mini|Luftbild des ehemaligen Schlachtfeldes (Blick Richtung schwedische Stellungen) mini|Bild des ehemaligen Schlachtfeldes (Blick Richtung kaiserliche Stellungen) Die Schlacht bei Lützen war eine der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges. Sie fand am bei Lützen zwischen einem schwedischen Heer unter Führung des Königs Gustav II. Adolf und den kaiserlichen Truppen unter Albrecht von Wallenstein statt.

Für die Schweden endete die Schlacht mit einem Pyrrhussieg. Etwa 10.000 Soldaten beider Seiten, darunter König Gustav II. Adolf und der kaiserliche General Pappenheim, fanden auf dem Schlachtfeld den Tod. Bernhard von Sachsen-Weimar übernahm nach dem Tod des Königs den Befehl über das schwedisch-protestantische Heer und behauptete das Schlachtfeld. Die Kaiserlichen erlitten wahrscheinlich geringere Verluste als die Gegenseite, zogen sich aber schließlich unter Zurücklassung ihrer Geschütze zurück.

Vorgeschichte der Schlacht Nach der Schlacht an der Alten Veste Anfang September 1632 zog das schwedische Heer unter Gustav Adolf nach Schwaben. Statt den Schweden zu folgen, wandte Wallenstein sich gegen deren Verbündeten Sachsen. Zwei Korps der kaiserlichen Armee unter Heinrich von Holk und Matthias Gallas wurden zuerst als Diversion nach Sachsen beordert. Weil der sächsische Kurfürst Johann Georg I. nicht wie von Wallenstein erhofft auf den Einfall der Kaiserlichen reagierte, entschied Wallenstein anstelle einer reinen Diversion Sachsen mit einem Großteil seiner Truppen besetzen zu lassen. Gustav Adolf folgte Wallensteins Truppen, um einen Abfall des Kurfürsten aus dem protestantischen Lager zu verhindern. Wallenstein, der noch Mitte Oktober die schwedische Streitmacht für ruiniert hielt, traf ab Ende Oktober vorbereitende Maßnahmen, um seine Stellung in Sachsen zu behaupten. Am 23. Oktober forderte er den Oberbefehlshaber der Katholischen Liga, Johann von Aldringen, auf, zu ihm nach Sachsen zu stoßen, sollten die Schweden sich dorthin wenden. Sechs Tage später mahnte er den nach Norden abmarschierten Gottfried Heinrich zu Pappenheim, sich nach Leipzig zu begeben, das am 1. November von Holk erobert wurde.Robert Rebitsch: Wallenstein. Biografie eines Machtmenschen. Böhlau. Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78583-5. S. 78–83

Gustav Adolf besetzte Erfurt und schlug bei Naumburg (Saale) sein Lager auf. Wallenstein bezog im nahen Weißenfels Aufstellung, doch Gustav Adolf machte keine Anstalten, sich einer Schlacht zu stellen. Seine weiteren Absichten erschienen unklar. Er konnte mit seiner Armee in Naumburg und Erfurt überwintern, was Wallenstein vermutete, oder weiter nach Osten, Richtung Halle oder gegen die Elbe vorstoßen um sich mit den jenseits der Elbe operierenden 12.000 Mann der sächsischen Armee unter Hans Georg von Arnim-Boitzenburg zu vereinen. Wallenstein verlegte nun sein Lager nach Lützen, wo er Leipzig im Rücken hatte. Einerseits wollte er einen Sperrriegel zwischen die schwedische Armee und die Elbe legen, andererseits sich die Rückzugswege nach Böhmen offenhalten. Gallas hatte er Anfang November mit mehr als 3.000 Reitern und 5.300 Fußsoldaten über Böhmen nach Schlesien in den Rücken Arnims geschickt, um diesen an der Vereinigung mit den Schweden zu hindern. Am 10. November nahm Wallenstein diesen Befehl zurück. Gallas erreichte die Aufforderung zur Rückkehr am 13. November auf Schloss Dux im Norden Böhmens. Er konnte Wallensteins Lager nicht mehr rechtzeitig vor der Schlacht erreichen.Robert Rebitsch: Wallenstein. Biografie eines Machtmenschen. Böhlau. Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78583-5. S. 87

