miniatur|Die Figuren Pantalone und Tartaglia in der Inszenierung von Jewgeni Wachtangow 1922

Das Theaterstück Turandot ist ein tragikomisches Märchen in fünf Akten, das von dem Venezianer Carlo Gozzi geschrieben wurde. Das Stück ist nach der Hauptfigur Turandot benannt, der Tochter des Kaisers von China. Der Stoff stammt aus einer persischen Erzählung im Epos Sieben Schönheiten von Nezami,Vgl. Edmund Alfred Bayer: Alexander und der Philosoph. In: Friedrich Rückert (Übers.): Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Aus dem Nachlaß herausgegeben von Edmund Alfred Bayer, 3 Bände, gedruckt mit Unterstützung der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Druck und Verlag von Georg Reimer, Berlin 1890–1895, Band 3, S. 360–363, hier: S. 360. die durch die Märchensammlung Tausendundein Tag (oder hezār-o-yek rūz) auch im westlichen Kulturkreis bekannt wurde (die Handlung ist dort in Russland angesiedelt). Die Uraufführung des Werkes fand am 22. Januar 1762 im Teatro San Samuele in Venedig statt.

Bekannte Nachdichtungen stammen von Friedrich Schiller (Turandot, Prinzessin von China), Karl Gustav Vollmoeller (Turandot, chinesisches Märchenspiel) 1911 und Wolfgang Hildesheimer (Das Märchen von Prinzessin Turandot). Bertolt Brecht hinterließ das Theaterstück Turandot oder Der Kongreß der Weißwäscher, das erst 1969 uraufgeführt wurde.

Entstehung Sowohl Ferruccio Busoni als auch Giacomo Puccini verdanken die Inspiration für ihre Opern der Freundschaft und Zusammenarbeit mit Karl Gustav Vollmoeller. Dieser war es, der, den Spuren seines Landsmanns Friedrich Schiller folgend, Gozzis Turandot der Vergessenheit entriss. Er forschte in den alten Theaterarchiven Venedigs so lange, bis er auf die Urfassung stieß, deren Commedia-dell’arte-Strukturen er originalgetreu für seine Bühnenbearbeitung übernahm. Vollmoeller war es auch, der seinen Freund Busoni mit der Komposition der Musik zu seiner Turandot beauftragte. Erst die über ein Jahr dauernde sehr enge Zusammenarbeit, die in Busonis Tagebüchern und Briefen tiefe Spuren hinterlassen hat, ließ in Busoni den Wunsch entstehen, sich dem Werk einige Jahre später nochmals zuzuwenden.

Im Falle Giacomo Puccinis war es die berühmte Inszenierung Max Reinhardts der Vollmoeller’schen Turandot von 1911, die diesen zu seiner Oper inspirierte. Somit hat Karl Vollmoeller mehr als jeder andere Autor oder Komponist des 20. Jahrhunderts dazu beigetragen, einen vergessenen Autor und eines seiner vergessenen Stücke der Nachwelt wieder zu geben. Schließlich hatte sein Stück am 18. Januar 1913 Premiere in London, wo „Turandot“ in der Inszenierung von Sir George Alexander mit Busonis Musik und Ernst Sterns Bühnenbild für Aufsehen sorgte. Nicht ohne Grund erschien bereits im Frühjahr 1913 eine englische Übersetzung von Vollmoellers „Turandot“ in London sowie eine amerikanische Ausgabe in New York.

Die Personen mini|Turandot in der Schiller-Galerie (1859), Stahlstich von Jaquemot nach Vorlage von Ramberg mini|Kalaf in der Schiller-Galerie (1859), Stahlstich von Fleischmann nach Vorlage von Ramberg Altum Kaiser von China Turandot Prinzessin von China, Tochter des Kaisers Adelma Prinzessin von Tatarenland, Lieblingssklavin von Turandot Zelima eine andere Sklavin Turandots Schirina ihre Mutter Barach Schirinas Mann, einstiger Erzieher Kalafs Kalaf Fürst der nogaesischen Tataren Timur König von Astrachan, Kalafs Vater Ismael Erzieher des Fürsten von Samarkand Pantalon Altums Sekretär Tartaglia Großkanzler von China Brighella Pagenmeister an Altums Hof Truffaldino oberster Eunuch in Turandots Serail

Ort der Handlung Die Handlung spielt in einem mystischen, märchenhaften China am Hofe Kaiser Altums.

Die Handlung Erster Akt Erste Szene Barach und Kalaf - Ein Stadttor von Peking Der Prinz Kalaf trifft in Peking Barach wieder. Kalaf erzählt, wie das Königreich seines Vaters verlorenging und er sich hat durchschlagen müssen. Von Barach erfährt Kalaf, dass die Geschichten um Turandot, die Tochter des Kaisers Altum, keine Märchen sind. Es stimmt, dass Turandot nur den Prinzen heiraten wird, der die drei Rätsel lösen kann, die sie ihm aufgibt. Versagt er, so muss er zum Schafott geführt werden. Etliche Prinzen hat dieses Schicksal schon ereilt.

