mini|Die Dresdner Kreuzkirche (2008) mit dem Rathausturm dahinter Die Kreuzkirche am Altmarkt in Dresden ist die evangelische Hauptkirche der Stadt. Neben dem Dom in Meißen ist sie gleichzeitig die Predigtkirche des Landesbischofs der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Als Wirkungsstätte des Dresdner Kreuzchores und der Kreuzorganisten ist sie zugleich das kirchenmusikalische Zentrum der Stadt.

Der Kirchenbau wurde in seiner Geschichte fünfmal zerstört, zuletzt im Zweiten Weltkrieg. Der äußere Wiederaufbau erfolgte 1946 bis 1955, ein Wiederaufbau des Innenlebens mit seinen Jugendstilelementen erfolgte bis heute nur in Teilen. Der damalige sächsische Hofmaler Bernardo Bellotto (genannt „Canaletto“), der in seinen Gemälden das alte Dresden festhielt, zeigt noch den Anblick der Kirche in Gestalt von Gotik und Renaissance.

Geschichte mini|Brand durch Blitzschlag am 29. April 1669 mini|Kreuzkirche, 1686 Gründung Mit dem Beginn der Errichtung einer Kaufmannssiedlung in der Mitte des 12. Jahrhunderts – der späteren Stadt Dresden – ist anzunehmen, dass der erste Bau einer Kirche begann.Karlheinz Blaschke, Uwe John (Hrsg. im Auftrag der Landeshauptstadt Dresden): Geschichte der Stadt Dresden – Band 1: Von den Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg. Konrad Theiss Stuttgart, 2005. S. 204. ISBN 3-8062-1906-0. Sie wird wohl als romanische Basilika entstanden sein.Löffler, S. 22. Sie unterstand dem Patrozinium der eigentlich dem Gebiet zugeordneten Pfarrkirche, der Frauenkirche. Im 14. Jahrhundert wurde sie als Nikolaikirche nach dem Schutzpatron der Händler und Kaufleute bezeichnet.

Nach der Stiftung einer Kreuzesreliquie von Constantia von Babenberg im Jahr 1234 begann ein Anbau einer Kapelle, die dieser Reliquie geweiht wurde.Dehio, S. 27–28. Der Name der Kreuzkapelle übertrug sich zunehmend auf die Kirche selbst, 1319 wurde sie erstmals als ecclesia sanctae crucis bezeichnet. Nach der am 10. Mai 1388 erfolgten Weihe des neuen Hauptaltars erfolgte der Übergang auf den Namen „Zum heiligen Kreuz“ für das gesamte Bauwerk.Blaschke, John, S. 205.

Um für den Erhalt auch der Kirche zu sorgen, wurde zu gleicher Zeit das Vermögen der Kreuzkapelle zu dem gemeinschaftlichen Vermögen der Elbbrücke und der früheren Kirche zugeschlagen und anschließend bis ins 19. Jahrhundert im Dresdner Brückenamt verwaltet.Blaschke, John, S. 235. Durch die Grundherrschaft („Altarlehen“) über Ländereien in Bannewitz, Prohlis, Lockwitz und Gittersee sowie Anteile an weiteren Dörfern sowie Weinbergen in Kötzschenbroda waren weitere Einnahmen gesichert.Gerhard Wendelin (Hrsg.): 750 Jahre Kreuzkirche zu Dresden. Evangelische Verlagsanstalt Berlin, 1965. S. 17. o. ISBN.

Gotische Hallenkirche (1447–1579) Von 1447 bis 1449 erfolgte der Umbau der romanischen Basilika zu einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche unter der Leitung von Hans Kumoller und seinem Sohn Matthes. Die gotischen Westtürme blieben wohl unverändert. Der 1401/02 entstandene Chor im Stil der Gotik zeigte einen Fünfachtelschluss, wobei die gotischen Merkmale den Einfluss der Prager Parlerschule des 14. Jahrhunderts aufzeigten. Im Inneren trennte ein Lettner Chor und Halle.Löffler, S. 29 Bildnr. 30 (Der Gewölbegrundriss der Kreuzkirche III) Die dreischiffige Hallenkirche mit Netzgewölbe wurde später Vorbild für die St.-Wolfgangs-Kirche in Schneeberg.Löffler, S. 29

Am 15. Juni 1491 vernichtete ein Stadtbrand den Sakralbau, dabei stürzten Gewölbe und die Pfeiler im Langhaus ein, lediglich die Sakristei blieb unversehrt. In den Jahren 1492/93 wurde der anscheinend weniger beschädigte gotische Chor wiederhergestellt. Anschließend erfolgte ein Wieder- und Umbau durch Matthes Kumoller, Bauleiter war der Meißner Hans Reinhart. Im Jahr 1497 war der westliche Teil des Langhauses wieder eingewölbt. Ab 1499 hatte Conrad Pflüger die Bauleitung inne. Resultat war eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche mit zwei Türmen und sechs Jochen, die den neuen Typus der Predigerkirche repräsentierte. Auch die Giebel zwischen den Türmen dürften vollendet gewesen sein. Die Ausstattung dauerte allerdings noch Jahrzehnte.Löffler, S. 22–23.

