Murmansk (; kildinsamisch Мурман ланнҍ/Murman lann‘; finnisch auch Muurmanski, veraltet Muurmanni) ist eine nordeuropäische Hafenstadt auf der russischen Halbinsel Kola. Sie hat 264.000 Einwohner (Stand: 2025) und ist damit die größte nördlich des Polarkreises gelegene Stadt der Erde. Ausläufer des Golfstroms sichern der Stadt einen auch im Winter eisfreien Hafen, der bis 1991 militärisches Sperrgebiet war. Murmansk sowie das 20 km nördlicher gelegene Seweromorsk sind wichtige Stützpunkte der russischen Nordflotte.

Name Die Stadt wurde im Oktober 1916 unter dem Namen Romanow-na-Murmane ( „Romanow-am-Murman“) gegründet. Romanow war der Name der russischen Zarendynastie, als Murman wird in Russland die Nordküste der Halbinsel Kola bezeichnet. Das Wort stammt aus dem Norwegischen und bedeutet ursprünglich Nordmänner, Norweger.Die Eigenbezeichnung der Norweger, „nordmann“ (Plural: „nordmenn“), wird ['nurman] ausgesprochen.

Bereits kurz nach der Februarrevolution und dem Sturz des letzten russischen Zaren wurde die Stadt im April 1917 jedoch in Murmansk umbenannt.

Geographie Allgemeines Murmansk liegt am östlichen Ufer einer Bucht bzw. eines Fjords der „Murman-Küste“ ( Мурманский берег) am Arktischen Ozean, nahe den Grenzen zu Norwegen (Kirkenes) und Finnland (Ivalo), etwa 1500 Kilometer Luftlinie nördlich der Hauptstadt Moskau. Etwa zehn Kilometer nördlich des Zentrums liegt die 2015 eingemeindete frühere Siedlung städtischen Typs Rosljakowo, ein bedeutender Standort der Nordflotte.

Die Stadt ist Verwaltungssitz der Oblast Murmansk. Mit ihren über 300.000 Einwohnern ist Murmansk die größte Stadt in der Arktis mit großen Hafenanlagen. Die Lage der Stadt am Hang entlang der Kola-Bucht führt innerhalb der Stadt zu einem Höhenunterschied von über 300 Metern.

Stadtgliederung

+ Stadtgliederung Stadtrajon(Gorodskoi Rajon) Russischer Name Einwohner1. Januar 2006 Bemerkung LeninskiЛенинский93.473 Name nach Lenin OktjabrskiОктябрьский98.938 Name von Oktjabr (Oktober, bezogen auf die Oktoberrevolution) PerwomaiskiПервомайский128.551 Name von Perwoje Maja (Erster Mai)

Klimainformationen

Die Winter sind kalt, allerdings deutlich wärmer als in anderen russischen Orten nördlich des Polarkreises bedingt durch die maritime Lage und den Einfluss des Golfstroms. Auch im über 25 Breitengrade südlicheren Wladiwostok ist die mittlere Temperatur im Januar um 2,2 °C kälter. Nach Köppens Klimaklassifikation ist das Klima Murmansks subarktisch (Dfc), da nur in den wärmsten zwei Monaten die mittlere Temperatur die 10 °C-Marke überschreitet.

Geschichte miniatur|Russisch-orthodoxe Kirche in Murmansk Die ursprünglichen Bewohner des Gebietes waren Samen. Die Stadt wurde im Ersten Weltkrieg 1916 als Endpunkt der 1915–1917 gebauten Murmanbahn gegründet, um über ihren eisfreien Hafen das Zarenreich ganzjährig mit Rüstungslieferungen seiner westlichen Alliierten versorgen zu können.

Nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution und des Russischen Bürgerkrieges wurde die Stadt im Juni 1918 durch die britischen Ententetruppen besetzt und die Tramway Murmansk errichtet. Erst am 13. März 1920 gelang es der Roten Armee, die Stadt zurückzuerobern.

1918 wurde Murmansk Hauptstadt des neugegründeten Gouvernements Murmansk. Nach dessen Auflösung 1927 wurde der Okrug Murmansk innerhalb der Oblast Leningrad gebildet und 1938 die bis heute bestehende Oblast Murmansk.

Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg war Murmansk das Ziel mehrerer Angriffsoperationen der Wehrmacht. Sie wurden teilweise gemeinsam mit finnischen Truppen durchgeführt. Ab Frühsommer 1941 versuchten die Deutschen im Unternehmen Silberfuchs, Murmansk mit seinem Hafen zu erobern. Damit sollte die Sowjetunion von der Verbindung zur Barentssee und somit von den Nordmeergeleitzügen abgeschnitten werden. Die deutschen Kräfte waren jedoch insgesamt zu schwach, so dass sie sich gegen die erbitterte Verteidigung des Hohen Nordens durch die Rote Armee nicht durchsetzen konnten. Das unwegsame Gelände und die harten Witterungsbedingungen kamen erschwerend hinzu.

Murmansk hatte unter massiven deutschen Bomberangriffen zu leiden. Nur Stalingrad wurde noch stärker von der deutschen Luftwaffe bombardiert.

In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 363 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.

In der Zeit der Sowjetunion wurden von hier im Sommer die arktischen Siedlungen in Sibirien über den Seeweg (Nordostpassage) und die Flüsse versorgt, transportiert wurden vor allem Erze westwärts und Versorgungsgüter ostwärts. Dieses System ist in der postsowjetischen Ära aufgrund der relativ hohen Transportkosten (vor allem Eisbrecher, Eisaufklärung) unter marktwirtschaftlichen Bedingungen weitgehend zusammengebrochen, so dass die Nutzung des Nördlichen Seewegs zwischenzeitlich praktisch zum Erliegen kam und diese entlegenen Außenposten nur noch per Flugzeug beliefert werden.

+ BevölkerungsentwicklungQuelle:Volkszählungsdaten Jahr Einwohner 1939 117.069 1959 221.874 1970 308.642 1979 380.817 1989 468.039 2002 336.137 2010 307.257 2021 270.384

Wirtschaft und Verkehr mini|Der Lenin-Prospekt, die Hauptstraße von Murmansk mini|Der Hafen von Murmansk miniatur|Russisches Atom-U-Boot Verschiedene Forschungseinrichtungen zur Fischereiforschung und Ozeanographie haben in Murmansk ihren Sitz. Außerdem ist Murmansk samt der Nachbarstadt Seweromorsk der Hauptstützpunkt der russischen Nordflotte. Der Hafen Murmansk bleibt durch die Ausläufer des Golfstroms auch im Winter eisfrei, muss jedoch zeitweise durch Eisbrecher freigehalten werden.

Neben der Nordflotte ist zwei Kilometer nördlich von Murmansk auch die russische Eisbrecherflotte Atomflot mit nuklear sowie konventionell betriebenen Schiffen beheimatet. Die Flotte umfasst sechs Atomeisbrecher, ein nuklearbetriebenes Transportschiff und einen Flusseisbrecher. Betreiberin der Schiffe ist seit 2008 Rosatom, davor gehörten sie der Murmansker Seereederei, einer privaten Gesellschaft, an der der Staat jedoch noch immer einen sehr hohen Anteil hat. Die Eisbrecher dienen sowohl der Versorgung der östlichen Eismeergebiete als auch anderen, vornehmlich touristischen Zwecken.

Der Flughafen Murmansk liegt 24 km südlich des Stadtzentrums. Neben russischen Airlines wie Aeroflot, Nordavia, UTair, Orenair oder Rossija wird der Flughafen auch von ausländischen Fluglinien bedient, insbesondere der finnischen Finnair. (engl.), Website des Flughafens Murmansk, abgerufen am 18. Februar 2016

Über die Murmanbahn besteht eine Verbindung nach Sankt Petersburg (die Fahrtdauer beträgt rund 28 Stunden) und Moskau. Die Europastraße 105 führt nach Sankt Petersburg (entspricht der russischen R21 Kola) und Kirkenes in Norwegen. Im Jahr 2016 erhielt Murmansk einen Sonderstatus, welcher Kreuzfahrtpassagieren einen Aufenthalt von 72 Stunden ohne Visum erlaubt.NZZ, 28. September 2016, Seite 2

Die Nachbarstadt Seweromorsk und Teile des Hafens sind nach wie vor militärisches Sperrgebiet; Murmansk selbst kann aber inzwischen auch von Ausländern problemlos besucht werden.

