Bischkek [] ( / , bis 1991 Frunse, zuvor Pischpek) ist die Hauptstadt und zugleich der politische, wirtschaftliche und kulturelle Mittelpunkt Kirgisistans. Die Stadt ist aus einer Karawanenstation an der Seidenstraße hervorgegangen und erlebte seit ihrem Bestehen mehrere Umbenennungen. So wurde die russische Festung Pischpek (Пишпек) 1878 zuerst namensgebend, von 1926 bis 1991 hieß die Stadt nach Michail Wassiljewitsch Frunse. Nach der Volkszählung 2022 hatte die Stadt 1.137.882 Einwohner und ist damit die einwohnerreichste Stadt des Landes.Zensus 2022. Buch 2. Bevölkerung Kirgisistans. Nationales Statistisches Komitee der Kirgisischen Republik, Bischkek 2023

Geographie Ortslage und Stadtbild Bischkek liegt über dem Meeresspiegel am nördlichen Rand des bis zu hohen Kirgisischen Gebirges, eines westlichen Teils des Tien-Schan-Gebirges, welches der Stadt eine imposante Kulisse verleiht. Nordwestlich der Stadt zieht sich eine gewellte Steppenlandschaft bis ins nahe Kasachstan.

Der Tschüi durchfließt diese Gegend etwas nördlich der Stadt und ist Namensgeber des Bischkek umgebenden Verwaltungsbezirks. Durch Bischkek selbst fließen in Süd-Nord-Richtung die Tschüi-Zuflüsse Ala-Artscha und Alamüdün, die aus beeindruckenden Gebirgstälern kommen. In Ost-West-Richtung verläuft durch die Stadt der Große Tschüikanal (). Der Ala-Artscha-Nationalpark liegt ungefähr 40 km (45 Min. Anreise) südlich der Stadt im Kirgisischen Gebirge. Er bietet eine eindrucksvolle alpine Berglandschaft und schöne Wanderwege.

Das Stadtbild von Bischkek weist ein meistens rechtwinkliges Netz von teils sehr breiten Straßen auf und hat viele Merkmale einer geplanten sowjetischen Stadt. Der Panfilow-Park liegt im Stadtzentrum. Er grenzt im Süden an das Parlamentsgebäude, im Osten an den Ala-Too-Platz und im Westen an das Dölön-Ömürsakow-Stadion. Östlich des Ala-Too-Platzes erstreckt sich der Eichenpark, in dem sich das russische Dramentheater, die Nationalbibliothek, der Zirkus und die Staatsoper befinden. Der Osch-Basar liegt im Westen, der Alamüdün-Basar im Osten und der Dordoi-Basar liegt im Norden der Stadt.

Klima

Geschichte Auf Kirgisisch bezeichnet bischkek oder pischpek ein Gefäß für die Zubereitung von Kumys, fermentierter Stutenmilch. Es gibt zahlreiche Legenden, die versuchen, einen Zusammenhang zwischen der Stadt und einem solchen Gefäß herzustellen. Wissenschaftlichere Erklärungen meinen, dass der Name durch eine volksetymologische Deutung eines alten Wortes für Ort unterhalb der Berge entstanden ist.

Entstehung

Im 6. bis 7. Jahrhundert entstand eine Stadt namens Dschul, ein Handelsposten entlang der Seidenstraße. Sie gilt als erster Vorläufer Bischkeks. Die Stadt war 6 Hektar groß und hatte 10 Meter hohe Mauern. Nach dem Mongolensturm ging diese Stadt jedoch zugrunde. Das Gebiet wurde von Nomaden besiedelt. 1825 ließ der usbekische Khan von Kokand hier die Lehmfestung Pischpek erbauen, die aber bereits 1862 von russischen Truppen im Zuge der russischen Eroberung Zentralasiens eingenommen und zerstört wurde. Die von den Russen an der gleichen Stelle gegründete Garnison wuchs durch den Zuzug russischer Bauern, denen hier fruchtbarer Schwarzerdeboden zur Verfügung gestellt wurde, schnell an. 1878 wurde eine Stadt mit dem Namen Pischpek gegründet. Dieses Datum gilt als Gründungsjahr Bischkeks, obwohl einige Historiker es für falsch halten, da Vorläufer schon vorher existierten. Pischpek löste Tokmak als Verwaltungszentrum von Semiretschje ab, da Pischpek günstiger an vier Fernstraßen lag. Auch eine Überschwemmung in Tokmak sorgte für eine Beschleunigung des Wachstums. Pischpek wurde als Planstadt angelegt, mit breiten Boulevards und einem schachbrettartigen Straßennetz. Der Bürgermeister legte besonderen Wert auf die Begrünung der Stadt, beispielsweise wurde jeder Bürger verpflichtet, mindestens 25 Bäume zu pflanzen. Damals entstand auch der Eichenpark. Während des Basmatschi-Aufstands blieb Bischkek weitgehend verschont.

