Die Geschichte von Guinea-Bissau umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Guinea-Bissau von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.

Vor der Kolonialzeit Die arabisch-islamische Kultur beeinflusste im 7. Jahrhundert die ethnische Gruppe der Berber im Norden Afrikas. Das im 8. Jahrhundert gegründete Reich von Ghana lag im südlichen Grenzgebiet zwischen dem heutigen Mauretanien und Mali. Aufgrund von Überfällen arabisch geprägter, nordafrikanischer Berberstämme auf das Reich von Ghana suchte die afrikanische Bevölkerung Zuflucht im heutigen Gebiet von Guinea-Bissau. Im Jahr 1240 ging Ghana im Königreich Mali auf, zu dem bis zur Entdeckung des Landes durch die Portugiesen auch das Gebiet der heutigen Republik Guinea-Bissau gehörte.

Portugiesisch-Guinea mini|Wappen von Portugiesisch-Guinea ab 1935

Auf ihrer Suche nach Bodenschätzen, der Jagd nach Sklaven und auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Zollsysteme nördlich der Sahara im Handel mit dem afrikanischen Hinterland zu umgehen, sandten die Portugiesen zur Zeit der Regentschaft König Alfons V. aus dem Hause Avis und im Auftrag Heinrichs des Seefahrers schon vor der Entdeckung Amerikas Schiffe in die Küstenregion Westafrikas.

1446 erreichte Nuno Tristão die Küste des späteren „Portugiesisch-Guinea“. Um den Markt in Lagos an der Algarve mit Sklaven aus Westafrika zu versorgen, baute Portugal schrittweise Stützpunkte in der Region auf. 1614 wurde die Kolonie Cacheu gegründet, die von den Kapverden aus verwaltet wurde. 1753 und 1765 kam es zur Gründung der Kolonie bzw. des Ortes Bissau als Zentrum für den Sklavenhandel. Das Gebiet verlor an Bedeutung, als Portugal 1836 den Sklavenhandel und 1858 die Sklaverei an sich verbot. 1879 wurde das Land offiziell zur Kolonie Portugiesisch-Guinea und von den Kapverden getrennt. Teile des von Portugal beanspruchten Territoriums wurden Frankreichs Kolonialreich einverleibt. Die beiden Kolonialmächte Frankreich und Portugal legten nach der Berliner Kongokonferenz den genauen Grenzverlauf zwischen ihrem Besitz in einem Vertrag vom 15. Mai 1886 fest. Die portugiesische Kontrolle über das Hinterland blieb sehr begrenzt, bis 1915 konnte Portugal die bislang unabhängigen Stämme auf dem Festland unterwerfen; im Bissagos-Archipel erst 1936. In den 1940er-Jahren hatte Bissau, seit 1941 Hauptstadt, eine gewisse Bedeutung als Ausweichflughafen für den Panamerican-Clipper.

1951 wurde es wie die übrigen Besitzungen portugiesische Überseeprovinz, also Teil des Mutterlands mit eingeschränkter Selbstverwaltung. Zu dieser Zeit hatte Portugiesisch-Guinea etwa 510.000 Einwohner, um 1960 wurde die Einwohnerzahl auf 600.000 geschätzt, davon etwa 2600 Europäer. Die Assimilado-Regelung erlaubte den Schwarzafrikanern in der Theorie, zu gleichberechtigten Bürgern Portugals zu werden. In Portugiesisch-Guinea hatten um 1960 lediglich 1478 Afrikaner diesen Status erreicht. Portugiesisch-Guinea galt als Armenhaus des portugiesischen Imperiums wie das Mutterland selber im Vergleich zu den anderen westlich orientierten Staaten Europas.

In der Praxis war die Gleichberechtigung im Falle Portugals von geringer Bedeutung, da in der Ära von Salazar Mutterland und Überseegebiete gleichermaßen autoritär regiert wurden und politische Aktivitäten durch die portugiesische Polizeiorganisation Polícia Internacional e de Defesa do Estado (PIDE) weitgehend unterbunden wurden.

1955 erhielt Portugiesisch-Guinea eine eigene Verfassung sowie Finanz- und Verwaltungsautonomie. Doch konnte diese beschränkte Autonomie die Bildung einer Unabhängigkeitsbewegung Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde (PAIGC) 1956 nicht verhindern. Unter der Führung von Amílcar Cabral formierte sie sich zum Widerstand gegen die portugiesische Herrschaft. Nachdem Soldaten 1959 auf streikende Hafenarbeiter im Hafen von Pidjiguti geschossen hatten und es etwa 50 Tote gegeben hatte, erhielt die PAIGC starken Zulauf.