Das Energieunternehmen Arktikmorneftegasraswedka hat seinen Sitz in Murmansk.

Bildung und Kultur mini|Eine russische Münze mit Murmansker Motiv Das Oblast-Drama-Theater wurde von Jelisaweta Natanowna Tschetschik erbaut.

Die Synagoge von Murmansk ist das nördlichst gelegene jüdische Gotteshaus der Welt. In: Alnakka.net, abgerufen am 5. November 2012

Weiterführende Bildungseinrichtungen Fakultät der Staatlichen Universität für Verkehrsverbindungen St. Petersburg Filiale der Nordöstlichen Akademie für Staatsdienst Filiale des A.-S.-Gribojedow-Instituts für internationales Recht und Ökonomie Filiale des Hauptstädtischen Geisteswissenschaftlichen Instituts Filiale des Geisteswissenschaftlich-Ökonomischen Instituts Moskau Abteilung für Fernausbildung Murmansk der Akademie St. Petersburg des Innenministeriums Russland Geisteswissenschaftliches Institut Murmansk Institut für Ökonomie und Recht Murmansk Staatliche Fischereiflottenakademie Murmansk Staatliche Technische Universität Murmansk Staatliche Universität der Arktis Murmansk

Museen Marinemuseum der Nordflotte Museumsschiff Atomeisbrecher Lenin

Städtepartnerschaften Murmansk listet folgende Partnerstädte auf:

StadtLandseitRovaniemi1962Luleå1972Vadsø1973Jacksonville1975Groningen1989Stettin1993Akureyri1994Alanya2014Minsk2014Harbin2015

Söhne und Töchter der Stadt

Irina Sokolowa (* 1940), Schauspielerin Nikolai Gontschar (* 1946), Politiker und Staatsmann Swetlana Awakowa (* 1953), Bildhauerin Sergei Kurjochin (1954–1996), Pianist, Multiinstrumentalist, Bandleader und Komponist des Avantgarde-Jazz Wadim Wolkowizki (* 1956), Generalleutnant Igor Dunkul (* 1958), russisch-deutscher Komponist und Pianist Waleri Kirijenko (* 1965), Biathlet Avraam Shmulevich (* 1965), israelischer Zionist und Gründer der Bead Arzeynu Bewegung German Andrejew (* 1966), Fußballtrainer und ehemaliger Fußballspieler Wladimir Burmakin (* 1967), Schachspieler Wladimir Konstantinow (* 1967), Eishockeyspieler Wassili Sawin (* 1967), Nordischer Kombinierer Denis Manturow (* 1969), Politiker Roman Oksjuta (* 1970), Eishockeyspieler Kirill Androssow (* 1972), Investor und Professor Larissa Kruglowa (* 1972), Sprinterin Sergei Roschkow (* 1972), Biathlet Denis Jewsejew (* 1973), Schachspieler Irina Malgina (* 1973), Biathletin Jewgeni Nikitin (* 1973), Opernsänger Alexander Rustemow (* 1973), Schachmeister Roman Ljaschenko (1979–2003), Eishockeyspieler Katerina Tretjakowa (* 1980), Sopranistin Nikita Alexejew (* 1981), Eishockeyspieler Ekaterina Isachenko (* 1981), Opernsängerin Alexei Semjonow (* 1981), Eishockeyspieler Sergei Balandin (* 1982), Biathlet Uljana Denissowa (* 1983), Biathletin Ilja Rosljakow (* 1983), Skispringer Zlata Ohnjewitsch (* 1986), ukrainische Popsängerin Anastasia Razvalyaeva (* 1986), Harfenistin Walentina Gunina (* 1989), Schachspielerin Jewgeni Timkin (* 1990), Eishockeyspieler Andrei Swoboda (* 1991), Crosslauf-Sommerbiathlet Anastassija Jegorowa (* 1994), Biathletin Lidija Schurauskaite (* 1999), Biathletin

Weblinks

Website der Stadtverwaltung (russisch) Fotos von Murmansk

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Oblast Murmansk Kategorie:Ort mit Seehafen * Kategorie:Lappland Kategorie:Hochschul- oder Universitätsstadt in Russland Kategorie:Hauptstadt eines Föderationssubjekts Russlands Kategorie:Stadt als Namensgeber für einen Asteroiden