1539 wurde der erste lutherische Gottesdienst nach der Reformation in der Kirche abgehalten und die Kreuzkirche die evangelische Hauptkirche der Stadt Dresden.Zeittafel, abgerufen am 11. März 2016.

Die Kreuzreliquie, jetzt schwarzer Abgott genannt, wurde in den hierdurch Götzenraum genannten Bodenraum der Sakristei verbannt und mit der Zeit vergessen. Hier wurde sie am 19. Juli 1760 durch das preußische Bombardement Dresdens mit der Kreuzkirche zerstört.

Umbau im Stil der Renaissance (ab 1579) In der Renaissance erhielt der mittelalterliche Unterbau des Westturms mit gotischen Fenstern neue Laibungen und Fensterverdachungen. Auf diesem alten Unterbau wurde eine breite, zweigeschossige Glockenstube errichtet. Darauf wurde ein schmaler und hoher, quadratischer Turm mit Dreiecksgiebel und Kuppel mit Laterne gebaut. Dieser Aufbau erfolgte 1579 bis 1584 nach Entwürfen von Hans Walther, Melchior Barthel, Martin Richter und Benedix Schmid. Der von 1579 bis 1584 errichtete rechteckige, 96 Meter hohe, sehr mächtig wirkende Westturm der Kirche prägte bis 1765 das Stadtbild. Das Portal aus dem Jahr 1589 stammt mit seinem üppigen Schmuck aus der Werkstatt von Christoph Walther IV und Melchior Jobst.Löffler, S. 31 (Bild 31, S. 30: Der Westturm der zweiten Kreuzkirche mit der Kreuzgasse).

Der zweigeschossige Renaissancealtar aus Sandstein, den der Dresdner Bildhauer Hans Walther im Jahr 1579 gefertigt hatte, stand von 1760 bis 1902 (nach Angaben Löfflers: 1906Löffler, S. 38.) in der Dresdner Annenkirche und ist heute in der St.-Johannis-Kirche in Bad Schandau zu besichtigen.Dehio, S. 29. Er wird durch korinthische und ionische Säulen gegliedert, wobei die Reliefs des Abendmahls und des Passahmahls die Schmuckstücke des Kunstwerkes bilden. Das Obergeschoss zeigt den gekreuzigten Jesus Christus und zwei Engel mit Geißelsäule und Kreuz, über Christus breitet Gottvater seine segnenden Arme aus. Die Römischen Zahlen I bis X erinnern an die Zehn Gebote. Die vier sitzenden Evangelisten flankieren den Gottvater. Links und rechts des Altars befinden sich Darstellungen von Johannes dem Täufer und dem Apostel Paulus.

Meister Hans fertigte für die Kreuzkirche im Jahr 1520 verschiedene Gemälde mit den Zehn Geboten, die heute im Stadtmuseum zu Dresden zu sehen sind. Das Grabmal des 1641 verstorbenen Hans Georg von Arnim-Boitzenburg, eines der bedeutendsten Feldherrn und Politiker im Dreißigjährigen Krieg, ging bei der Zerstörung von 1760 verloren.

Zwischen spätbarocker und klassizistischer Auffassung (1764–1800) mini|Schnitt der Kirche 1779 von Gottlob August Hölzer Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges wurde Dresden vom 13. bis 30. Juli 1760 von preußischen Truppen belagert und beschossen. Auch die Kreuzkirche erhielt schwere Treffer. Dabei wurden das Langhaus und der Chor der gotischen Kirche zerstört; die Westturmfront blieb jedoch erhalten. Es folgte ein Meinungsstreit zwischen spätbarocker und klassizistischer Auffassung, der 30 Jahre dauerte.Löffler, S. 233 [287. Die Kreuzkirche]

Der Dresdner Baumeister Johann George Schmidt, der den Barockstil bevorzugte, erstellte unverzüglich die Wiederaufbaupläne, und der Dresdner Rat gab diese 1763 der Bauaufsicht zur Begutachtung. In der Bauaufsicht herrschte jedoch eine anti-barocke und pro-klassizistische Haltung der Longuelune-Schüler. Der sächsische Hofbaumeister Friedrich August Krubsacius, der gegen den barocken Entwurf Schmidts war, erstellte eine ablehnende Begutachtung.Löffler, S. 136, S. 201–202. Dennoch wurde 1764 der Kirchenbau unter der Leitung Schmidts begonnen, wobei der Kuradministrator Prinz Xaver selbst die Grundsteinlegung vornahm.

