mini|300px|Stadtansicht mit St.-Viktor-Kirche mini|300px|Innenstadt
Dülmen ist eine mittlere kreisangehörige Stadt im nordrhein-westfälischen Kreis Coesfeld und liegt zwischen Münster und dem Ruhrgebiet.
Sie hat mit ihren rund 48.000 Einwohnern den Status einer Kleinen Mittelstadt und ist mit einer Fläche von etwa 185 km2 sowohl einwohner- als auch flächenmäßig größte Stadt im Kreis Coesfeld.
Dülmen verfügt über ein großes Radwandernetz, was es zu einem Ausflugsziel insbesondere für das nahe Ruhrgebiet macht. Dülmen ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Eine größere Bekanntheit hat Dülmen durch die Dülmener Wildpferde und die Mystikerin Anna Katharina Emmerick. In St. George Township, Benton County, Minnesota, USA gibt es einen weiteren Ort mit Namen „Duelm“. Dort lassen sich direkte Nachfahren aus Dülmen finden, die in den 1880er Jahren in den Staat Minnesota ausgewandert sind.
Geographie Dülmen liegt im südlichen Münsterland am Naturpark Hohe Mark-Westmünsterland zwischen den Baumbergen mit der jenseits davon befindlichen Stadt Münster im Nordosten, den Borkenbergen im Süden und der Hohen Mark im Südwesten. Ein paar Kilometer südlich fließt bei Haltern die Lippe, östlich verläuft der Dortmund-Ems-Kanal. An der südwestlichen Stadtgrenze bei Hausdülmen beginnt der Kreis Recklinghausen.
Ausdehnung des Stadtgebiets mini|Lüdinghauser Tor – Wahrzeichen Dülmens Ackerland 82,33 km² Gartenland 1,22 km² Grünland 46,28 km² Waldfläche 26,67 km² Wasserfläche 2,64 km² Heide 0,02 km² Abbauland 0,42 km² Unland 0,09 km² Hofflächen 13,31 km² Straßen, Wege und Plätze 8,83 km² Sonstige Nutzungsarten 2,68 km²Gesamtfläche184,49 km²
Stadtgliederung mini|Ortsteile von Dülmen
mini|Haus Merfeld Zur Stadt Dülmen gehören fünf Ortsteile und zwei Stadtbezirke.
Die fünf Ortsteile von Dülmen sind im Uhrzeigersinn gesehen im Norden Rorup, im Nordosten Buldern, im Osten Hiddingsel, im Südwesten Hausdülmen und im Nordwesten Merfeld.
Die beiden Stadtbezirke von Dülmen sind Mitte und Kirchspiel. Der Bezirk Mitte umfasst die eigentliche Stadt. Der Bezirk Kirchspiel umfasst die umliegenden Bereiche und die Bauerschaften Börnste, Daldrup, Dernekamp, Leuste, Mitwick, Empte, Rödder, Weddern und Welte.
Nachbargemeinden Die Stadt grenzt an folgende Städte und Gemeinden, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Süden genannt:
Haltern am See (Kreis Recklinghausen), Reken (Kreis Borken), Coesfeld, Nottuln, Senden, Lüdinghausen (alle Kreis Coesfeld).
Geschichte Mittelalter Das Münsterland mit der Region um Dülmen war einst vom Germanenstamm der Brukterer in Einzel- und Mehrgehöften besiedelt, einer davon war der Haupthof. Nach der fränkischen Okkupation und der christlichen Missionierung erfolgte eine politische und kirchliche Verwaltungsherrschaft, wobei um 800 der Haupthof der späteren Bauerschaft Dülmen in kirchlichen Besitz überging. In Dülmen wurde 2015 die bislang älteste Kirchenglockengussgrube Europas bei archäologischen Grabungen entdeckt. Laut einer radiometrischen Datierungsmethode (C14-Methode) konnte sie in die Zeit zwischen 665/670 und 775 n. Chr. datiert werden. Erstmals wird die Bauerschaft Dülmen urkundlich als „Dulmenni“ im Jahre 889 im Heberegister des Klosters Werden abgabepflichtig erwähnt. Südwestlich des Dorfs Dülmen begannen 1115 die Arbeiten für den Bau der landesherrlichen Burg „Haus Dülmen“. 1299 brandschatzte Graf Eberhard I. von der Mark das Dorf; in der Folgezeit wurde es mit Wall und Graben gesichert. mini|hochkant|Der Nonnenturm in Dülmen mit Fragment der alten Stadtmauer Seit 1305 befand sich nahe dem Ostrand der Siedlung, vor dem späteren Lüdinghauser Tor, eine landesherrliche Gerichtsstätte, das Gogericht „zur Greinkuhle“. Die Stadtrechte wurden am 22. April 1311 durch den Fürstbischof von Münster, Ludwig II. verliehen.Westfälisches Urkundenbuch, Bd. 8: Robert Krumbholtz (Bearb.): Die Urkunden des Bistums Münster von 1301–1325, Teilband 2. Regensberg, Münster 1913, S. 221f., Nr. 636. Zu diesen Rechten gehörte neben einer beschränkten Selbstverwaltung das Marktrecht. Die Pfarrkirche St. Viktor wurde 1323 zur Stiftskirche erhoben. Dem Stiftskapitel gehörten schließlich zwölf Kanoniker an. Senior des Kapitels war der Dechant.
