mini|Fraunhofer-Haus in München

Die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e. V. (kurz: Fraunhofer) ist mit rund 32.000 Mitarbeitern die größte Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen in Europa. Sie stellt einen wichtigen Teil der deutschen Forschungslandschaft dar, die unter anderem aus Hochschulen, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz und der Deutschen Forschungsgemeinschaft besteht. Der Sitz ist in München.

Namensgeber ist Joseph von Fraunhofer (1787–1826). Dessen hervorragende Leistung bestand in der Verbindung von exakter wissenschaftlicher Arbeit und deren praktischer Anwendung für neue, innovative Produkte. Joseph von Fraunhofer war als Forscher, Erfinder und Unternehmer gleichermaßen erfolgreich und wurde deshalb zum Vorbild und Namenspatron des Vereins gewählt.

Vereinszweck ist die anwendungsorientierte Forschung zum unmittelbaren Nutzen für Unternehmen und zum Vorteil der Gesellschaft. Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt derzeit mehr als 80 Forschungseinrichtungen, davon 74 Institute, an über 40 Standorten in ganz Deutschland. Rund 32.000 Mitarbeiter, überwiegend mit natur- oder ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung, arbeiten mit jährlichen Finanzmitteln von 3,6 Milliarden Euro. Davon sind knapp 3,1 Milliarden Euro Vertragsforschung. Über 70 % davon erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und durch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte. Der Rest wird von Bund und Ländern beigesteuert, auch um damit den Instituten die Möglichkeit zu geben, Vorlaufforschung zu betreiben.

Mitglieder der als gemeinnützig anerkannten Fraunhofer-Gesellschaft sind auch namhafte Unternehmen und private Förderer. Die Ressortforschung für das Bundesministerium der Verteidigung umfasst etwa 3 Prozent des Finanzvolumens der Fraunhofer-Gesellschaft.

Fraunhofer-Modell mini|50 Jahre Fraunhofer-Gesellschaft: Deutsche Sonderbriefmarke von 1999

Rund 30 Prozent ihrer Aufwendungen erhält die Gesellschaft von Bund (90 Prozent) und Ländern (10 Prozent) als institutionelle Förderung, um Vorlaufforschung zu betreiben. Planungssicherheit durch kontinuierliche Etatsteigerungen ist mit dem Pakt für Forschung und Innovation gegeben. Die übrigen etwa 70 Prozent der Aufwendungen muss sie durch eigene Erträge decken, wobei dies sowohl Aufträge aus der Industrie als auch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte (Bund, Länder, EU) einschließt. Dabei kommt das so genannte Fraunhofer-Modell zum Tragen: Seit 1973 bemisst sich die Höhe der Grundfinanzierung weitgehend erfolgsabhängig nach der Höhe der Wirtschaftserträge. Dieses Prinzip gilt für die Gesellschaft im Ganzen ebenso wie für die einzelnen Institute. Damit wird der politische Wille umgesetzt, die Fraunhofer-Gesellschaft zum führenden Anbieter der angewandten Forschung zu machen. Gleichzeitig erhalten die Gesellschaft und ihre Institute die Flexibilität, auf sich ändernde Rahmenbedingungen in der Wissenschaft und auf den Märkten autonom zu reagieren.

Die Institute sind rechtlich keine selbständigen Einheiten. Faktisch gewährt das Fraunhofer-Modell den Instituten dennoch einen sehr hohen Grad an Unabhängigkeit von der Münchner Zentrale. Die Institute und ihre Leiter tragen selbständig die Verantwortung für Projektergebnisse, für die eigene Bedeutung in der wissenschaftlichen Welt und vor allem für die eigene Finanzierung. Daraus ergibt sich einerseits ein hohes Maß an Eigenständigkeit in der fachlichen Schwerpunktsetzung, in der Ressourcenverteilung, in der Projektakquise und im Projektmanagement, andererseits auch ein gewisser wirtschaftlicher Druck und ein Zwang zur Kunden- und Marktorientierung. In diesem Sinne handeln die Institute und ihre Mitarbeiter unternehmerisch und verbinden im Idealfall die Forschung, die Innovation und das Unternehmerische so, dass die Orientierung am Namenspatron Joseph von Fraunhofer erfüllt wird.