Durch die Unabhängigkeit der Nachbarstaaten Guinea 1958 und Senegal 1960 konnte die PAIGC auf Unterstützung der dortigen Regierungen, vor allem durch Ahmed Sékou Touré, bauen. Das Hauptquartier der PAIGC befand sich in Conakry. Daneben gab es eine enge Zusammenarbeit mit den Unabhängigkeitsbewegungen in den anderen portugiesischen Territorien, hier vor allem mit denen Angolas und Mosambiks. Dazu erhielt die PAIGC materielle Unterstützung aus den Staaten des Ostblocks, viele ihrer führenden Persönlichkeiten wurden dort ausgebildet.

Bis 1961 waren Einheimische von der Wahl ausgeschlossen.June Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden: International Encyclopedia of Women’s Suffrage. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2000, ISBN 1-57607-064-6, S. 10. 1961 hob Portugal das so genannte EingeborenenstatutEstatuto dos Indígenas Portugueses das Províncias da Guiné, Angola e Moçambique, Decreto-Lei nº 39.666, 20 de Maio de 1954. von 1954 auf. Die Bevölkerung wurde dadurch zu portugiesischen Staatsbürgern und konnte bei Lokalwahlen abstimmen.

Unabhängigkeitskrieg miniatur|Situation in den portugiesischen Kolonien in Afrika Ende 1970 mini|Soldaten der PAIGC hissen 1974 die Flagge des unabhängigen Guinea-Bissau

Seit 1963 fand ein Guerilla-Krieg statt, der aber wegen der Isolation des Landes international weniger Beachtung fand als zum Beispiel derjenige in Angola. Die PAIGC agierte dabei als gemeinsame Unabhängigkeitsbewegung für Portugiesisch-Guinea und die Kapverden. Die Stärke der portugiesischen Truppen soll Ende der 1960er-Jahre etwa 35.000 betragen haben. Die PAIGC konnte im Laufe der Zeit den größten Teil des Landes unter ihrer Kontrolle bringen und etablierte eine eigene Verwaltung. Es gab ein Frauenwahlrecht in den Gebieten, die von der Befreiungsbewegung PAIGC kontrolliert wurden. An den Befreiungskämpfen nahmen Frauen aktiv teil.

Portugiesischer Gouverneur und Oberbefehlshaber war von 1968 bis 1972 António de Spínola. Dessen Buch Portugal e o Futuro („Portugal und die Zukunft“), in dem er sich unter anderem mit den Kolonialkriegen beschäftigte, setzte die Bewegung in Gang, die am 25. April 1974 in die Nelkenrevolution mündete. Als Oberbefehlshaber konnte er einige Erfolge verbuchen, indem er wie die USA im gleichzeitig stattfindenden Vietnamkrieg auf den Einsatz von Napalm und Agent Orange setzte. Daneben gab es erfolgreiche Angriffe gegen rückwärtige Basen der PAIGC in Guinea. Amílcar Cabral wurde am 20. Januar 1973 in Conakry bei einem Konflikt in den eigenen Reihen erschossen. Eine lange verbreitete Version lautete, dass Agenten Portugals Cabral umbringen ließen, doch ist heute bekannt, dass er einem internen Aufstand guinea-bissauischer Kräfte gegen den Einfluss der Kapverdier in Guinea-Bissau zum Opfer fiel und durch den Offizier Inocêncio Cani erschossen wurde.A. H. de Oliveira Marques: Geschichte Portugals und des portugiesischen Weltreichs. Kröner-Verlag, Stuttgart 2001 (ISBN 3-520-38501-5), S. 634.Francisco Henriques da Silva, Mário Beja Santos: Da Guiné Portuguesa à Guiné-Bissau. Fronteira do Caos Editores, Porto 2014 (ISBN 978-989-8647-18-4), S. 129f

Am 24. September 1973 erklärte Guinea-Bissau einseitig seine Unabhängigkeit von Portugal; im Jahr zuvor war in Conakry eine Exilregierung gebildet worden. Provisorische Hauptstadt wurde Madina do Boé. Dieser Schritt wurde von der UN-Generalversammlung mit 93 zu 7 Stimmen unterstützt.

Nach der Nelkenrevolution einigten sich beide Seiten schnell auf ein Ende des Krieges und Portugal erkannte die Unabhängigkeit Guinea-Bissaus am 10. September 1974 an. Während des elfjährigen Krieges fielen 1875 portugiesische Soldaten und etwa 6000 von insgesamt 10.000 Kämpfern der PAIGC.

