Barby (IPA: ) ist eine Kleinstadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Bis zur Neubildung der Stadt am 1. Januar 2010 aus den Gemeinden der ehemaligen Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Saale (außer Gnadau)Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010. StBA. hieß die Stadt Barby (Elbe). Gnadau wurde am 1. September 2010 nach Barby eingemeindet. Barby ist von der Regionalplanung der Planungsregion Magdeburg als Grundzentrum ausgewiesen.Regionaler Entwicklungsplan für die Planungsregion Magdeburg. 2. Entwurf. Beschluss RV 07/2020 am 29. September 2020.
Geografie mini|ohne|Saalemündung Barby liegt am linken Ufer der Elbe. Circa 3 Kilometer elbeaufwärts, südöstlich der Stadt, mündet die Taube in die Saale und diese in die Elbe. Die Altstadt von Barby liegt in der Flussaue der Elbe, auf jungen Auesedimenten, unterhalb der erst weiter westlich sich ausbreitenden Niederterrasse aus (nach)eiszeitlichen Ablagerungen – und damit im Hochwasserbereich.Geologische Übersichtskarte von Sachsen-Anhalt, GÜK 400.Berent Schwineköper: Barby. In: ders. (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 11: Provinz Sachsen Anhalt. Adolf Kröner, Stuttgart 1987, S. 32. Die Stadt bildet die westliche Grenze des Biosphärenreservats Mittelelbe. Nordwestlich und südöstlich der Stadt liegen aus ehemaligem Kiesabbau entstandene Seen.
Stadtgliederung Barby besteht aus den Stadtteilen Colphus, Monplaisir, Weinbergsiedlung und Zeitz sowie aus folgenden Ortschaften: PLZ Ortschaft Einwohner Ortsteile Die Ortschaften von Barby (anklickbare Karte) 39240 Breitenhagen 492 Alt Tochheim 39249 Glinde 304 – 39249 Gnadau 523 Döben 39240 Groß Rosenburg 1680 Klein Rosenburg 39240 Lödderitz 230 Rajoch 39249 Pömmelte 644 Neue Siedlung und Zackmünde 39240 Sachsendorf 307 Patzetz 39249 Tornitz 566 Werkleitz 39249 Wespen 229 – 39240 Zuchau 318 Colno mini|hochkant=1.2|Blick auf Barby Dialektgrenze
Barby liegt unmittelbar südlich der Benrather Linie und somit am Übergang von den hochdeutschen – genauer: den ostmitteldeutschen Dialekten zur niederdeutschen Sprache. Die Benrather Linie trifft hier auf die Elbe.
Geschichte Barby wird erstmals in einer Urkunde König Ottos I. vom 23. April 961 als „barbogi“ erwähnt, was im Althochdeutschen „Ort an der waldlosen Flusskrümmung“, wörtlich: „barer Bogen“, bedeutet. Die Quelle bezeichnet Barby als Burgward, sie war damit Teil der damaligen Linie an befestigten Orten zum Schutz gegen die östlich davon siedelnden Slawen. Der alte Name der Stadt bzw. Burg ist früh in verschiedenen Formen überliefert. Die erkennbar älteste, viersilbige Form Barebogi findet sich in einer Urkunde aus dem Jahre 999, daneben ist schon in den Jahren 974 und 987 auch die Form bareboi mit assimiliertem g belegt.bsb-muenchen.de
Eine Quelle (nach Gerhard Köbler, 1995) berichtet sogar von einer ersten Erwähnung der Burg Barby im Jahr 814,Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. Die deutschen Territorien und reichsunmittelbaren Geschlechter vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 5. Auflage. Beck, München: 1995, S. 23 Barby wäre dann ein Punkt am karolingischen Limes Sorabicus gewesen. Kaiser Otto II. gibt die Burg Barby 974 an das adlige Damenstift Quedlinburg. Burg und Umgebung werden spätestens am Ende des 12. Jahrhunderts durch Walther III. von Arnstein in Besitz genommen. Er gründet die Linie der Grafen von Arnstein-Barby, später Grafen von Barby genannt.
Die mittelalterliche Stadt, im späten 12. Jahrhundert planmäßig um ein Straßenkreuz aus Nord-Süd-Achse (Schlossstraße) und West-Ost-Achse (Magdeburger Straße – Markt) erbaut und ursprünglich im Grundriss ein kleines Rechteck (ungefähr im Verlauf von Goethestraße – Schulstraße – Marktstraße – Postgasse – Krumme Gasse – Rusthofstraße), wurde bald vergrößert und im 15. Jahrhundert von einer Mauer mit fünf Stadttoren umgeben.Joachim Schulz u. a.: Architekturführer Magdeburg. Wanderungen durch Stadt und Umgebung. Verlag für Bauwesen, Berlin / München 1992, S. 142. Reste der Stadtmauer sind erhalten.
