Der Wurmberg, früher Wormberch, Wormsberg oder Wormberg genannt, im Landkreis Goslar ist mit der zweithöchste Berg des Mittelgebirges Harz und der höchste Berg Niedersachsens.In der "Liste von Bergen im Harz" ist dieser Berg erst an fünfter Stelle aufgelistet. Diese Diskrepanz lässt sich damit erklären, dass die ersten vier Berge der zitierten Tabelle (Brocken, Heinrichshöhe, Königsberg und kleiner Brocken) sämtlich dem Brockenmassiv zugehören. Dann ist das Wurmbergmassiv, zu dem auch die beiden Winterberge bei Schierke (Ortsteil von Wernigerode) gehören, tatsächlich die zweithöchste Erhebung im Mittelgebirge Harz.

Geographische Lage mini|Blick aus der Brockenbahn zum Wurmberg Der Wurmberg erhebt sich unmittelbar außerhalb des Nationalparks Harz im Naturpark Harz rund 3,3 km nördlich von Braunlage (etwa ) und etwa 3 km westsüdwestlich von Schierke, das im benachbarten Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt liegt.

Sein Gipfel befindet sich rund 4,8 km südlich (je Luftlinie) von jenem des Brockens. Beide Berge werden vom Tal der Kalten Bode getrennt, die dort in West-Ost-Richtung verlaufend etwa zwischen 700 und Höhe fließt. Die Grenze zu Sachsen-Anhalt führt nördlich und östlich am Berg vorbei. Jenseits davon liegen in Richtung Schierke Großer () und Kleiner Winterberg ().

Zwischen dem Wurmberg und dem Kleinen Winterberg entspringt die Bremke. Westlich vorbei am Berg fließt die Große Bode als östlicher Quellbach der Warmen Bode, die südlich des Bergs durch Braunlage fließt.

Geologie Der Wurmberg ist im Wesentlichen aus Brockengranit aufgebaut. Darüber liegt noch kontaktmetamorpher Hornfels, der zeigt, dass es sich um die Dachregion des Brockenplutons handelt.

Naturschutzgebiet Wurmberg Der Wurmberg lag bis Oktober 2006 innerhalb des Naturschutzgebietes „Oberharz“. Um weitere Möglichkeiten für alpines Skifahren zu schaffen, sind seitdem nur noch zwei Teilflächen mit zusammen 183 ha Fläche am West- und Südwesthang als Naturschutzgebiet Wurmberg ausgewiesen.

Wurmbergklippen Auf der Südflanke des Wurmbergs gibt es die zwei markanten Wurmbergklippen, die zu den zahlreichen Harzklippen gehören: Die Große Wurmbergklippe oder Große Klippe (; max. ), die als Naturdenkmal (ND GS 32) ausgewiesen ist, befindet sich im Naturschutzgebiet Wurmberg etwa 220 m westlich der Seilbahntrasse zwischen der Berg- und Mittelstation der Wurmbergseilbahn, wenig oberhalb des inzwischen zugeschütteten oberen Wurmbergsteinbruchs. Die Kleine Wurmbergklippe oder Kleine Klippe (; bei etwa ) liegt zwischen der Mittel- und Talstation der Seilbahn knapp 100 m östlich der Seilbahntrasse im Fichtenwald.

Geschichte Bergname Schon im 13. Jahrhundert taucht für den Wurmberg der Name Wormberch in den Lehnbüchern und Güterverzeichnissen der Grafschaft Regenstein-Blankenburg in Verbindung mit dem Eisenerzbergbau auf. Im 19. Jahrhundert wurde der Berg noch Wormsberg oder Wormberg genannt, eine schlüssige Deutung des Namens liegt bislang nicht vor.

Historische Steinanlagen mini|Blick von der Achtermannshöhe zum Wurmberg mit der ehemaligen Wurmbergschanze mini|Kleine Wurmbergklippe nahe der Mittelstation der Wurmbergseilbahn Der Gipfel des Wurmberges ist mit alten, eigenartigen Steinanlagen überzogen, die lange als Überreste einer vermeintlich jahrtausendealten vorchristlichen Kultstätte interpretiert wurden.

Eine lange, in gerader Linie geführte und aus unbehauenen Steinen gefügte Treppe beginnt etwa 90 Höhenmeter oberhalb des Bergbaureviers auf Eisenerz an der Ostflanke des Berges und mündet am Rand des Gipfelplateaus in ein Terrassenfeld mit Kanten aus gleichfalls unbehauenen Steinen. Im Volksmund wurde diese Treppe im 19. Jahrhundert Heidentreppe genannt; im 20. Jahrhundert bürgerte sich der Name Hexentreppe ein. Heinrich Pröhle berichtete 1856 in seinen Harzsagen, dass in Verlängerung der Treppe ein steinerner Weg auf dem Plateau zu einem runden Steinhaufen führt. Anlässlich seiner Sammlung der Sagen des Oberharzes wurde ihm 1851 durch Bewohner Braunlages berichtet, dass dort einst ein heidnischer Tempel gewesen sei.

