Der Sport-Club Victoria Hamburg von 1895 e. V., kurz SC Victoria Hamburg, Victoria Hamburg, SC Victoria oder einfach nur Vicky, ist ein Sportverein in Hamburg. Beheimatet ist der Verein in den Stadtteilen Hoheluft, Eppendorf und Lokstedt. Die angrenzenden Stadtteile zählen zum näheren Einzugsgebiet des Vereins.
Bekannt ist der SC Victoria vor allem durch seine Fußballabteilung; darüber hinaus unterhält der Sportverein Abteilungen für Badminton, Handball, Hockey, Karate, Leichtathletik, Tennis, Tischtennis und Turnen.
Der SC Victoria zählt zu den ältesten Fußballvereinen in Deutschland, ist Gründungsmitglied des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und besteht seit seiner Gründung im Jahre 1895 fast unverändert.
Größte Erfolge in der Vereinsgeschichte waren der Einzug ins Halbfinale der deutschen Fußballmeisterschaft 1907 sowie der deutsche Meistertitel im Damen-Handball 1930. Im September 2022 konnte zudem die erste offizielle deutsche Herren-Fußballmeisterschaft der über 32-jährigen gewonnen werden. Auf dem Weg zur Meisterschaft konnte man sich u. a. gegen den FC Bayern München und Hertha BSC durchsetzen.
Geschichte und Fußball 1895–1919 Saisondaten 1898–1919 Saison Liga Klasse Platz Tore Punkte Bemerkung 1898/99 A-Klasse I. 3. 29:26 17:9 1899/1900 A-Klasse I. 3. 28:18 13:9 1900/01 A-Klasse I. 2. 17:8 13:5 1901/02 A-Klasse I. 2. 13:7 1902/03 A-Klasse I. 5. 12:10 1903/04 A-Klasse I. 4. 27:27 10:12 1904/05 A-Klasse I. 2.(1.) 36:8 19:3 siehe unten 1905/06 A-Klasse I. 1. 54:11 25:3 1906/07 A-Klasse I. 1. 48:7 16:2 1907/08 A-Klasse I. 1. 56:12 14:0 1908/09 A-Klasse I. 1. 39:16 13:3 siehe unten 1909/10 A-Klasse I. 2. 82:35 27:5 1910/11 A-Klasse I. 2. 79:23 27:5 1911/12 A-Klasse I. 3. 58:27 25:7 1912/13 A-Klasse I. 1. 60:15 34:2 1913/14 Norddeutsche Liga I. 8. 34:46 12:24 1914/15 A-Klasse I. 2. 67:15 23:5 1915/16 A-Klasse I. 6. 27:31 13:19 1916/17 A-Klasse I. 2. 62:31 21:11 1917/18 A-Klasse I. 2. 72:18 20:8 1918/19 A-Klasse I. 1. 70:16 29:3 als KV Victoria / Hamburg 88 1904/05: Meister im Entscheidungsspiel gegen SC Germania 5:41908/09: Entscheidungsspiel um die Teilnahme an der Norddt. Meisterschaft gegen Altona 93 2:3 mini|links|1907: Die Mannschaft im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft Gegründet wurde der Fußball-Club Victoria von 1895 am 5. Mai 1895 von Realschülern und Auszubildenden, die schon seit einiger Zeit mit ihren Mannschaften Cito und Excelsior auf dem Hamburger Heiligengeistfeld dem Fußballspiel nachgingen. Die Gründungsversammlung fand im Billardzimmer einer Gaststätte am Millerntor statt. Ältester in der Runde war der 21-jährige Walter Sommermeier,Jankowski/Pistorius/Prüß: Fußball im Norden, Bremen und Barsinghausen 2005, Seite 201. Schreibweise gemäß Todesanzeige in den Vereinsnachrichten (1955) der im Jahre 1900 als Delegierter des Hamburg-Altonaer Fußball-Bundes auf dem 1. Allgemeinen Deutschen Fußballtag in Leipzig maßgeblich an der Gründung des Deutschen Fußball-Bunds beteiligt war und dort alle Vereine aus Altona, Bremen und Hamburg vertrat. Erster Vorsitzender des Clubs wurde ein Herr Hartung, dem nach wenigen Wochen der damals erst 14-jährige spätere Vorsitzende des DFB-Spielausschusses und des Norddeutschen Fußball-Verbandes, Hugo Egon Kubaseck, folgte. Zunächst schloss man sich jedoch dem Hamburger FC 1888 an und spielte unter dem Namen Victoria-Schüler als dessen Nachwuchsteam. Im Herbst 1897 trennte man sich vom HFC 88 und trat eigenständig als FC Victoria 1895 auf. Ein Jahr später erfolgte die Aufnahme in den Hamburg-Altonaer Fußball-Bund (HAFB), und ab der Spielzeit 1898/99 nahm der FC Victoria 1895 mit zwei Mannschaften am Liga-Spielbetrieb teil. Die erste Mannschaft wurde in die höchste Spielklasse, die A-Klasse, eingereiht und konnte sich auf Anhieb unter den Spitzenteams etablieren. Im Jahre 1905 konnte zum ersten Mal der Meistertitel des HAFB errungen und bis zum Jahr 1908 auf vier Meistertitel in Folge ausgebaut werden. 