Die Kaiserlichen konnten nicht verhindern, dass Georg von Lüneburg mit etwa 6.000 Mann den Elbübergang bei Torgau im Rücken der kaiserlichen Armee besetzte. Der kaiserliche Oberst Melchior von Hatzfeldt ging mit vier Regimentern nach Eilenburg, während Rudolf von Colloredo mit einigen Kompanien Infanterie und Kroaten Weißenfels verstärken sollte. Holk wurde nach Westfalen beordert, um dort neue Truppen für das nächste Frühjahr anzuwerben. In Sachsen verfügte Wallenstein danach noch über etwa 35.000 Mann. Gustav Adolf aber brach am 15. November gegen 4.00 Uhr morgens von Naumburg auf, um zwischen den kaiserlich gehaltenen Städten hindurch zur Elbe vorzustoßen und sich dort mit den aus Schlesien kommenden Sachsen zu vereinen. Als Colloredo gerade Richtung Weißenfels aufbrach und das Flüsschen Rippach überquert hatte, stieß er in den Morgenstunden des 15. November plötzlich auf die schwedische Hauptarmee. Gustav Adolf erfuhr von Gefangenen, dass die Wallensteinsche Armee bereits aufgeteilt und damit geschwächt war – vor allem aber, dass Pappenheim mit der Elite der kaiserlichen Reiterei nicht mehr bei der Hauptarmee Wallensteins war. Sofort wollte er auf Lützen vorrücken, Colloredo konnte jedoch durch die Verteidigung zweier Brücken über die Rippach einen sofortigen Vorstoß der Schweden verzögern, so dass es erst am Folgetag zur Schlacht kam. Boten von Colloredo wiederum informierten Wallenstein über die heranrückende schwedische Streitmacht. Mit dringlichen Briefen beorderte dieser Pappenheim zurück: „Der feindt marschiert hereinwarths der herr lasse alles stehen und liegen und incaminiere sich herzu mit allem volck…“ Die Heere nahmen über Nacht nur wenige 100 Schritte voneinander entfernt Aufstellung. Pappenheim schaffte es trotz Eilmarsch nicht, noch in der Nacht zur Hauptarmee zu stoßen.Mann: Wallenstein. Sein Leben. Fischer, Frankfurt am Main, 1971, S. 856., 862ff., 869–876.

Schlachtaufstellung

links|mini|200px|Stellung der Truppenmini|Karte der Schlacht

Wallenstein nahm über Nacht seine Stellung nördlich der Straße von Lützen nach Leipzig mit der Front nach Süden ein und ließ die Straßengräben vertiefen. Zur Rechten lehnte sich die Aufstellung an den Ort Lützen mit seinen ca. 300 Häusern und einem festen Schloss in der Mitte. Im Osten zog sie sich bis zum sogenannten Floßgraben, einem kleinen Kanal für Holzschiffer. Dort war die Straße erhöht und bot mit dem Kanal eine gute Verteidigungsposition. Die Gesamtstrecke dürfte maximal zweieinhalb Kilometer betragen haben. Wallensteins Schlachtordnung war der moderneren Kampftaktik der Schweden angepasst. Anstelle der früheren quadratischen Heerhaufen (Terzios) standen zur besseren Beweglichkeit, und um die große Frontlänge zu überbrücken, die Reihen nirgendwo tiefer als zehn Mann.

Im Zentrum standen sieben Divisionen à 1000 Mann, im ersten Treffen fünf, dahinter zwei, dazwischen Reiterkompanien. Auf den Flügeln waren Reiter und Gruppen von Musketieren aufgestellt. Die Schlachtordnung bot ausreichend Platz, um zwischen den Divisionen Reserven bewegen zu können. Stark gestaltete sich insbesondere der rechte, an Lützen angelehnte Flügel mit weiteren vier Regimentern gepanzerter Reiterei. Dort waren auch 14 Geschütze (Kartaunen) in Stellung. Sieben weitere Geschütze waren vor dem Zentrum verteilt. Relativ schwach war der östliche, linke Flügel aufgestellt. Er sollte von den Pappenheimer Reitern verstärkt werden, deren Ankunft dringend erwartet wurde. Bis dahin wurde der linke Flügel von Heinrich von Holk kommandiert.

Die Schlachtordnung der Schweden, die sich über Nacht südlich der Leipziger Straße auf dem Feld aufstellten, war in zwei Treffen geteilt, jedes aus Fußvolk und Reiterei durchmischt. Sie zählten etwa 18.700 einsatzfähige Truppen, die Kaiserlichen 13.900 Mann ohne Pappenheim, der weitere 5.300 Mann Verstärkung bringen sollte.Peter H. Wilson: Lützen 1632: die berühmteste Schlacht des 30-jährigen Krieges. Böhlau. Wien u. a. 2010, ISBN 978-3-205-78583-5. Zeughausverlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-96360-026-5. S. 54–60. Auch bezüglich der Anzahl der Geschütze war das schwedische Heer im Vorteil, wobei die Zahl der großen Geschütze kaum differierte, sie jedoch zusätzlich über etwa 40 kleine so genannte Regimentsstücke, sehr leicht zu bewegende Feldgeschütze, verfügten. Sie nahmen noch im Frühnebel Aufstellung vor dem Dorf Meuchen, südöstlich von Lützen, nach Nordosten bis zum Skölziger Wald. Von dort marschierten die Schweden, sich weiter entfaltend, nach Norden gegen die Kaiserlichen.Livesey: Great Commanders and their Battles. Macmillan, New York, 1987, S. 55–68

