mini|hochkant=1.2|Hans Kammerlander, 2001 Hans Kammerlander (* 6. Dezember 1956 in Ahornach) ist ein italienischer professioneller Extrembergsteiger, -Skifahrer und Buchautor aus Südtirol.

Der Bergsteiger ist bekannt für seine Touren in unterschiedlichen Gebirgen der Welt. Neben zahlreichen Erst- und Solobegehungen in den Alpen hat er Berge Asiens und Südamerikas bestiegen, darunter zwölf Achttausender. Gemeinsam mit Reinhold Messner gelang ihm dabei die erste Doppelüberschreitung an Achttausendern: Gasherbrum II, direkt gefolgt vom Hidden Peak. Am Mount Everest versuchte er die erste komplette Ski-Abfahrt vom Gipfel, doch eine ungünstige Schneelage verhinderte eine vollständige Fahrt. Dazu hielt er von 1996 bis 2006 den Rekord für die schnellste Besteigung des höchsten Berges der Welt. Ab 2009 beteiligte er sich an dem Wettlauf um die erste Besteigung der Seven Second Summits, den letztlich Christian Stangl gewann. In Vorträgen, vorwiegend im deutschsprachigen Raum, berichtet er über seine bergsteigerischen Erlebnisse.

Biografie Hans Kammerlander wurde als „Nachzügler“ und sechstes Kind einer Bergbauernfamilie in Ahornach geboren und wohnt noch heute dort. Er wuchs als typisches Bergbauernkind auf, das morgens die Schule besuchen und den restlichen Tag auf dem Hof mithelfen musste. Als Hans zehn Jahre alt war, starb seine Mutter;Hans Kammerlander: Bergsüchtig. 6. Auflage. Piper, München 2001, S. 15 ff. daraufhin übernahm eine ältere Schwester die Mutterrolle.

Im Alter von acht Jahren bestieg er 1964 seinen ersten Berg. Nachdem er auf seinem Schulweg von einem Touristenpaar nach dem Weg zum Großen Moosstock (, in der Durreckgruppe) gefragt worden war, folgte er den beiden heimlich bis zum Gipfel. In den Jahren danach vermehrten sich die alpinen Unternehmungen Kammerlanders stetig. Sein Bruder Alois erfuhr 1971 von den zahlreichen, ziemlich waghalsigen Touren und meldete den mittlerweile 15-JährigenHans Kammerlander: Abstieg zum Erfolg. 5. Auflage. Piper, München 2000, S. 90. zu einem Kletterkurs an, damit dieser „den Umgang mit dem Seil“ erlerne.Hans Kammerlander: Bergsüchtig. 6. Auflage. Piper, München 2001, S. 31 ff. Mit 16 Jahren begann Kammerlander auf den Baustellen des boomenden Südtirols zu arbeiten. Er trat 1973 dem Ahornacher Berglaufverein bei und betrieb diesen Sport wettkampfmäßig sechs Jahre lang. Auch seit Ende seiner aktiven Zeit macht er weiterhin Bergläufe, nun als Hauptbestandteil seines Trainings.Hans Kammerlander: Abstieg zum Erfolg. 5. Auflage. Piper, München 2000, S. 218 ff. Mit 18 Jahren begann Kammerlander eine Ausbildung zum Bergführer und Skilehrer im ersten Ausbildungskurs Südtirols und lernte dort seine späteren Seilpartner Hanspeter Eisendle und Friedl Mutschlechner kennen. Mit 21 Jahren durfte er 1977 die Prüfungen ablegen und war nach deren Bestehen staatlich geprüfter Berg- und Skiführer sowie Skilehrer.Hans Kammerlander: Bergsüchtig. 6. Auflage. Piper, München 2001, S. 46 ff. Jahrelang arbeitete Kammerlander nebenher für den örtlichen Bergrettungsdienst seiner Heimatgemeinde.Hans Kammerlander: Abstieg zum Erfolg. 5. Auflage. Piper, München 2000, S. 225.

Kammerlander absolvierte eine Vielzahl an Klettertouren in den Alpen, darunter 50 Erstbegehungen (u. a. am Zweiten Sellaturm Fata Morgana oder Shit Hubert am Piz Ciavazes). Außerdem gelangen ihm 60 Alleinbegehungen bis zum VI. Schwierigkeitsgrad, Lebenslauf Hans Kammerlander (kammerlander.com) beispielsweise an der Civetta, den Drei Zinnen, dem Heiligkreuzkofel und der Marmolata in den Dolomiten.Uli Auffermann: Hans Kammerlander – Berge im Blut. auf bergnews.com, 2006, abgerufen am 16. Dezember 2008. In den Westalpen durchstieg Kammerlander die Nordwände von Matterhorn (1976), Grandes Jorasses und Eiger (1981), die zu den großen Nordwänden der Alpen zählen.