1906 und 1907 wurde außerdem die norddeutsche Meisterschaft gewonnen. 1905, 1906 und 1907 war man für die Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft qualifiziert. In den ersten beiden Jahren scheiterte man bereits im Viertelfinale, doch 1907 gelang der Einzug ins Halbfinale gegen die Namensvettern vom Berliner TuFC Viktoria 89. Das insbesondere von Berliner Seite überhart geführte Spiel drohte dem Schiedsrichter zu entgleiten und stand kurz vor dem Abbruch. Am Ende gewannen die Berliner mit 4:1 und standen im Finale. Aufgrund der Vorkommnisse lehnten die Berliner den für das Finale angesetzten Schiedsrichter Otto „Tulle“ Eikhof ab, da er Mitglied des FC Victoria war. mini|links|1908: Erstes Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft. Ganz rechts Hugo E. Kubaseck (SC Victoria) links daneben Hans Weymar, linker Läufer (SC Victoria)
Sportliche Heimat des Fußballclubs war das Heiligengeistfeld. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts trugen die Mannschaften des FC Victoria hier ihre Spiele unter schwierigen Bedingungen aus. Das Heiligengeistfeld war Naherholungs- und Ausflugsgebiet der Hamburger Bevölkerung, und es war nicht möglich, dauerhaft Spielfelder abzustecken und Tore zu errichten. Vor einem Spiel musste der Platz zunächst „gebaut“ werden. Ab der Jahrhundertwende verlagerte sich der Spielbetrieb fast aller Vereine zur Altonaer Exerzierweide in Bahrenfeld, auf der acht Spielfelder errichtet wurden. Für die Victorianer war das mit langen Anmarschwegen verbunden, aber alle Bemühungen, auf dem Heiligengeistfeld einen Sportplatz dauerhaft zu errichten, scheiterten. 1904 konnte man jedoch den Betreiber der wiedereröffneten Radrennbahn am Grindel überzeugen, im Innenraum der Bahn einen Fußballplatz sowie vier Tennisplätze zu errichten. Victoria war damit der einzige Fußballclub in Hamburg, der über eine eigene abgeschlossene Sportanlage verfügte. Zwei Jahre später geriet das Velodrom jedoch in wirtschaftliche Schwierigkeiten, und das Gelände fiel an die Stadt Hamburg, die beabsichtigte, hier einen Bahnhof der geplanten Hochbahn zu errichten. Der nun heimatlose Verein wurde jedoch schnell wieder fündig, und ab 1907 errichtete man einen guten Kilometer nördlich gegenüber dem Grenzhaus Hoheluft an der Stadtgrenze zum preußischen Lokstedt den Sportplatz Hoheluft, der in den folgenden Jahren zum damals größten Fußballstadion Hamburgs ausgebaut wurde und sein maximales Fassungsvermögen mit 35.000 Plätzen im Jahre 1947 erreichte.
Früh erkannte man im Verein, dass Leichtathletik ein ideales Training für den Fußballsport darstellt, und im Jahre 1901 wurde hieraus eine eigene Abteilung. Die Tennisabteilung des Vereins wurde 1904 gegründet; vorrangig, um die Spielerfrauen in den Verein zu integrieren und einer gemeinsamen sportlichen Betätigung nachzugehen. Das führte am 10. Juni 1908 gegen starke Widerstände im Verein zur Umbenennung in Sport-Club Victoria von 1895, da man es den tennisspielenden Damen im Verein nicht länger zumuten wollte; ihrem weißen Sport in einem Fußball-Club nachgehen zu müssen.
Sportlich konnte sich der SC Victoria bis 1919 als führendes Hamburger Fußballteam etablieren und genoss national wie international hohes Ansehen. Man errang 1912/13 noch einmal den Meistertitel und schloss die übrigen Spielzeiten zumeist als Vizemeister ab. Ab dem Spätsommer 1918 trat man gemeinsam mit dem sich nun Hamburger SV 1888 nennenden HFC 88 als Kriegsvereinigung Victoria Hamburg 88 an und konnte am 1. Juni 1919 die norddeutsche Meisterschaft gewinnen.
