Wladiwostok (, wiss. Transliteration Vladivostok – übersetzt: Beherrsche den Osten; ; auch Port May auf alten englischen KartenWalton Grinnell: Journey through Eastern Mantchooria and Korea. In: Journal of the American Geographical Society of New York, Band 3 vom 1. Januar 1872, S. 283–299.) ist eine Großstadt in Ostasien am Japanischen Meer mit 594.000 Einwohnern (Stand: 2025). Sie ist Russlands wichtigste Hafenstadt am Pazifik, bedeutender Wirtschaftsstandort und Verwaltungszentrum des Föderationskreises Ferner Osten und der Region Primorje. In der Agglomeration Wladiwostok, die auch die Großstadt Artjom umfasst, leben rund 800.000 Menschen.

Geographie Lage mini|Stadtzentrum und das Goldene Horn (Solotoi Rog), die Hafenbucht von Wladiwostok

Wladiwostok liegt im Süden der zum Föderationskreis Ferner Osten gehörenden Region Primorje, ist eine Hafenstadt am Japanischen Meer, einem Randmeer des Pazifischen Ozeans, und liegt am südlichen Ende der rund 30 Kilometer langen und 13 Kilometer breiten Murawjow-Amurski-Halbinsel, die die Peter-der-Große-Bucht in Amur- und Ussuribucht teilt. Das Stadtzentrum liegt an der Bucht Goldenes Horn. Südlich von Wladiwostok trennt der Östliche Bosporus die Stadt von der Insel Russki. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von 56.154 Hektar, darunter sind etwa 50 Inseln. Die höchste Erhebung der Stadt ist mit 257 m der Berg Cholodilnik.

Die Entfernung nach Moskau beträgt über die Transsibirische Eisenbahn 9288 und über die Luftlinie 6430 Kilometer. Wladiwostok liegt sieben Zeitzonen östlich von Moskau und grenzt im Norden an den Stadtkreis Artjom.

Klima Wladiwostok liegt etwa auf demselben Breitengrad wie Florenz, dennoch sind die Winter kalt und trocken. Die Sommer sind aufgrund der Nähe zur Monsunzone regnerisch und mild.

Stadtgliederung mini|Straßenzüge in Wladiwostok Wladiwostok bildet einen gleichnamigen Stadtkreis (gorodskoi okrug) und unterteilt sich in folgende Stadtrajons (Stadtbezirke):

Frunsenski Leninski Perwomaiski Perworetschenski Sowjetski

Geschichte mini|Holzhaus der Handelsfirma Kunst & Albers in Wladiwostok, 1876 mini|Wladiwostok um 1910 mini|Filiale des Warenhauses GUM, ehemals Kunst und Albers mini|Admiral-Fokin-Straße

Die Region um Wladiwostok gehörte ursprünglich zur chinesischen Äußeren Mandschurei und war von Jurchen und Mandschu bevölkert. Ein französischer Walfänger, der 1852 in die Solotoi-Rog-Bucht einlief, entdeckte am Ufer Hütten chinesisch-mandschurischer Fischer. Der Ort hieß zu dieser Zeit Haishen-wei.Von jenseits der Tod Der Spiegel (31. März 1969), abgerufen am 10. Oktober 2017 Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann Russland seine Vorherrschaft in Zentral- und Ostasien auszuweiten. Mit dem Vertrag von Aigun wurde China 1858 gezwungen, sein Territorium links des Amur (Heilong Jiang) vom Argun bis zur Ozeanmündung an das Russische Kaiserreich abzutreten. Diesem „Ungleichen Vertrag“ folgte am 18. Oktober 1860 die Pekinger Konvention, womit China sein Küstengebiet östlich von Ussuri und Unterem Amur vollständig verlor.

Bereits am hatten russische Matrosen Haishen-wei besetzt und dem Ort den herausfordernd imperialistischen Namen Wladiwostok („Beherrsche den Osten“) gegeben.Deutschlandradio Kultur: Wo die Transsibirische Eisenbahn endet. 4. Januar 2009. Abgerufen am 1. Juli 2010 1862 wurde in Wladiwostok ein Hafen gebaut. Ein durchdachtes System von Festungen entstand zwischen den 1870er- und 1890er-Jahren. 1880 erhielt Wladiwostok den Stadtstatus. Das städtische Wappen mit dem sibirischen Tiger wurde im März 1883 angenommen.

Im August 1890 wurde die Festung Wladiwostok zum Hauptquartier des Militärbezirks Ostsibirien des ostsibirischen Militärgouverneurs ernannt, Generalmajor Paul Unterberger war als Militärgouverneur und Ataman der Ussurischen Kosaken eingesetzt. Für seine Verdienste um Wladiwostok wurde er nach 9-jähriger Amtszeit mit der Ehrenbürgerschaft von Wladiwostok verabschiedet.