Kammerlander, der auch langjähriger Leiter der Alpinschule Südtirol (15 Jahre von 1988 bis 2003Hans Kammerlander: Am seidenen Faden. 4. Auflage. Piper, München 2005, S. 226 ff.) war, wurde vor allem durch seine Besteigungen von 12 der 14 Achttausender im Himalaya und Karakorum bekannt, sieben davon gemeinsam mit Reinhold Messner. Im Jahre 1990 gelang ihm eine teilweise Skiabfahrt des Nanga Parbat, 1996 folgte die teilweise Skiabfahrt des Mount Everest mit Sherpa-Unterstützung im Lager 2 auf 7.700 m.

Kammerlander traf zweimal den Dalai Lama, ein erstes Mal im Jahr 2005 in Brixen und ein zweites Mal bei dessen Aufenthalt Anfang Dezember 2007 in Mailand. auf: kammerlander.com, abgerufen am 16. Dezember 2008. Er unterstützt BildungsprojekteDie Nepalhilfe Beilngries (nepalhilfe-beilngries.de) Abgerufen am 3. September 2015. in Nepal und Energiehilfsprojekte in Kambodscha.Polarstern-Botschafter Hans Kammerlander (polarstern-energie.de) Abgerufen am 27. Januar 2012.

Hans Kammerlander ist geschieden und hat eine Tochter.Dirk von Nayhauß: extrem ehrlich: Hans Kammerlander. In: Alpin. Nr. 2, 2008, S. 44.

Am 26. November 2013 war Kammerlander bei Uttenheim in Südtirol in alkoholisiertem Zustand an einem Verkehrsunfall beteiligt, bei dem er selbst schwer und ein weiterer Verkehrsteilnehmer tödlich verletzt wurde.Kammerlander droht mehrjährige Haftstrafe. auf alpin.de, abgerufen am 17. Juli 2014. auf stol.it – Nachrichten aus Südtirol vom 6. Dezember 2013.Alpinist Hans Kammerlander bei Autounfall schwer verletzt, Tiroler Tageszeitung Online, 27. November 2013. Zu dem genauen Unfallhergang wurden teilweise unterschiedliche Schilderungen veröffentlicht.„In die Luft katapultiert“ Die Neue Südtiroler Tageszeitung Online, 16. April 2016 Kammerlanders Manager Sigi Pircher intervenierte beispielsweise gegen die Darstellung der Tagesschau Rai. Am 5. Februar 2015 schloss Kammerlander mit der Staatsanwaltschaft einen gerichtlichen Vergleich. Das Urteil lautete zwei Jahre Haft auf Bewährung und ein Jahr Führerscheinentzug wegen fahrlässiger Tötung und Alkohol am Steuer.Das Kammerlander-Urteil. auf tageszeitung.it – Die neue Südtiroler Tageszeitung vom 5. Februar 2015.Jetzt redet Kammerlander. auf tageszeitung.it, 7. April 2016.

Spezielle Alpentouren Solobegehungen In der Zeit vor seinen Expeditionen im Himalaya war Kammerlander als Kletterer in den Alpen unterwegs. Zu seinen Touren gehörten auch zahlreiche Solobegehungen berühmter und schwieriger Wände:Hans Kammerlander: Abstieg zum Erfolg. 5. Auflage. Piper, München 2000, S. 176 ff.

Jahr Berg Wand Route Grad Anmerkung 1976 Erster Sellaturm Schober Rossi VI 1978 Kleine Zinne Südwand Egger-Sauschek VI+, A0 1. Solobegehung Gelbe Kante VI– Kleinste Zinne Cassin-Route VI Erster Sellaturm Tissi-Route VI– Piz Ciavazes Südwand Schubert-Route VI– 1979 Tofana di Rozes Südwestkante VI Südostkante VI, A2 1980 Geierwand Südwestwand Palfrader VI, A0 1. Solobegehung Große Zinne Nordwand Mauro Minuzzo-Route VI, A1 Erster Sellaturm Südpfeiler VI– Cinque Torri Torre Grande Via Germania VI+ Torre Seconda Nordverschneidung VI+ 1981 Cima Scotoni Südwestwand Dibona-Gedächtnisroute VI+ Punta di Frida Südostwand Comici V–VI Brunecker Turm Nordwestwand VI Winklerturm Südwand Steger-Route VI 1983 Peitlerkofel Nordwand Messner-Route VI– 1. Solobegehung

Enchaînement der Nordwände von Ortler und Großer Zinne

1991 gelang Kammerlander das Enchaînement der Nordwände von Ortler () und Großer Zinne (). Nach der tragischen Manaslu-Expedition von 1991 (siehe unten) war Kammerlander psychisch traumatisiert und hatte aufgehört bergzusteigen. Doch er löste seinem Neffen gegenüber ein Versprechen ein, das die beiden auf den Zwölferkofel in den Sextner Dolomiten führte. Durch die Tour fand Kammerlander zu seiner Bergbegeisterung zurück und konnte so im August einen zwei Jahre alten Plan verwirklichen. Innerhalb von 24 Stunden durchstieg er mit seinem Partner Hanspeter Eisendle die Nordwand des Ortlers, fuhr anschließend mit dem Rennrad 247 Kilometer von Sulden ins Höhlensteintal und durchkletterte zum Abschluss die Nordwand der Großen Zinne. Dabei überwanden sie knapp 1400 Höhenmeter am Ortler und 550 an der Großen Zinne. Unterstützt wurden sie auf der Radstrecke von zwei Freunden, die ihnen Windschatten spendeten.

