Karlstadt ist die Kreisstadt des unterfränkischen Landkreises Main-Spessart und liegt rund 25 Kilometer nördlich von Würzburg im mainfränkischen Weinbaugebiet.
Im mainfränkischen Dialekt heißt Karlstadt Karscht bzw. Karscht am Mee. Die Bewohner werden scherzhaft Flaak bzw. Karschter Flaak genannt.
Geographie Gemeindegliederung Es gibt 12 Gemeindeteile auf 11 Gemarkungen, die weitgehend den Gebieten der ehemaligen Gemeinden entsprechen.
GemeindeteilSiedlungstypGemarkungErlenbachDorfWiesenfeldGambachPfarrdorfGambachGainfurter MarkungHeßlarPfarrdorfHeßlarKarlburgPfarrdorfKarlburgKarlstadtHauptortKarlstadtLaudenbachPfarrdorfLaudenbachMühlbachPfarrdorfMühlbachRettersbachDorfWiesenfeldRohrbachPfarrdorfRohrbachStadelhofenPfarrdorfStadelhofenStettenPfarrdorfStettenWiesenfeldPfarrdorfWiesenfeld
Nachbargemeinden
Name Etymologie Das Grundwort im Namen Karlstadt ist das mittelhochdeutsche Wort stat (Stadt). Der Name „Karl“ verweist auf einen der karolingischen Herrscher und wurde von der Ursiedlung Karlburg übernommen.
Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1219 Karlstat 1225 Karlestat 1248 Karlstat 1525 CarlstatChristine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 136. 1575 Carolstat 1747 Carlstadt 1801 Karlstadt
Geschichte Vor der Gebietsreform in Bayern Die erste Erwähnung von Karlburg 742 steht im direkten Zusammenhang mit der Gründung des Bistums Würzburg. Um 1202 erfolgte die Gründung der nahe der Karlburg gelegenen Siedlung Karlstadt durch Bischof Konrad von Querfurt. Das exakte Gründungsdatum ist nicht bekannt. 1277 erfolgt der früheste Nachweis des Stadtsiegels.
Nach dem Bauernkrieg von 1525 wurden am 17. August des Jahres Hinrichtungen und Landesverweisungen von Personen aus der Stadt Karlstadt und dem Amt Karlburg im Auftrag des Fürstbischofs durchgeführt.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 135 f.
Das Oberamt Karlstadt des Hochstiftes Würzburg wurde nach der Säkularisation 1803 infolge des Friedens von Lunéville und durch den Reichsdeputationshauptschluss 1803 dem Kurfürstentum Bayern zugesprochen. Bayern trat im Frieden von Pressburg im Tausch gegen Tirol das Fürstentum Würzburg 1805 an den Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung seines Großherzogtums Würzburg ab und dieses fiel dann 1814 nach der napoleonischen Ära endgültig an Bayern.
Im Jahre 1933 lebten 48 Juden in Karlstadt, fünf Familien (namens Freudenberger und Strauß, die in Karlstadt ein Schuhgeschäft und zwei Textilgeschäfte besaßen) davon aus Unterleinach stammend. Am 10. November 1938 wurden jüdische Einrichtungen wie ein Betsaal zerstört, Juden misshandelt und die jüdischen Männer inhaftiert. Juden, die nicht in Konzentrationslager kamen, zogen 1939 nach Würzburg, wo sie dann ebenfalls deportiert wurden.Christine Demel: Leinach. Geschichte – Sagen – Gegenwart. Gemeinde Leinach, Leinach 1999, S. 438 f. (Das Ende der ehemaligen Unterleinacher Juden in Karlstadt).Vgl. auch Andrea Gehring: Die Karlstadter Juden unter dem Hakenkreuz. Analyse einer antisemitischen Politik (= Schriftenreihe der Volkshochschule Karlstadt in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Karlststadt. Heft 8). Das Landgericht Karlstadt (älterer Ordnung) war Vorläufer des Landkreises Karlstadt, der 1972 aufgelöst wurde.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1971 die Gemeinde Gambach eingegliedert. Am 1. Januar 1978 kam Stetten hinzu. Heßlar, Karlburg, Laudenbach, Mühlbach, Rohrbach, Stadelhofen und Wiesenfeld folgten am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 14.669 auf 15.004 um 335 Einwohner bzw. um 2,3 %.
Politik
Stadtrat Der Stadtrat hat (ohne Bürgermeister) 24 Mitglieder. CSU SPD GRÜNE FWG Die Linke/Die PARTEI Gesamt 2002 10 7 2 5 — 24 Sitze 2008 8 6 3 7 — 24 Sitze 2014 8 5 5 6 — 24 Sitze 2020Stadtratswahl 2020, abgerufen am 30. Juni 2020 8 4 5 6 1 24 Sitze 2026 9 4 5 6 – 24 Sitze
Bürgermeister Michael Hombach (CSU) ist seit 1. Mai 2020 Erster Bürgermeister; sein Vorgänger war von Mai 2008 bis April 2020 Paul Kruck (Freie Wählergemeinschaft). Hombach wurde in der Stichwahl vom 29. März 2020 mit 58,7 % der Stimmen gewählt und am 8. März 2026 im ersten Wahlgang mit 51,5 % im Amt bestätigt.
