Die U-Bahn Wien ist neben der S-Bahn, der Straßenbahn, dem Linienbusnetz sowie der Lokalbahn Wien–Baden Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs der österreichischen Bundeshauptstadt Wien und beförderte 2023 rund 352 Millionen Passagiere. Nach einem „erweiterten Probebetrieb mit Fahrgästen“ ab 1976 wurde die Wiener U-Bahn 1978 offiziell eröffnet. Das U-Bahn-Netz verfügt über fünf Linien und ging zum Teil aus Strecken der Wiener Elektrischen Stadtbahn hervor, die wiederum auf der Dampfstadtbahn von 1898 basierte. Die U-Bahn wird von der Verkehrsgesellschaft Wiener Linien GmbH & Co KG betrieben, die zu den Wiener Stadtwerken gehört und sich im Besitz der Stadt Wien befindet.
U-Bahn-Netz
Das Wiener U-Bahn-Netz besteht zurzeit aus fünf U-Bahn-Linien (U1–U4 und U6), ist 83 Kilometer lang (davon 41,8 Kilometer beziehungsweise 50,3 Prozent unterirdisch). Die fünf Linien verkehren alle auf ihrer eigenen Strecke (Linienreinheit).
Das Netz ist normalspurig, durch die Übernahme der Normen für Radsatz und Gleis von der elektrischen Stadtbahn, deren Wagen im Straßenbahnnetz einsetzbar sein sollten, gibt es jedoch Abweichungen von den Eisenbahnnormen bei den Leit- und Rillenweiten im Herzstückbereich von Weichen und Kreuzungen und damit zusammenhängend beim Rückflächenabstand der Radsätze.
Linienübersicht Linie Strecke Inbetriebnahmen LängeDavon unterirdisch Unterirdischer Anteil Fahrtdauer Stationen MittlererStationsabstand Oberlaa ↔ Leopoldau 1978–2017 19,200 km 12,9 km 67,2 % 34 min 24 835 m Seestadt ↔ Karlsplatz 1980–2013 (Teilstrecke 1966 als U-Straßenbahn) 16,848 km 6,2 km 36,8 % 30 min 21 842 m Ottakring ↔ Simmering 1991–2000 13,402 km 12,9 km 96,3 % 25 min 21 670 m Hütteldorf ↔ Heiligenstadt 1976–1981 (1898–1901 als Stadtbahn) 16,361 km 5,6 km 34,3 % 29 min 20 861 m Siebenhirten ↔ Floridsdorf 1989–1996 (Teilstrecken 1898 als Stadtbahn und 1979 als Straßenbahn (teilweise in Hochlage)) 17,347 km 4,2 km 24,2 % 34 min 24 754 m
Die einzige bisher eingestellte U-Bahn-Linie war die auf Teilstrecken der U2 und der U4 verkehrende Linie U2/U4. Mehr dazu unter Gescheiterte U2/U4.
Leitsystem und Linienkennfarben An der Oberfläche sind alle Stationszugänge mit einem sogenannten „U-Bahn-Würfel“ gekennzeichnet. Dieser wurde von der AGU in Zusammenarbeit mit Grafikern entworfen. Eingänge sind mit schwarzer Schrift auf weißem Grund, Ausgänge mit weißer Schrift auf schwarzem Grund ausgewiesen. Entlang der Bahnsteige sind in den Deckenbereichen wiederholt die Stationsnamen in weißer Schrift auf, von der Linie abhängigem, farbigem Grund angeschrieben. Wegweiser zu Ausgängen und anderer Infrastruktur sind in einem schwarz gehaltenen Bereich über ihnen angeordnet. Das Leitsystem ist in allen Stationen gleich aufgebaut; nur in den denkmalgeschützten Gebäuden der U4 und U6 wurde eine historisierende Beschilderung gewählt.
Jede U-Bahn-Linie hat eine eigene Kennfarbe, die sich nicht nur auf den Hinweisschildern, sondern auch in den Stationen wiederfindet. Besonders in den Bauwerken der Architektengruppe U-Bahn (AGU) sind zahlreiche Elemente des Innenausbaus auch mit den Linienfarben versehen, was besonders in Bahnhöfen mit mehreren kreuzenden Linien die Orientierung erleichtert.
