mini|Kreuzbein und Steißbein (Ansicht von rechts)
Das Steißbein, Schweifbein, Schwanzbein, Os caudae (zu lateinisch cauda), Kuckucksbein/-knochen, Os cuculi (zu lateinisch cuculus), Os coccygis, Os coccygeum oder Kokzyx (zu lateinisch coccyx, griechisch κόκκυξ) des Menschen ist der kaudale (‚schwanzwärtig gelegene‘, untere) Abschnitt der Wirbelsäule und folgt auf das Kreuzbein (Os sacrum). Es dient verschiedenen Bändern und Muskeln des Beckens, insbesondere des Beckenbodens und der Hüftgelenke, als Ansatzpunkt. Typischerweise durch einen Sturz auf das Gesäß oder einen kräftigen Tritt kann das Steißbein luxieren oder brechen. Beide Verletzungen sind sehr schmerzhaft.
Anatomie Das Steißbein (lateinisch Os coccygis) besteht aus meist vier, variierend 2 bis 8 Steißwirbeln oder Steißbeinwirbeln (Vertebrae coccygeae),Detlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden (= Exa-Med. Band 4b). Verlag Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 83. die bei den meisten Menschen aber durch Synostose zu einem einheitlichen Knochen verschmolzen sind. Auch die typischen Merkmale von Wirbeln sind weitestgehend zurückgebildet. Das Steißbein wird als Rudiment der Schwanzwirbel der Wirbeltiere angesehen, die sich im Laufe der menschlichen Entwicklung zurückgebildet haben.
Das Kreuzbein-Steißbein-Gelenk kann auch als Synchondrose (Knorpelhaft) ausgebildet sein und ab einem Alter von 30 Jahren verknöchern.Walther Graumann: CompactLehrbuch Anatomie. Band 2, Schattauer Verlag, 2004, ISBN 978-3-7945-2062-6, S. 216.
Erkrankungen Steißbeinbruch mini|Steißbeinfraktur Steißbeinbrüche (Steißbeinfrakturen, in der Regel Querfrakturen) entstehen durch Traumata wie Tritte, Sturz auf das Gesäß oder bei Schwergeburten. Symptome eines Steißbeinbruchs sind neben den starken Schmerzen insbesondere beim Sitzen gegebenenfalls ein sichtbares Hämatom oder sogar rektale Blutungen. Bei der Untersuchung tritt ein Druckschmerz in der Gesäßfalte auf. Anders als bei der bloßen Prellung des Steißbeins und ebenso wie bei einer seltenen Steißbeinluxation kann bei einer rektalen Untersuchung eine schmerzhafte Beweglichkeit und Krepitation des Steißbeines festgestellt werden. Die Diagnose kann durch eine seitliche Röntgenaufnahme des Beckens gesichert werden. Die Behandlung erfolgt mittels Analgetika und Ruhigstellung. Zur Entlastung kann auch ein Ringkissen verwendet werden. Auch Abführmittel zur Erleichterung des Stuhlgangs können angezeigt sein. Eine operative Versorgung kann bei anhaltender schmerzhafter Instabilität (Kokzygodynie) oder Verletzungen des Mastdarms erforderlich sein. In diesem äußerst seltenen Falle erfolgt eine chirurgische Entfernung des distalen Knochenfragments.
Steißbeinluxation Die Verlagerung (Luxation) des Steißbeins kann nach Sturz, Tritt, bei der Geburt oder selten auch durch langanhaltende Fehlbelastungen wie das Fahrradfahren mit einem falschen Sattel auftreten. Das auslösende Ereignis kann schon lange zurückliegen, manchmal schon in der Kindheit, und die Symptome können infolge von Kompensationsmechanismen erst Jahre später auftreten. Betroffene haben bis zur richtigen Diagnose oft einen langen Leidensweg hinter sich. Die Behandlung erfolgt durch Einführung des Zeigefingers in den Mastdarm. Der Therapeut greift das Steißbein mit dem Zeigefinger von innen und dem Daumen von außen und zieht es vom Kreuzbein dorsal (rückenwärts) weg, während das Kreuzbein leicht kaudal (in Richtung Füße) gezogen wird.
Weitere Krankheiten Das Steißbeinteratom ist ein Tumor, der bei Embryos und Kleinkindern auftreten kann.W. Schuster, D. Färber (Herausgeber): Kinderradiologie. Bildgebende Diagnostik. Springer 1996, Band II, S. 399 f., ISBN 3-540-60224-0.
Der Sinus pilonidalis ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Gesäßfalte in der Steißbeinregion. Die Erkrankung steht allerdings in keinem kausalen Zusammenhang zum Steißbein, so dass der deutsche Name „Steißbeinfistel“ vermieden werden sollte.Leitlinie Sinus pilonidalis der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK)
Weblinks
Einzelnachweise Anton Waldeyer: Anatomie des Menschen. De Gruyter, Berlin / New York 2002, ISBN 978-3-11-016561-6, S. 637.
Kategorie:Wirbel Kategorie:Schwanz