Das Barbyer Territorium wurde 1497 von Maximilian I. (damals noch nicht Kaiser) zur Reichsgrafschaft erhoben. Die Grafen von Barby führten 1540 die lutherische Reformation ein. Nach dem Tod des letzten Grafen von Barby 1659 fiel Barby an den Herzog August von Sachsen-Weißenfels; dessen Sohn Heinrich ließ von 1687 bis 1715 das Schloss erbauen. Die Linie Sachsen-Weißenfels stirbt 1746 aus und Barby fällt an das albertinische Kurfürstentum Sachsen. Um 1800 umfasste die Grafschaft Barby mit der Stadt Barby und einigen Dörfern etwa 2 Quadratmeilen.
1660 geriet Maria Kühne aus Barby, genannt Fischer, Witwe des Andres Grosse, Magd im Haus des Fährmeisters Palm Gräfe, 73 Jahre alt, im Rahmen der Hexenverfolgung unter dem Vorwurf des Krankheitszaubers in einen Hexenprozess.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln / Weimar / Wien 2003, S. 463.Monika Lücke, Dietrich Lücke: Ihrer Zauberei halber verbrannt. Hexenverfolgungen in der Frühen Neuzeit auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts. Halle 2011, S. 95–98. In den Ortsteilen Breitenhagen und Glinde kam es zu weiteren fünf Verfahren.
Barby war im 18. Jahrhundert – von 1749 bis 1809 – Sitz der evangelischen Brüdergemeine (Herrnhuter Brüder-Unität) und der Leitung der weltweiten Mission der Herrnhuter. 1749 wurde das „Seminarium Theologicum“ (Predigerseminar) der Brüdergemeine vom hessischen Lindheim nach Barby verlegt,Gottlieb Korschelt: Geschichte von Herrnhut. Eduard Kummer, Leipzig 1853, S. 75. wo es im Schloss unterkam, das Graf Heinrich XXVI. von Reuß jüngere Linie vom Kurfürstentum Sachsen gepachtet hatte, um es Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf für die Brüdergemeine zu überlassen. Neben dem Theologischen Seminar und der Kirchenleitung waren im Barbyer Schloss auch das Pädagogium (die höhere Schule der Herrnhuter) sowie Sternwarte, Naturalienkabinett und eine Druckerei untergebracht.Die Herrnhuter Brüdergemeine Gnadau. Einer der berühmtesten Schüler der Schule war Friedrich Schleiermacher, der die Schule von 1785 bis 1787 besuchte. Als 1808 die Pacht für das Schloss auslief, verlegte die Brüdergemeine ihre Einrichtungen in das 1767 gegründete Gnadau, heute erinnert fast nichts in Barby an die bedeutende Rolle der Stadt für die Herrnhuter Brüdergemeine.
Im Oktober 1806 überschritt das französische Korps Bernadotte bei Barby („Heerstraße“) auf seinem Weg von Halle nach Lübeck die Elbe. Im Zuge der territorialen Neuordnung durch den Wiener Kongress fiel Barby 1815 an Preußen.
Durch den Bau der Bahnstrecke Berlin–Blankenheim (auch Wetzlarer Bahn bzw. Kanonenbahn genannt) in den Jahren 1877–1882 erhielt Barby 1879 seinen Bahnanschluss und zum ersten Mal eine – allerdings nur der Eisenbahn dienende – Elbbrücke.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirkte der als Kirchenliederdichter („Stern, auf den ich schaue“) und Verfasser des Studentenliedes „Und wenn sich der Schwarm verlaufen hat“ bekannt gewordene Adolf Krummacher als Oberpfarrer in Barby.
Ab 1920 wurden die Maizena-Werke Barby gebaut.
Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Zeitz-Monplaisir mit der Stadt Barby vereinigt. Damit wurden die Wohnplätze Zeitz und Monplaisir Teile der Stadt Barby.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges verhinderte der evangelische Pfarrer Ludwig Fuchs unter Einsatz seines Lebens die gewaltsame Einnahme der Stadt von US-Truppen durch die Anbringung von Kirchenfahnen und weißen Tüchern.Gisela Reller: Zwischen den Kreuzen. In: Die Stunde Null. Berlin 1966, S. 88. Nach anderer Quelle gewannen US-Bodentruppen am 13. April 1945 nach Straßenkämpfen in Barby das Elbufer und konnten dann auf der anderen Elbseite einen Brückenkopf Richtung Zerbst errichten.Olaf Groehler: Anhalt im Luftkrieg. Dessau 1993. S. 165
Barby lag von 1945 bis 1949 in der sowjetischen Besatzungszone und von 1949 bis 1990 in der DDR. Die DDR benutzte das Schloss Barby ab 1959 als eine Aufnahmestätte für Westflüchtlinge. Auch ausländische Vertragsarbeiter wurden dort untergebracht. Diese Rolle verlor das Schloss 1979 wieder, als das Zentrale Aufnahmeheim Röntgental gebaut wurde.
Von 1952 bis 2007 lag Barby im Kreis Schönebeck (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 ist die Stadt Teil des Salzlandkreises.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 5.220 2005 4.525 2010 9.293 2015 8.665 2020 8.226 Jahr Einwohner 2021 8.173 2022 8.012 2023 7.911 2024 7.813 2025 7.803
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland ist in Barby mit der St.-Marien-Kirche und der St.-Johannis-Kirche vertreten. Die Kirchengemeinde Barby (Elbe) gehört zum Pfarrbereich Barby (Elbe) im Kirchenkreis Egeln. Außer den beiden Kirchen in Barby umfasst der Pfarrbereich Barby (Elbe) noch den Kirchengemeindeverband Eickendorf/Zens mit der St.-Johannis-Kirche in Eickendorf, der St.-Petri-Kirche in Großmühlingen, der St.-Salvator-Kirche in Kleinmühlingen und der St.-Stephanus-Kirche in Zens, die Kirchengemeinde Glinde mit der St.-Matthäi-Kirche, die Kirchengemeinde Pömmelte mit der St.-Johannis-Kirche, die Kirchengemeinde Werkleitz/Tornitz mit der St.-Nicolai-Kirche und der Katharina-von-Bora-Kirche, und der Kirchengemeinde Wespen mit der Schrotholzkirche.
Nachdem infolge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950 auch im seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägten Gebiet um Barby wieder Katholiken in größerer Zahl zuzogen, wurde im Herbst 1945 in Barby eine katholische Kuratie gegründet, die zur Pfarrei Calbe/Saale gehörte.Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 31, Teil 11, St. Benno Verlag, Leipzig 1989, S. 112–117. In der Schloßstraße 21 (Ecke Quergasse) wurde ein Pfarrhaus eingerichtet, in dem 1956 eine Kapelle geweiht wurde. Katholische Gottesdienste fanden auch in der gegenüberliegenden evangelischen St.-Johannis-Kirche statt. Weil die Zahl der Gottesdienstbesucher im Laufe der Zeit wieder abnahm, wurde das Pfarrhaus wieder aufgegeben und die Kapelle per Dekret vom 26. Februar 2019 profaniert. Der letzte Gottesdienst fand am 30. März 2019 statt.Amtsblatt des Bistums Magdeburg, Ausgabe April 2019., abgerufen am 23. April 2019. Katholiken in Barby gehören heute zur Pfarrei St. Marien und St. Norbert Schönebeck mit den rund zwölf Kilometer entfernten Kirchen St. Norbert in Calbe (Saale) und St. Marien in Schönebeck (Elbe).
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Barby besteht aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Wählergemeinschaft Elbe-Saale-Winkel 36,7 % 7 42,2 % 9 CDU 33,4 % 7 30,3 % 6 SPD 9,9 % 2 6,6 % 1 FDP 4,8 % 1 5,5 % 1 Die Linke 7,6 % 1 4,7 % 1 Rosenburger Kultur- und Karnevalsverein – – 4,4 % 1 Einzelbewerber Guido Fritsche – – 2,9 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 3,8 % 1 1,9 % – Einzelbewerber Michael Wolfram – – 1,5 % – Einzelbewerber 3,8 % 1 – – Insgesamt 100 % 20 100 % 20
Bürgermeister 2017–2024: Torsten Reinharz (SPD) seit 2024: Jörn Weinert (CDU)
Reinharz wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 6. November 2016 mit 57,8 % der gültigen Stimmen gewählt.
Weinert wurde in der Bürgermeisterwahl am 8. Oktober 2023 mit 57,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 8. Oktober 2023 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen, Flagge und Dienstsiegel