Baar ist eine politische Gemeinde des Kantons Zug in der Schweiz.
Geographie Baar liegt nördlich der Stadt Zug auf Baar wird von Ost nach West von der Lorze in einem grossen Bogen umflossen, welche im Ägerisee entspringt und in den Zugersee mündet, von dem sie weiter in die Reuss fliesst. Der Hausberg ist die nordöstlich gelegene Baarburg.
Ortschaften Das Zentrum der Gemeinde Baar bildet die gleichnamige Ortschaft, das weitläufige Gemeindegebiet umfasst zudem die drei Siedlungen Allenwinden, Blickensdorf und Inwil, den Weiler Deinikon und weitere Einzelhöfe.
Allenwinden Die Ortschaft Allenwinden () liegt südöstlich von Baar am Zugerberg und ist Wohnort von etwa 1250 Menschen. Blickensdorf Die Ortschaft Blickensdorf () liegt nordwestlich von Baar, jenseits der Lorze. Sie war Geburtsort des späteren Zürcher Heerführers und Bürgermeisters Hans Waldmann (1435–1489) (Hans-Waldmann-Haus im Ortszentrum). Hier wohnen etwa 2000 Menschen. Deinikon Der Weiler Deinikon besteht aus einer Gruppe von Einzelhöfen und liegt in der Ebene nördlich von Baar und am westlich gelegenen Abhang bis zum Hof Deibüel hinauf. Inwil bei Baar Die Ortschaft Inwil () liegt südöstlich von Baar am Fuss des Zugerbergs, in unmittelbarer Nähe zur Stadt Zug. Hier leben momentan etwa 4000 Einwohner. Neuägeri Die Streusiedlung Neuägeri gehört mehrheitlich zur Gemeinde Unterägeri mit kleineren Anteilen der Gemeinden Baar – an ihrem südöstlichsten Zipfel – Menzingen und Zug. Der Weiler liegt an der Hauptstrasse Unterägeri–Zug, die in diesem Abschnitt parallel zur Lorze verläuft und bildet einen lokalen Verkehrsknotenpunkt. Sihlbrugg Dorf Der Weiler Sihlbrugg ist ein Strassenverkehrsknotenpunkt und verteilt sich auf die vier Gemeinden Neuheim, Baar, Hausen am Albis und Horgen. Er liegt auf dem Baarerboden, nordöstlich von Baar und dem Hof Walterswil, jenseits der Wasserscheide zwischen Sihltal und Lorzetal. Der Bahnhof Sihlbrugg Station liegt einige Kilometer nördlich an der SBB-Strecke Thalwil-Zug zwischen dem Albis- und dem Zimmerbergtunnel und ist Ausgangs- bzw. Endpunkt der Sihltalbahn (über Adliswil nach Zürich). Hier leben nur wenige Menschen, vor allem befinden sich hier Autogaragen, Gewerbe und Büroräumlichkeiten. Walterswil Der Hof Walterswil () liegt am Baarerboden, nordöstlich von Baar und nördlich am Fuss der Baarburg. Der Hof wurde im Jahre 1629 vom Kloster Wettingen gekauft und zu einem regional bedeutenden Bad ausgebaut, welches über 200 Jahre bestand und zugleich ein Marienwallfahrtsort war. Um das Jahr 1750 zog sich das Kloster Wettingen zurück. Das Bad verfiel, der Hof blieb bestehen. Im Jahr 1900 kaufte das Priesterkapitel Zürich Walterswil von Carl Anton Steiner und richteten ein katholisches Kinderheim für Zürcher Mädchen und Knaben ein. Für den Betrieb verantwortlich waren die Schwestern vom Kloster Heiligkreuz in Cham. 1946 wurde der Verein Kinderheim Walterswil gegründet, 1972 Grund und Gebäude in die Stiftung Don Bosco Walterswil überführt. Heute befindet sich in Walterswil die International School of Zug and Luzern.
Flora und Fauna Die Wälder der Gemeinde Baar sind Mischwälder, die bekanntesten sind die Baarburg und die Wildenburg. Die Baarburg liegt nordöstlich des Stadtzentrums, die Wildenburg im Südosten beim Dorf Allenwinden.
Ein sehr grosser Wald ist das Lorzentobel, welcher sich entlang der Lorze zieht. Weitere Wälder sind die Ruggeren, der Hintersattel, das Chugelrüti, Hegi, der Deiniker Wald, der Schönbüelwald und Teile des Steinhausenerwald. Des Weiteren gibt es zahlreiche kleinere Wäldchen, wie die Bachtalen.
Die Fauna der Gemeinde Baar entspricht derjenigen des übrigen Kantons Zug.