Zahlreiche Innovationen in Produkten und Verfahren gehen auf Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in Fraunhofer-Instituten zurück. Die Institute arbeiten dazu auf praktisch allen anwendungsrelevanten Technologiefeldern, so z. B. in Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences, Werkstoffforschung, Energietechnik oder Medizintechnik. Eine der bekanntesten Fraunhofer-Entwicklungen ist das Audiodatenkompressionsverfahren MP3. Im Jahr 2021 haben die Fraunhofer-Mitarbeiter 604 Erfindungen gemeldet. Davon führten 521 Erfindungen zu Patent-Anmeldungen. Im gleichen Jahr unterstützte Fraunhofer Venture 52 neue Ausgründungsprojekte, daraus gingen 30 Spin-offs aus der Fraunhofer-Gesellschaft hervor.https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2022/mai-2022/vorstellung-des-fraunhofer-jahresberichts-2021.html Jahresbericht FHG 2021, abgerufen am 24. Sep. 2023.

Geschichte mini|Historisches Logo

Am 26. März 1949 erfolgte die Gründung in München durch Vertreter der Industrie und Wissenschaft, des Landes Bayern und der gerade entstehenden Bundesrepublik. An diesem Tag gab es 103 Mitglieder.

1952 erklärten das Bundeswirtschaftsministerium und der Stifterverband die Gesellschaft zur dritten Säule in der außeruniversitären deutschen Forschungslandschaft neben der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft. Das Ziel der Fraunhofer-Gesellschaft, angewandte Forschung auch mit eigenen Einrichtungen zu unterstützen, blieb aber lange umstritten.

Ab 1954 entstanden die ersten eigenen Institute, ab 1956 auch solche im Bereich des Verteidigungsministeriums. 1959 verfügte die Fraunhofer-Gesellschaft über neun eigene Institute mit 135 Mitarbeitern und einem Finanzvolumen von 3,6 Millionen Mark (ca. 6,6 Millionen Euro 2013).

1955 begann die Patentstelle für die Deutsche Forschung ihre Arbeit., abgerufen am 4. Oktober 2020.

1965 empfahl der Wissenschaftsrat den allgemeinen Ausbau der außeruniversitären Forschungseinrichtungen und insbesondere der Fraunhofer-Gesellschaft als Trägerorganisation der angewandten Forschung. 1968 geriet die Fraunhofer-Gesellschaft wegen der von ihr betriebenen militärischen Forschung in die öffentliche Kritik.

1969 arbeiteten mehr als 1200 Mitarbeiter in 19 Instituten und der Zentralverwaltung. Das Budget der Fraunhofer-Gesellschaft lag bei 33 Millionen Mark. Eine „Kommission zur Förderung des Ausbaus der Fraunhofer-Gesellschaft“ plante die weitere Entwicklung. Sie entwickelte das später sogenannte Fraunhofer-Modell, das die Grundfinanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft von ihrem Erfolg bei der Akquisition von Forschungsaufträgen abhängig macht.

1973 wurde das „Fraunhofer-Modell“ vom Bundeskabinett und der Bund-Länder-Kommission verabschiedet. Im selben Jahr zogen Vorstand und Zentralverwaltung in der Leonrodstraße 54 in München in ein gemeinsames Gebäude. Das Fraunhofer-Programm zur Förderung der Vertragsforschung für kleinere und mittlere Unternehmen lief an und gewann in den Folgejahren immer mehr an Bedeutung. Forschungs- und Verteidigungsministerium teilten sich 1977 die politische Verantwortung für die Fraunhofer-Gesellschaft. Bund und Länder teilten die Förderung im Bereich der zivilen Forschung im Verhältnis 9 zu 1 auf.

