mini|hochkant=2|Karte Zentralasiens (englischsprachige Beschriftung) Zentralasien oder Mittelasien ist eine zusammenfassende Bezeichnung für die Großregion im Zentrum des Kontinentes Asien. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich die Vorstellungen, welche Länder dazugehören sollen, immer wieder geändert.

Abgrenzung und Begriffe mini|Zentralasien im weiteren Sinne mini|Zentralasien im engeren Sinne mini|Topographie Zentralasiens Zu Zentralasien werden heute im engeren Sinne zumeist Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan gezählt. Im Jahr 2012 hatten diese fünf Staaten 64,7 Millionen Einwohner. Diese Einteilung ZentralasiensSiehe auch Regionale Gliederung wird, neben anderen, von der UN-Statistikkommission (UNSD) verwendet.

Manche Darstellungen ergänzen in wechselnden Zusammenstellungen Afghanistan, die Mongolei, den östlichem Iran, das nördliche Pakistan, Kaschmir sowie Xinjiang und Tibet im westlichen China. Dem entspricht die umfassendere Definition von Zentralasien durch die UNESCO:, unesco.org → Regions, Stand 2010. Sie umfasst neben dem zentralasiatischen Wüsten- und Steppenraum auch die innerkontinentalen Hochgebirgsräume Hochasiens.

Eine weitergehende Definition rechnet zu Zentralasien alle Staaten bzw. Regionen, die keinen Zugang zum Ozean haben, bzw. die Regionen im Inneren Asiens, deren Flüsse nicht in einen Ozean münden. Nach dieser Sichtweise kommen zu den fünf oben genannten Staaten noch die Randstaaten am Kaukasus Armenien, Aserbaidschan, Georgien und die bereits vorher genannte Mongolei dazu.

Unter Geographie- und Sozialwissenschaftlern ist heute jedoch die Definition Zentralasiens als die fünf Länder auf „-stan“ der ehemaligen Sowjetunion plus Afghanistan am weitesten verbreitet und allgemein anerkannt.Svante E. Cornell, S. Frederick Starr: Modernization and Regional Cooperation in Central Asia:A New Spring? (2018); Sally N. Cummings: Understanding Central Asia: Politics and Contested Transformations. London 2012. Geografisch würde auch der an Kasachstan grenzende Süden Russlands dazugehören.

Früher bezeichnete man Zentralasien entweder aufgrund der türkischen Bevölkerung als Land der Tataren (Tatarei), aufgrund der politischen Dominanz tadschikischer Bevölkerungsteile als Buchara oder im Zuge der russischen Kolonisation als Turkestan, wobei man im letzteren Fall zwischen West- und Ostturkestan sowie Nordturkestan unterschied. Teilweise wurden auch das südlicher gelegene Südturkestan, Afghanistan sowie im Osten die (äußere) Mongolei und die Wüste Gobi (Innere Mongolei) zu Zentralasien gezählt.

CAC-Länder Die Central Asia and Caucasus (kurz: CAC) Länder sind acht Staaten, von denen fünf zu Zentralasien und drei zum Südkaukasus in Vorderasien gehören. Zu Zentralasien zählen Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan, zum Kaukasus Armenien, Aserbaidschan und Georgien.

Mittelasien, Zentralasien, Innerasien mini|Ehemals sowjetisches Zentralasien (politisch), 2010

Russische beziehungsweise sowjetische Geographen unterscheiden zwischen „Mittelasien“ (Srednjaja Asija), das die damaligen Sowjetrepubliken Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan umfasst, und „Kasachstan“, das eine Sonderstellung einnahm, sowie dem kaum genutzten Begriff „Zentralasien“ (Zentralnaja Asija). Letzteres umfasst nach dieser Definition die Mongolei und die zentralasiatischen Teile Chinas. In Anlehnung an diesen russischen Sprachgebrauch wurde auch in der DDR zwischen Mittelasien und Zentralasien unterschieden. In der Bundesrepublik war als Sammelbegriff für das Gebiet der damaligen Kasachischen, Kirgisischen, Tadschikischen, Turkmenischen und Usbekischen Sozialistischen Sowjetrepublik der Ausdruck „Sowjetisch-Mittelasien“ gebräuchlich.