Geschichte mini|Historisches Luftbild aus 500 m von Walter Mittelholzer von 1919 mini|Dorfstrasse und Pfarrkirche St. Martin
Die ältesten Spuren, die von Siedlern in Baar gefunden wurden, sind über 4700 Jahre alt. Es handelt sich dabei um ein Grubenhaus aus der schnurkeramischen Kultur. 2022 wurde bei Baggerarbeiten ein Grab eines Mannes aus der Jungsteinzeit freigelegt, dessen Alter auf 4'500 Jahre bestimmt wurde.Beim Baarer Schulhaus Sternmatt 1 wurde ein 4500 Jahre altes Grab entdeckt. In: Luzerner Zeitung, 19. September 2022
Bereits 500 v. Chr. betrieben die Kelten in dieser Region Handel mit dem Mittelmeerraum. Ihre Siedlung erbauten sie auf der Baarburg. Diese wurde mit einem Holz-Erde-Wall geschützt. In den Jahren 100 v. Chr. bis 400 n. Chr. hatte die römische Kultur starken Einfluss auf Baar. Dies bezeugen die noch heute existierende Kirche St. Martin im Zentrum von Baar und mehrere Fundstücke wie römische Münzen und Relikte von Hypokausten. Im 6. und 7. Jahrhundert wanderten Alemannen in die Region ein. In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde Baar zunehmend christianisiert.
Der Ortsname ist 1045 als Barra ersterwähnt. Er geht auf die keltische Siedlung auf der Baarburg zurück und bedeutet ‹Spitze, Anhöhe›.
Um 1200 begannen die Hünenberger, die Lehnsherren der Habsburger waren, mit dem Bau der Wildenburg. Von dort aus kontrollierten sie die Region Baar. Im Jahr 1228 verkauften die Habsburger den Hof Baar an das Kloster Kappel am Albis. 80 Jahre später kauften die Herren von Hünenberg den Turm von Baar, welcher heute nicht mehr existiert und seit 1942 auf dem Gemeindewappen verewigt ist. 1352 tritt Baar dem Bund der Eidgenossen bei. Hans Waldmann, der später als Heerführer und Bürgermeister von Zürich bekannt wurde, wurde 1435 in Blickensdorf geboren. Noch heute sind viele Gebäude nach ihm benannt, so zum Beispiel die Waldmannhalle, das Restaurant Hans Waldmann (abgerissen) und die Hans-Waldmannstrasse.
Im 16. Jahrhundert war Baar von den religiösen Unruhen, welche durch die Reformation ausgelöst wurden, geprägt. Im Jahre 1526 kaufte sich Baar vom Kloster Kappel los. Drei Jahre später kam es zum ersten Kappelerkrieg zwischen den evangelischen und katholischen Orten in der Schweiz. Der Konflikt wurde mit einer Milchsuppe («Kappeler Milchsuppe») geschlichtet. Rund zwei Jahre später brach der Konflikt aber erneut aus und es kam zum zweiten Kappelerkrieg. Während der erste Krieg friedlich verlief, kam es beim zweiten zu kriegerischen Handlungen. Am 11. Oktober 1531 fiel Ulrich Zwingli, der Anführer der Reformierten, in der Schlacht bei Kappel und 24. Oktober kam es zur entscheidenden Schlacht am Gubel, in der die Katholiken siegten. Knapp einen Monat später kam es zum Friedensvertrag zwischen den Oppositionellen. Bis heute erinnert in Deinikon das dortige Friedenskreuz.
Wappen Baar war die erste Gemeinde des Kantons, die ein eigenes Siegel besass. Es findet sich auf einem Aktenstück des Kantonsarchivs vom 19. November 1738 und zeigt das mit der Majuskel B belegte Kantonsschild. Später erscheint ein grösseres Siegel mit dem gleichen Wappen; dieser Stempel ist heute noch vorhanden und befindet sich im Besitz der Bürgergemeinde. Das heutige Wappen ist neueren Datums und wurde von Eugen Hotz gestaltet. Die Bürgergemeindeversammlung vom 9. August 1942 genehmigte die Neuschöpfung. Die Gemeindeversammlung vom 17. Mai 1942 hat den Gemeinderat ermächtigt, das von der Bürgergemeinde beschlossene Wappen zu übernehmen.
Blasonierung Gespalten; vorne in Gold (Gelb) ein schwarzer Turm mit drei Zinnen, hinten in Blau ein schwebendes silbernes (weisses) Patriarchenkreuz/Lothringer Kreuz
Der Turm bezieht sich auf das Wappen der Herren von Baar, das Kreuz auf das Wahrzeichen des Turmes der Pfarrkirche St. Martin.
