Durrës ( indefinit [], definit ; oder ; ; im antiken Griechenland ) ist eine Großstadt an der adriatischen Küste Albaniens. In Mittelalbanien gelegen ist sie die wichtigste Hafenstadt und dementsprechend für die Wirtschaft des Landes von hoher Bedeutung. Durrës ist gemessen an der Bevölkerung von rund 100.000 Einwohnern nach der Hauptstadt Tirana, die nur 30 Kilometer östlich liegt, die zweitgrößte Stadt des Landes und Amtssitz des gleichnamigen Qarks. Durrës und Tirana bilden eine Metropolregion.
Die von Griechen im 7. Jahrhundert v. Chr. als Kolonie gegründete Stadt hatte bei den Römern, aber auch später bei den Byzantinern eine strategisch wichtige Rolle. Die Handelsstraße Via Egnatia begann in Durrës und führte durch das Landesinnere der Balkanhalbinsel nach Konstantinopel. Die Adria ist zwischen Durrës und Brindisi (Italien) 150 Kilometer breit.
Heute ist Durrës nach Tirana die wirtschaftlich wichtigste Stadt des Landes. Der Hafen Durrës ist der größte Albaniens. Auch für den Tourismus in Albanien ist Durrës bedeutend. In den 2000er Jahren sind vor allem entlang der Sandstrände an der Bucht im Süden zahlreiche Hotels entstanden; die Infrastruktur hat sich im Vergleich zu den 1990er Jahren deutlich verbessert.
Geographie Lage Durrës liegt am Adriatischen Meer etwa 40 Kilometer westlich der albanischen Hauptstadt Tirana (Luftlinie) im westlichen Mittelalbanien. Die ursprüngliche Stadt – der heutige historische Kern – lag eingeklemmt zwischen Meer im Süden und Westen, einer lange Zeit versumpften Ebene im Osten und einer kleinen Hügelkette, die sich zwischen der Ebene und dem Meer nach Norden erstreckt. Heute breitet sich die Stadt in großflächigen Neubausiedlungen in diese Ebene nach Osten aus. Auch an der Küste nach Süden Richtung Kavaja entwickelte sich der Ort stark weiter: In Durrës Plazh sind unzählige Hotels, Appartementhäuser, Feriendörfer und Geschäftsgebäude entstanden.
Die Stadt ist arm an Gewässern und auch sonst ist die Umgebung durch Rodung vegetationslos. Ringsum von Durrës werden die Flächen dadurch für die Landwirtschaft und Viehzucht benutzt.
Durrës gehört gemäß NUTS:AL zur statistischen Region Nordalbanien.
Gemeinde Durrës mini|hochkant=0.5|Lage der neuen Gemeinde Durrës in Albanien Seit 2015 gehören auch die fünf Gemeinden Ishëm, Katundi i ri, Manza, Rrashbull und Sukth zur Gemeinde Durrës. Diese bilden heute Njësitë administrative (Verwaltungseinheiten) der Bashkia. Zusammen umfasst die Gemeinde Durrës den ganzen westlichen und nördlichen Teil des ehemaligen Kreises Durrës.
Der östlich von Durrës gelegene Vorort Rrashbull gehört mit 20.000 Einwohnern zu den 15 größten Städten Albaniens.
Die große Ebene östlich der Stadt Durrës hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von rund 30 Kilometern und eine West-Ost-Ausdehnung von 15 Kilometern. Diese somit etwa 450 Quadratkilometer weite Fläche wird im Westen von der Adria sowie der Stadt Durrës begrenzt. Im Norden, Osten und Süden ist sie von einer Hügelkette umringt, die maximale Höhen von 400 Metern erreicht. Ziemlich genau in der Mitte wird die Ebene von Süden nach Norden durch den Fluss Erzen durchflossen, der nördlich von Durrës ins Mittelmeer mündet. Im Nordwesten befindet sich die Bucht von Lalëz, während im Südwesten bei Durrës die nach ihr benannte Bucht von Durrës liegt.
Zum Gemeindegebiet gehören auch die Hügel im Nordosten der Ebene bis Gebiete in der Ebene von Tirana sowie die ganze Halbinsel am Kap Rodon am nördlichen Ende der Bucht von Lalëz.
Nachbarstädte sind im Osten Vora und das ländlich geprägte Shijak und im Südosten Kavaja, das zum Qark Tirana gehört. Im Nordosten liegt die Gemeinde Kruja mit Fushë-Kruja als größter Stadt.
