Volkstänze bestehen meist aus verschiedenen Tanzfiguren, Schritten und Tanzfolgen, die größtenteils relativ einfach, mitunter aber auch etwas komplexer sind. Dieser Artikel beschreibt die gebräuchlichsten Grundbegriffe im Volkstanz, wie sie in Deutschland bzw. im deutschsprachigen Raum üblich sind. Einige Figuren und Schritte haben dabei auch den Weg in andere Länder gefunden, so auch nach Nordamerika, wo sie im Square Dance und Round Dance unter eigenen Namen benutzt werden. Im Gegenzug sind inzwischen etliche englische Bezeichnungen aus den Squares und Rounds im deutschsprachigen Volkstanz bekannt und neben den deutschen Bezeichnungen gebräuchlich oder zumindest verständlich.

Bezeichnungen Bei Paartänzen gibt es traditionell bedingt Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Dem Mann oblag in der Vergangenheit die Führung im Paartanz und die Frau musste folgen. Auch wenn gleichgeschlechtliche Paare miteinander tanzen, wird oft immer noch zwischen Männerschritt oder Frauenschritt unterschieden. In der heutigen Zeit sollte besser zwischen einer führenden oder folgenden Position unterschieden werden, dementsprechend von Führenden und Folgenden. Diese Seite beschäftigt sich mit den historischen Gepflogenheiten mit einer festgelegten Zuordnung, dass Männer im Paartanz führen und Frauen folgen. Daher ist diese Festlegung gerechtfertigt.

Werden traditionelle Tänze angeleitet, hängt es vom Publikum ab, ob der Tanzlehrer bei der traditionellen Bezeichnung bleibt, oder konsequent von Führenden und Folgenden spricht. Dies auch vor dem Hintergrund, dass heute auch bei verschiedengeschlechtlichen Tanzpaaren die Führung von der Frau übernommen werden darf.

Ausgangsstellungen Flankenkreis Die Tanzenden (paarweise: Flankendoppelkreis) bilden einen Kreis, eine der Schultern (Flanke) ist zur Kreismitte gewendet, Front in Tanzrichtung oder gegen Tanzrichtung. Beim Flankendoppelkreis in Tanzrichtung steht der Tänzer näher zur Kreismitte, gegen Tanzrichtung die Tänzerin.

Frontkreis Die Tanzenden bilden einen Kreis, Rücken oder Gesicht ist zur Kreismitte gewendet, auch Stirnkreis (wenn paarweise, dann zueinander stehend, Tänzer mit dem Rücken zur Kreismitte: Stirndoppelkreis).

Kreistanzfassung Alle wenden ihr Gesicht zur Mitte. Falls Paartanz: der Tänzer steht links, seine Tänzerin rechts.

Hände: unten hängend (V-Fassung) oder angehoben (W-Fassung). In einigen Ländern (z. B. Griechenland und Israel) gilt dabei: die rechte Hand die ‚gebende‘, liegt unten, die linke ist die ‚nehmende‘, liegt oben.

Benennungen Außen Die dem Partner abgewandte Seite (im Gegensatz zu Innen)

Außenfuß Im Paartanz der Fuß, der vom Partner weiter entfernt ist. Das kann je nach Stellung zum Partner einmal der rechte Fuß, einmal der linke Fuß sein. (im Gegensatz zu Innenfuß)

Gegengleich Parallel zueinander, aber in entgegengesetzter Richtung

Innen Die dem Partner zugewandte Seite (im Gegensatz zu Außen)

Innenfuß Im Paartanz der Fuß, der dem Partner näher ist. Das kann je nach Stellung zum Partner einmal der rechte Fuß, einmal der linke Fuß sein. (im Gegensatz zu Außenfuß)

Linksdrehung Drehung gegen den Uhrzeigersinn, linke Schulter zurück, rechte vor.

Rechtsdrehung Drehung im Uhrzeigersinn, linke Schulter vor, rechte zurück.

Spielbein Unbelastetes Bein (Ggs.: Standbein)

Standbein Belastetes Bein (Ggs.: Spielbein)

Tanzpartner Tänzer (Abk. Tä oder Ter) Herr (He) / Bursche (Bu) Männlicher Tanzpartner Zeichen in schematischer Tanzbeschreibung Λ Tänzerin (Abk. Tin) Dame (Da) / Mädchen (Mä) Weiblicher Tanzpartner Zeichen in schematischer Tanzbeschreibung ∩

Im deutschen Volkstanz wie auch im Square Dance steht der Tänzer links von seiner Partnerin.

Tanzrichtung

Mitsonnen (Abkürzung: ms) Bezeichnung der Tanzrichtung im Uhrzeigersinn (im Kreis links herum) Gegensonnen (gs) Bezeichnung der Tanzrichtung gegen den Uhrzeigersinn (im Kreis rechts herum)

Bei Tänzen auf der Kreisbahn, also in einem großen Kreis, bewegen sich die Tanzpaare immer Gegensonnen, also gegen den Uhrzeigersinn (soweit nicht anders angegeben).

