Nischni Nowgorod ( ( = Untere Neustadt); 1932 bis 1990 Gorki, russisch , bisweilen als Gorkij transkribiert) ist mit 1,20 Millionen Einwohnern (Stand: 2025) und mehr als zwei Millionen in der Metropolregion die siebtgrößte Stadt Russlands. Sie liegt rund 400 km östlich von Moskau an der Einmündung der Oka in die Wolga und ist die Hauptstadt der Oblast Nischni Nowgorod sowie des Föderationskreises Wolga. Hinter Kasan ist sie die zweitgrößte Stadt an Europas längstem Fluss. Die Oka, der wichtigste rechte Nebenfluss, teilt die Stadt in zwei Teile: den Bergteil an den Djatlow-Hügeln am rechten Ufer mit der Altstadt, und den Flussteil am linken Ufer. Die Satellitenstadt Bor liegt am linken Ufer der Wolga.

Nischni Nowgorod wurde im Jahre 1221 von Fürst Juri II. Wsewolodowitsch von Wladimir als Teil des damals bedeutendsten Fürstentums Wladimir-Susdal gegründet, das im 14. Jahrhundert Teil des Großfürstentums Moskau wurde, welches 1547 wiederum im Russischen Zarentum aufging. Die Bezeichnung Nischni- (= unter) wird genutzt, um die Stadt von der älteren Stadt Weliki Nowgorod (="große" bzw. "bedeutende" Neustadt) zu unterscheiden, welche zur Blütezeit der Rus die bedeutendste Stadt des historischen russischen Kernlands war, mit der Zeit aber immer weiter an Bedeutung verlor, während Nischni Nowgorod heute die weitaus größere und bedeutendere Stadt ist.

Im Jahr 1612 zur Zeit der Wirren (Smuta) zwischen dem Ende der Rurikiden- und dem Beginn der Romanow-Dynastie spielte die Stadt eine entscheidende Rolle, als der Kaufmann Kusma Minin zusammen mit Fürst Dmitri Poscharski von Nischni Nowgorod aus eine Armee zur Befreiung Moskaus von den Polen und Litauern aufstellte und somit die Souveränität der Russen über die russischen Lande wiederherstellte.

Ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich Nischni Nowgorod zu einem bedeutenden Handelszentrum des Russischen Kaiserreiches, die ihren Höhepunkt im Jahr 1896 mit der Allrussischen Ausstellung fand. Während der Sowjetzeit entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Industriezentrum und war unter dem Namen Gorki bekannt, in Anlehnung an den in der Stadt geborenen Schriftsteller Maxim Gorki. In dieser Zeit wurde auch das Automobilwerk Gorki (GAZ) gebaut, welches zum bedeutendsten Teil der städtischen Wirtschaft heranwuchs und der Stadt den Spitznamen „Russisches Detroit“ einbrachte. Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges 1941–1945 war die Stadt der größte Lieferant von Militärausrüstung und wurde infolgedessen den heftigsten Bombenangriffen in der gesamten Region der mittleren Wolga ausgesetzt. Nach dem Krieg wurde der Stadt der Leninorden verliehen. Kurz vor der Auflösung der Sowjetunion wurde die Stadt wieder in Nischni Nowgorod umbenannt. In dieser Zeit wurde 1985 auch das Metronetz der Stadt eröffnet. 2016 weihte Präsident Wladimir Putin das neue Werk „70. Jahrestag des Sieges“ ein, das Teil des größten russischen Rüstungskonzerns Almaz-Antei ist.

Aufgrund der zentralen Lage am Mittellauf der Wolga ist die Stadt eines der Hauptziele des Flusstourismus in Russland. Im Stadtzentrum befinden sich außerdem zahlreiche Universitäten, Kirchen, Museen und Theater. Der Kreml – das historische Zentrum der Stadt – beherbergt die wichtigsten Regierungsbehörden der Stadt und des Föderationskreises Wolga, sowie mit der Erzengel-Michael-Kathedrale das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Das historische Zentrum von Nischni Nowgorod hat trotz erheblicher Umbaumaßnahmen eine beträchtliche Anzahl historischer Zivilgebäude aus dem 18. bis frühen 20. Jahrhundert bewahrt, darunter zahlreiche Denkmäler der Holzarchitektur. Der Dmitrijewskaja-Turm des Kremls überblickt den historischen Minin- und Poscharski-Platz.

In jüngster Zeit trat Nischni Nowgorod als einer der Austragungsorte der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2018 in Erscheinung.