Linienkennfarben +LinieFarbeFarbcodeSonstigesRotbereits von Beginn an vorgesehenViolettbis Mitte der 1970er Jahre war Orange vorgesehen, wurde jedoch nicht realisiertOrangebis Mitte der 1970er Jahre war Grün vorgesehen, wurde jedoch nicht realisiertGrünbis Mitte der 1970er Jahre war die Kennfarbe ViolettTürkisAbstimmung zwischen Rosa/TürkisOckerbraunZu Zeiten der Wiener Stadtbahn war die Kennfarbe der Gürtellinie Grün Als einzige Linie wechselte somit die U4 ihre Kennfarbe. Sie war bei ihrer Eröffnung 1976 wie geplant violett markiert, während ihre spätere Kennfarbe grün auf den damaligen Liniennetzplänen noch der gestrichenen Stadtbahnlinie G zugeteilt war. Erst 1977 entschieden sich die Verantwortlichen für grün als neue Farbe für die U4, woraufhin die gestrichene Stadtbahnlinie G ersatzweise die Farbe braun zugeteilt bekam.
Stationen
mini|Aufnahmsgebäude der U2-Station Krieau
Die Wiener U-Bahn verfügt über 99 Stationen. Werden die von mehreren Linien angefahrenen Stationen jeweils je Linie gezählt, erhält man die von den Wiener Linien offiziell angegebenen 110 Stationen. Auf folgenden zehn Umsteigestationen halten zwei oder drei U-Bahn-Linien: Station Linien Karlsplatz Landstraße Längenfeldgasse Praterstern Schottenring Schwedenplatz Spittelau Stephansplatz Volkstheater Westbahnhof Jeder Bahnsteig wird stets nur von einer Linie bedient, dementsprechend besitzt jede Linie an einem Kreuzungsbahnhof separate und unabhängige Bahnsteigbereiche. Einzige Ausnahme ist die Station Längenfeldgasse, deren Richtungsbahnsteige die Linien U4 und U6 gemeinsam nutzen. Jeder Bahnhof ist zusätzlich zu seiner Bezeichnung mit einem aus zwei Buchstaben bestehenden Kürzel versehen, das vorrangig für betriebsinterne Zwecke vorgesehen ist.
Standardmäßig sind die Stationen mit zwei Gleisen je Linie und Mittel- oder Seitenbahnsteig ausgeführt. Mehr als zwei Gleise haben ausschließlich die Endbahnhöfe Ottakring und Heiligenstadt sowie die Station Stadion.
Im Gegensatz zu einigen anderen Großstädten kommen in der Wiener U-Bahn keine Methoden zur Anwendung, um die Personenströme der ein- und aussteigenden Fahrgäste zu trennen bzw. zu kanalisieren. Die Stationen verfügen über keine separaten Ein- und Ausgänge zum und vom Bahnsteig. Ebenso wenig kommt die Spanische Lösung zum Einsatz (ausgenommen Station Schottenring von 1980 bis 2008, sowie seit 2008 Station Stadion), bei der Bahnsteige zu beiden Seiten der Züge einen rascheren Fahrgastwechsel ermöglichen. Für gewöhnlich stellt das – selbst in den Hauptverkehrszeiten – kein Problem dar, lediglich bei Großveranstaltungen kann es durch in beide Richtungen drängende Fahrgäste zu Verzögerungen bei der Zugabfertigung kommen. So gilt beispielsweise beim jährlichen Donauinselfest in den im Umkreis der Donauinsel gelegenen Stationen ein regelrechter Ausnahmezustand. Nur dank dichtest möglichen Intervallen und dem Einsatz von U-Bahn-Personal im gesamten Stationsbereich können chaotische Zustände vermieden werden. Ein neu entwickeltes Steuerungssystem regelt in der dreigleisigen U2-Station Stadion mit zwei Mittelbahnsteigen bei Veranstaltungen im Ernst-Happel-Stadion den Personenfluss zu und von den Bahnsteigen mit Hilfe von elektronischen Zähl- und Wiegesystemen und Echtzeit-Auswertungen. Es kam erstmals während der Fußball-Europameisterschaft 2008 zum Einsatz.
In den U2-Stationen Karlsplatz, Museumsquartier, Volkstheater und Rathaus wurden von 2020 bis 2024 Bahnsteigtüren eingebaut, um die zukünftig hier verkehrende Linie U5 fahrerlos betreiben zu können. Die neu gebauten Stationen der U5 werden von Anfang an mit Bahnsteigtüren ausgestattet.
Zugänge Neben den in Tief- oder Hochlage liegenden Stationen sind einzelne Zugänge auch ebenerdig zu erreichen. Zur leichteren Orientierung sind Stiegen, Aufzüge und gegebenenfalls die Rolltreppen an der Oberfläche stets nah beieinander bzw. in einem Aufnahmegebäude angeordnet. In den Stationen der ersten Ausbaustufe, in denen erst später Aufzüge nachgerüstet wurden, können letztere auch völlig unabhängig positioniert sein, wie zum Beispiel in der Station Nestroyplatz.