Wappen
Partnerstädte Cuckfield (West Sussex, Vereinigtes Königreich) Mühlbach (Pustertal, Südtirol, Italien) Querfurt (Sachsen-Anhalt, Deutschland) Maen Roch, früher Saint-Brice-en-Coglès (Bretagne, Frankreich)
Baudenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Der Bahnhof Karlstadt (Main) liegt an der Main-Spessart-Bahn (Würzburg–Aschaffenburg) und wurde am 1. Oktober 1854 eröffnet. Er wird meist stündlich vom Regionalexpress der Linie Würzburg-Frankfurt (Main) und von Regionalbahnen der Linie Würzburg-Gemünden (Main)-Jossa bedient. Durch das Gemeindegebiet verläuft die Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg in Nord-Süd-Richtung. Auf dem Gebiet der Gemeinde liegt ein Abschnitt des Mühlbergtunnels und ein Teil der Nantenbacher Kurve. Der regionale Busverkehr erfolgt im Rahmen des Verkehrsverbunds Nahverkehr Mainfranken. Seit März 2024 wird in Karlstadt auch ein Bürgerbus betrieben, das „Karschter Büssle“, das auf sechs Linien 45 Haltestellen bedient. Außerdem liegt Karlstadt am Knotenpunkt zweier Bundesstraßen, der B 26 und der B 27. Ebenfalls führen die Staatsstraße 2435 und 2438 durch Karlstadt. Die nächsten Autobahnen sind die BAB 3 mit den Anschlussstellen Marktheidenfeld, Rottendorf und Helmstadt, die BAB 7 mit den Anschlussstellen Gramschatzer Wald, Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck und Hammelburg und die BAB 70 mit der Anschlussstelle Autobahnkreuz Schweinfurt/Werneck. Auf zwei Straßenbrücken, der Mainbrücke Karlstadt von 1953 und der nördlich gelegenen Karolingerbrücke, kann der Fluss überquert werden. Ferner ist die Stadt auf dem Wasserweg über den Hafen Karlstadt erreichbar. In Karlstadt gibt es einen Flugplatz, das Segelfluggelände Karlstadt-Saupurzel. Dieses verfügt über zwei lange, unbefestigte Start- und Landebahnen. Oft starten hier Flüge der allgemeinen Luftfahrt.
Industrie, Handwerk und Gewerbe mini|Schwenk-Zementwerk Karlstadt
Die Eisenwerke Düker, das Zementwerk Schwenk Karlstadt und das Furnierwerk Kohl bestimmen den Süden der Stadt. Das Zementwerk Schwenk bezieht den nötigen Kalkstein aus einem Steinbruch auf der anderen Mainseite, der mit dem Werk über einen Bandförderer verbunden ist, der über eine Hängebrücke über dem Main führt. Neben diesen drei großen Industriebetrieben sind auch zahlreiche Handwerksbetriebe in Karlstadt angesiedelt. Weiterer großer Arbeitgeber ist das Landratsamt Main-Spessart. Die meisten Einwohner pendeln jedoch in das 25 Kilometer entfernte Würzburg oder in das ca. 18 km entfernte Lohr am Main.
Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung Die Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung des Trinkwassers wird von den Stadtwerken Karlstadt übernommen. Das Trinkwasser für Karlstadt stammt ausschließlich aus Grundwasser. Es wird in den Gewinnungsanlagen Werntal und Wiesenfeld gefördert. Der Hauptort Karlstadt selbst wird durch die Anlage Werntal versorgt.
Im Werntal liegen die Brunnen in der Talaue der Wern nördlich von Thüngen am Fuß des Riedberges. Das Wasser stammt aus dem nördlichen Bereich der mainfränkischen Muschelkalkplatten. Die Brunnen der Anlage Wiesenfeld liegen südlich und südwestlich von Wiesenfeld. Hier stammt das Wasser von der Marktheidenfelder Platte.
Nach der Förderung wird das Wasser direkt in das Leitungsnetz eingespeist. Eine Aufbereitung des Rohwassers wie Belüftung oder Desinfektion ist nicht nötig. Mit einer Gesamthärte von 19,5 bzw. 25,7 °dH (Gewinnungsanlage Wiesenfeld bzw. Werntal) fällt das Wasser in den Härtebereich „hart“. Der Brutto-Verbrauchspreis liegt bei 3,01 Euro je Kubikmeter. Im Jahr 2016 hatten 99,7 % der Einwohner Karlstadts einen Anschluss an das Trinkwassernetz.