1984 hatte die Fraunhofer-Gesellschaft 3500 Mitarbeiter in 33 Instituten mit einem Forschungsvolumen von 360 Millionen Mark. 1988 lag der Anteil der Verteidigungsforschung am gesamten Aufwand der Fraunhofer-Gesellschaft noch bei nur 10 Prozent. 1989 hatte die Fraunhofer-Gesellschaft dann fast 6400 Mitarbeiter in 37 Instituten mit einem Gesamtvolumen von 700 Millionen Mark im Jahr.

mini|Fraunhofer – Dresden 1991 wurden nach der Deutschen Wiedervereinigung zahlreiche Forschungseinrichtungen der ehemaligen DDR als befristete Einrichtungen oder als Außenstellen bereits existierender Institute in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert.

Ebenfalls ab den 90er Jahren fand eine sukzessive und strategische internationale Erweiterung der Fraunhofer-Aktivitäten statt. Mit ersten ausländischen Tochtereinrichtungen sowie Representative Offices, insbesondere in Brüssel, USA sowie Asien wurde gezielt ein internationales Netzwerk aufgebaut, das durch Kooperation mit den besten der Welt auch national sowie im europäischen Verbund die Problemlösungskapazitäten für die Kernklientel stärkte. Zunehmend nahm auch die zentrale Abteilung International Business Development eine koordinierende und bündelnde Funktion wahr.

1993 überschritt die Gesellschaft ein Gesamtfinanzvolumen von einer Milliarde Mark. Das von ihr vorgelegte „Leitbild 2000“ definiert die Gesellschaft als markt- und kundenorientierte, national und international aktive Trägerorganisation für Institute der angewandten Forschung.

Von 2000 bis 2001 wurden auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die GMD-Forschungszentrum Informationstechnik GmbH und die Fraunhofer-Gesellschaft fusioniert.

Im Jahr 2000 gelang ein besonderer Erfolg am Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen: MP3, das heute weltweit verbreitete Verfahren zur Kodierung und Komprimierung von Musikdaten, stieg zum meistbenutzten Codec für Audiodateien auf und machte Fraunhofer weltweit auch außerhalb des Forschungsbereichs bekannt.

Nach zweijähriger Pilotphase wurde 2001 Fraunhofer Venture als Abteilung in der Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft in München etabliert. Sie ist dort für das Ausgründungs- und Beteiligungsprogramm zuständig.

2002 wurde das Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik Berlin GmbH aus der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e. V. in die Fraunhofer-Gesellschaft überführt. Mit dieser Integration überschritt die Fraunhofer-Gesellschaft erstmals die Grenze von 1 Milliarde Euro Finanzvolumen.

2003 bezog der Verein ein eigenes Hochhaus im Stadtteil Sendling-Westpark in München. In einem Unternehmensleitbild werden die grundsätzlichen Ziele zusammengefasst wie die „Mission“ und in den „Werten und Leitlinien“ die angestrebte Unternehmenskultur beschrieben. Damit soll den Mitarbeitern eine bessere Möglichkeit gegeben werden, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren und das eigene kreative Potential freizusetzen.

2004 erhielt die bisherige Fraunhofer-Arbeitsgruppe für elektronische Medientechnologie am Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) den Status eines selbstständigen Instituts. Sie wurde zum Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT). Neue Allianzen und Themenverbünde helfen dabei, die Marktpräsenz der Fraunhofer-Institute in bestimmten Kompetenzbereichen zu verstärken.

2005 entstanden in Leipzig das Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) und das Center Nanoelektronische Technologien (CNT) in Dresden. 2006 wurde in Leipzig das Fraunhofer-Zentrum Mittel- und Osteuropa MOEZ gegründet.

2006 wurden die Aktivitäten der Fraunhofer-Gesellschaft im Bereich der wissenschaftlichen Weiterbildung in der Fraunhofer Academy gebündelt. Die Geschäftsstelle befindet sich in München. Die Fraunhofer Academy bietet Weiterbildung für Fach- und Führungskräfte aus der Wirtschaft.

2007 wurde in Portugal das Fraunhofer-Forschungszentrum für Assistierende Informations- und Kommunikationsumgebungen gegründet. Dieses ist jetzt als Fraunhofer Portugal Research Center for Assistive Information and Communication Solutions (FhP-AICOS) das erste Institut des 2008 gegründeten portugiesischen Ablegers der Fraunhofer-Gesellschaft Associação Fraunhofer Portugal Research.