Kiew ([]; ; ; ; siehe auch den Abschnitt Namensetymologie und SchreibweiseKiew. In: Duden.de. Abgerufen am 29. September 2025.) ist die Hauptstadt und größte Stadt der Ukraine. Sie liegt am bis hierhin für kleinere Seeschiffe befahrbaren Dnipro und hat auf einer Fläche von 847,66 km² nahezu 3 Millionen Einwohner.Bevölkerung von Kiew am 1. November 2020 auf der Website des Hauptamtes für Statistik von Kiew; abgerufen am 26. Dezember 2020 (ukrainisch) Die Agglomeration umfasst mehr als vier Millionen Einwohner.

Kiew gilt als wichtiger Bildungs- und Industriestandort und bildet darüber hinaus den wichtigsten Verkehrsknotenpunkt des Landes. Wegen der vielen Kirchen und Klöster und seiner Bedeutung für die orthodoxe Christenheit wird Kiew seit dem Mittelalter außerdem als Jerusalem des Ostens bezeichnet. Die im 11. Jahrhundert begonnene Sophienkathedrale und das Kiewer Höhlenkloster, eines der ältesten orthodoxen Klöster der Kiewer Rus, stehen seit 1990 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Geografie Topografie

mini|Satellitenbild Kiews

Die Stadt liegt auf beiden Ufern des Dnipro, der nach Süden dem Schwarzen Meer entgegen fließt. Das rechte, westliche Flussufer mit dem historischen Stadtzentrum ist von zahlreichen, ursprünglich bewaldeten, kleinen Hügeln des Dniprohochlandes geprägt. Ein ständiges Auf und Ab sowie Kastanienbäume sind typisch für die Kiewer Innenstadt. Die Hügel fallen hier steil zum Fluss ab. Weiter im Norden – im Stadtteil Podil – besteht ein flacher und breiter, bebauter Uferstreifen.

Das linke, östliche Flussufer wurde erst im 20. Jahrhundert erschlossen. Im Gegensatz zur gegenüberliegenden Seite ist es flach und von Waldsteppe geprägt. Hier finden sich auch zahlreiche Seen. Einige kleine Nebenflüsse, wie die Lybid, münden innerhalb des Stadtgebietes in den Dnipro. Dieser verzweigt sich im Stadtgebiet in zahlreiche Wasserläufe. Die Truchaniw-Insel und weitere größere Inseln wurden kaum bebaut und dienen als Naherholungsgebiete.

Klima

Das Klima in Kiew ist ein kontinentales, in der Klimaklassifikation nach Köppen ist es als DfB eingeordnet, das heißt, (D) der kälteste Monat hat eine Temperatur von weniger als −3 °C, der wärmste Monat liegt über 10 °C, (f) alle Monate sind feucht und (B) die Temperatur liegt unter 22 °C, es gibt aber noch mindestens vier Monate, die wärmer als 10 °C sind. Die Sommer sind warm mit Durchschnittstemperaturen von 19,3 bis 25,3 °C in den Monaten Juni, Juli und August. Die kältesten Monate sind Dezember, Januar und Februar mit Durchschnittstemperaturen von −4,6 bis −1,1 °C. Am 31. Juli 1936 wurde die Rekordhöchsttemperatur von 39,4 °C gemessen. Die tiefste gemessene Temperatur war −32,2 °C am 9. Februar 1929. Der Schnee bedeckt den Boden durchschnittlich 97 Tage und die Schneehöhe erreicht im Februar eine durchschnittliche Höhe von 20 cm (Maximum 440 cm). Die durchschnittliche Anzahl der frostfreien Tage beträgt 180 Tage. Kiew war üblicherweise von Mitte November bis Ende März mit Schnee bedeckt, wobei dies in den letzten Jahren rückläufig ist. Die Niederschläge betragen durchschnittlich 618 mm pro Jahr und sind über das ganze Jahr verteilt (zwischen 38 und 68 mm je nach Monat), mit den höchsten Werten im Sommer. Die Anzahl der Sonnenstunden liegt bei durchschnittlich 1843 Stunden mit einem deutlichen Maximum im Sommer und einem Minimum zwischen November und Februar.

Stadtgliederung

Kiew ist Verwaltungssitz der umgebenden Oblast Kiew und des Rajon Kiew-Swjatoschyn.

Administrativ wird Kiew in zehn Verwaltungsbezirke (Rajone) unterteilt.