Sowjetunion

1926 wurde sie Hauptstadt der neu gebildeten Kirgisischen ASSR und gleichzeitig in Frunse () umbenannt – nach Michail Wassiljewitsch Frunse, einem engen Vertrauten Lenins, der in Bischkek geboren war und während der Revolutionen von 1905 und 1917 und im Russischen Bürgerkrieg in den 1920er Jahren eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Der wirtschaftliche Aufbau der Region wurde von der Interhelpo gefördert. Bischkek war zu Sowjetzeiten das Zentrum der kirgisischen Literatur, des Films und der bildenden Kunst und entwickelte sich in ihrer Zeit auch zum Zentrum der Wirtschaft Kirgisistans.

Während der Sowjetzeit gab es in der Stadt und in ihrem Umfeld eine beträchtliche Konzentration industrieller Großbetriebe, von denen heute die meisten entweder geschlossen sind oder nur noch eingeschränkt produzieren. Bischkek beherbergte auch eine wichtige sowjetische Kampfpilotenschule; einer ihrer Absolventen war der spätere ägyptische Präsident Hosni Mubarak.

Zum Ende der Sowjetunion formierte sich eine Landbesetzerbewegung im Gebiet um Frunse. Sie behauptete, Russen würden bei der Wohnungsauswahl bevorzugt und sahen die Kirgisen in allen Bereichen gegenüber Usbeken und Russen als benachteiligt an.

Unabhängigkeit

Während der Auflösung der Sowjetunion erklärte Kirgisistan am 31. August 1991 seine Unabhängigkeit als Kirgisische Republik, und die Stadt erhielt wieder ihren kirgisischen Namen in der Form Bischkek. Nach dem Ende der UdSSR wurden die regionalen Disparitäten größer und Bischkek übte eine enorme Anziehungskraft auf die Landbewohner aus, die bis heute anhält.kyrgyzstan.un.org

mini|links|Blick auf Bischkek mini|links|Der Osch-Basar|alternativtext= mini|Bischkek – Blick auf das Gebirge Bischkek entwickelte sich zu einer modernen Stadt in Zentralasien, mit Restaurants und Cafés und dichtem Straßenverkehr, in dem Gebrauchtwagen aus Westeuropa und Überbleibsel aus sowjetischer Produktion unterwegs sind. Planmäßig im Schachbrettformat ausgelegt, ist es eine Stadt mit breiten Boulevards, marmorverkleideten öffentlichen Gebäuden und massigen Wohnblocks in typisch sowjetischer Bauart. Aufgrund seiner kurzen Geschichte hat Bischkek keine historischen Bauwerke. Fast alle Straßen in der Kernstadt sind beidseitig von Bewässerungskanälen flankiert, welche die zahllosen Bäume bewässern, die im heißen Sommer Schatten spenden und dem ansonsten recht farblosen Stadtbild zumindest im Sommer einen lebendig-fröhlichen Charakter geben. In letzter Zeit wurden viele kommerzielle Neubauten hochgezogen.

Im Jahr 2002 erlangten die USA für eine beträchtliche jährliche Pacht das Recht, eine Luftwaffenbasis auf dem nahegelegenen internationalen Flughafen Manas anzulegen, um von dort aus ihre Operationen in Afghanistan zu unterstützen. Russland folgte diesem Beispiel und errichtete 2003 eine eigene Luftbasis auf dem Militärflugfeld in der etwa 40 km entfernten Stadt Kant. Die amerikanische Basis wurde im Juni 2014 geschlossen. Im Jahr 2010 war Bischkek Zentrum der Proteste gegen den damaligen Präsidenten Bakijew, die schließlich zum Regierungswechsel in Kirgisistan führten. Im Zuge der politischen Umwälzungen wurde auch der damalige Bürgermeister der Stadt, Nariman Tülejew, abgesetzt.

Politik Bischkek ist Sitz des Parlaments (Legislative), der Regierung (Exekutive) und des obersten Gerichtshofs (Judikative). Außerdem ist es Verwaltungssitz des Oblus Tschüi, obwohl es nicht Teil davon ist.

Die Stadt ist in 4 Rajone aufgeteilt: Den Rajon Lenin (Lenin-Bezirk), den Rajon Birintschi Mai (Bezirk des 1. Mai), den Rajon Oktjabr (Bezirk Oktober) und den Rajon Swerdlow (Bezirk Swerdlow). Bischkek ist keiner Oblast oder Rajon unterstellt, ihre Aufgaben werden von der Stadt- bzw. von der Rajonregierung übernommen.