Von 1328 bis 1808 lenkten zwei jährlich gewählte Bürgermeister die Geschicke der Stadt. 1404 erwarben der Bürgermeister und der Rat der Stadt das Grundstück für den Bau des Rathauses. Ab 1414 fanden Arme Hilfe und Aufnahme im Heilig-Geist-Spital. Von 1424 bis 1803 war die weltliche Herrschaft im Bistum Münster in zwölf Ämter aufgeteilt, von denen eines das Amt Dülmen war. Es umfasste die Städte Dülmen und Haltern sowie die Kirchspiele Dülmen, Buldern und Hullern. 1434 wurde nach einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen Stiftskapitel und Stadt ein Lehrer angestellt. 1457 eröffneten Augustinerinnen aus Münster nahe dem heutigen Nonnenturm einen Konvent namens Agnetenberg. Dülmen wurde im Jahre 1470 Mitglied der Hanse. In Weddern wurde 1476/1477 mit der Kartause Marienburg die einzige Niederlassung der Kartäuser in Westfalen gegründet. 1498 verzeichnete die älteste Einwohnerliste 288 Haushaltungen und 780 über zwölf Jahre alte Personen.
Frühe Neuzeit 1507 schlossen sich zur besseren Nutzung der gemeinsamen Marken innerhalb der Stadt fünf „Straßengemeinschaften“ zusammen. 1538 wurden Todesurteile an drei Täufern vollstreckt. 1566 bekam das von der Pest geplagte Dülmen von der Stadt Münster Lebensmittel. 1579 kamen an St. Viktor die Restaurierungsarbeiten an dem um 1500 errichteten Hochchor zum Abschluss. Der Landesherr ließ 1581 einige Juden festnehmen, die sich ohne seine Genehmigung in Dülmen angesiedelt hatten. 1583 wurden während des Spanisch-Niederländischen Kriegs die Bürgerschützen neu organisiert und die Befestigungsanlagen verstärkt. 1591 wurde Dülmen von Spaniern und Niederländern gebrandschatzt. 1601 erhielt die St.-Viktor-Kirche einen Turm mit hoch aufragendem Helm und gotischer Galerie.
mini|hochkant=1.2|Dülmen um 1647 von Südwesten. Die beiden Landsknechte im Vordergrund würden heute auf der Halterner Straße wandern. Im Dreißigjährigen Krieg musste Dülmen 1623 kaiserlichen Truppen seine Tore öffnen. Die seit 1311 währende städtische Selbstverwaltung fand damit ihr vorläufiges Ende. 1628 wurden innerhalb von vier Wochen zwei Frauen als Hexen verbrannt. 1629 äscherte eine Feuersbrunst nahezu ein Drittel der Stadt ein und beschädigte Mauern und Tore. Im Verlauf eines einzigen Jahres wechselte Dülmen 1635 20 Mal die militärische Besatzung. Nach einer langen und harten Besatzungszeit räumten die hessischen Söldner 1651 endgültig den Ort. Die Folgen von 30 Kriegsjahren waren 1670: 123 Häuser verwüstet, 79 wurden von Armen bewohnt. Vor dem Lüdinghauser Tor entstand 1679 die Kreuzkapelle als Andachtsstätte für die Bewohner von Stadt und Land. Eine über Dülmen verkehrende Fahrpost von Münster nach Köln nahm 1723 ihren Betrieb auf. Johann Heinrich Schücking errichtete 1752 eine Kornbrennerei, die 1828 um eine Dampfmühle erweitert wurde. Im Siebenjährigen Krieg ließ der französische Befehlshaber Soubise 1761 einen Großteil der Stadtmauer niederlegen.