Die Wirtschaft erlebte ab 1903 einen Aufschwung mit der Fertigstellung der Transsibirischen Eisenbahn, die Wladiwostok mit Moskau und Europa verbindet. Schnell entwickelte sich Wladiwostok zu einem internationalen Handelszentrum. Um die Jahrhundertwende siedelten sich dort viele ausländische Kaufleute an, deren Bauten teilweise noch das Stadtbild prägen (z. B. das 1864 gegründete Handelsunternehmen Kunst und Albers). Im engen Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung ist die rasante Zunahme der Bevölkerungszahl zu sehen. 1907 hatte Wladiwostok knapp 120.000 Einwohner.http://kraeved.info/index.php?id=387

Während des Russisch-Japanischen Krieges 1904–1905 wurde Wladiwostok von japanischen Kriegsschiffen belagert.

Nach dem Ausbruch der Oktoberrevolution und des Russischen Bürgerkrieges wurde die Stadt durch Ententetruppen besetzt. Im April des Jahres 1918 landeten einzelne japanische und britische Verbände. Ihnen folgte ein 8.000 Soldaten starkes amerikanisches Expeditionskorps, die American Expeditionary Force Siberia. In der Folge entstand hier ein Sammelplatz der Weißen Armee und ihrer Unterstützer (vgl. Fernöstliche Republik und Sibirische Intervention). Nach der Einnahme der Stadt durch die Truppen der Roten Armee unter Leitung von Jeronimas Uborevičius im Jahre 1922, der umfangreiche Kampfhandlungen vorausgingen, wurde Wladiwostok zum Hauptquartier der sowjetischen Pazifikflotte und zum Standort wichtiger militärisch-industrieller Einrichtungen. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg bis Mitte der 1930er-Jahre auf über 200.000. 1937 wurde die gesamte koreanische Minderheit in der Region um Wladiwostok auf Anordnung Josef Stalins nach Zentralasien deportiert und konnte erst Jahrzehnte später zurückkehren.

Während des Bestehens der Sowjetunion stieg die Einwohnerzahl von Wladiwostok rasant an, von etwas über 100.000 im Jahr 1926 auf fast 650.000 Anfang der 1990er-Jahre. Da die Stadt als Hauptstützpunkt der Sowjetischen Pazifikflotte insbesondere während des Kalten Krieges militärstrategisch von Bedeutung war, wurde sie ab 1958 bis zum Ende der Sowjetunion 1991 für Ausländer gänzlich gesperrt.https://www.owep.de/artikel/672/beherrsche-den-osten-wladiwostok Beispielsweise durften Touristen mit der Transsibirischen Eisenbahn die historische Traditionsstrecke Moskau–Wladiwostok nie zu Ende fahren, sondern mussten als Endstation in die knapp 100 Kilometer östlich gelegene Hafenstadt Nachodka ausweichen. Ausnahmen bildeten unter anderem prominente Besuche: So trafen sich 1974 der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew und der US-amerikanische Präsident Gerald Ford zu Gesprächen über Rüstungsbegrenzung (SALT) in Wladiwostok.

mini|Die Russki-Brücke bei Nacht

Nach dem Zerfall der Sowjetunion herrschte zunächst in ganz Russland eine wirtschaftliche Rezession, von der auch Wladiwostok stark betroffen war. Obwohl die Pazifikmetropole geöffnet wurde, mussten zahlreiche Industriebetriebe schließen und die Einwohnerzahl der Stadt sank. Inzwischen hat sich der Trend jedoch umgekehrt. Unter Ausnutzung seiner guten verkehrsgeographischen Lage knüpft Wladiwostok wieder zunehmend an seine früheren Handels- und Industriefunktionen an und profiliert sich als ein wichtiges Wirtschaftszentrum im ostasiatischen Raum.

Ein prestigeträchtiges Symbol der wirtschaftlichen „Renaissance“ der Stadt ist die Russki-Brücke, eine Schrägseilbrücke, die mit 1104 Metern die weltweit größte Stützweite aufweist. Sie wurde im Juni 2012 für den Verkehr freigegeben und verbindet die vorgelagerte Insel Russki mit der Stadt.

Seit Dezember 2018 ist die Stadt das Verwaltungszentrum des Föderationskreises Ferner Osten, das von Chabarowsk verlegt wurde.

Bevölkerung Ethnische Zusammensetzung Von den 1,96 Millionen Bewohnern Primorjes, des südöstlichsten Subjektes der Russischen Föderation, leben laut den Ergebnissen der Bevölkerungszählung von 2018 604.901 in Wladiwostok, neben der Mehrheit der Russen auch Koreaner (Korjo-Saram) und Ukrainer. Seit Anfang der 1990er-Jahre sind außerdem viele Chinesen zugewandert.Bertil Lintner: In: Asia Times Online, 25. Mai 2006. Abgerufen am 7. März 2012 (englisch).A Chinese 'Invasion' (dt.: Eine Chinesische Invasion), veröffentlicht 2003; abgerufen am 13. Dezember 2014.