Die Siedlung städtischen Typs Tschongaryk und das Dorf Ortosai werden von der Stadt Bischkek verwaltet. +RajonBevölkerung 2009Swerdlow214.100Oktjabr238.329Lenin198.019Birintschi-Mai171.467

Bürgermeister +BürgermeisterNameAmtszeitQuelleAkmabet Nanajew1990–91Abdybek Sutalinow1991–92Omurbek Abakirow1992–93Dschumabek IbraimowJanuar 1993 – Januar 1995Boris SilajewFebruar 1995 – April 1998Felix KulowApril 1998 – April 1999Medetbek KerimkulowApril 1999 – März 2005Askarbek SalymbekowMärz 2005 – 18. August 2005Arstanbek Nogojew18. August 2005 – 14. November 2007Danijar Üssönow14. November 2007 – 7. Juli 2008Nariman Tülejew7. Juli 2008 – 7. April 2010Isa Omurkulow8. April 2010 – 4. Dezember 2013Koubanytschbek Kulmatow15. Januar 2014 – 9. Februar 2016Albek Ibraimow27. Februar 2016 – Juli 2018Asis Surakmatow8. August 2018 – 20. Oktober 2020Nariman Tülejew (zweite Amtszeit)20. Oktober 2020 – 22. Oktober 2020Balbak Tülobajew22. Oktober 2020 – 26. August 2021Aibek Dschunuschalijew26. August 2021 – 24. Februar 2022Emilbek Abdykadyrow24. Februar 2022 – 31. Oktober 2023Aibek Dschunuschalijewseit 31. Oktober 2023 Städtepartnerschaften Bischkek pflegt folgende Städtepartnerschaften: Ankara, Türkei (seit 1992) Astana, Kasachstan (seit 2011) Colorado Springs, Vereinigte Staaten (seit 1994) Doha, Katar (seit 2014) Hongkong, Volksrepublik China (seit 2019) Izmir, Türkei (seit 1991) Meriden (Connecticut), Vereinigte Staaten (seit 2005) Minsk, Belarus (seit 2008) Teheran, Iran (seit 1994) Ürümqi, Volksrepublik China (seit 1992) Zudem unterhält Bischkek seit 1996 freundschaftliche Beziehungen zur Oblast Tscheljabinsk in Russland.

Bevölkerung Ethnische Zusammensetzung Nach Angaben der Volkszählung aus dem Jahr 2009 sind 66 Prozent der Stadtbewohner ethnische Kirgisen. 23 Prozent sind Russen. Des Weiteren leben auch kleinere Gruppen von Uiguren, Tataren, Koreanern, Usbeken, Kasachen und Ukrainern in der Stadt. 2012 lebten darüber hinaus 2.554 ethnische Deutsche in Bischkek, was einem Anteil von 0,3 % der Stadtbevölkerung entsprach.

In der jüngeren Vergangenheit lassen sich vermehrt Chinesen aus der benachbarten Volksrepublik China in Bischkek nieder. Es handelt sich bei ihnen vorwiegend um Markthändler und Wanderarbeiter.

Bevölkerungsentwicklung der Agglomeration Bis 2017: UN Danach: Volkszählung 2022 JahrEinwohnerzahl 1950 150.000 1960 236.000 1970 433.000 1980 538.000 1990 635.000 2000 766.000 2010 844.000 2017 976.00020221.137.882

Religion Islam Etwa 75 % der Kirgisen sind sunnitische Muslime. In ganz Kirgisistan, aber vor allem im Norden wird der Islam locker interpretiert: Alkohol und Schweinefleisch werden offen verkauft, und nur wenige Kirgisinnen tragen Kopftücher. Viele schamanische Bräuche haben sich bis heute gehalten.Thomas Scholl: Kirgistan. Zu den Gipfeln von Tien-Schan und Pamir. Trescher Verlag, Berlin, 3., erweiterte und aktualisierte Auflage 2009, ISBN 978-3-89794-139-7, S. 55.

Die mit türkischer Hilfe erbaute neue Bischkeker Zentralmoschee ist die größte Mittelasiens. Sie wurde 2017 fertiggestellt. 220x124px|mini|alt=Häuser im Vordergrund, Moschee im Hintergrund|Die neue Zentralmoschee Christentum Das Christentum ist nach dem Islam die zweitgrößte Religion. Der größte Teil der Christen ist russisch-orthodox.

Russisch-orthodoxe Kirche Die russische Bevölkerungsminderheit gehört zu einem großen Teil der russisch-orthodoxen Kirche an. In Bischkek wurde 2015 anlässlich der 1000-Jahr-Feier von St. Wladimir die größte russisch-orthodoxe Kirche Zentralasiens, die St. Wladimir-Kathedrale, eröffnet.

Evangelisch-lutherische Kirche