Shkodra () ist eine Stadt im Norden Albaniens. Sie liegt zwischen dem Skutarisee und den Flüssen Kir, Drin und Buna.

Die 2400 Jahre alte Stadt ist seit jeher regionales Verwaltungszentrum. Heute ist Shkodra Amtssitz der Bashkia (Stadtgemeinde) sowie Hauptstadt des Qarks Shkodra. Die Stadt zählt 61.633 Einwohner (Volkszählung 2023) und ist die siebtgrößte Stadt des Landes.

Shkodra ist traditionell das kulturelle Zentrum Nordalbaniens. Viele Shkodraner Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft waren in der Vergangenheit auch von nationaler Bedeutung. Ihnen verdankt man beispielsweise die ersten Fotografien, die in Albanien angefertigt wurden, oder künstlerische Werke, welche das albanische Nationalbewusstsein bis in die Gegenwart prägen. Nicht umsonst war die Stadt bis vor einem Jahrhundert eines der kulturellen Zentren Albaniens, wo auch die albanische Nationalbewegung Rilindja (Wiedergeburt) viele Anhänger und Unterstützer hatte. Deswegen gilt das kulturelle und historische Erbe Shkodras als eines der bedeutendsten nicht nur in Albanien selbst, sondern in allen von Albanern bewohnten Gebieten auch in den Nachbarländern.

Name Erstmals in der Antike lateinisch als Scodra erwähnt, übernahmen im Laufe der Geschichte alle Sprachen diesen ursprünglich illyrischen Namen. Albanisch heißt die Stadt Shkodra (bestimmte Form) oder Shkodër (unbestimmte Form). Auf Serbokroatisch wird sie Skadar (Скадар), auf Türkisch İşkodra und auf Italienisch Scutari genannt, wovon die früher gebrauchte Bezeichnung im Deutschen Skutari abgeleitet ist.

Geographie mini|Luftaufnahme Shkodras mit Skutarisee und Tarabosh im Vordergrund und Drin rechts

Lage Das antike Shkodra lag hauptsächlich auf dem Burghügel Rozafa, eingeklemmt auf drei Seiten von den Flüssen Kir im Osten, Drin im Süden und Buna im Westen. Nur gegen Norden öffnet sich eine weite Ebene entlang des Skutarisees, die im Osten von Ausläufern der Albanischen Alpen begrenzt wird und wo sich heute das moderne Shkodra befindet. Auf der anderen Flussseite Richtung Süden erstreckt sich die Ebene bis an die adriatische Küste bei Lezha. Die Lage der Stadt Shkodra war in der Vergangenheit – aber auch heute noch – von hoher strategischer Bedeutung, denn alle Handelsrouten mussten von Westen her die Engstelle bei Shkodra passieren, um dann weiter Zentral- oder Südalbanien zu erreichen. Diese besondere Position verhalf der Stadt in ihrer Geschichte oftmals zu ihrem Reichtum bzw. machte sie zum Gegenstand von Konflikten zwischen rivalisierenden Mächten.

Das heutige Stadtgebiet von Shkodra wird im Westen von Sümpfen des Skutarisees, im Südwesten von den drei Flüssen und im Osten vom Kir mit seinem ziemlich breiten Flussbett begrenzt. Im Norden öffnet sich die Ebene zwischen See und Bergland. Die beiden Dörfer Shiroka und Zogaj am Ufer des Sees unterhalb des Tarabosh () gehören ebenfalls zur Stadt. Die Grenze zu Montenegro ist 34 Straßenkilometer entfernt.

Gemeinde Bis 2015 war Shkodra eine eigenständige Gemeinde (bashkia), die dann mit den anderen Gemeinden des Kreises Shkodra zusammengelegt wurde. Diese bilden heute die Njësitë administrative (Verwaltungseinheiten): + Njësitë administrative (alte Gemeinden) Name Einwohner 2023 Einwohner 2011 Gemeindeart Shkodra 61.663 77.075 Bashkia Ana e Malit 2.652 3.858 Komuna Bërdica 4.062 5.773 Komuna Dajç 2.494 3.885 Komuna Guri i Zi 6.315 8.085 Komuna Postriba 4.744 7.069 Komuna Pult 245 1.529 Komuna Rrethinat 15.968 21.199 Komuna Shala 584 1.804 Komuna Shosh 90 304 Komuna Velipoja 3.647 5.031 Komuna Die ganze Gemeinde hat 102.434 Einwohner (Volkszählung 2023). Dies ist ein Viertel weniger als noch zwölf Jahre zuvor (Volkszählung 2011: 135.612 Einwohner).