Mit Reinhold Messner rund um Südtirol Mit einer medienwirksamen Wander- und Klettertour über 1200 Kilometer entlang der Südtiroler Landesgrenze lenkten Kammerlander und Reinhold Messner im Herbst 1991 die öffentliche Aufmerksamkeit auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Südtirols.Reinhold Messner: Rund um Südtirol. Piper, München 1993. Start- und Zielpunkt der Tour war die Salurner Klause, Südende und Sprachgrenze Südtirols. Sie legten ohne Ruhetag in 40 Tagen im Auf- und Abstieg 100.000 Höhenmeter zurück und erklommen 300 Gipfel. Als sich die beiden Bergsteiger in der Nähe des Tisenjochs in den Ötztaler Alpen befanden, war gerade der „Ötzi“ gefunden worden. Daraufhin statteten sie der Fundstelle einen Besuch ab.Andrea Wengel: auf planet-wissen.de, 2006, abgerufen am 16. Dezember 2008.

Die vier Matterhorn-Grate in 24 Stunden mini|Matterhorn, 1992 setzte Kammerlander eine weitere „24-Stunden-Idee“ in die Tat um. Mit dem Schweizer Bergführer Diego Wellig bestieg er das Matterhorn () an einem Tag über dessen vier Grate. Der Start erfolgte um Mitternacht am Zmuttgrat, über welchen sie zum ersten Mal auf den Gipfel gelangten. Sie vervollständigten die erste Überschreitung über den Hörnligrat. Danach begingen sie den Furggengrat im Aufstieg und den Liongrat im Ab- sowie anschließend im Aufstieg. Komplettiert wurde die dritte Überschreitung durch den Hörnligrat-Abstieg. Dieser Grat diente auch als Route für die letzte Besteigung des Tages. Nach erneutem Erreichen des Gipfels kehrte das Duo um 23:30 Uhr auf die Hörnlihütte zurück.

Erfolge an den Achttausendern In den Jahren 1983 bis 2001 hat Hans Kammerlander 12 Achttausender bestiegen. Der Shishapangma (8027 m) wird nicht mitgezählt, weil Kammerlander 1996 nur den Mittelgipfel (8008 m) erreicht hat. Der Versuch am Manaslu 1991 endete erfolglos, zudem verunglückten dabei seine Freunde Friedl Mutschlechner und Carlo Großrubatscher tödlich.Hans Kammerlander: Am seidenen Faden. 4. Auflage. Piper, München 2005, S. 307. Erst im Oktober 2017 nahm Kammerlander einen erneuten Versuch am Manaslu in Angriff. kammerlander.com Wegen sehr großer Mengen Neuschnee brach er das Unternehmen am 12. November ab. kammerlander.com, 12. November 2017.

Übersicht Achttausender mini|400px|Lage der Achttausender. Jahr Berg Höhe Route 1983 Cho Oyu Südwestflanke 1984 Gasherbrum II Südwestgrat Hidden Peak Westgrat, Nordwestwand 1985 Annapurna Nordwestwand Dhaulagiri Nordostgrat 1986 Makalu Franzosenroute Lhotse Nordwestwand 1990 Nanga Parbat Kinshofer-Route 1994 Broad Peak Südwand 1996 Shishapangma (Mittelgipfel)  Nordgrat Mount Everest Nordseite 1998 Kangchendzönga Südwestwand 2001 K2 Cesen-Route

Cho Oyu Mitte des Jahres 1982 war Kammerlander von Reinhold Messner, bei dessen Alpinschule Messner – Südtirol er tätig war, eingeladen worden, ihn zu einer Winterexpedition zum Cho Oyu () zu begleiten. Schneemassen und Stürme verhinderten eine Besteigung über die Südostflanke. Messner plante für das Frühjahr 1983 einen weiteren Versuch, zu dem Kammerlander wiederum eingeladen wurde. Nach einer kurzen Phase der Akklimatisation erreichten sie am 5. Mai zusammen mit Michl Dacher innerhalb von drei Tagen über die Südwestflanke den Gipfel. Es war erst die vierte erfolgreiche Expedition an diesem Berg und eine teilweise Erstbegehung einer Westwand-Variante.Siehe „Routes statistics“ Cho Oyu 8000ers.com (englisch), abgerufen am 16. Dezember 2008.

Gasherbrum-Doppelüberschreitung mini|Hidden Peak, 1984 gelang Kammerlander zusammen mit Messner die erste und bis heute (Stand: Februar 2019) nicht wiederholte Doppelüberschreitung von Gasherbrum II () und Hidden Peak ().