mini|Europäische Panzerschiffe des 19. Jahrhunderts mit Rammbug mini|Admiral Tegetthoff und sein Kommandostab während der Seeschlacht bei Lissa mini|Admiral Carlo Conte di Persano|306x306px mini|Admiral Wilhelm Freiherr von Tegehtoff|281x281px mini|Die SMS Kaiser im Kampf mini|Der Untergang der Re d’Italia, Gemälde von Carl Frederik Sørensen (Heeresgeschichtliches Museum Wien)

Die Seeschlacht von Lissa war eine Schlacht zwischen einer italienischen und österreichischen Flotte während des dritten Italienischen Unabhängigkeitskriegs. Sie fand am 20. Juli 1866 bei der heute kroatischen Insel Vis (italienisch Lissa) statt. Das Königreich Italien beabsichtigte, das habsburgische Venetien zu erobern und die österreichische Seehegemonie in der Adria zu brechen. Die kaiserlich-österreichische Marine konnte aber trotz der zahlenmäßig und technischen Überlegenheit der italienischen Flotte durch die Anwendung der Rammtaktik den Kampf für sich entscheiden. Dies war das erste Seegefecht, in dem in größerem Umfang neu entwickelte Panzerschiffe eingesetzt wurden. Beide Seestreitkräfte wiesen bei Lissa ausgeprägte technische Mängel auf, bei der italienischen Marine traten zusätzlich noch schwerwiegende Rivalitäten im Kommandostab und eine schlechte Ausbildung der Schiffsbesatzungen ans Tageslicht.

Vorgeschichte Um die letzten Gebiete der Apenninenhalbinsel, die sich noch in der Hand des Habsburgerreichs befanden, zu erobern, war das damalige Königreich Italien ein Bündnis mit Preußen eingegangen.von Sybel: Die Begründung des Deutschen Reiches durch Wilhelm I. Band 4, R. Oldenburg, Leipzig 1890, S. 293 f. Mitte Juni 1866 brach der Krieg zwischen Preußen und Österreich aus. Italien erklärte Österreich ebenfalls den Krieg und ließ seine Truppen in Venetien einmarschieren. Obwohl die italienische Armee den Österreichern zahlenmäßig überlegen war, wurde sie am 24. Juni bei Custozza geschlagen und zum Rückzug gezwungen.

Kurz bevor die Italiener bereit waren, die Offensive wieder aufzunehmen, telegrafierte Napoleon III. in der Nacht zum 4. Juli, dass Österreich auf der Grundlage eines Waffenstillstands angeboten habe, Venetien an ihn abzutreten, um es an Italien zurückzugeben. Durch die Niederlage in der Schlacht von Königgrätz wurden Napoleon III. eigene Pläne jedoch durchkreuzt. Dem Telegramm des Kaisers folgte drei Tage später die Drohung, dass er Venedig im Falle einer Ablehnung des Waffenstillstands an Österreich zurückgeben und vielleicht ein Bündnis mit ihm eingehen würde. Das brachte die Italiener in ein schreckliches Dilemma. Einen Bruch mit Frankreich zu riskieren, war ein zu großes Risiko.

Die Italiener erwiderten dem Kaiser, dass sie ohne preußische Zustimmung keinen Waffenstillstand schließen könnten, und machten die Annahme von der sofortigen Übergabe der venezianischen Festungen und der französischen Unterstützung für ihre Ansprüche auf Triest abhängig. In der Zwischenzeit wollte Italien die Zeit nutzen, um Istrien zu besetzen und es später in den Friedensverhandlungen als Faustpfand zu nutzen.King: A History of Italian Unity. James Nisbet & Co, London 1912, S. 293–296.

Auftakt Bereits am 10. Juni 1866 war Admiral Persano angewiesen worden, die Adria von feindlichen Kriegs- und Handelsschiffen zu säubern sowie Ancona zum Operationsstützpunkt in der Adria zu machen, aber Triest und Venedig vorerst nicht anzugreifen.Vecchj: Storia generale della marina militare. Raffaello Giusti, Livorno 1895, S. 321. Nachdem Österreich am 20. Juni Italien offiziell den Krieg erklärt hatte, planten die Italiener zunächst, das österreichische Küstenland an der Adria zu besetzen. Nachdem von Tegetthoff von der Kriegserklärung in Kenntnis gesetzt worden war, traf er sofort die nötigen Maßnahmen, um bei einer günstigen Gelegenheit offensiv gegen die feindliche Flotte vorzugehen. Um Informationen über Stärke und Bewegungen der Italiener zu erhalten, entsandte von Tegetthoff noch am gleichen Tag den Dampfer Stadium zur Aufklärung der Küste von Ancona bis Bari. Am 23. Juni kehrte die Stadium mit der Nachricht zurück, keinerlei feindliche Kriegsschiffe gesichtet zu haben.