Bevölkerung Die Bevölkerungszahl der Gemeinde wuchs mit Ausnahme der Zeit zwischen 1768 und 1798 stetig. In der Nachkriegszeit setzte ein verstärktes Bevölkerungswachstum ein (1950 bis 1970: +101,3 %). Im Jahrzehnt zwischen 1970 und 1980 flachte dieses Wachstum ab, um danach wieder anzusteigen (1990 bis 2020: +52,9 %). Somit hat sich die Einwohnerzahl seit 1850 mehr als verzehnfacht (1850 bis 2020: +952,3 %). Dies ist typisch für den Kanton Zug, der wegen der tiefen Steuern und der Nähe zu Zürich in den Jahren seit 1945 ein enormes Bevölkerungswachstum erlebt.
Quellen: Volkszählungen in der Schweiz vor 1850,Martin Schuler, Volkszählungen in der Schweiz vor 1850 Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850–2000,Bundesamt für Statistik,Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden 1850–2000 2010 ESPOP, 2020 STATPOP
Sprachen Die Alltagssprache ist Schweizerdeutsch, eine hochalemannische Mundart. Hinzu kommen Sprachen der Zugewanderten aus anderen Sprachgebieten der Schweiz und dem Ausland.
Religionen – Konfessionen In früheren Zeiten war die gesamte Bevölkerung Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Von den 2'346 Einwohnern im Jahr 1850 waren 2'339 oder 99,70 % katholische und 7 oder 0,30 % reformierte Christen. Bei der letzten klassischen Volkszählung im Jahr 2000 waren von den 19'407 Bewohnern 11'961 bzw. 61,63 % katholische und 3'081 oder 15,88 % reformierte Christen. Daneben gab es 995 Muslime und 750 orthodoxe Christen. Bereits 1455 Personen waren konfessionslos und 856 Menschen machten keine Angaben zu ihrer Konfession.
Die beiden Landeskirchen verlieren rasant Mitglieder. Im Jahr 2022 gehörten (laut Berechnungen des Bundesamts für Statistik) 44,7 % der Bevölkerung zur römisch-katholischen Kirche und 10,6 % zur evangelisch-reformierten Landeskirche. Die Zahl der Konfessionslosen und Muslime ist seit der letzten klassischen Volkszählung 2000 stark gewachsen. Zusammen mit Christen ausserhalb der Landeskirchen, weiteren nichtchristlichen Glaubensgemeinschaften und Konfessionslosen stellen sie 44,7 % der Einwohnerschaft.
Herkunft – Nationalität Von den Ende 2022 24'996 Personen waren 17'146 Schweizer Staatsangehörige und 7'850 (31,4 %) Menschen anderer Staatsangehörigkeit. Die grössten Zuwanderergruppen kommen aus Deutschland (1121 Menschen), Italien (957), Portugal (590), dem Vereinigten Königreich (373), der Türkei (337), dem Kosovo (297), Spanien (236), Kroatien (233), Frankreich (232), Nordmazedonien (225) sowie Polen (219).Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach demographischen Komponenten, institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit und Geschlecht (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
Altersstruktur Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an Leuten im mittleren Alter. Während der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren 19,66 % der Ortsbevölkerung ausmacht, sind 17,49 % Senioren (65 Jahre und älter). Die grösste Altersgruppe stellen die Personen zwischen 45 und 59 Jahren. Im Jahr 2000 war es noch die Altersgruppe von 30 bis 44 Jahren. Grund dafür ist die Alterung der Generation der geburtenstarken Jahrgänge (bis 1965). Auf 100 Personen im arbeitsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre; 15'709 Personen) entfallen 31 junge (4914 Personen) und 28 Menschen (4373 Personen) im Pensionsalter.
Die aktuelle Altersverteilung zeigt folgende Tabelle:Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter, 2010–2022 (Bundesamt für Statistik, STAT-TAB)
Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre ≥ 80 Jahre Einwohner Anzahl 1791 2201 922 2642 5721 5727 4729 1263 24'996 Anteil 7,17 % 8,81 % 3,69 % 10,57 % 22,89 % 22,91 % 18,92 % 5,05 % 100 %
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht für die Legislatur 2023 bis 2026 aus sieben Mitgliedern und ist wie folgt aufgestellt:
Walter Lipp (Die Mitte): Gemeindepräsident; Präsidiales/Kultur Zari Dzaferi (SP): Bauvorstand Sonja Zeberg-Langenegger (FDP): Liegenschaften/Sport Barbara Schmid-Häseli (Die Mitte): Soziales/Gesellschaft Mark Gustavson (FDP): Finanzen/Wirtschaft Vital Hotz (Die Mitte): Schulpräsident Hans Küng (SVP): Sicherheit/Werkdienst
Kantonsratswahlen Bei den Kantonsratswahlen 2022 des Kantons Zug betrugen die Wähleranteile in Baar: SVP 24,51 %, Die Mitte 23,07 %, FDP 19,77 %, Alternative Liste Grüne ALG 12,36 %, SP 11,88 %, glp 7,27 % und EVP 1,14 %.
Nationalratswahlen