Zwischen 1949 und 1956 führte Walter Nowothnig (1907–1971) auf dem Wurmberg mehrere archäologische Grabungen durch. Die Sagensammlung Pröhles bestärkte in ihm den Verdacht, dass das Gerücht, diese Treppe sei erst durch den um 1825 in Braunlage lebenden, reitenden Förster Daubert angelegt worden, nicht länger haltbar war. Durch Nowothnigs Grabungen wurde der steinerne Weg wiederentdeckt und schließlich am Ende des Weges eine kreisrunde Wallanlage von etwa 10 m Durchmesser freigelegt, welche die Reste eines quadratischen Steinbaus umschließt. Des Weiteren wurden südlich des Weges die Fundamente eines kleinen Rundbaus entdeckt. 2006 wurde eine weitere, größere Wallanlage am Westrand des Gipfelplateaus bekannt. Nowothnig fand keine Anhaltspunkte für die Datierung der Anlage, weshalb sie fortan als Prähistorische Kultstätte unbekannter Zeitrechnung geführt wurde.

Unwissenschaftliche Spekulationen machten aus den Steinsetzungen schnell eine keltische Kultanlage. Der quadratische Bau innerhalb der Wallanlage wurde zu einem Tempel, der Weg zu einer Prozessionsstraße, die Steinterrassen zu einem Kulttheater und die Reste des kleinen Rundbaus erhielten den Namen Hexenaltar. Von 1999 bis 2000 wurden unter Leitung von Michael Geschwinde und Martin Oppermann erneut archäologische Untersuchungen auf dem Wurmberg durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind reichlich ernüchternd. Die quadratische Formation erwies sich als Fundament einer von 1820 bis 1840 bestehenden Steinhütte, welche der Oberförster Daubert dort angelegt hatte. Die Reste dieser Hütte, eben jener bei Pröhle erwähnte Steinhaufen, wurden 1890 für die Errichtung des im Absatz Allgemein genannten trigonometrischen Messturmes genutzt. Die kreisrunde Anlage entstand erst beim Bau dieses Turmes als Widerlager für Schrägpfosten, die den Turm allseits abstützten. Unterhalb eines der Steine der Hexentreppe wurde ein englischer Knopf aus der Zeit um 1800 gefunden, womit sich diese Treppe schließlich doch als ein Werk Dauberts erwies. Auch die große Wallanlage ist wahrscheinlich ein vom besagten Förster angelegtes Gehege gewesen. Der runde Hexenaltar konnte als Fundamentrest der alten Signalanlage von 1850 identifiziert werden. Einzig das Alter der steinernen Terrassenanlage konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden. Geschwindes Team hält eine durch starke Erosion natürlich entstandene geologische Formation für wahrscheinlich, die später von Menschenhand ausgebaut wurde.

Nowothnig scheint durch seine sagenhaften Funde so geblendet gewesen zu sein, dass er sowohl den Messturm, der erst zwanzig Jahre vor den Grabungen abgebrochen wurde, als auch das Signal, das ihm durch Pröhles Berichte bekannt war, nicht in seine Untersuchung einbezog. Der Förster Daubert und seine Tochter waren bekannt für ihre Gelage auf dem Berg, und der Aberglaube Braunlager Einwohner scheint dahinter heidnische Handlungen vermutet zu haben. Aus ihren Erzählungen wurde in wenigen Jahrzehnten die Sage vom Heidentempel. Obschon mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann, dass sich einst auf dem Berg eine prähistorische Kultanlage befand, wurde das Bergplateau 2003 auf Grund seiner einzigartigen Spuren menschlicher Nutzung des Oberharzes in der frühen Neuzeit als Grabungsschutzgebiet ausgewiesen.Grabungsschutzgebiet Wurmberg im Denkmalatlas Niedersachsen

Allgemein mini|Blick vom Brocken zum Wurmberg mit der ehemaligen Wurmbergschanze Um 1850 wurde auf dem Gipfel des Wurmbergs das erste Signal zur Vermessung des Harzes errichtet. Es wurde 1890 durch einen Holzturm für trigonometrische Messungen ersetzt, der bis 1930 bestand.

Im Jahr 1922 wurde eine Skisprungschanze erbaut (siehe Abschnitt Skisprungschanzen) und in den 1950er Jahren direkt angrenzend eine Gaststätte – die Wurmberg-Alm.

Die Deutsche Teilung führte dazu, dass die innerdeutsche Grenze nördlich und östlich am Wurmberg vorbei verlief. Während des Kalten Krieges befand sich auf dem Gipfelplateau eine Abhörstation: 1972 errichteten US-Geheimdienste auf dem Wurmberg einen 81 m hohen Turm, den North Tower, zur Aufnahme der entsprechenden Abhörgeräte. Diese Station wurde am 22. August 1994 gesprengt und ihre Überreste beseitigt (siehe auch: Aufklärungsturm auf dem Stöberhai).