Erst seit 1991 dürfen Ausländer die Stadt wieder ohne Sondergenehmigung besuchen; aufgrund der hohen Militärpräsenz und des Hafens, der als Hauptstützpunkt der Pazifikflotte genutzt wird, war dies bis 1991 aus Gründen der militärischen Sicherheit untersagt.

Bevölkerungsentwicklung Wie in vielen russischen Städten stieg auch die Bevölkerungszahl Wladiwostoks bis zum Zerfall der Sowjetunion kontinuierlich an. 1989 lebten knapp 634.000 Menschen in der Stadt. In den Folgejahren fiel die Einwohnerzahl relativ stark ab und betrug 2005 nur noch etwa 586.000. In den letzten Jahren setzte aber wieder eine deutliche Erholung ein, 2013 wurde die Marke von über 600.000 Einwohnern wieder erreicht. Jahr Einwohner 1897 28.933 1939 206.432 1959 290.608 1970 440.889 1979 549.789 1989 633.838 2002 594.701 2010 592.069 2021 603.519 Anmerkung: Volkszählungsdaten

Politik und Verwaltung mini|Skyline von Wladiwostok 2015 mini|hochkant|Gebäude der Gebietsverwaltung Wladiwostok ist als Hauptstadt der Region Primorje Sitz der Gebietsverwaltung. Das Verwaltungsgebäude, auch „Weißes Haus“ genannt, befindet sich am Hafen.

Bürgermeister ist seit 2021 Konstantin Wladimirowitsch Schestakow, der Stadtrat besteht aus 35 Abgeordneten.

In Wladiwostok befinden sich zahlreiche General- und Honorarkonsulate.

Partnerstädte Wladiwostok listet folgende Partnerstädte auf: StadtLandseitAkita 15px1992Busan 15px1992Dalian1992Hakodate 15px1992Harbin2017Ho-Chi-Minh-Stadt2009Incheon2012Juneau 15px1992Kota Kinabalu 15px2010Manta2009Niigata 15px1991Pohang2018San Diego 15px1991Tacoma1992Wladikawkas 2009Wŏnsan2009Yanbian2011Zchinwali 15px2021

Konsulate Folgende Staaten unterhalten in Wladiwostok ein Konsulat: Im Range eines Generalkonsulats Japan Nordkorea Volksrepublik China Ukraine Indien Südkorea Vereinigte Staaten Vietnam Im Range eines Konsulats Australien Kanada Neuseeland Armenien Im Range eines Honorarkonsulats Deutschland Thailand Bangladesch Philippinen Großbritannien Chile

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Hafen von Wladiwostok mini|Im Stadtzentrum mini|Bahnhof von Wladiwostok mini|Swetlanskaja-Straße im Zentrum

Wirtschaft Wladiwostok ist einer der wichtigsten Pazifikhäfen Russlands. Hauptwirtschaftszweige sind der Hafen, die Fischereiindustrie und der Marinestützpunkt. Die Hauptexportprodukte sind Fisch, Holz und Metalle. Importiert werden hauptsächlich Gebrauchtwagen, Kleidung, Schuhe und andere Konsumgüter.

Wirtschaftlich bedeutsam ist Wladiwostok aufgrund seiner Grenznähe zur Volksrepublik China sowie der Fährverbindung nach Japan.

Die Stadt ist rund 100 Kilometer von der Volksrepublik China entfernt, und so stellen Chinesen einen bedeutenden Faktor im Wirtschaftsleben dar. Einen Wirtschaftsfaktor bildet das Glücksspiel, welches in der Volksrepublik China verboten ist.

Im Oktober 2015 wurde das Casino Tigre de Cristal mit 68 Spieltischen, 321 Spielautomaten und einem 5-Sterne-Hotel eröffnet. Seit 2009 ist jedes Glücksspiel in Russland verboten, ausgenommen wurden 2010 per Erlass vier für den Glücksspieltourismus attraktive Sonderspielzonen: neben der Region Primorje mit Wladiwostok auch die Oblast Kaliningrad, die Region Altai in Sibirien und die südrussische Region Krasnodar. 2014 kam noch die völkerrechtswidrig annektierte Krim dazu.

Bauherrin (110 Mio. €) und Betreiberin ist die Summit Ascent Holding Ltd. mit den Casinobetreibern NagaCorp aus Kambodscha und Melco Crown aus China, hinter denen der Casino-Investor Lawrence Ho Yau Lung steht.

Ein produzierendes Unternehmen mit Sitz in Wladiwostok ist der Zementhersteller Wostokzement, der drei Zementwerke im Fernen Osten betreibt.

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