Verlauf der Schlacht Erst gegen elf Uhr löste sich der Nebel so auf, dass der Feind sichtbar wurde. Wallenstein, der nahezu immer eine defensive Schlachtführung bevorzugte, erwartete den Angriff der Schweden. Der Herzog kommandierte den rechten Flügel seines Heeres praktisch ungeschützt und trug nur einen Lederkoller statt des ihm lästigen Kürass. Wallenstein hatte abermals mit ununterbrochenen Gichtschmerzen in den Füßen zu kämpfen. Seine Steigbügel mussten mit Seide umwickelt werden, um ihm überhaupt das Reiten zu ermöglichen. Mehrfach ließ er sich beim Inspizieren von Stellung zu Stellung tragen. Nach einer Andacht und einem von der gesamten Armee gesungenen Lied führte Gustav Adolf den ersten Hauptstoß mit seinem rechten, östlichen Flügel, dessen Befehl er selbst übernahm, gegen die schwache linke Flanke der kaiserlichen Armee. Die finnischen Kürassiere zersprengten die nur leicht berittenen Polen und Kroaten auf Wallensteinscher Seite. Die Unsicherheit des linken Flügels griff auf das Zentrum über. Die dort angreifenden Schweden überrannten die zwischen den Fronten liegende Straße nach Leipzig gegen den Widerstand der kaiserlichen Musketiere. Die sieben Geschütze vor dem Zentrum der kaiserlichen Armee wechselten erstmals den Besitzer. So schien die Schlacht bereits gegen zwölf Uhr zu Gunsten der Protestanten entschieden. Gerade zu diesem Zeitpunkt traf Marschall von Pappenheim mit mehreren Reiterregimentern ein, zusammen ca. 3000 Mann. Heinrich von Holk, der bis dahin hier kommandierte, begab sich zu seinen eigenen Einheiten nahe bei Lützen. Unter dem massierten Reiterangriff Pappenheims mussten sich die Schweden zurückziehen. Dadurch formierte sich auch das kaiserliche Zentrum; die Geschütze und die Straße nach Leipzig wurden in heftigen Kämpfen zurückerobert. Schon vor seinem Angriff hatte von Pappenheim mehrere hundert leichte kroatische Reiter in großem Bogen hinter die schwedische Front geschickt, die dort die Munitionswagen und die Bagage angriffen und Unruhe in das zweite Treffen (d. i. die zweite Kampfreihe) trugen. Durch diese wurden mehrere Regimenter der Schweden gebunden, die so der Hauptschlacht nicht voll zur Verfügung standen. Marschall von Pappenheim wurde bereits während des ersten von ihm geführten Angriffs durch Kugeln so schwer verwundet, dass er aus dem Gefecht gebracht werden musste. Er starb am nächsten Morgen an seinen Verletzungen. Seine Regimentskommandeure flohen und mit ihnen die meisten Pappenheimschen Reiter, so dass die eben gewonnenen Gebiete wieder verloren gingen, der Wallensteinsche linke Flügel sich wieder auflöste und dadurch das Zentrum seinen Flankenschutz verlor. Die Straße nach Leipzig und die Geschütze befanden sich wieder im Besitz der Schweden. Erneut schien die Schlacht auf der östlichen Seite verloren, als nun Nebel aufzog, in dem es den Kaiserlichen gelang, ihre Front zu stabilisieren. Oberst Ottavio Piccolomini eilte mit zwei Kürassier-Regimentern von der Lützener zur östlichen Seite der Schlacht, übernahm dort das Kommando und führte im Verlauf des Nachmittages – mit heftiger Artillerieunterstützung der 14 Geschütze des rechten Flügels – insgesamt sieben Reiter-Attacken gegen die Schweden, wobei er verwundet wurde. Die Schweden wurden auf dieser Seite geschlagen und die Kartaunen erneut in Besitz der Kaiserlichen gebracht.

mini|Jacques Courtois: Die Schlacht bei Lützen (um 1655, frei erfunden).