Nach der Unabhängigkeit Einparteienstaat mini|Cabral mit einer traditionellen Mütze, der Sumbia, während des Cassacá Kongresses von 1964, bei einer Versammlung der PAIGC mini|Luís Cabral (1973) Amilcar Cabrals Halbbruder Luís Cabral wurde erster Präsident des nun unabhängigen Landes, nachdem er bereits die Führung der PAIGC übernommen hatte. Guinea-Bissau lehnte sich in der Folgezeit eng an die Sowjetunion an und pflegte gute Beziehungen zur Volksrepublik China und zu Portugal. 1977 wurde das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt.Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 161.Christine Pintat: Women’s Representation in Parliaments and Political Parties in Europe and North America In: Christine Fauré (Hrsg.): Political and Historical Encyclopedia of Women: Routledge New York, London, 2003, S. 481–502, S. 488.

Am 28. September 1978 wurde João Bernardo Vieira neuer Regierungschef. Er folgte Constantino Teixeira ins Amt des Premierministers. Die PAIGC war Einheitspartei des Landes. Cabral wurde durch einen Militärputsch gestürzt und am 14. November 1980 wurde der Initiator des Putsches, der PAIGC-Veteran und bisherige Premierminister Vieira, Präsident. Hintergrund des Umsturzes waren Spannungen wegen einer kurz zuvor verabschiedeten Verfassung, die die Macht des Premierministers eingeschränkt hätte. Alle Mitglieder des neugebildeten Revolutionsrates stammten aus Guinea-Bissau, die bislang stark vertretenen Kapverdier wurden entmachtet. Dem gestürzten Cabral und anderen Kapverdiern wurde zunächst der Tod von 500 politischen Gefangenen in seiner Amtszeit angelastet und sie wurden wegen Massenmordes angeklagt. Der Putsch führte dazu, dass die bislang angestrebte Vereinigung beider Staaten nicht zustande kam. Die Beziehungen wurden zunächst abgebrochen, auf Kap Verde wurde am 19. Januar 1981 auf Veranlassung des Präsidenten Aristides Pereira die Partido Africano da Independhência de Cabo Verde (PAICV) als Ersatz für die bisher gemeinsame Einheitspartei PAIGC gegründet. Im Juni 1982 nahmen beide Länder wieder diplomatische Beziehungen auf.

Nach dreizehnmonatiger Haft wurde der gestürzte Cabral nach Kuba ins Exil geschickt. 1984 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Guinea-Bissau wurde Präsidialrepublik und Vieira als Vorsitzender des neugebildeten Staatsrates als Präsident und Regierungschef in einer Person bestätigt. Bei den Parlamentswahlen im April 1984 hatte die Einheitspartei PAIGC 96 % der Stimmen erhalten.

Übergang zur Demokratie Mit der Auflösung des Ostblocks seit Ende der 1980er-Jahre löste sich Guinea-Bissau schrittweise von seiner bislang sozialistischen Wirtschaftspolitik und Einparteienherrschaft. Seit 1991 waren durch eine Änderung der Verfassung in Guinea-Bissau andere politische Parteien, außer der PAIGC, erlaubt. Im gleichen Jahr wurde Carlos Correia zum Regierungschef ernannt. Die Todesstrafe wurde 1993 abgeschafft, nachdem 1986 letztmals ein offizielles Todesurteil vollstreckt worden war. Infolge eines Putschversuches im Jahr 1993 wurden führende Oppositionspolitiker inhaftiert, die geplanten Parlamentswahlen verschoben. 1994 fanden Wahlen mit mehreren Kandidaten statt, die Vieira gewann. Im ersten Wahlgang am 3. Juli 1994 hatte Vieira gegen sieben Gegenkandidaten 46,2 % der Stimmen erhalten. Bei den gleichzeitigen Parlamentswahlen, an denen acht Parteien teilnahmen, konnte sich die PAIGC mit 62 der 100 Sitze als stärkste Kraft behaupten. In der Stichwahl am 7. August 1994 setzte sich Vieira sich mit 52,02 % gegen den 1989 aus der PAIGC ausgeschlossenen Kumba Ialá von der 1992 von Ialá gegründeten Partido para a Renovação Social (PRS) durch. Seit dem 2. Mai 1997 gehört Guinea-Bissau zur Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion und ersetzte so die bisherige Währung Guinea Peso durch den CFA-Franc. Im gleichen Jahr wurde Manuel Saturnino da Costa von seinem Amt als Premierminister entbunden, Nachfolger wurde erneut Carlos Correia.

Bürgerkrieg