19. Jahrhundert Nach der Aufhebung des Hochstifts Münster 1803 wurde das ehemalige Amt Dülmen für drei Jahre eine reichsunmittelbare Grafschaft der aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Herzöge von Croÿ. Bei der Eingliederung des Münsterlands in das französische Kaiserreich 1811 löste Napoleon das Stiftskapitel an der Pfarrkirche St. Viktor und das Kloster Agnetenberg auf. Als neuer Landesherr überwies der König von Preußen 1816 Dülmen an den Kreis Coesfeld innerhalb der Provinz Westfalen.
1824 starb hier nach zwölfjährigem Leiden die stigmatisierte ehemalige Augustinerinnen-Nonne Anna Katharina Emmerick. Als erste „Kunststraße“ wurde die von Napoleon begonnene Straße Wesel–Haltern–Dülmen–Münster 1828 teilweise fertiggestellt. Die mit dem Bau des Herzog-von-Croÿschen Schlosses beauftragte Firma Aloys Kirschner verlegte ihren Sitz 1834 von Havixbeck nach Dülmen. Als erster Fabrikbetrieb während der Industrialisierung entstand 1842 die Eisenhütte Prinz Rudolph. Während der Märzrevolution 1848 kam es zu einem Ausbruch sozialen Protestes. Tagelöhner und kleine Handwerker aus Stadt und Umland demolierten einige Räume des Schlosses. Danach warfen sie Kaufleuten und Beamten die Fensterscheiben ein, plünderten deren Lebensmittelvorräte sowie Alkoholika. Die Evangelische Gemeinde, die im Jahre zuvor ihr Gotteshaus erbaut hatte, wurde durch Konsistorium und Regierung 1857 zu einer selbstständigen Kirchengemeinde erhoben. Die neue Synagoge der Jüdischen Gemeinde befand sich seit 1863 ebenfalls an der Münsterstraße. Der Bau der Eisenbahnlinie Essen-Münster erschloss die Stadt 1870 für den Schienenverkehr zwischen Ruhrgebiet und Hamburg. An der Lüdinghauser Straße nahm Meier Bendix (Sohn von Moses Bendix) 1873 eine mechanische Weberei mit zunächst 100 Stühlen in Betrieb. Durch die Eröffnung der Bahnstrecke Dortmund–Gronau wurde Dülmen 1875 Eisenbahnknotenpunkt mit einem Turmbahnhof. Stadtverordnetenversammlung und Magistrat übertrugen den neu gegründeten Stadtwerken 1897 die zentrale Versorgung mit Gas und Wasser. Die alte „Lateinschule“ bzw. die „Rektoratschule“ des 19. Jahrhunderts wurde 1912 zu einem Gymnasium ausgebaut.
20. Jahrhundert mini|Britische Panzer in Dülmen (30. März 1945). Trotz vieler Widerstände gelang es 1936, die Kirche Heilig Kreuz als zweite katholische Pfarrkirche zu errichten. In den Tagen der Novemberpogrome 1938 ließen Anhänger des Nationalsozialismus die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Flammen aufgehen. Während des Frankreichfeldzuges fielen 1940 erstmals Bomben in der Nähe der Stadt. Ziel war das unterirdische Treibstofflager der Luftwaffe im Osthofer Wald. Die letzten Angehörigen der jüdischen Gemeinde – zehn ältere Menschen – wurden 1941/1942 in den Osten abtransportiert und schließlich in einem Konzentrationslager ermordet. Im Zusammenhang mit dem Niederrhein-Übergang der Alliierten zerstörten Bomberverbände kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die gesamte Innenstadt. Die verheerendsten Angriffe erfolgten am 21. und 22. März 1945. 92 % aller Wohngebäude lagen in Trümmern.Dülmen nach den Bombardierungen auf lwl.org, abgerufen am 3. Mai 2023.Walter Vollmer: Westfälische Städtebilder. Berichte und Betrachtungen. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh 1963, S. 146. Am Gründonnerstag, dem 29. März 1945, rückten britische Truppen der 6th Guards Tank Brigade in Dülmen ein.Helmut Müller: fünf vor null. Die Besetzung des Münsterlandes 1945. Aschendorff, Münster 1972, ISBN 3-402-05337-3, S. 46.