In der Annahme, dass die Italiener erst einen Teil ihrer Flotte auf der Reede von Ancona versammelt hatten, fasste der Konteradmiral rasch den Entschluss, von Fasana aus eine Aufklärungsfahrt nach Ancona zu unternehmen. Am 24. Juni stellte von Tegetthoff Erzherzog Albrecht die Anfrage, ob es ihm gestattet sei, eventuell die Offensive zu ergreifen und an der italienischen Küste Aufklärungsfahrten vorzunehmen.

In der Zwischenzeit hatte von Tegetthoff mit allen Schiffskommandanten Kriegsrat gehalten und die Chancen einer Operation gegen Ancona sowie eines eventuellen Angriffs auf die italienischen Schiffe, die dort vor Anker lagen, abgewogen. Die Antwort des Erzherzogs traf am 26. Juni ein und lautete folgendermaßen: Der freien Aktion der Eskadre kein Hindernis im Wege, nur nicht über Lissa hinaus; Mündungen des Po und Küste Venedigs im Auge behalten. Mit der Absegnung des Oberkommandos stach von Tegetthoff am Abend des 26. Juni mit der Panzerfregatte Erzherzog Ferdinand Max von Fasana aus in See. Nachdem in der Morgendämmerung die italienische Küste in Sicht gekommen war, nahmen die Österreicher Kurs auf den Monte Conero. Gegen 4:00 Uhr sichtete der Ausguck der Erzherzog Ferdinand Max in Kursrichtung Rauch. Bald darauf wurde gegen 4:20 Uhr von der Elisabeth ein Dampfer gesichtet.

Die Elisabeth erhielt sofort den Befehl zur Aufklärung. Als sich die Elisabeth dem fremden Dampfer bis auf zirka 1,5 Seemeilen genähert hatte, hisste das Schiff – der Radaviso Esploratore unter dem Kommando von Marchese di Orengo – die italienische Flagge. Dies wurde von der Elisabeth mit dem Hissen der eigenen Flagge sowie mit einigen Schüssen beantwortet, worauf die Esploratore sogleich wendete und auf Ancona zusteuerte. Die Elisabeth versuchte, dem italienischen Schiff den Weg abzuschneiden, doch die Esploratore geriet aufgrund ihrer größeren Geschwindigkeit bald außer Schussweite. Um 5:30 Uhr befand sie sich auf zirka 2,5 Seemeilen von Ancona. Wider Erwarten lag die feindliche Flotte fast vollzählig auf der Rede vor Anker. Die durch die Esploratore alarmierten Italiener setzten sich daraufhin in Bewegung. Gegen 6:30 Uhr näherten sich vier Panzerschiffe in Kielwasserlinie dem Monte Conero, denen in Intervallen weitere italienische Schiffe folgten. Zwischen den Panzerschiffen bildeten mehrere Holzschiffe eine zweite Kielwasserlinie. Aufgrund der Übermacht der Nähe der Landbatterien sowie eines möglichen Seeminengürtels entschied sich Konteradmiral von Tegetthoff um 7:30 Uhr zum Rückzug nach Fasana.Fleischer: Geschichte der k. k. Kriegsmarine während des Krieges im Jahre 1866. Gerold und Co., Wien 1906, S. 75 ff.Attlmayr: Der Krieg Österreichs in der Adria im Jahre 1866. C. Gerold's Sohn, Wien 1896, S. 53 ff.

Admiral Persano kreuzte vom 9. bis zum 11. Juli auf der geografischen Breite von Lissa, ohne jedoch gegen die Österreicher vorzugehen. Sein passives Verhalten sorgte zunehmend für Kritik und der Marineminister befahl ihm, endlich irgendeine erfolgversprechende Aktion zu unternehmen. Folglich wurde beschlossen, die Insel Lissa zu besetzen. Man wollte sich damit eine maritime Operationsbasis schaffen, um später relativ gefahrlos die italienische Landstreitmacht in Dalmatien anlanden zu können.Attlmayr: S. 88–95.