Name Ukrainische Bezeichnung Bemerkung Fläche in km² Bevölkerung 2001Stadtbezirke von Kiew auf citypopulation.de Bevölkerung 2020 Einwohner/km² 2020 Rajon Darnyzja nach der im Rajon aufgegangenen Ortschaft Darnyzja 133,63 282.359 348.376 2.607 Rajon Desna nach dem Fluss Desna 148 336.209 368.942 2.493 Rajon Dnipro nach dem Fluss Dnipro 66,7 331.618 358.377 5.373 Rajon Holossijiw nach der im Rajon aufgegangenen Ortschaft Holossijiw 156,35 202.993 254.298 1.626 Rajon Obolon nach der im Rajon aufgegangenen Ortschaft Obolon 110,2 306.173 318.509 2.890 Rajon Petschersk nach dem Kiewer Höhlenkloster 19,55 131.127 163.544 8.365 Rajon Podil nach dem Stadtviertel Podil 34,04 180.424 208.958 6.139 Rajon Schewtschenko nach Taras Schewtschenko 27 237.213 216.927 8.034 Rajon Solomjanka nach dem im Rajon aufgegangenen Dorf Solomjanka 40,04 287.801 384.246 9.597 Rajon Swjatoschyn nach der im Rajon aufgegangenen Ortschaft Swjatoschyn 103 315.410 342.271 3.323

mini|hochkant=1.5|Stadtrajone von Kiew

Bevölkerung Nach der offiziellen Volkszählung in der Ukraine lebten im Jahr 2001 in Kiew etwa 82,2 % Ukrainer und 13,1 % Russen. Daneben gibt es kleine Minderheiten anderer Nationalitäten und Volksgruppen (Belarussen, Polen, Armenier, Juden und andere). Nationalität Einwohner 1989 (%) 2001 (%) Veränderung (%) Ukrainer 2.110.800 72,5 82,2 +13,3 Russen 337.300 20,9 13,1 −37,1 Juden 17.900 3,9 0,7 −82,1 Belarussen 16.500 1,0 0,6 −34,5 Polen 6.900 0,4 0,3 −33,7 Armenier 4.900 0,2 0,2 +8,9

+ Verteilung der Wohnbevölkerung nach Altersgruppen 2.2; auf database.ukrcensus.gov.ua; abgerufen am 16. Juli 2021 (ukrainisch) Altersgruppe Einwohner 2012 2021 Gesamt Männer Frauen Gesamt Männer Frauen 0–14 Jahre 380.144 195.556 184.588 486.884 251.090 235.794 15–64 Jahre 2.052.516 959.406 1.093.110 1.980.438 932.200 1.048.238 ab 65 Jahre 340.291 124.543 215.748 453.551 163.859 289.692 Gesamt 2.772.951 1.279.505 1.493.446 2.920.873 1.347.149 1.573.724

Die Demografische Entwicklung der vergangenen tausend Jahre:

Sprache Heutzutage wird in Kiew hauptsächlich Ukrainisch und Russisch gesprochen, wobei die Tendenz besteht, dass Ukrainisch vorherrscht. Die Invasion Russlands in die Ukraine löste eine neue Ukrainisierungswelle in der Stadt aus, immer mehr Menschen sprechen lieber Ukrainisch. Laut einer Umfrage des International Republican Institute im April–Mai 2023 wurde Ukrainisch zu Hause von 59 % der Stadtbevölkerung gesprochen, Russisch von 38 %.Luke Harding: generational shift’: war prompts Ukrainians to embrace their language The Guardian, 6. März 2023.

Laut Umfragen der Rating Sociological Group aus dem Jahr 2017 wurde Ukrainisch zu Hause von 30 % der Stadtbevölkerung gesprochen, Russisch von 33 %, Ukrainisch und Russisch zu gleichen Teilen von 36 %, Ukrainisch und eine andere Sprache zu gleichen Teilen von 1 %.

Die Sprachensituation Kiews hat sich im Laufe der Geschichte mehrfach grundlegend verändert.

Zur Zeit der Kiewer Rus wurde in Kiew Altostslawisch gesprochen, aus dem sich das moderne Ukrainisch (sowie das Russische) entwickelte. Unter dem Einfluss Polen-Litauens hielt die polnische Sprache spätestens ab dem 16. Jahrhundert Einzug in Kiew und wurde noch Anfang des 19. Jahrhunderts von einem großen Teil der Kiewer Stadtbevölkerung gesprochen.Timothy Snyder: The Reconstruction of Nations. Yale University Press, New Haven 2003, S. 119–122. Bereits im 17. Jahrhundert wurde Kiew jedoch Teil des Russischen Reichs, parallel dazu wurde das Russische von staatlicher Seite eingeführt und avancierte allmählich zur dominierenden Sprache Kiews. Im Jahr 1902 sprachen von den damals 319.000 Einwohnern noch etwa 20.000 Polnisch.Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 10, Leipzig/Wien 1907, S. 899–900. Mit Ausnahme einiger kurzer Unterbrechungen wurde in Kiew auch zur Zeit der Sowjetunion das Russische gegenüber dem Ukrainischen bevorzugt und das Ukrainische immer weiter verdrängt. In den 1980er Jahren war Kiew zum großen Teil russischsprachig.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion und seit der Unabhängigkeit der Ukraine ist jedoch wieder eine Tendenz zum Ukrainischen erkennbar.

