mini|Luftaufnahme mit Graben- und Chausseestraße
Gröningen ist eine Landstadt im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Sie ist Sitz der Verbandsgemeinde Westliche Börde.
Geografie Lage Gröningen liegt im Übergangsgebiet zwischen dem hügeligen, nördlichen Harzvorland und der Landschaft der Magdeburger Börde an der Bode, am Rande der Ausläufer des Hakels, zwischen der Landeshauptstadt Magdeburg und dem Harz. Die nächstgelegenen Städte sind Oschersleben 10 km nördlich und Halberstadt 12 km südwestlich. Der Stadtteil Kloster Gröningen ist im Mündungsdreieck zwischen Holtemme und Bode angesiedelt.
Das südliche Vorland erreicht an der Domburg 240 m, am Speckberg 195 m, an der Ferdinandshöhe 113 m und fällt bei Adersleben auf 94 m ab. Die Ausläufer des Huys flachen sich bis zum Lauf der Holtemme auf weniger als 100 m NN ab.
Landschaft Allgemein Mit Sicherheit war die gesamte Landschaft zwischen Hakel und Huy, bis auf die Bodeaue, in der Vorzeit dicht bewaldet. Da auch ausreichend Wasser zur Verfügung stand, siedelten hier schon frühzeitig Menschen und gestalteten die Natur für ihre Zwecke um. So umgibt die Stadt heute eine abwechslungsreiche Landschaft. Im Norden, Süden und Osten bringt auf flachen Hügelflächen der fruchtbare Schwarzboden reiche Ernten. Die Bode-Niederung im Westen und Süden weist einen hohen Anteil an Grünflächen auf. Eingeschlossen im landwirtschaftlich genutzten Land befinden sich zahlreiche kleinere Seen und mit Wasser gefüllte Erdfälle.
Gewässer Die Bode
mini|Löwenzahnblüte auf den Wiesen der Bodeaue zwischen Gröningen und Kloster Gröningen mini|Mühlgrabenbrücke
Die insgesamt 110 Kilometer lange Bode hat ihren Ursprung im Harz. Von Gröningen bis zur Quelle im Harz sind es 42,6 Kilometer, und die Höhe über dem Meeresspiegel beträgt an der Bodebrücke 88 m. Auf dem 11,4 Kilometer langen Weg nach Oschersleben besteht ein Gefälle von 8,3 Metern. Sie erreicht in Windungen, von Südwesten kommend, zwischen Kloster und der Stadt Gröningen den westlichen Ortsrand. Ihr Oberlauf im Harz wird durch ein System von Talsperren gestaut. Im weiteren Verlauf nimmt sie eine nennenswerte Zahl von Zuflüssen auf. Vor Gröningen sind es die Selke bei Rodersdorf, der Goldbach bei Wegeleben und der Kannenholzgraben, der, aus dem Raum Halberstadt kommend, in einen der alten Bodearme bei Kloster Gröningen einfließt. Der Wasserlauf der Bode wendet sich nach Nordwesten und empfängt an der Kuckucksmühle zwischen Hordorf und Nienhagen mit der Holtemme weitere Wassermengen.
Nicht nur in der Zeit der Schneeschmelze, auch nach größeren Regenfällen, führt die Bode Hochwasser und verlässt oft ihr Flussbett.
Sie überschwemmt dann meist die Wiesen zwischen Gröningen und Wegeleben und das Ackerland am Nordrand der Stadt. Drei künstlich geschaffene Staustufen (Gröninger Wehr, Wehr bei Krottorf und Oschersleben) sorgen für einen Wasserstand, der für das landwirtschaftliche Umfeld der Bodeaue von großer Bedeutung ist.
Neben der Bodebrücke mit vier Gewölben gibt es die Brücke über den Mühlgraben mit drei Bögen und die zehn so genannten Flutbrücken. In ihrer heutigen Bauweise entstanden die Brücken 1802 und 1803 während der Umgestaltung des Bodelaufes. Bereits etwa 150 Jahre zuvor, am 10. Februar 1653, wurde der Damm mit den Brücken – die Straße, die heute Gröningen und Kloster Gröningen verbindet – in einer Urkunde erwähnt. Damals wurden die Privilegien der Stadt Gröningen durch den Kurfürsten von Brandenburg bestätigt. Die Stadt stellte Geldmittel, die aus Einnahmen aus Zoll und Wegepfennig stammten, zur Erhaltung des Steindammes und der Gewölbe zur Verfügung. Im Rückschluss kann man davon ausgehen, dass die beiden Brücken schon vor dem Dreißigjährigen Krieg entstanden sein müssen. Unter Bischof Heinrich Julius von Halberstadt wurde das Große Bruch schiffbar gemacht, um das Residenzschloss Gröningen zu erreichen. 1759 wurden die Brücken und das Steinpflaster nochmals erneuert.