mini|Das riesige innereurasische endorheische Becken Im außerdeutschen westeuropäischen Sprachgebrauch wurden die Begriffe Zentralasien und Mittelasien oft synonym verwendet, Innerasien hingegen von diesen unterschieden. Zu Innerasien im engeren Sinne werden nur Sinkiang (Ostturkestan), die Äußere Mongolei, Tibet sowie die Republik Tuwa im sibirischen Russland gezählt. Im weiteren Sinne umfasst es aber das gesamte Innereurasische Becken, die hydrographisch von allen Ozeanen isolierte (endorheische) Senke von der Gegend um Moskau über das Kaspische Meer bis in die Mongolei, soweit zu Asien gerechnet, also östlich von Uralgebirge und -fluss gelegen, und ohne das Hochland von Iran mit seinen Randgebirgen. Dazu kommt noch das Einzugsgebiet des Tsangpo, bevor dieser in einem erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckten und noch wenig erforschten Durchbruchstal den Himalaya quert und als Brahmaputra dem Golf von Bengalen zufließt. Weiter können dazugerechnet werden die von den Oberläufen der Flüsse Indus, Mekong, Jangtsekiang und Hoangho und ihren Nebenflüssen entwässerten Gebiete, soweit im Hochland von Tibet gelegen.

Neuerdings – mehr politisch als geografisch – wird der Begriff „Zentralasien“ oft auch auf die fünf heute selbstständigen im Zentrum Asiens gelegenen ehemaligen Sowjetrepubliken beschränkt.

Geschichte Zentralasien war im Altertum und Mittelalter geprägt von Stammesgesellschaften, die teils Großreiche bilden konnten bzw. in den Bereich der chinesischen, indischen, iranischen und europäischen Hochkulturen einfielen. Als Beispiele seien die Skythen, Xiongnu, Hunnen, Saken, Wusun und Mongolen genannt.

Die Geschichte Zentralasiens weist einige Besonderheiten auf, dazu gehören unter anderem das Zusammenspiel von Nomaden und Sesshaften (Ackerbau, Städte), die sehr hohe Bedeutung des Pferdes und die Besonderheit von Steppenreichen.Jürgen Paul: Zentralasien. Frankfurt am Main 2012, S. 46ff. Zentralasien war zudem ein bedeutender Kreuzungspunkt vieler Einflüsse der umgebenden Kulturen vom Mittelmeerraum im Westen über den iranischen und indischen Kulturraum bis nach China im Osten. Nicht nur Waren, sondern auch technische, kulturelle und religiöse Ideen wurden ausgetauscht. Die kulturhistorische Bedeutung Zentralasiens „... bestand darin, weite und dichte Landverbindungen, Kommunikations- und Verkehrssysteme zwischen den großen Kulturen der Alten Welt zu schaffen und damit selbst zur multikulturellen Begegnungs- und Austauschstätte zwischen den antiken und mittelalterlichen Kulturen des Mittelmeers, Mesopotamiens und Irans sowie Indiens und Ostasiens gewordenen zu sein.“Bert Fragner: Hat Zentralasien bei uns eine Chance? Fragen an die Forschungs- und Entwicklungspolitik. Arbeitspapier, Vortrag in Banz auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft gegenwartsbezogener Orient. 1993, S. 3f., zitiert nach: Marion Linska, Andrea Handl, Gabriele Rasuly-Paleczek: Einführung in die Ethnologie Zentralasiens. Skriptum. Wien 2003, S. 49.

Steinzeit Zentralasien war bereits im Pleistozän besiedelt. Die ältesten Hinweise auf die Anwesenheit früher Menschen reichen rund eine Million Jahre zurück und fanden sich in Kuldara in der heutigen Provinz Chatlon im Süden Tadschikistans.Vadim A. Ranov, Eudald Carbonell, Xosé Pedro Rodríguez: Kuldara: The earliest human occupation in Central Asia and its Afro-Asian context. In: Current Anthropology. Band 36, Nr. 2, 1995, S. 337–346. In der gleichen Region deckt das Löss-Paläolithikum am Obi-Mazar das Besiedlungsgeschehen und die kulturelle Entwicklung des Menschen anhand der Steinartefakte über einen Zeitraum von vor 600.000 bis vor 100.000 Jahren ab.Andrej E. Dodonov, Vadim A. Ranov und Joachim Schäfer: Das Lösspaläolithikum am Obi-Mazar (Tadshikistan). Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums 39 (1), 1992, S. 209–243Vadim A. Ranov und Joachim Schäfer: Loessic Paleolithic. Archaeology, Ethnology & Anthropology of Eurasia 2 (2), 2000, S. 20–32 Außerhalb des sogenannten „Löss-Paläolithikums“ liegt in Kasachstan ein „Travertin-Paläolithikum“ aus der älteren Altsteinzeit vor. Bedeutende Fundplätze sind hier Shoktas und Koshkurgan.A. P. Derevianko, V. Petrin und Z. K. Taimagambetov: Early Paleolithic assemblages in travertine, Southern Kazakhstan. Anthropologie 36, 1998, S. 137–164 Der frühe Mensch selbst in Form des Neandertalers wurde mit einem Teilskelett in der Teschik-Tasch-Höhle in Usbekistan entdeckt. Es ist rund 70.000 Jahre alt.