In der Regel verfügt jeder Bahnhof über mindestens zwei Zugänge. Eine Ausnahme bilden beispielsweise jene Bahnhöfe, wo aus Gründen des Denkmalschutzes keine weiteren Einbauten geschaffen werden konnten. Meist führen diese Ausgänge direkt in ein Aufnahmsgebäude; Verteilerebenen mit mehreren Ausgängen wurden vor allem im zentrumsnahen Bereich und bei Umsteigestationen angelegt.
Die Zugangswege zu den Bahnsteigen sind bei den Linien U4, U6 und teilweise auch auf der U2 recht kurz, da diese Linien abschnittsweise aus Stadtbahn- und Straßenbahnstrecken mit ihren oberflächennahen Stationen hervorgegangen sind. Die von Grund auf neu geplanten und gebauten Linien U1 und U3 sowie die Erweiterungen der U2 mussten zum Teil tief unter der Oberfläche angelegt werden, da sie Häuserblocks, Donaukanal, Wienfluss sowie die älteren U-Bahn-Strecken unterqueren; die dortigen Stationen erfordern dementsprechend häufig längere Fußmärsche oder Rolltreppenfahrten, bedienen aber ein größeres Einzugsgebiet, da die beiden Stationsaufgänge jeweils weiter auseinander liegen. So liegen bei der Station Kettenbrückengasse der Linie U4 die beiden Aufgänge an der Oberfläche etwa 120 Meter voneinander entfernt, während die Ausgänge der Station Neubaugasse der Linie U3 in einem Abstand von etwa 400 Meter angelegt wurden. Die 2008 eröffnete U2-Station Schottenring befindet sich in bis zu 21 Meter Tiefe und direkt unter dem Donaukanal; ihre Zugänge liegen dafür beiderseits des Kanals in den Bezirken 1 und 2.
Fahrgastinformation An allen Bahnsteigen befinden sich dynamische Zugzielanzeigen, die die Linie, das Fahrziel und die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges darstellen. Außerdem wird angezeigt, ob der nächste Zug barrierefrei (V oder X Wagen) ist. Informationsinseln mit Fahr- und Umgebungsplänen oder ortsabhängigen Zusatzinformationen sind auf allen Bahnsteigen zu finden. Neben den gedruckten Fahrplänen und elektronischen Anzeigen gibt es im Bahnsteigbereich mehrere Verlaufspläne der entsprechenden Linie. In einigen wichtigen Stationen befinden sich außerdem mit Personal besetzte Informations- und Ticketverkaufsstellen. In den meistfrequentierten Stationen befinden sich sogenannte „Infoscreens“ (Fahrgastfernsehen) an den Bahnsteigen. Diese werden zum Großteil mit redaktionellen Inhalten und Werbung bespielt; gezeigt werden aber auch Sicherheitshinweise. abgerufen am 20. Juli 2012.
Barrierefreiheit Alle Stationen sind mit Aufzügen ausgestattet, ebenerdig zu erreichen und die Station Pilgramgasse hat während der Bauarbeiten für den U2-Anschluss einen kostenlosen Fahrtendienst für mobilitätseingeschränkte Personen und ihre im Behindertenpass eingetragenen Begleitpersonen. 1982, nach der ersten abgeschlossenen Ausbaustufe, wurden insgesamt 24 Stationen der Linien U1, U2 und U4 ohne Liftanlagen gebaut. In diesen Stationen rüstete man von 1994 bis 2004 stufenweise insgesamt 35 Aufzüge nach, den Abschluss dieses Programms bildete die Inbetriebnahme der Liftanlage in der Station Taubstummengasse im April 2004. Die Aufzüge sind mit einem akustischen System ausgestattet, das die verschiedenen Ebenen ansagt und damit Fahrgästen mit vermindertem Sehvermögen entgegenkommt. Neuere Anlagen besitzen zusätzlich Infomonitore in den Kabinen. Die U-Bahn-Stationen sind mit einem taktilen Blindenleitsystem ausgestattet. Von den Bahnsteigen ist ein niveaugleiches Einsteigen in die Garnituren möglich, jedoch sind nur die Fahrzeuge der Type V und X auf ihre Barrierefreiheit hin optimiert. Zum einen bieten diese Züge mehr Platz für Rollstühle und Kinderwagen, zum anderen wird der verbleibende Spalt zwischen Zug und Bahnsteig an der vordersten und hintersten Türe in jeder Station durch automatisch ausfahrende Rampen komplett geschlossen. Die neueren Fahrzeugreihen besitzen zudem gelbe anstatt grau-roter Haltestangen, die von sehbehinderten Fahrgästen besser wahrgenommen werden können.
Architektur