Stadtbezirke Die Stadt Durrës ist in sechs Stadtbezirke (alb. Rajone) untergliedert:
Bezirks- nummer Einwohner (Bashkia 2015) Fläche (km²) 1 28.789 2,98 2 28.902 1 3 27.674 0,6 4 53.409 10,32 5 64.776 15,8 6 4.004 15,6
Klima Durrës hat ein mediterranes Klima. Im Januar sind die Temperaturen mit durchschnittlichen nächtlichen Tiefstwerten von 5 °C und durchschnittlichen Tageshöchstwerten von 12 °C am niedrigsten. Die wärmsten Monate, Juli und August, weisen im Mittel Temperaturen zwischen 21 °C in der Nacht und 28 °C am Tage auf. Am trockensten ist der Juli mit einer durchschnittlichen Niederschlagssumme von etwa 1 mm. Auch im Juni und August ist es mit Regenmengen unter 10 mm sehr trocken. Der nasseste Monat ist der November mit 40 mm.
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dezminimale Temperatur (°C) 5,0 6,0 8,0 11,0 15,0 19,0 21,0 21,0 18,0 14,0 11,0 7,0maximale Temperatur (°C) 12,0 13,0 14,0 18,0 21,0 25,0 28,0 28,0 24,0 22,0 16,0 13,0Quelle: MSN Weather
Geschichte Name Der heutige Stadtname Durrës bzw. Durrësi ist eine albanische Weiterentwicklung vom italienischen Namen Durazzo, welcher im Mittelalter vor allem von den Venezianern benutzt wurde. Diese bezogen sich auf das mittelgriechische , so wie die Stadt von den Byzantinern genannt wurde. Dyrráchion hingegen war eine Weiterentwicklung vom lateinischen Dyrrhachium. Bis hierhin lässt sich somit der Wortstamm Durrës zurückverfolgen. Der Name Dyrrhachium wird erstmals im 3. Jahrhundert v. Chr. erwähnt, als die Römer die Stadt von den Illyrern eroberten. Vorher hieß der Ort , so wie die dorischen Kolonisten 627 v. Chr. ihre neue Heimat benannten.
Antike mini|Ruinen des römischen Forums Die Stadt Durrës wurde im Jahr 627 v. Chr. als Epidamnos (, ) von dorischen Kolonisten aus Korinth und Korfu gegründet. Thukydides nennt den Korinther Phalios, den Sohn von Eratokleidas aus dem Geschlecht der Herakleiden, als Stadtgründer.Thukydides: 1,24 Auch in den Historien des Herodot kommt Epidamnos als Heimatort eines Amphimnestos, Sohn des Epistrophos, vor, der mit anderen Mitstreitern um die Gunst des Kleisthenes von Sikyon kämpft, der dem tapfersten und edelsten Hellenen seine Tochter Agariste verspricht.Hdt. hist. 6,126–130. Die umliegende Region wurde von den Griechen Epidamnia genannt.
Um 436 v. Chr. waren die Auswirkungen eines Bürgerkrieges in der Stadt einer der Auslöser des Peloponnesischen Krieges. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde der Stadtstaat (Polis) faktisch Teil des Königreichs Kassanders und Pyrrhos’ I. von Makedonien. Im Jahr 312 v. Chr. eroberten für kurze Zeit illyrische Taulantier aus dem Hinterland die Stadt.
Epidamnus ist ein Schauplatz in Plautus’ Verwechslungskomödie Menaechmi von 200 v. Chr.
Nach den Illyrischen Kriegen kam Epidamnos 229 v. Chr. unter römisches Protektorat. Fortan nannten die Römer sie Dyrrhachium (griech. Dyrrháchion ), angeblich, weil der Wortteil -damnos in lateinischen Ohren Unglück verhieß. Die Stadt wurde zu einem der Ausgangspunkte der Via Egnatia, die das Adriatische Meer mit Byzantium verband. Ein anderer Ausgangspunkt war das 65 Kilometer im Süden gelegene Apollonia, das damals noch am Meer lag. Im 150 Kilometer entfernten Brindisi auf der gegenüberliegenden Seite der Adria endete die Via Appia, die Rom mit dem Südosten der Apenninhalbinsel verband und in der Via Egnatia eine Art Fortsetzung fand. Laut dem römischen Dichter Catull war die Stadt Durrachium Hadriae tabernam – „die Taberna der Adria“ – eine der Rastplätze für Römer, die auf der Adria segelten, wie es Catull selber 56 v. Chr. gemacht hatte.
58 v. Chr. verließ Cicero freiwillig Rom und hielt sich für kurze Zeit in Dyrrhachium im Exil auf. Im Sommer 48 v. Chr. – also mitten im Römischen Bürgerkrieg – kehrte Cicero nach Dyrrhachium zurück, um sich von einer Krankheit zu erholen.