Die alte, erhalten gebliebene Turmfront sollte in den Neubau einbezogen werden. Nachdem jedoch die Turmfront 1765 eingebrochen war, verlor der Dresdner Rat das Vertrauen in seinen Baumeister, und die Stellung Schmidts wurde zunehmend geschwächt. So ersuchte der Rat um weitere amtliche Baugutachten, u. a. vom Akzisebaudirektor Samuel Locke. Prinz Xaver bat die eben gegründete Dresdner Kunstakademie um Hilfe und machte den Klassizisten und Leiter der Architekturklasse Krubsacius zum Ratgeber des Ratsbaumeisters Schmidt.

Einen im Jahr 1766 ausgeschriebenen Wettbewerb um den Neubau des Turmes gewann der „Klassizist“Löffler, S. 235 [287. Die Kreuzkirche] Christian Friedrich Exner. Er baute 1769 die Kirche weiter, gab dann aber die Bauleitung wieder an Schmidt ab. Nach dessen Tod übernahm diese der Architekt und Ratsbaumeister Christian Heinrich Eigenwillig.

Eigenwillig sollte das Kircheninnere nach Schmidts spätbarocken Plänen fertigstellen. Die im Gegensatz zum klassizistischen Aufbau barocke innere Raumform wurde im Wesentlichen durch Schmidt geprägt und war der Annenkirche verwandt.Löffler, S. 202 [248. Der Grundriß der neuen Kreuzkirche von J. G. Schmid, C. J. Exner und G. A. Hölzer] So zeigte diese im Inneren eine ovale Zentralanlage, die Orgel war dem Altar gegenüber angeordnet. Drei Emporen wurden angebracht, wobei in deren unterste „Betstübchen“ (Herrschaftslogen) eingebaut wurden. Auf einen Altarraum – so wie bei der Frauenkirche – wurde verzichtet. Für den Grundriss und die Innengestaltung hatte sich Schmidt, unterstützt durch Chiaveri, der 1766 noch einmal in Dresden war, durchsetzen können.Löffler, S. 203

Das äußere Erscheinungsbild wurde jedoch nach den klassizistischen Plänen Exners gestaltet. Der Außenbau wurde 1778 vollendet, 1788 der klassizistische Kirchturm nach den Entwürfen des Krubsacius-Schülers Gottlob August Hölzer fertiggestellt. Im Jahr 1792 erfolgte die Weihe, und 1800 war der Sakralbau endgültig vollendet.

Gestaltung im Neobarock mit Jugendstilelementen (1900) Am 16. Februar 1897 brannte die Kirche erneut aus. In dreijähriger Bauzeit wurde das Innere von den Dresdner Architekten Schilling & Graebner neu gestaltet. Dabei wurde die Säulenstellung verändert, indem Emporen eingezogen wurden. Die innere Ausstattung erfolgte jetzt im Jugendstil. Heinrich Epler, Paul Dietrich in Leipzig, Friedrich Offermann, Richard König, Ernst Paul und Arnold Kramer errichteten den Altar im Jugendstil. Karl Groß (1869–1934) und Bildhauer Ernst Hottenroth schufen die Jugendstil-Kanzel. Peter Pöppelmann und Hans Hartmann-MacLean gestalteten die Orgelempore mit Jugendstil-Bildhauerarbeiten. Die Orgel selbst fertigten die Gebrüder Jehmlich. Die Bildhauer Heinrich Wedemeyer und Ernst Hottenroth von der Firma Carl Hauer schufen die Stuckarbeiten an Decke, Wänden und Pfeilern; künstlerischer Mitarbeiter war der Architekt Lischke.Dehio, S. 27 und Helas/Peltz, S. 191 (Kreuzkirche), Artikel in der Deutsche Bauzeitung Nr. 5 vom 17. Januar 1903, S. 29–30. Bei diesem Wiederaufbau wurden der Dachstuhl aus Stahl und das Gewölbe in einer für die damalige Zeit neuartigen Konstruktion aus Eisenbeton erbaut.

Wiederaufbau (1946–1955) mini|Ansicht des Innenraumes ohne ursprüngliche Deckenbemalung und Zierrat, 2011