Gewässer Der Wasserreichtum der Region zwischen Shkodra und Lezha war für die Menschen schon immer Segen und Plage zugleich. Der fruchtbare Boden bescherte der Landwirtschaft und Viehzucht hohe Erträge, doch die Unberechenbarkeit der aus dem nördlichen Bergland kommenden Flüsse, allen voran des Drins, führt immer noch regelmäßig zu Überschwemmungen, welche wiederum die Erträge zerstören.

Klima In Shkodra herrscht Mittelmeerklima mit kontinentalem Einfluss. Die Sommer sind oft trocken und heiß, die Winter niederschlagsreich und relativ mild. Der niederschlagsreichste Monat ist der November mit durchschnittlich 230 mm und 16 Regentagen. Der niederschlagsärmste Monat ist der Juli mit 42 mm. Die durchschnittliche Höchsttemperatur wird mit 31 °C in den Monaten Juli und August erreicht, die Tiefsttemperatur im Monat Januar mit 0 °C.

Geschichte Erste Besiedlung und Illyrer mini|Der Festungshügel Rozafa wurde schon in der Antike besiedelt.

Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Sie wurden südlich der heutigen Stadt beim Ort Tepe gefunden und lassen sich in die Bronzezeit einordnen.

Zu der Zeit ihrer ersten Erwähnung im 4. Jahrhundert v. Chr. war Scodra Residenzstadt des illyrischen Stammes der Ardiäer, die über ein Gebiet zwischen den heutigen Staaten Albanien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien herrschten. Zahlreiche Artefakte und Inschriften in der Stadtfestung Rozafa zeugen von dieser Zeit. Nach den Ardiäern nahm der ebenfalls illyrische Stamm der Labeaten den Platz ein und war weitaus mächtiger als ihre Vorgänger. Königin Teuta, König Agron und König Genthios gehörten zu den berühmtesten Persönlichkeiten der Labeaten und ließen viele Silbermünzen prägen, welche meist ihren Namen in griechischer Sprache oder ihr Porträt zeigen.

Römer Den Römern war das labeatische Königreich schon lange Zeit ein Dorn im Auge; sie begannen 229 v. Chr. erstmals mit der Entsendung einer römischen Armee nach Illyrien. Der Erste Illyrische Krieg begann, und vor Scodra mussten sich die illyrischen Armeen der Königin Teuta den Römern geschlagen geben. Das labeatische Königreich zerfiel, und die Dynastie regierte nur noch über das Gebiet der Stadt. 168 v. Chr. wurde auch sie von den Römern eingenommen und der damalige König Genthios nach Iguvium in Italien interniert. Ab dem 1. Jahrhundert war Scodra Teil der römischen Provinz Dalmatia. Im Zuge der Verwaltungsreform Kaiser Diokletians wurde es Ende des 3. Jahrhunderts Hauptstadt der neu geschaffenen Provinz Praevalitana. Mit der Verbreitung des Christentums wurde im 4. Jahrhundert das Erzbistum Scodra gegründet und 535 von Kaiser Justinian der neu geschaffenen Erzdiözese Iustiniana Prima unterstellt – Scodra somit zum Bistum zurückgestuft.

In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts wurde die antike Stadt Scodra von eindringenden Slawen erobert.

Mittelalter 1040 wurde Shkodra vom Fürstentum Zeta erobert. Ab 1360 herrschte das Adelsgeschlecht der Balšić (albanisch Balsha) über Zeta und erhoben Shkodra zu ihrer Hauptstadt. Das seit 1185 zum Serbischen Reich gehörende Zeta verteidigte erfolglos 1393 die Stadt gegen die Osmanen, die sie für kurze Zeit besetzt hielten.

1396 übernahm die Republik Venedig die Macht in Shkodra, welches nun Teil des Venezianischen Albaniens wurde. 1403 kam es zu einem Aufstand der Shkodraner gegen die venezianische Herrschaft. Während der Herrschaft der Löwenrepublik blühte die Stadt zu einer reichen Handelsstadt auf.

Osmanische Zeit mini|Darstellung der vergeblichen Belagerung Skutaris durch Mehmed II. in der ehemaligen Scuola degli Albanesi, 1474 mini|Die Brücke von Mes ist ein wichtiges Bauwerk aus osmanischer Zeit (erbaut im 18. Jahrhundert).