Im Jahr 48 v. Chr. kam es wenig südlich der Stadt anlässlich der Römischen Bürgerkriege zur Schlacht von Dyrrhachium zwischen den beiden Kontrahenten Gaius Iulius Caesar und Gnaeus Pompeius Magnus. Da die Bürger der Stadt Pompeius unterstützt hatten, wurden sie nach Caesars Sieg hart bestraft. Kaiser Augustus machte Dyrrhachium um das Jahr 25 v. Chr. zu einer Veteranenkolonie namens Colonia Iulia Augusta Veneria Dyrrachinorum und siedelte hier zahlreiche Legionäre an, die ihm im Bürgerkrieg bis zur Schlacht bei Actium gedient hatten. Damit verlor die Stadt ihren griechischen Charakter. Obwohl unter Provinzialverwaltung, hatte die Stadt in der Kaiserzeit den Status einer civitas libera und besaß das ius Italicum.
Durrës gehörte angeblich zu den ersten Städten auf der Balkanhalbinsel und überhaupt in Europa, die eine christliche Gemeinde aufnahmen. So sollen bereits 58 n. Chr. in der Hafenstadt einige christliche Familien gelebt haben. Einige Historiker gehen zudem davon aus, dass der Apostel Paulus von Tarsus selbst die Stadt im Zeitraum von 53 bis 58 n. Chr. besuchte. Der christliche Heilige Astios soll um das Jahr 100 in Durrës gewirkt und unter Kaiser Trajan das Martyrium erlitten haben. Zu seiner Zeit flüchteten gemäß späterer Legenden viele Christen aus Italien ins heutige Albanien, um Christenverfolgungen zu entkommen; diese Berichte gelten allerdings als unhistorisch, da es zur fraglichen Zeit gar keine Christenverfolgungen in Italien gab.
Am Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. wurde Dyrrhachium Hauptstadt der neu gebildeten Provinz Epirus nova. Um 430 war die Stadt Geburtsort des späteren Kaisers Anastastius, der Ostrom zwischen 491 und 518 regierte. Anastasius gab den Auftrag, die Verteidigungsanlagen der Stadt auszubauen, welche seit dem Einfall der Goten und einem verheerenden Erdbeben von 345 in einem sehr schlechten Zustand waren. Nach einem weiteren Erdbeben 518 wurden sie von Kaiser Justin I. verbessert und von Kaiser Justinian vollendet. Die Züge dieser Mauern waren noch im 19. Jahrhundert erkennbar.
Wechselnde Herrschaften im Mittelalter Zwischen Byzanz und Bulgarien im Frühmittelalter mini|Venezianische Befestigungsanlagen aus dem 15. Jahrhundert Im Mittelalter stand Durrës (nun mittelgriechisch Dyrrháchion genannt) lange unter der Herrschaft des Byzantinischen Reiches, dessen wichtigste Stadt auf der anderen Seite der Balkanhalbinsel es war. Doch im ganzen Mittelalter war Durrës stark umkämpft und stand unter verschiedenen Fremdherrschaften. Ende des 9. Jahrhunderts drangen so die Bulgaren unter ihren Zaren Simeon I. bis an die Adriaküste vor und verleibten die Stadt ihrem Ersten Reich ein. Zwischen 1000 und 1018 war sie zwischen den beiden Parteien hart umkämpft und wechselte mehrfach den Besitzer, ehe sie nach der Zerschlagung des Ersten Bulgarischen Reiches wieder für längere Zeit byzantinisch wurde und zur Hauptstadt des Themas von Dyrrhachion erklärt wurde.
Byzanz und Serbien gegen Venedig und Anjou im Hochmittelalter Die Normannen versuchten im 11. und 12. Jahrhundert mehrere Male, sich der Stadt zu bemächtigen. 1082 unter Robert Guiskard und 1185 unter Wilhelm II. gelang ihnen dies, sie konnten aber nur für einige Jahre über dieses Gebiet herrschen. 1205 kam die Stadt zum ersten Mal unter die Herrschaft der Republik Venedig, die das Herzogtum Durazzo bildete. 1213 wurde die Stadt und das Herzogtum von Michael I. Komnenos Dukas Angelos, Despot von Epirus, eingenommen. 1257 wurde Durrës vom sizilianischen König Manfred aus der Kaiserdynastie der Staufer besetzt. Kurze Zeit später wurde die Stadt vom Despoten von Epirus, Michael II. Komnenos Dukas Angelos, besetzt und blieb bis 1259 beim Despotat Epirus, als dieses in der Schlacht bei Pelagonia kurzzeitig ans byzantinische Kaiserreich Nikaia fiel.
In den 1270er Jahren gehörte Durrës wieder zum Despotat Epirus unter Nikephoros I. Komnenos Dukas Angelos (Sohn von Michael II. Komnenos Dukas Angelos). 1272 huldigte die Stadt dem König von Sizilien, Karl I. aus dem Haus Anjou, der am 20. Februar den Bürgern ihre bestätigte, Prärogative der albanischen Häuptlinge, die als Bürgschaft ihrer Treue sechs Geiseln stellten, die am 13. Dezember 1274 in Aversa interniert wurden.
mini|hochkant=1.5|In orange der Verlauf der Via Egnatia