Die Flotten Italien Die Re di Italia und die Re di Portogallo waren beide in New York gebaut worden. Sie hatten eine Verdrängung von je 5.700 Tonnen, eine 177 mm dicke Panzerung und waren mit einer leistungsstarken Artillerie ausgerüstet. Sie waren jedoch keine guten Seeschiffe, da es ihnen an Auftrieb und Manövrierfähigkeit fehlte, überdies waren ihre Ruder ungeschützt. Daneben besaß Italien das 1866 in Großbritannien gebaute Turmschiff Affondatore. Das Schiff hatte eine 127-mm-Panzerung und war mit zwei 300-Pfünder-Armstrong-Kanonen sowie einem 8 Meter langen Rammsporn ausgestattet. Laut einem Artikel der Londoner Times war es in der Lage, die österreichische Flotte notfalls im Alleingang zu vernichten. Doch auch die Affondatore wies ebenfalls bedenkliche Konstruktionsmängel auf. Die Maria Pia, die Castelfidardo, die Ancona, die San Martino und die Principe Carignano waren ebenfalls Panzerschiffe und besaßen einen durchgehenden Panzergürtel an der Wasserlinie.

Die beiden kleineren Panzerschiffe Terribile und Formidabile mit einer Verdrängung von je 2.700 Tonnen waren in Frankreich gebaut worden. Sie hatten eine 101 mm starke Panzerung und waren mit 152-mm-Kanonen ausgestattet. Zwei gepanzerte Kanonenboote, die Palestro und die Varese, trugen je zwei Armstrong-150-Pfünder und einige kleinere Geschütze. Hinter diesen zwölf Schiffen, welche die erste Linie der italienischen Flotte bildeten, befanden sich neun hölzerne Fregatten und Korvetten mit Dampfantrieb, die jedoch dem älteren Typ entsprachen, den die Panzerung überflüssig gemacht hatte.Wrigley: Ironclads in action. Little Brown, Boston 1897, S. 212 f.

Unzufrieden über den Zustand seiner Flotte wies Persano mehrmals den zuständigen Marineminister, General Diego Angioletti, auf eine Reihe von Mängeln hin. Persano schätzte, dass er noch mindestens einen Monat benötigen würde, um die Flotte in einen kampftauglichen Zustand zu versetzen. Am 20. Juni wurde Angioletti durch Agostino Depretis ersetzt, der Persano befahl, sofort auszulaufen und die Flotte in Ancona zu versammeln.Fleischer: S. 58 ff., S. 68.

Österreich Den Österreichern standen die Panzerschiffe Habsburg, Ferdinand Max, Drache, Kaiser Max, Prinz Eugen, Don Juan d'Austria und Salamander (mit jeweils 101 mm starker Panzerung) und eine Vielzahl von veralteten Vorderladergeschützen zur Verfügung. Daneben bestand die Flotte aus dem Linienschiff Kaiser mit einundneunzig Kanonen, den Fregatten Adria, Donau, Novara, Radetzky und Schwarzenberg sowie zehn Kanonenbooten.Wrigley: S. 227.

Der bei seinen Untergebenen äußerst beliebte Konteradmiral Wilhelm Freiherr von Tegetthoff galt nach dem Seegefecht bei Helgoland im Deutsch-Dänischen Krieg als einer der erfahrensten und kreativsten Marinebefehlshaber in Europa, besonders wenn es galt, die mangelnde Kampfkraft der österreichischen Flotte durch Notlösungen zu kompensieren.Bérenger: A history of the Habsburg empire. Longman, London 199, S. 203.

Die Schlacht Lissa Die Insel Lissa liegt in der Mitte der Adria etwa 55 Kilometer von der kroatischen und 130 Kilometer von der italienischen Küste entfernt. Die Insel verfügt über mehrere Buchten und Häfen, die zur Verteidigung mit Batterien ausgestattet waren. An der Nordostseite befindet sich Vis mit dem Hafen von San Giorgio. Im Süden die Buchten Carober, Gradac, Portochiave und Travna. An der Südostseite: Die Bucht Milna und Ruda sowie der Hafen Manego. Nachdem Österreich 1815 in den Besitz der Insel Lissa gelangt war, wurden die bestehenden Befestigungen verstärkt und neue Werke hinzugefügt. Für die Verteidigung der zerklüfteten und dicht bewaldeten Insel standen zu diesem Zeitpunkt 1.833 österreichische Soldaten unter dem Befehl von Oberst David Freiherr von Urs de Margina und etwa 100 Kanonen zur Verfügung. Weiter befand sich auf dem 585 Meter hohen Hügel von Hum eine Polizeistation, die über die Nachbarinsel Lesina per Telegraf mit dem dalmatinischen Festland in Verbindung stand.Attlmayr: S. 98.

Schlachtordnung