Geschichte Mittelalterlicher Fürstensitz Die Stadt wurde 1221 von Juri II. Wsewolodowitsch, dem Großfürsten von Wladimir-Susdal, am Zusammenfluss der beiden wichtigsten Flüsse seines Herrschaftsgebiets, der Wolga und der Oka, gegründet. Die wörtliche Übersetzung von Nischni Nowgorod lautet „Untere Neustadt“. Möglicherweise gab man ihr diesen Namen zur Unterscheidung vom älteren Nowgorod. Wie auch Moskau und Twer gehörte Nischni Nowgorod zu jenen neugegründeten Städten, die aufgrund ihrer damaligen Bedeutungslosigkeit der Verwüstung durch die Mongolen entgingen, sich dann aber in der Zeit des „Tatarenjochs“ (Herrschaft der Goldenen Horde vom 13.–15. Jahrhundert) zu wichtigen politischen Zentren entwickelten. Die Bedeutung Nischni Nowgorods stieg weiter, nachdem es 1341 zur Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums erklärt worden war, das sich von Wladimir-Susdal trennte. Der Großfürst Dimitri Konstantinowitsch (1328–1383) war bemüht, die Hauptstadt seines Reiches zu einem ebenbürtigen Rivalen Moskaus zu machen. Er begann den Kreml, die steinerne Festung, als Schutz vor den Tataren zu erbauen. Er machte sich, gemäß der Geschichtsschreibung, auch um den Bau mehrerer Kirchen verdient. In seinem Auftrag wurde 1377 durch den Mönch Lawrenti die älteste erhaltene Abschrift der Nestorchronik erstellt.

Im Jahre 1378 wurde die Stadt von den Truppen Mamais, des Emirs der Goldenen Horde, zerstört.Evelyn Scheer, Andrea Hapke: Moskau und der Goldenen Ring – Altrussische Städte an Moskva, Oka und Volga. Trescher, Berlin 2003. ISBN 3-89794-024-8.

Mächtigste Festung des Moskauer Reiches mini|Nischni Nowgorod. 1727|links Nachdem die Stadt 1392 Teil des Großfürstentums Moskau geworden war, nannten sich die Fürsten von Nischni-Nowgorod „Schuiskie“ und siedelten nach Moskau um, wo sie wichtige Positionen am Hof bekleideten und kurzzeitig mit Wassili IV. den Thron erklommen. Nischni Nowgorod wurde von den Moskowitern vor allem als wichtige Festung bei ihren Kriegen gegen die Kasaner Tataren angesehen. Der gewaltige Kreml aus rotem Ziegelstein, eine der mächtigsten und ältesten erhaltenen russischen Festungen, wurde in den Jahren von 1508 bis 1511 unter der Federführung von Pietro Francesco (Petr Fryazin) errichtet. Als die Tataren die Festung 1520 und 1536 belagerten, erwies sie sich als stark genug und hielt den Angriffen stand. Nach der Eroberung von Kasan 1552 durch den Großfürsten von Moskau wuchs die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, da Moskau nun den gesamten Wolgaweg beherrschte. 1612 vertrieb eine Volkswehr, die vom Nischni-Nowgoroder Kaufmann Kusma Minin aufgestellt worden war und vom Fürsten Dmitri Posharski angeführt wurde, die polnischen Truppen aus Moskau und beendete damit die so genannte „Zeit der Wirren“. Die Gebeine Minins liegen im Nischni Nowgoroder Kreml.

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine wirtschaftliche Blüte und wurde von den Stroganows, einer der reichsten Kaufmannsfamilien Russlands, als Stützpunkt und Niederlassung für ihre Unternehmungen gewählt. Der spezifische, um 1700 in Nischni Nowgorod entstandene Architektur- und Ikonenstil, wird als „Stroganow-Schule“ bezeichnet. 1719 wurde die Stadt zum Zentrum eines Gouvernements.

Große Handelsstadt

Im Jahr 1817 wurde die Messe von Makarjew, einer der lebhaftesten Handelsmärkte der damaligen Welt, nach Nischni Nowgorod verlagert, was seit dieser Zeit Jahr für Jahr Millionen von Besuchern in die Stadt lockte. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sie sich als die Handelsstadt des russischen Reiches etabliert. Weitere Wirtschaftszweige begannen sich zu entwickeln, und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Stadt auch eines der wichtigsten Industriezentren des Landes. Das trostlose Leben des Proletariats in dieser Stadt wird in den Romanen von Maxim Gorki, der in Nischni Nowgorod geboren wurde, realistisch beschrieben. Eine berühmte Redensart, die Nischni Nowgorods Bedeutung als Handelsstadt widerspiegelt, lautet: Moskau ist das Herz Russlands, Petersburg der Kopf und Nischni Nowgorod seine Tasche.