Seit 1963 führt von Braunlage aus die Wurmbergseilbahn auf den Berg.

Sende- und Messanlagen Auf dem Wurmberg befand sich ein Füllsender für die Stadt Braunlage. Dieser diente zur Zeit der Deutschen Teilung auch zur Versorgung von Teilen der DDR, unter anderem der Stadt Halle (Saale), mit dem Westfernsehen des ZDF, weil der Sender Torfhaus als Grundnetzsender in diesem Gebiet durch den Brocken abgeschirmt war. Nach der Wende kamen weitere Frequenzen zur Versorgung der Ortschaft Schierke hinzu. Kanal Frequenz (MHz) Programm ERP(kW) Sendediagrammrund (ND)/gerichtet (D) Polarisationhorizontal (H)/vertikal (V) 26 511,25 Das Erste (MDR) 0,01 D H 43 647,25 ZDF 0,25 D H 58 767,25 MDR Fernsehen Sachsen-Anhalt 0,032 D H 60 783,25 NDR Fernsehen Niedersachsen 0,25 D H Auf dem Berggipfel gibt es seit September 2007 ein 70-cm-Amateurfunkrelais. Es hat das Rufzeichen DB0WUR und sendet auf 438,550 MHz. Damit lassen sich große Teile von Niedersachsen, Thüringen, Hessen und Sachsen-Anhalt erreichen.

Auf dem Gipfel befindet sich zudem in einem Container eine von 25 Messstellen des Lufthygienischen Überwachungssystems Niedersachsen.

Wurmbergsteinbruch mini|links|Wurmbergsteinbruch und Große Wurmbergklippe aus der Ferne mini|Wurmbergsteinbruch aus der Nähe Der Steinbruch am Wurmberg wurde im Zuge der Errichtung der Schmalspurbahn Walkenried–Braunlage/Tanne 1899 angelegt. Seit dem 1. September 1899 befand sich am Fuße des Wurmbergs am Brockenweg der Güterbahnhof Wurmberg (bis 1958). Dort wurden die Roh- und Werksteine aus Wurmberg-Granit verladen. Am Güterbahnhof befand sich seit 1925 das „Knacker“ genannte Schotterwerk.

Die Verladestation Wurmberg war zunächst mittels eines Bremsberges mit der weiter oben am Berg gelegenen unteren Steinbruchsohle verbunden. Auf diesem wurden die Steine in an Seilen befindlichen Loren transportiert. Der Damm, auf dem die Gleise dieser Transportanlage verlegt waren, ist heute noch in voller Länge erkennbar. Später wurde auf dem Damm eine Seilbahn errichtet, deren Pfeilerfundamente noch heute im Wald zu finden sind.

1974 wurde der Steinbruchbetrieb eingestellt. Geblieben ist eine beachtlich hohe Gesteinswand im unteren Teil des Steinbruchs. Der obere Steinbruch wurde mit Abraum gefüllt, der im ersten Bauabschnitt der Umgehungsstraße Braunlage anfiel. Seit 2006 liegt er innerhalb des Naturschutzgebiets Wurmberg.

Wurmbergseilbahn mini|Talstation der Wurmbergseilbahn mini|hochkant|Der Wurmbergturm im April 2020 mini|Wurmberg-Alm auf dem Gipfel mini|Blick über den Auslauf der ehemaligen Wurmbergschanze (2006) mit baumlosen Streifen (links) vor dem Großen Winterberg an ehemaliger innerdeutscher Grenze und Ausläufern von Schierke (rechts) mini|Das Rodelhaus nahe der Seilbahn-Mittelstation mini|Hexenritt-Abfahrt auf dem Wurmberg

Die Wurmbergseilbahn führt als Kleinkabinenbahn von Braunlage auf den Wurmberg. Die einstige Zwei-Sektionen-Bahn wurde in zwei Bauabschnitten errichtet: Seit 1963 verlief sie von der heutigen Mittel- zur Bergstation; das untere Stück von der Tal- zur Bergstation wurde erst 1967 eröffnet.

2001 wurde die heutige Ein-Sektionen-Bahn eingeweiht – mit Aus- und Zustiegsmöglichkeit an der Mittelstation. Die Seilbahn überwindet 397,5 m Höhenunterschied, ist 2,8 km lang, ganzjährig geöffnet dient sie den vielen Wintersportlern und Wanderern als Aufstiegshilfe.

Wurmbergturm Der 1951 gebaute alte Turm mit Skisprungschanze auf dem Wurmberg wurde im Jahr 2014 wegen Einsturzgefahr abgerissen. Im Jahr 2018 wurde mit dem Bau des neuen Wurmbergturms begonnen.