Die Ableitung und Reinigung des anfallenden Abwassers fällt ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke Karlstadt. 99,3 % der Stadtbewohner waren 2016 an die 130 Kilometer lange Kanalisation angeschlossen. Das Abwasser wird in vier eigenen Kläranlagen gereinigt. Die Hauptkläranlage in Karlstadt hat eine Kapazität von 19.500 Einwohnerwerten und behandelt das Abwasser von Karlstadt, Gambach, Karlburg, Laudenbach und Mühlbach im Belebtschlammverfahren. Das gereinigte Abwasser wird in den Main eingeleitet. Für den Stadtteil Wiesenfeld steht eine belüftete Abwasserteichanlage mit 2.300 EW zur Verfügung. Sie besteht aus 3 belüfteten Teichen und einem Nachklärteich und leitet in den Ziegelbach ein. Die im Trennsystem entwässerten Weiler Erlenbach und Rettersbach haben je eine Kompaktanlage, die 2012/2013 errichtet wurden (Erlenbach: , Rettersbach: ). Das Abwasser von Stetten und Heßlar wird über die Kläranlage von Thüngen entsorgt.
Medien Der Sendeturm „Langer Karl“ östlich der Stadt dient zur Verbreitung von Radio Charivari auf 88,6 MHz mit 50 Watt ERP.
Tourismus Besonders in den Sommermonaten ist die Altstadt ein beliebtes Ziel von Radtouristen, die sowohl über den Werntal-Radweg als auch über den Maintal-Radweg nach Karlstadt gelangen. Durch Karlstadt verläuft auch der Fränkische Marienweg. Übernachtungsmöglichkeiten bieten drei Hotels, einige Pensionen und ein Campingplatz am Mainufer.
Veranstaltungen Seit 1996 findet im Juli am Saupurzel ein „Umsonst & Draussen“-Festival statt, das mit einer Schaumparty verbunden ist.
Weinbau mini|Der Grainberg im Herbst Nur noch geringe wirtschaftliche, aber hohe kulturelle Bedeutung hat der Weinbau. Auch wenn in Karlstadt nur noch sehr wenig Menschen vom Weinbau leben, ist er für die Selbstwahrnehmung und die lokale Lebensart weiterhin wichtig. Karlstadter Lagen sind der Roßtal (Großlage) und Im Stein Einzellage. Daneben gibt es weitere Lagen in zahlreichen Ortsteilen, vor allem in Stetten (Stettener Stein) sowie auch am Übergang von Karlstadt zu Gambach an den Westhängen von Grainberg und Kalbenstein.
Natur Naturschutzgebiet Grainberg-Kalbenstein und Saupurzel Naturschutzgebiet Mäusberg-Rammersberg-Ständelberg
Diese Trockengebiete um Karlstadt sind die floristisch und faunistisch reichhaltigsten in Bayern. Das NSG Grainberg-Kalbenstein und Saupurzel besitzt außerdem noch einige bemerkenswerte Geotope.
Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2023): Kindergärten: neun mit 797 Kindergartenplätze mit 732 Kindern Grund- sowie Mittel-/Hauptschulen: drei mit 60 Lehrkräften und 783 Schülern Johann-Schöner-Gymnasium: 67 Lehrkräften und 865 Schülern Johann-Rudolph-Glauber-Realschule: mit 39 Lehrkräften und 522 Schülern Staatliche Berufsschule Main-Spessart: mit 52 Lehrkräften und 1509 Schülern Förderschule (Leo-Weismantel-Schule) Des Weiteren: Städtische Sing- und Musikschule: 18 Lehrkräfte und 499 Schüler (Stand Schuljahr 2012/2013) Jugendkulturzentrum „Piranha“ mit etwa 10 000 Besuchern im Jahr Seit dem 7. Juli 2007 tragen alle vier Schulen in Karlstadt den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Sport In Karlstadt existieren vier Sportvereine. Der TSV Karlstadt bietet Basketball, Handball, Volleyball, Tennis, Leichtathletik und Schwimmen an. Fußball wird vom FV 1920 Karlstadt geboten. Erfolgreichster Fußballclub ist aber der TSV Karlburg vom gleichnamigen Stadtteil, der in der Bayernliga Nord spielt.
Persönlichkeiten, Töchter und Söhne Johann Schöner (* 16. Januar 1477; † 16. Januar 1547), Mathematiker, Geograph, Kartograph, Astronom und Astrologe Andreas Bodenstein (nach seinem Geburtsort auch Karlstadt bzw. in latinisierter Form Carolstadius genannt, * 1486; † 24. Dezember 1541), Reformator Johann Draconites (eigentlich Johann Drach, * um 1494; † 18. April 1566), Theologe, humanistischer Philosoph und Reformator