Die Bode beeindruckt mit einem besonderen Fischreichtum, der vor der Industrialisierung im Harz noch wesentlich größer war. Hechte, Weißfische, Döbel, Barsche und viele andere Arten wurden mit Netzen gefangen oder an flachen Stellen mit der Gabel gestochen. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts führte die starke Verschmutzung des Flusses zu großen Fischsterben.
Mit der politischen Wende wurde die Wasserqualität wieder besser. Der Flussabschnitt zwischen Wegeleben und Gröningen wurde nicht reguliert und eignet sich zum Kanufahren.
Für die Spaziergänge kann man mehrere Wanderwege nutzen und in den Naturschutzgebieten auch zahlreiche vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten beobachten. Mit etwas Glück sind auch der Eisvogel oder die Beutelmeisen dabei. Leider bekommt man am Tag den Biber nur sehr selten zu Gesicht, dass er hier aber auch ein Zuhause gefunden hat, beweisen die am Ufer und in Ufernähe Bäume und Sträucher, die er nagend zu Fall gebracht hat. An der Bode im Bereich Deesdorfs wurden sogar schon Waschbären gesichtet, die sich an den Hühnerställen des Dorfes zu schaffen machten. Einen Abstecher wert ist auch das Überfall- und Schützentafelwehr, das sich am Ortsrand von Gröningen befindet. Eine erste Datierung zum Bau eines Wehrs ist im Jahr 1801 zu finden. Die kombinierte Anlage diente zum Antrieb des Mühlrades der Wassermühle und der Regulierung des Wasserstandes der Bode. 1854 wurde die Wehranlage erneuert, nachdem sie schwere Schäden aufwies. In der heutigen Zeit dient das Wehr nur noch zur Regulierung des Wasserstandes der Bode und des Mühlgrabens. Die Amtsmühle am ehemaligen Schloss, die bereits 1534 erstmals erwähnt wurde, war bereits 1889 durch einen Brand zerstört worden. Später wurde in die ehemalige Wassermühle eine Turbinenanlage zur Stromerzeugung eingebaut. So trieb die Wasserkraft drei Turbinen mit einer damals beachtlichen Leistung von 77 Kilowatt an. Die erzeugte Energie wurde in der Gröninger Zuckerfabrik genutzt.
Im weiteren Verlauf durchfließt die Bode in großem Bogen die Landkreise Oschersleben (heute Bördekreis), wo sie südlich von Krottorf bei Kilometer 63,2 linksseitig die Holtemme aufnimmt, Aschersleben-Staßfurt und Bernburg (jetzt zusammen der Salzlandkreis), wo sie bei Nienburg nach knapp 140 Kilometern Länge in die Saale (Saale-km 27,6) mündet. In Oschersleben fließt der Große Graben bei einer Höhe von 79,7 Metern über dem Meeresspiegel in die Bode und sorgt für einen wesentlich erhöhten Wasserstand.
Hechtgraben
mini|Hechtgraben im Einmündungsbereich zur Bode im Bereich zwischen Wehr und Bodebrücke
Der Hechtgraben ist der Einmündungsbereich eines alten Bodearmes, der sich in den Wiesen zwischen Gröningen und Kloster Gröningen befindet. Er ist ca. zweieinhalb Meter breit, an einigen Stellen bis zu ein Meter tief und vorwiegend von Weiden umgeben. Die heutige Wassereinspeisung erfolgt vom Kannenholzgraben bei Kloster Gröningen.