Antike mini|Alexanderreich, 334–323 v. Chr. Im 5. Jahrhundert v. Chr. reichte das persische Achämenidenreich unter König Dareios I. bis nach Zentralasien, wenngleich es an der dortigen Grenze immer wieder zu Kämpfen mit nomadischen Stämmen kam. Der Makedonenkönig Alexander der Große eroberte im Verlauf des Alexanderzugs das Perserreich und errichtete bis 323 v. Chr. ein eigenes Großreich, das ebenfalls bis nach Zentralasien ins Ferghanatal reichte und vielfältige kulturelle Impulse setzte. Das Alexanderreich brach bald zusammen und die Nachfolge in Syrien, Mesopotamien und Iran trat das Seleukidenreich an. Der griechische Einfluss im Zeitalter des Hellenismus, der in Zentralasien sehr wirksam war, zeigte sich sowohl im Seleukidenreich als auch im Griechisch-Baktrischen Königreich (beide 3.–2. Jahrhundert v. Chr.). Im Zuge des Versuchs der Hellenisierung wurden neue Städte gegründet und Griechen in kleinerer Zahl angesiedelt; ein relativ gut erforschtes diesbezügliches Beispiel stellen etwa die Ausgrabungen von Ai Khanoum im heutigen nördlichen Afghanistan dar.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. verloren die Seleukiden die Kontrolle in diesem Raum, nachdem sich das bereits erwähnte griechisch-baktrische Königreich etablierte und sich bis nach Nordindien ausbreitete (siehe auch Indo-Griechisches Königreich). Wenngleich das griechische Baktrien bald im Verlauf von Angriffen verschiedener Steppenvölker unterging, gab es in der Folgezeit einen wechselseitigen und produktiven kulturellen und wirtschaftlichen Austauschprozess.Vgl. zusammenfassend etwa Michael Alram: Die Geschichte Ostirans von den Griechenkönigen in Baktrien und Indien bis zu den iranischen Hunnen (250 v. Chr.–700 n. Chr.). In: Wilfried Seipel (Hrsg.): Weihrauch und Seide. Alte Kulturen an der Seidenstraße. Wien 1996, S. 119–140.

Die Entwicklung der Seidenstraße mit ihrer Hochzeit in der Antike ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. bis ins Mittelalter im 13. Jahrhundert n. Chr. prägte zumindest den Südteil der Region. mini|Die Seidenstraße in Zentralasien im Mittelalter Die Seidenstraße erstreckte sich in Zentralasien von der ostiranischen Hochebene und der Stadt Merw im Westen bis zur Wüste Gobi und der Stadt Dunhuang im Osten sowie dem Abzweig Richtung Süden nach Kaschmir und Peschawar. Sie verband drei der wichtigsten asiatischen Kulturräume: Iran, Indien und das Kaiserreich China. Das Land ist gekennzeichnet durch Wüsten mit alten Oasenstädten, der Kasachensteppe im Westen und der mongolischen Steppe im Osten sowie hohen Gebirgen.Hans-Joachim Klimkeit: Die Seidenstraße. DuMont-Buchverlag, Köln 1990, S. 8.

Eine Vielzahl an Völkern wirkten in dieser Zeit in Mittelasien:Hans-Joachim Klimkeit: Die Seidenstraße. DuMont-Buchverlag, Köln 1990, S. 50ff. Die Saken begegneten bereits Alexander dem Großen, tauchten im 1. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien auf und bildeten bis ins 10. Jahrhundert ein Reich im Tarimbecken. Die nomadischen Xiongnu errichteten in Gansu und der Mongolei im 3. Jahrhundert v. Chr. ein Reich, das sich 48 v. Chr. aufspaltete. Einige Stämme besiedelten später das Ordos-Plateau, ihre Herrschaft in der Mongolei endete 155 n. Chr. Die Yuezhi wanderten im 2. vorchristlichen Jahrhundert von Gansu nach Baktrien. Aus ihrem Herrschaftsgebiet ging ungefähr 100 bis 250 n. Chr. das Kuschanareich hervor, das sich vom Amudarja im Norden bis weit nach Indien hinein erstreckte. Teile des Reiches bestanden bis zum Anfang des 4. Jahrhunderts. Die Yuezhi werden meist mit den aus den antiken griechischen und lateinischen sowie spätantiken chinesischen Quellen bekannten Tocharern gleichgesetzt. mini|Der Fluss Ili, 2006