1479 wurde Shkodra von den Osmanen nach langer Belagerung der Burg Rozafa erobert, und Shkodra wurde Hauptstadt des gleichnamigen Vilâyets. Soweit die Einwohner die Belagerung überlebt hatten und nicht bereits vorher aus der Stadt geflohen waren, verließen sie die Stadt mit den abziehenden venezianischen Truppen und wurden auf dem verbleibenden venezianischen Territorium angesiedelt.Oliver Jens Schmitt: Das venezianische Albanien (1392-1479). R. Oldenbourg, München 2001, ISBN 3-486-56569-9, S. 628, S. 631/632

Es dauerte längere Zeit, bis sich die Stadt von den Zerstörungen und der Entvölkerung infolge der osmanischen Eroberung erholen konnte und wieder zu einem bedeutenden Handelsort wurde, der nun vom Austausch zwischen dem Osmanischen Reich und dem übrigen Europa profitieren konnte. Noch 1614 wurde Shkodra von einem französischen Reisenden als kleine Stadt mit kaum 300 Häusern beschrieben. Der türkische Reisende Evliya Çelebi dagegen schildert sie etwa 50 Jahre später als blühende Handelsstadt mit 1800 Häusern (das entspricht etwa 9000 Einwohnern, etwas mehr als Berlin in jener Zeit hatte) – bis zu dieser Zeit hatte die Burg Rozafa auch als Wohnviertel gedient. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts konvertierten fast alle Einwohner zum Islam.

1757 erklärte sich der lokale Feudalherr Mehmet Bej Bushati zum Pascha der Region Shkodra. Er führte die politischen Geschäfte fast selbstständig und erlangte so mehr Autonomie gegenüber der Hohen Pforte. Seine Blütezeit erreichte das Paschalik von Shkodra jedoch erst mit seinem Sohn Kara Mahmut, der die Grenzen seines Machtbereichs bis nach Kosovo und Berat erweiterte. 1785 griff er das benachbarte Montenegro an und konnte die Piratenbastion Ulcinj erobern, deren Flotte er in Brand setzte. Schnell wurde der Westen Europas auf ihn aufmerksam und Kara Mahmut bat bei den Habsburgern um Waffen und Geld, um das Osmanische Reich zu bekämpfen. Dieses schickte schnell seine Truppen nach Shkodra zur Rückeroberung, so im November 1787. Doch die Osmanen mussten schon nach dreimonatiger Belagerung der Festung Rozafa sich den überlegeneren Soldaten Kara Mahmuts geschlagen geben. 1796 nahm er einen weiteren Versuch, Montenegro anzugreifen, doch dieses Mal erlebte er eine Niederlage und er wurde sogar geköpft. Nach seinem Tod wurde sein jüngster Bruder, Ibrahim Pascha, sein Nachfolger. Dieser war jedoch immer ein Gegner der Politik seines Bruders und war immer dem Sultan treu. Er verwaltete das Paschalik von Shkodra bis zu seinem Tod 1810.

Zeit der Nationalbewegung „Rilindja“ 1860 gründeten Jesuiten ein Seminar und 1870 wurde mit Hilfe Österreich-Ungarns ein theologisches Gymnasium des Franziskanerordens eingerichtet. Die Österreicher zielten damit darauf ab, ihren Einfluss im katholischen Nordalbanien zu vergrößern. Die in Shkodra wirkenden und arbeitenden Priester und Pfarrer hatten jedoch in der örtlichen Bevölkerung keinen guten Ruf. Ihnen wurde vorgeworfen, sie würden aus den Handelsbeziehungen mit Österreich-Ungarn nur eigene Vorteile ziehen und würden die einheimischen Kleinhändler hintergehen. Die muslimischen Shkodraner – und allgemein die Albaner – waren gegenüber der Doppelmonarchie mehr als misstrauisch. Um den österreichischen Einfluss in Shkodra so viel wie möglich zu minimieren, wurden in der Stadt auch italienische Schulen eröffnet.

Als einzige bedeutende Stadt Albaniens, die nicht auch von anderen Kulturen wesentlich beeinflusst wurde, war sie um die Jahrhundertwende ein wichtiger Ort der Rilindja, der albanischen Nationalbewegung.

20. Jahrhundert mini|Römisch-katholische Prozession (etwa 1939/40)

In den Wirren der Balkankriege 1912/13 beanspruchten Montenegriner und Serben die Stadt für ihre Staaten (es gab Minderheiten von Serben und Montenegrinern in der Region, welche aber heute größtenteils assimiliert oder abgewandert sind).

Nach der Ermordung des osmanischen Kommandanten Hasan Riza Pascha hielt die montenegrinische Armee Shkodra einige Zeit besetzt. Auf Druck der europäischen Großmächte musste diese 1913 wieder abziehen, und Shkodra wurde dem gerade unabhängig gewordenen Albanien zugeordnet. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Österreich-Ungarn stationierten in Shkodra Detachements zum Schutz der Stadt. Im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1918 stand die Stadt unter österreichischer Besatzung. Nach dem Krieg folgten die Franzosen, die Shkodra 1920 an den jungen Staat Albanien übergaben.