Fauler See
mini|Fauler See bei Gröningen
Der Faule See befindet sich am nordwestlichen Stadtrand von Gröningen und ist vom Ursprung her gesehen ein alter Erdfall, dessen Entstehung jedoch nicht datiert ist. Er wurde seit Jahrhunderten zum Rösten (= rotten) von Flachs genutzt, wobei die Gummistoffe im Flachs durch einen Faulungsprozess herausgelöst wurden – daher stammt vermutlich auch sein Name. In den 1960er Jahren wurde in dem leicht salzhaltigen Wasser viel gebadet und geangelt. Im Umfeld befindet sich eine kleine Wiesenlandschaft, der Russenfriedhof und landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Luttersee mini|Luttersee
Der circa 200 × 300 Meter große Luttersee, früher auch die Offenbare See genannt, befindet sich am nördlichen Ortsrand des Ortsteils Kloster Gröningen. Es handelt sich hierbei um einen ca. fünf Meter tiefen mit Wasser gefüllten Erdfall. Am Ufer befindet sich ein artenreicher, parkähnlich angelegter Gehölzbestand und im Osten ein breiter Schilfgürtel. Die Vogelarten, die hier Nahrungs-, Brut- und Überwinterungsmöglichkeiten gefunden haben, bestechen durch großen Artenreichtum. Anzutreffen sind beispielsweise Rothalstaucher, Roter und Schwarzer Milan, Sperber und Uferschwalbe. Auch Schwäne haben hier schon erfolgreich gebrütet. Der See ist aber auch ein wertvoller Lebensraum für Kröten, selten gewordene Molche und Insekten. Im See leben Karpfen, Karauschen, Aale und Hechte, die auch unter der Berücksichtigung des Naturschutzes geangelt werden können. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war am nördlichen Ufer der Familienfriedhof des Klostergutsbesitzes Carl Klamroth angelegt. Er wurde von den DDR-Behörden nicht gebührend beachtet und durch Bubenhand zerstört.
Weitere Gewässer in der Gemarkung der Stadt
Holtemme Kannenholzgraben Grundlos Leth Breite See Salzener See. Rundes und Breites Loch Bauernteich Blauer Brunnen Gröninger Kiessee
Naturschutzgebiet Seeburg
Das Naturschutzgebiet „Seeburg“ ist in einer sonst gewässerarmen Ackerlandschaft gelegen und befindet sich in unmittelbarer Nähe der Wüstung Wentlingen. Vermutlich hatte dieser Ort eine Burg. Das Gewässer ist nährstoffreich und von Röhricht und gut entwickelter Ufervegetation umgeben. In trocknen Jahren sieht man jedoch vom Beobachtungsstand kein Wasser mehr. Am Ostrand hat sich ein Holunder- und Bruchweidengebüsch gebildet, auch kann man kleinflächige Seggenriede finden. Das ist Voraussetzung, dass das Gebiet heute zu einem beliebten Brut- und Rastplatz für Wasservögel geworden ist. Alle das mitteleuropäische Binnenland durchziehende Vogelarten wurden bereits an der „Seeburg“ beobachtet. Auch für mehrere Lurcharten ist das Gewässer im Naturschutzgebiet ein wichtiger Laichplatz.
Stadtgliederung Als Ortsteile der Landstadt sind ausgewiesen: Dalldorf Gröningen Heynburg Kloster Gröningen Krottorf Stadt Großalsleben
Als Wohnplätze der Stadt sind ausgewiesen: Adamshöhe Kuckucksmühle Schäferei
Am 1. Juli 2014 ist das neue Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in Kraft getreten. In dessen §14 (2) wird den Gemeinden die Möglichkeit gegeben, den Ortsteilen, die vor der Eingemeindung Städte waren, diese Bezeichnung zuzuerkennen.Kommunalverfassungsgesetz des Landes in der Fassung vom 1. Juli 2014 Die Stadt Gröningen hat von dieser Regelung Gebrauch gemacht. Ihre neue Hauptsatzung ist mit Wirkung vom 17. März 2015 in Kraft getreten. Im §1 wird Großalsleben nicht mehr als eingegliederte Gemeinde, sondern als Stadt aufgeführt. Im §15 (5) wird der Ortsteil als Stadt Großalsleben bezeichnet.Hauptsatzung der Stadt Gröningen in der Fassung vom 17. März 2015
Geschichte mini|Rekonstruktion des fürstbischöflichen Schlosses Gröningen mini|Germania-Denkmal mit dahinter befindlichem Brückentorhaus
Mittelalter Gröningen wurde 934 erstmals urkundlich erwähnt. Kirchlich gehörte das Gebiet zum Bistum Halberstadt des Erzbistums Mainz. Die Stadt Gröningen wurde im Hochmittelalter dem Schwabengau zugezählt, während das um 940 gegründete Kloster Gröningen dem Harzgau angehörte. Die Bischöfe von Halberstadt errichteten hier bereits 933–940 eine Burg. Diese wurde 1140 durch Pfalzgraf Friedrich II. von Sommerschenburg zerstört. Die ab 1253 neu erbaute Burg wurde zunächst mit Ministerialen besetzt, aber ab 1363 zur Residenz der Bischöfe von Halberstadt.
Frühe Neuzeit