Zweite Szene Barach, Kalaf und Ismael Ismael berichtet von der gerade vollzogenen Hinrichtung des Prinzen von Samarkand, dessen Erzieher er war. Er erzählt ferner, wie der Prinz einst nur durch den Anblick eines Bildes von Turandot dieser verfallen war. Das Bild wirft er in den Staub.

Dritte Szene Barach und Kalaf Kalaf, neugierig geworden, will das Bild aufheben, wird jedoch von Barach daran gehindert. Als es ihm schließlich gelingt und er das Bild von Turandot sieht, ist er augenblicklich in Turandot verliebt und fasst den Plan, sich der Rätselprobe zu stellen.

Vierte Szene Barach, Kalaf und Schirina Kalaf verschenkt sein Pferd und sein Geld an Barach und dessen Frau.

Zweiter Akt Erste Szene Truffaldino, Brighella - Großer Saal im kaiserlichen Palast Eine komische Szene, in der die beiden Bediensteten den Diwan, eine Art Ratsversammlung des kaiserlichen Hofes, für die neue Rätselprobe vorbereiten.

Zweite Szene Kaiser Altum, Tartaglia, Pantalon Der Kaiser beklagt sich bitter über Turandots harte, grausame Haltung. Aber er steht zu dem Gesetz, das Turandot ihm abgetrotzt hat, wonach die Prinzen die Rätsel lösen oder sterben müssen.

Dritte Szene Kaiser Altum, Tartaglia, Pantalon, Kalaf Kalaf besteht vor dem Kaiser darauf, dass sein Name und seine Herkunft vorerst ungenannt bleiben. Der Kaiser gewährt ihm dies, worauf die Hofbediensteten versuchen, Kalaf von seinem Vorhaben abzubringen. Dieser bleibt standhaft.

Vierte Szene Der Diwan tritt zusammen.

Fünfte Szene Altum, Turandot, Kalaf, Zelima, Adelma, Pantalon, Tartaglia Beim Anblick Kalafs spürt Turandot, dass dieser Prinz, anders als all die anderen Prinzen zuvor, in ihr eine Zuneigung weckt, die sie sich aber aus Stolz nicht zugestehen kann. Sie stellt die drei Rätsel, die Kalaf alle löst. Turandot ist entsetzt, sie will lieber sterben, als mit Kalaf zum Altar geführt zu werden. Kalaf wiederum will sie dazu nicht zwingen und stellt ihr jetzt seinerseits ein Rätsel. Sie solle bis morgen seinen Namen nennen und den Namen seines Vaters. Falls ihr dies gelänge, sei sie wieder frei.

Dritter Akt Erste Szene Adelma, eine Sklavin - Ein Zimmer Adelma, verliebt in Kalaf, schmiedet Pläne, wie sie selbst der Sklaverei entkommen und Kalaf gewinnen kann.

Zweite Szene Turandot, Zelima, Adelma Zelima bedrängt Turandot, nachzugeben und in die Heirat einzuwilligen, worauf Turandot auch wankt. Aber nur kurz, denn sie will den Prinzen besiegen, von dem sie sich gedemütigt fühlt, weil er die Rätsel gelöst hat. Adelma, die das Gespräch belauscht hatte, bestärkt Turandot in diesem Vorhaben und verspricht, ihr dabei zu helfen, den Namen des Prinzen in Erfahrung zu bringen.

Dritte Szene Kalaf, Barach - Saal im kaiserlichen Schloss Barach tadelt Kalaf, dass er sich auf eine weitere Rätselprobe eingelassen hat.

Vierte Szene Kalaf, Barach, Pantalon Tartaglia, Brighella Die Bediensteten des Kaisers führen Kalaf ab.

Fünfte Szene Barach, Timur Überraschend treffen Barach und König Timur wieder zusammen. Der König hatte gerade noch gesehen, wie sein Sohn Kalaf abgeführt wurde. Barach deutet nur dunkel an, was dies alles bedeutet.

Sechste Szene Barach, Timur, Schirina Schirina berichtet, wie sie Turandot erzählt hat, dass Kalaf in ihrem Haus gewohnt hatte. Barach ist sich sofort im Klaren, welche Gefahr dies für ihn bedeutet: Turandot wird versuchen, den Namen aus ihm herauszupressen.

Siebte Szene Barach, Timur, Schirina, Truffaldino Truffaldino nimmt mit Hilfe von Bewaffneten Barach und Timur fest.

Vierter Akt Erste Szene Turandot, Barach, Timur, Schirina, Zelima - Säulenhalle Unter Androhung von Gewalt verlangt Turandot von Barach, dass er die Namen nenne. Dieser bleibt standhaft. Timur gibt sich als der Vater von Kalaf zu erkennen, ohne seinen Namen zu verraten.