Sowjetische Stadt mini|Fußgängerzone in der Swerdlow-Straße (1985) Die Stadt wurde 1932 in Gorki (Горький) umbenannt, nachdem Maxim Gorki offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt worden war. Erst nach der politischen Wende erhielt sie 1990 ihren alten Namen zurück.

In den 1930er Jahren erhielt Gorki den Status einer „geschlossenen Stadt“, die von Ausländern nicht besucht werden durfte. Grund dafür waren die hier ansässigen Betriebe, die auch Rüstungsgüter herstellten. 1932 wurden eine Automobil- und eine Flugzeugfabrik eröffnet. In Gorki wurden unter anderem Atom-U-Boote (der Charlie-Klasse), Kampfflugzeuge (etwa die MiG-29 oder die MiG-31) und Panzer produziert. Erst 1991 wurde die Stadt wieder für Besucher geöffnet.

Ebenfalls in den 1930er Jahren überholte Gorki nach Einwohnern die bei der Volkszählung 1926 noch größeren Städte Saratow und Rostow am Don, wurde somit zur drittgrößten Stadt der RSFSR und blieb dies bis Ende der 1980er Jahre, als es von Nowosibirsk übertroffen wurde (und 2005 auch von Jekaterinburg).

Während des Zweiten Weltkriegs stieg die Stadt zum größten Rüstungsstandort des Landes auf. 1941 wurden am Stadtrand Panzersperren errichtet und die Produktion von Rüstungsgütern erweitert. Auch Munition und die bekannten Katjuscha-Raketen wurden nun hier produziert. Bis 1945 flog die deutsche Luftwaffe 47 Angriffe auf die Stadt, um die Rüstungsbetriebe zu zerstören. Im Stadtteil Ssormowo wurde 1945 das Kriegsgefangenenlager 117 errichtet, dessen Insassen sämtlich erst nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 in Böhmen in Gefangenschaft gerieten.deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs. Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.

In den 1960er bis 1980er Jahren wurde die Stadt, wie alle sowjetischen Großstädte, durch den Bau von neuen Wohngebieten in Plattenbauweise wesentlich erweitert. 1985 wurde die Gorkier Metro eröffnet.

Von 1980 bis 1986 war die Stadt der Verbannungsort des Atomphysikers Andrei Sacharow. Sacharow war beim kommunistischen Regime in Ungnade gefallen, nachdem er sich gegen den Einzug der sowjetischen Truppen in Afghanistan ausgesprochen hatte. Er wurde aus Moskau ausgewiesen und lebte in Gorki unter ständiger Überwachung durch den KGB in einer Wohnung, die heute als Sacharow-Museum besichtigt werden kann. 1986 bekam er von Michail Gorbatschow die Erlaubnis, nach Moskau zurückzukehren.

Nischni Nowgorod in der Russischen Föderation mini|Kanawinskibrücke über die Oka|links mini|Strelka (Einmündung der Oka in die Wolga) Bereits in der Zeit der Perestroika und bis in die 1990er Jahre hinein galt die Stadt als Vorreiter marktwirtschaftlicher Reformen. Während andere Regionen Russlands noch am alten System festhielten, zeigte man sich hier besonders fortschrittlich.

Im Jahr 2000 wurde Nischni Nowgorod im Rahmen der Umstrukturierung der administrativen Struktur Russlands unter Präsident Putin zur Hauptstadt des Föderationskreises Wolga, als dessen Oberhaupt der ehemalige Ministerpräsident Sergei Kirijenko eingesetzt wurde. Am 9. Februar 2012 wurde die Seilbahn zwischen Nischni Nowgorod und Bor am gegenüberliegenden Wolga-Ufer eröffnet. Am 24. Juni 2013 startete die S-Bahn.

Am 22. September 2015 unterzeichnete Wladimir Putin das Dekret „Anlässlich des 800. Jahrestages der Gründung der Stadt Nischni Nowgorod“ mit der Empfehlung an die staatlichen Behörden der Mitgliedsgruppen der Russischen Föderation und den lokalen Regierungen, sich an der Vorbereitung und Durchführung der Feier zum 800. Jahrestag der Gründung der Stadt Nischni Nowgorod zu beteiligen.das Dekret „Anlässlich des 800. Jahrestages der Gründung der Stadt Nischni Nowgorod“.

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