1919–1933 Saisondaten 1919–1933 Saison Liga Klasse Platz Tore Punkte Bemerkung 1919/20 A-Klasse I. 1. 55:21 26:8 1920/21 NFV-Verbandsliga I. 6. 25:32 16:20 1921/22 Norddeutsche Liga I. 2. 27:10 20:8 1922/23 Norddeutsche Liga I. 3. 50:19 19:9 1923/24 Norddeutsche Liga I. 2. 66:20 23:5 1924/25 Norddeutsche Liga I. 3. 29:15 18:10 1925/26 Norddeutsche Liga I. 2. 54:26 19:9 1926/27 Norddeutsche Liga I. 2. 58:23 24:4 1927/28 Norddeutsche Liga I. 2. 72:25 28:4 1928/29 «Runde der Zehn» 10. 25:40 5:15 Fußball-Revolution 1929/30 Norddeutsche Oberliga I. 6. 39:47 20:16 1930/31 Norddeutsche Oberliga I. 4. 50:40 20:16 1931/32 Norddeutsche Oberliga I. 4. 59:40 19:17 1932/33 Norddeutsche Oberliga I. 7. 45:45 15:21 siehe unten 1932/33: Keine Qualifikation für die neue Gauliga Nordmark mini|links|1919: Fusion mit dem Hamburger Sport-Verein v. 1888? Ursprünglich beabsichtigten Victoria und Hamburg 88 ihre kriegsbedingte, aber erfolgreiche Zusammenarbeit dauerhaft fortzusetzen, eine außerordentliche Mitgliederversammlung von Hamburg 88 sprach sich jedoch am 21. März 1919 gegen eine Fusion mit dem damals doppelt so großen SC Victoria aus. Dem Hamburger SV 1888 schloss sich daraufhin am 12. Mai zunächst der kleine FC Falke aus Eppendorf an, bevor man sich mit Wirkung vom 2. Juni 1919 mit dem etwa gleich großen SC Germania 1887 zum Hamburger Sport-Verein zusammenschloss. Innerhalb weniger Jahre sollte dieser neue Verein den SC Victoria von der Spitze im Hamburger Fußball verdrängen. In der ersten Nachkriegsspielzeit konnte dieser zwar noch einmal den Meistertitel erringen, musste sich dann aber meist hinter dem HSV auf den vorderen Plätzen einreihen. Dennoch zählte Victoria auch weiterhin zu den norddeutschen Spitzenteams. Insbesondere kultivierte das Team um Victoria-Legende Ernst Eikhof das englische Kombinationsspiel. Dafür verpflichte man 1922 den englischen Erfolgstrainer William Townley, dessen Sohn Jimmy ebenfalls in den Reihen der Blaugelben kickte. Ein Spielbericht von Eintracht Frankfurt aus dem Jahre 1922 weiß zu berichten: „Ein Vergleich zwischen dem kürzlich hier gesehenen hartnäckigen Gegner Nürnbergs, Hamburger Sportverein und Viktoria(sic!) Hamburg liegt nahe. Viktoria ist die elegant spielende Kombinationself, jeder einzelne hat viel Verständnis, viel Fußballgefühl, hervorstechend das Bestreben, das Spiel flach zu halten; das ideen- und finessenreiche Spiel des jungen Townley, fair und ohne viel Kraft, geht durch die gesamte Mannschaft. H.S.V, ist die verkörperte Kampfmannschaft, keine ausgesprochene Kombinationsmaschine, nicht das geschlossene Ganze wie Viktoria“."Eintracht Frankfurt – Victoria Hamburg 2:5 am 13. August 1922"., auf eintracht-archiv.de
mini|links|100px|Historisches Logo Victoria um 1930
Für Aufsehen sorgte 1932 der Wechsel von Erwin Seeler, später Vater von Uwe Seeler, vom Arbeitersportclub SC Lorbeer 06 an die Hoheluft. Das sozialdemokratische Hamburger Echo warf dem „verirrten Proletarier“ Seeler „Hochmutsfimmel“ vor und dass er sich zum „Paradepferd für die Kassen der bürgerlichen Bewegung“ machen lasse. Weiterhin wurden verbotene Geldzahlungen vermutet und dass sein neuer Verein Seeler eine Wohnung im noblen Eppendorf zur Verfügung stellte. Tatsächlich zogen die Seelers in das Arbeiterquartier von Eppendorf, wo die Familie bis in die 1950er Jahre wohnte. Bereits vor seinem Wechsel war Seeler beim SC Victoria bestens bekannt; Lorbeer spielte regelmäßig im Stadion Hoheluft und errang hier 1929 und 1931 die ATSB-Bundesmeisterschaft. Trotz dieser Verstärkung belegten die Hohelufter am Ende der Saison 1932/33 nur einen enttäuschenden 7. Platz und konnten sich damit zwar vermeintlich vor dem Abstieg retten, waren dann aber nicht für die neugeschaffene Gauliga qualifiziert.
1933–1945 Saisondaten 1933–1945 Saison Liga Klasse Platz Tore Punkte Bemerkung 1933/34 Bezirksklasse Groß-Hamburg (Staffel Hansa) II. 1. 91:37 34:10 Aufstieg in die Gauliga 1934/35 Gauliga Nordmark I. 4. 51:43 20:16 1935/36 Gauliga Nordmark I. 2. 67:33 27:9 1936/37 Gauliga Nordmark I. 3. 63:39 25:11 1937/38 Gauliga Nordmark I. 6. 56:48 22:22 1938/39 Gauliga Nordmark I. 4. 52:43 23:17 1939/40 Bereichsliga Nordmark «A» I. 2. 34:29 12:8 1940/41 Bereichsliga Nordmark I. 4. 68:54 28:16 1941/42 Bereichsliga Nordmark I. 6. 43:56 16:20 1942/43 Gauklasse Hamburg I. 1. 79:25 29:7 1943/44 Gauklasse Hamburg I. 3. 62:32 23:13 1944/45 Gauklasse Hamburg I. 9. 38:52 11:25