Zweite Szene Turandot, Barach, Timur, Schirina, Zelima, Adelma Adelma erzählt Turandot, dass sie die Wachen von Kalaf bestochen habe und dass sie einen Plan habe, wie sie mit Schirina und Zelima Kalaf dazu bringen werde, seinen Namen selbst preiszugeben.

Dritte Szene Turandot Einerseits zeigt sich Turandot höchst zufrieden mit Adelmas Plan, der ihr den Sieg über Kalaf ermöglichen soll. Andererseits merkt sie, dass ein solcher Sieg sie nicht glücklich machen würde.

Vierte Szene Altum, Turandot, Pantalon, Tartaglia Altum versucht vergeblich, Turandot umzustimmen. Er weiß inzwischen die Namen und bietet Turandot an, sie ihr zu nennen, so dass sie im Diwan als Siegerin auftreten könne. Sie müsse ihm aber versprechen, dass sie Kalaf dann trotzdem heiraten werde. Stolz lehnt Turandot ab und setzt all ihre Hoffnung auf Adelma.

Fünfte Szene Kalaf, Brighella - Gemach Brighella warnt Kalaf vor „Gespenstern“, die ihn in der Nacht besuchen könnten. In der Folge erscheinen in Kalafs Gemach dann auch die „Gespenster“ Schirina, Zelima, Truffaldino und Adelma.

Sechste Szene Schirina, Kalaf Schirina, als Soldat verkleidet, erzählt Kalaf, dass sich sein Vater im Palast befände. Sie bietet sich an, eine unterschriebene Nachricht zu übermitteln. Kalaf durchschaut leicht ihre wirkliche Absicht.

Siebte Szene Zelima, Kalaf Zelima gibt vor, dass Turandot folgenden Handel vorgeschlagen habe: Er nennt die Namen, dafür gibt Turandot ihm trotzdem die Hand. Kalaf traut ihr nicht.

Achte Szene Truffaldino, Kalaf Truffaldino versucht mit Hilfe einer Zauberwurzel, dem schlafenden Kalaf die Namen zu entlocken, was ihm, wie er irrtümlich glaubt, auch gelingt.

Neunte Szene Adelma, Kalaf Adelma gibt sich vor Kalaf als Königstochter zu erkennen und erzählt ihm, wie sie zur Sklavin wurde. Sie berichtet weiter, dass Turandot beschlossen habe, ihn zu töten, um der Rätselprobe im Diwan zu entgehen. In blinder, rasender Verzweiflung ruft Kalaf seinen Namen und den seines Vaters aus. Adelma bietet ihm einen Plan zur Flucht an, den Kalaf ablehnt.

Zehnte Szene Brighella, Kalaf Brighella holt Kalaf, um ihn zum Diwan zu führen.

Fünfter Akt Erste Szene Altum, Tartaglia, Pantalon, Kalaf - Großer Saal im kaiserlichen Palast Überrascht stellt Kalaf fest, dass er unversehrt vor dem Diwan angekommen ist. Kaiser Altum ist zuversichtlich. Er erwartet die baldige Hochzeit.

Zweite Szene Altum, Tartaglia, Pantalon, Kalaf, Turandot Turandot verkündet voll süßer Rache die Namen, die sie von Adelma erfahren hatte, worauf Kalaf sich mit einem Dolch umbringen will. Jetzt fällt ihm Turandot in den Arm, um dies zu verhindern, denn nun will sie seine Braut werden. Adelma sieht ihre letzte Hoffnung auf Kalaf schwinden und ergreift Kalafs Dolch, doch dieser verhindert, dass sie sich ein Leid antut. Auch setzt er sich bei Altum dafür ein, dass Adelma wieder ihre Königswürde zurückerhält, was dieser gewährt.

Turandot beschließt das Stück: Du liebes Volk der Männer - hört: ich bin euch gut, Euch allen bin ich gut. Und weil ich reuig bin, Sollt ihr ein Zeichen der Vergebung mir nicht weigern!

Adaptionen Beginnend mit der Schauspielmusik von Franz Seraph Destouches für die Uraufführung von Schillers Theaterstück im Jahr 1802 schrieben folgende Komponisten Bühnenmusiken zu Turandot: 1806 Friedrich Ludwig Seidl, 1809 Carl Maria von Weber, 1813 Joseph von Blumenthal und zuletzt 1843 Vinzenz Lachner.

Ab 1809 (Joseph von Blumenthal) entstanden Opern, die den Turandot-Stoff behandeln: 1816 Franz Danzi, 1835 Carl Gottlieb Reißiger, 1838 Johann Hoven, 1840er Jahre Herman Severin Løvenskiold, 1867 Antonio Bazzini (unter dem Titel „Turanda“), 1888 Adolf Jensen, in einer Bearbeitung von Wilhelm Kienzl, 1888 Theobald Rehbaum.William Ashbrook: Puccini’s Turandot:The End of the Great TraditionAdolf Jensen: Turandot. Operndichtung in drei Aufzügen Die zuletzt entstandenen Opern sind: Turandot, Oper von Ferruccio Busoni, Uraufführung 1917 in Zürich