Tanzfassungen Durchfassen Die Hände oder Finger der Nachbarn fassen zum Kreis, etwa im Kreistanz. Es hängt vom Tanz ab, ob mit der Hand oder einem Finger durchgefasst wird. Bei Fingerfassen werden in der Tradition verschiedene Finger verwendet. Heutzutage üblich ist das Hakeln mit dem kleinen Finger. Aber ist auch dokumentiert, dass die Tänzer den Mittelfinger oder Zeigefinger verwendeten.

Beim Durchfassen ist es üblich, dass die rechte Hand vor der linken Hand liegt: Der Tanzpartner hält seinen rechten Handrücken in die Kreismitte. Der rechte Partner legt seine linke Hand mit der Handinnenfläche zur Kreismitte gerichtet in die Hand des linken Partners. Ähnlich ist dies mit den Fingern.

In dieser Fassung sind Armbewegungen möglich.

(Unter-)Armfassung Eine besondere Form bei einigen Kreistänzen ist das Durchfassen mit dem kompletten Unterarm. Die Hände werden so durchgefasst, dass die Unterarme sich berühren und immer parallel bleiben. Üblich ist ein Überkreuzen der Unterarme. Der Tänzer legt seinen rechten Unterarm von oben auf die rechte Seite des linken Unterarms seines rechten Partners. Sein rechter Oberarm liegt somit vor dem Oberarm des rechten Partners. Dadurch hat seine Armhaltung eine weitgehend natürliche Haltung, indem der Handrücken seiner rechten Hand nach rechts zeigt. Die Hand ist vertikal, so dass der Daumen oben liegt.

Einhandfassung Führungsfassung: Tänzer links, Tänzerin rechts. Der Tänzer hält mit der rechten Hand die linke der Tänzerin in Brusthöhe. Die Handfläche des Tänzers zeigt nach oben, die Tänzerin legt ihre linke Hand mit dem Handrücken nach oben leicht – ohne Gewicht und ohne krampfhafte Fassung – in die Hand des Tänzers. Offene Fassung: (Hand in Hand). Die Rechte des Tänzers fasst die Linke der Tänzerin; die gefassten Hände hängen locker herab. * In Gegenüberstellung: Die Rechte des Tänzers fasst die Rechte der Tänzerin (oder umgekehrt) Einhängen (einhaken): Die Tänzerin hängt sich beim Tänzer ein.

Fürizwängerfassung Geschlossene oder gewöhnliche Fassung, jedoch nach der Seite verschoben, so dass sich die rechten Schultern einander gegenüber befinden und die Tanzenden aneinander vorbeischreiten können.

Geschlossene Fassungen Schulterringfassung Tänzer und Tänzerin legen einander die Hände auf die Schultern, Tänzer die Arme außen, Blick zueinander, Schultern parallel. Die Arme sind gestreckt. Bei großem Gedränge werden sie leicht gewinkelt (Altüberlieferte Form). Hüftschulterfassung Wie vor, nur legt der Tänzer die Hände an die Hüften der Tänzerin. Hüftschulterfassung offen Beide schauen in Tanzrichtung. Die rechte Hand des Tänzers liegt an der rechten Hüfte der Tänzerin. Diese legt ihre linke Hand auf die rechte Schulter des Tänzers; die äußeren Hände nehmen Hüftstütz oder hängen lose herab.

Hochhalte Bevorzugt bei Kreis- und Kettentänzen, bei denen die Tänzer nebeneinanderstehen. Die Tänzer halten sich entweder an der ganzen Hand oder nur an einem Finger.

Die Hände gehen nach oben.

Gestreckte Hochhalte: Die Arme sind gestreckt und zeigen nach oben.

Gebeugte Hochhalte: Die Oberarme zeigen nach vorne und die Unterarme sind nach oben gebeugtCorina Ooserveen: 40 bretonische Tänze - mit ihrem kulturellen Hintergrund Verlage der Spielleute, Reichelsheim 2003, ISBN 3-927240-32-X, S. 16.

Kiekbuschfassung (Rheinländerfassung)

Der Tänzer steht schräg links hinter der Tänzerin. Mit seiner Rechten hält er die rechte Hand der Tänzerin, wobei sein Handgelenk auf der rechten Schulter der Tänzerin ruht, die linken Hände sind seitlich gefasst. Auch gegengleich möglich.

Kreuzfassung Tänzer und Tänzerin gegenüber, Blick zueinander. Der Bursche fasst mit der Rechten die Rechte des Mädchens und mit der Linken die Linke des Mädchens. Durch Auseinanderdrehen kann diese Fassung auch bei gemeinsamem Blick in eine Richtung angewendet werden.