Bei einer öffentlichen Befragung 2005 haben insgesamt 64 % der Kiewer Ukrainisch und 34 % Russisch als ihre Muttersprache genannt. Diese Zahlen sind jedoch nur bedingt aussagekräftig und geben nur teilweise Aufschluss über die im Alltag bevorzugte Sprache, da viele Ukrainer unter dem Begriff Muttersprache einfach nur ihre nationale Sprache verstehen und nicht Muttersprache im linguistischen Sinn.

Eine Studie aus demselben Jahr, mit anderer Fragestellung, ergab für Kiew davon abweichende Zahlen.Oleksandr Kramar: Russification Via Bilingualism The Ukrainian Week, 18. April 2012  Dabei erklärten 41,2 % der Befragten, sowohl Russisch als auch Ukrainisch im Alltag zu nutzen, 39,9 % der Befragten bedienten sich ausschließlich des Russischen und 18,1 % sprachen in der Regel nur Ukrainisch.

Religion

Der auch im Stadtwappen abgebildete Patron von Kiew ist der Erzengel Michael.

Kiew ist Sitz des Metropoliten der ukrainisch-orthodoxen Kirche sowie eines russisch-orthodoxen Metropoliten. Die Kiewer Sophienkathedrale ist die zweitälteste ostslawische Kathedrale, nach der Verklärungskathedrale in Tschernihiw.

Der Großerzbischof der mit der römisch-katholischen Kirche unierten griechisch-katholischen Kirche hat 2005 seinen Sitz von Lwiw nach Kiew verlegt.

Seit 1991 gibt es wieder eine evangelisch-lutherische Gemeinde in der ukrainischen Hauptstadt. Am 29. November 1998 erhielt sie vom Staat auch ihre St. Katharinenkirche wieder zurück. Die Gemeinde, die zur Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche der Ukraine gehört, setzt sich hauptsächlich aus Russlanddeutschen, aber auch aus dem Personal der deutschsprachigen Botschaften mit ihren Familien zusammen.

In Kiew gibt es auch heute trotz mehrerer Emigrationswellen eine zahlenmäßig bedeutende jüdische Minderheit.

Auch das Islamische Institut und die Geistliche Verwaltung der Muslime in der Ukraine befinden sich in Kiew.

Geschichte Namensetymologie und Schreibweise Die Schreibweise der Stadt Kiew im kyrillischen Alphabet lautet auf Ukrainisch „“, auf Russisch „“. Die im Deutschen etablierte Schreibweise „Kiew“ kann als Ergebnis einer Transkription der russischen Schreibweise in das lateinische Alphabet der deutschen Sprache aufgefasst werden. Mit Blick auf ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion bevorzugt die Ukraine deshalb auf den ukrainischen Namen zurückgehende Schreibweisen. Dagegen einigten sich deutsche Nachrichtenagenturen noch im Jahr 2014 auf die Weiterverwendung der Bezeichnung „Kiew“. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 begannen einige deutschsprachige Medien, die von der ukrainischen Schreibweise abgeleitete deutsche Transkription „Kyjiw“ zu verwenden. Im Duden werden beide Bezeichnungen, sowie als alternative Schreibweisen „Kyiv“ und „Kyïv“ geführt. Angesichts des Umstands, dass viele ukrainische Städtenamen „tief im Bewusstsein verwurzelt“ seien und demnach „die Loslösung ukrainischer Namen von ihrem postkolonialen Erbe nicht unproblematisch sein werde“, rät die Übersetzerin Claudia Dathe zu einer „Übergangszeit“.

Das österreichische Außenministerium nutzt seit 2022 offiziell die Schreibweise Kyjiw. Die Taz meldete am 24. Februar 2023 unter dem Titel Kyjiw statt Kiew – Ukrainisch für Fortgeschrittene: „Die taz nutzt nun die ukrainische Schreibweise für Kyjiw […]. Dass noch wenige hier sie kennen, liegt an fehlendem Wissen über die Kultur.“ Das Auswärtige Amt teilte am 23. Februar 2024 die Umstellung auf „Kyjiw“ mit.https://x.com/AuswaertigesAmt/status/1761075741498699944 Der Spiegel und Die Zeit haben am 30. Oktober des Jahres die Schreibweise ebenso geändert, Der Standard im Februar 2025.Gerald Schubert: Kyjiw statt Kiew, Der Standard am 23. Februar 2025 Dagegen benutzen unter anderen die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Welt, Süddeutsche Zeitung, Funke-Mediengruppe, Ippen-Holding (Frankfurter Rundschau, Münchner Merkur) und Neue Zürcher Zeitung mit Stand Dezember 2025 weiter die herkömmliche Schreibung.