und festigte damit die Bedeutung der Stadt als Warenumschlagplatz. Durch ein Privileg war es das einzige Unternehmen Schwedens, das Handel mit Indien und China betreiben durfte. Zwischen 1731 und 1806 verkehrten zahlreiche Schiffe nach Bombay und Guangzhou, was zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt beitrug.
Während des 18. Jahrhunderts wuchsen auch die Verbindungen zu Großbritannien. Als Napoleon gegen Großbritannien mit der wirtschaftlichen Blockademaßnahme der Kontinentalsperre vorging, wurde der Handel mit Schweden und in erster Linie mit Göteborg für die Briten bedeutend. Göteborg wurde zum Hauptumschlagplatz für britische Waren im Ostseehandel. 19. Jahrhundert mini|Oscar Fredriks kyrka (1893 eingeweiht)
In den Jahren 1802 bis 1815 wurde der Göteborger Dom erbaut. 1806 wurden die Festungswerke geschleift. Erhalten geblieben ist der ehemalige Wallgraben mit seinen Grünanlagen im ehemaligen Glacisbereich, etwa dem Privatpark der Gartenbauvereinigung mit seinem Palmenhaus, dem größten Nordeuropas.
Nach Napoleons Fall (1815) hörte die französische Blockade auf, und damit begann auch Göteborgs Boom als Handelsstadt abzuflauen. Viele Unternehmen mussten Konkurs anmelden, und der Handel mit Ostindien brach ab. Wirtschaftliche Impulse, nicht zuletzt für die Industrie, brachte aber der Ausbau des Trollhätte-Kanals, der im Vänern-See an dem nach dem Ende der Blockadeperiode gebauten, zur Ostsee führenden Göta-Kanal anschließt. Mit dem zunehmenden Transatlantikverkehr wurde Göteborg im 19. Jahrhundert zum größten Ausfuhrhafen Skandinaviens.
Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden in der Stadt mehrere Banken gegründet, die die wirtschaftliche Entwicklung positiv beeinflussten. Daneben entwickelte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine blühende Werftenindustrie (1841: Götaverken, 1844: Lindholmen, 1850: Eriksberg). Seit 1874 verband eine große eiserne Drehbrücke Göteborg über den Göta älv mit der Insel Hisingen.
Ende 1884 hatte Göteborg 86.223 Einwohner, darunter über 1000 Deutsche. Diese deutsche Kolonie erbaute im Stadtkern die Christinenkirche, die noch heute als Deutsche Kirche bekannt ist. 20. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert entwickelte sich der Hafen Göteborgs zum größten Exporthafen Nordeuropas. Dazu trugen sicherlich auch die neu gegründeten international ausgerichteten Industrieunternehmen der Stadt bei.
Die stärkste wirtschaftliche Kraft kam jedoch durch das Unternehmen Gamlestadens Fabrikers AB, einem Betrieb der Textilindustrie, das im Jahr 1900 über 1000 Angestellte hatte. Für das industrielle Wachstum Göteborgs war im ersten Jahrzehnt die Entstehung von Firmen wie SKF verantwortlich. Ausgangspunkt für dessen Entwicklung war wiederum Gamlestadens Fabrikers AB, die das Problem hatten, dass durch den lehmhaltigen Boden der Untergrund des Fabrikgebäudes sich senkte und Risse bekam. Dadurch scheuerten die Kugellager in den Webstühlen schief ab. Der junge Ingenieur Sven Gustaf Wingqvist konstruierte daraufhin das Pendelkugellager als Lösung für dieses Problem. Für diese Herstellung wurde 1906 eine eigene Gesellschaft, die AB Svenska Kullagerfabriken, abgekürzt SKF, gegründet, welche sich schnell zu einem großen Unternehmen in der schwedischen Exportindustrie entwickelte. Während der Finanzkrise der 1920er Jahre schwankte die Nachfrage nach Wälzlagern. Um einen neuen Absatzmarkt zu finden, begann SKF 1926 mit der Herstellung von Automobilen unter dem Namen Volvo.
Göteborgs Werften waren bis in die 1970er Jahre ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor der Stadt. Dann kam es jedoch zu schwerwiegenden industriellen Umwälzungen, von denen besonders die Werften betroffen waren. In der sogenannten Werftenkrise konnten sich die Werften gegen die internationale Konkurrenz nicht mehr wirtschaftlich behaupten, so dass der Schiffbau in Göteborg aufgegeben wurde. Die großen Werften wurden geschlossen bzw. beschränkten sich auf die Instandhaltung von Schiffen.