Rückenkreuzfassung Tänzer und Tänzerin nebeneinander, Blick in gleiche Richtung. Der Bursche fasst mit der Rechten die Rechte des Mädchens hinter ihrem Rücken und mit der Linken die Linke des Mädchens hinter seinem Rücken.

(Gewöhnliche) Rundtanzfassung Offene Rundtanzfassung: Tänzer links, Tänzerin rechts. Beider Schultern bilden ungefähr einen rechten Winkel. Der Tänzer umfasst die Tänzerin mit der rechten Hand ungefähr in der Mitte des Rückens. Ihre linke Hand ruht auf seiner rechten Schulter, sein linker und ihr rechter Arm sind in Brusthöhe locker gestreckt. Die Hände sind gefasst. Der linke Handteller des Tänzers zeigt nach oben, die Tänzerin legt ihre Rechte leicht hinein. * Anmerkung: Die Tänzerin darf sich beim Tanz nie mit der Rechten an der Linken des Tänzers stützen oder halten wollen. Die Hand muss gewichts- und drucklos in der Hand des Tänzers „schweben“. Dreherfassung: Wie vor, aber Blick zueinander, beider Schultern parallel. Die Rechte des Tänzers liegt am linken Schulterblatt der Tänzerin. Armringfassung: Wie oben, aber die Linke des Tänzers stützt den Arm der Tänzerin am Ellbogen. Die Rechte der Tänzerin ruht in der Ellbogenbeuge des linken Armes des Tänzers. * Anmerkung: Bewährt sich besonders bei Platzmangel (alte, überlieferte Form).

Schulterfassung In Paartänzen, etwa beim Ländlerrundtanz: Der Bursche legt seine Hände auf die Schultern des Mädchens (von außen), das Mädchen legt die ihren auf die Schultern des Burschen (von innen). In Kreistänzen: Die eigene Hand ruht auf der Schulter (gelegentlich auf dem Oberarm) des Nachbarn. Der Größere legt i. d. R. seine Arme von hinten auf die Schultern des Nachbarn.

Swingfassung Tänzer und Tänzerin stehen seitlich versetzt gegenüber, die rechte Hand wird auf die rechte Schulter des Tanzpartners gelegt, die linken Hände fassen sich darunter. Drehung mit Swingschritten.

Tiefhalte Bevorzugt bei Kreis- und Kettentänzen, bei denen die Tänzer nebeneinanderstehen. Die Tänzer halten sich entweder an der ganzen Hand oder nur an einem Finger.

Die Hände sind neben dem Körper. Die Oberarme hängen runter.

Gestreckte Tiefhalte: Die Arme sind gestreckt und zeigen nach unten.

Gebeugte Tiefhalte: Die Unterarme sind leicht nach oben gebeugt.

Vorhalte Bevorzugt bei Kreis- und Kettentänzen, bei denen die Tänzer nebeneinanderstehen. Die Tänzer halten sich entweder an der ganzen Hand oder nur an einem Finger.

Die Hände sind vor dem Körper. Die Oberarme weisen von den Schultern ca. 45° auf.

Gestreckte Vorhalte: Die Arme sind gestreckt.

Gebeugte Vorhalte: Die Unterarme sind leicht nach oben gebeugt.

Wirbelfassung Rechte Schulter an rechter Schulter, Zweihandfassung. Die rechten Arme sind gestreckt, die linken sind spitz gewinkelt. Dasselbe gegengleich.

Zweihandfassung Tänzer und Tänzerin gegenüber, Blick zueinander. Beider ungleichnamige Hände sind entweder hängend oder in Brusthöhe gefasst.

Tanzschritte Achterrüm-Schritt Seitbewegung, bei welcher der erste Fuß zur Seite, der zweite dahinter („Achter rüm“) und der erste Fuß erneut zur Seite gesetzt wird. Häufig wird zum Abschluss auf dem ersten Fuß einmal gehüpft, während der zweite Fuß noch einmal seitlich über den ersten Fuß schwingt. Gewöhnlich werden zwei Achterrüm-Schritte hintereinander getanzt, einer nach rechts, der zweite wieder zurück nach links oder gegengleich.

Eine andere Variante beendet den Achterrüm-Schritt mit einem Schlusssprung am Platz.

Balance-Schritt Einfache Form: Seitschritt nach links, rechten Fuß ohne Belastung beistellen, Seitschritt nach rechts, linken Fuß ohne Belastung beistellen.

Tradierte Form: Seitschritt nach links, rechten Fuß beistellen, schnellen Belastungswechsel rechts-links, dann gegengleich, nach rechts.

Beistellschritt Ein Beistellschritt ist ein einzelner Schritt mit Gewichtsübertragung. Der freie Fuß wird neben dem (zuvor) gesetzten Fuß platziert und das Gewicht auf diesen verlagert. Der Beistellschritt tritt in der Regel immer in Kombination mit anderen Schritten auf.

Branle double