mini|Schriftmusterblatt der Schriftgießerei von William Caslon, ca. 1734
Ein Alphabet (frühneuhochdeutschRobert R. Anderson (Hrsg. bis Band 1), Ulrich Goebel, Oskar Reichmann (Hrsg.): Frühneuhochdeutsches Wörterbuch. 2 Bände, bearbeitet von Oskar Reichmann, De Gruyter, Berlin / New York (1986–)1989 ff., Band 1 (1989), Sp. 837. von kirchenlateinisch , von alphábētos)DWDS: Alphabet ist die Gesamtheit der kleinsten Schriftzeichen bzw. Buchstaben einer Sprache oder mehrerer Sprachen in einer festgelegten Reihenfolge. Die Buchstaben können über orthographische Regeln zu Wörtern verknüpft werden und damit die Sprache schriftlich darstellen. Die im Alphabet festgelegte Reihenfolge der Buchstaben erlaubt die alphabetische Sortierung von Wörtern und Namen beispielsweise in Wörterbüchern. Nach einigen Definitionen ist mit Alphabet nicht der Buchstabenbestand in seiner festgelegten Reihenfolge gemeint, sondern die Reihenfolge selbst.Vgl. Duden online: Alphabet. Der Sprachgebrauch zeigt jedoch, dass mit Alphabet meistens nicht die Anordnung gemeint ist, sondern die Buchstaben als geordnete Gesamtheit. Dafür stehen Formulierungen wie „die Buchstaben des deutschen Alphabets“, ebenso die im Duden-Artikel genannten Verwendungsbeispiele „das kleine Alphabet“, „das große Alphabet“ und die ebenfalls dort genannten Synonyme Buchstabenfolge, Buchstabenreihe.Bei der im DWDS unter Alphabet verwendeten Formulierung „festgelegte Abfolge der Buchstaben“ ist unklar, ob die Reihenfolge der Buchstaben gemeint ist oder die Buchstaben selbst – oder beides zugleich.
Die Bezeichnung Alphabet geht auf die ersten beiden Buchstaben des griechischen Alphabets zurück (Alpha – α, Beta – β). Ausgehend von den ersten drei Buchstaben des deutschen Alphabets (bzw. des lateinischen Alphabets) sagt man auch Abc.
Alphabetschriften gehören wie Silbenschriften zu den phonographischen Schriften und stehen damit im Gegensatz zu piktografischen oder logografischen Systemen, bei denen die Zeichen für Begriffe stehen (z. B. Rind, Sonnenaufgang, Freundschaft). Im Unterschied zu Silbenschriften bezeichnen alphabetische Buchstaben in der Regel jeweils nur einen Laut (Phonem). Damit wird die fürs Sprechenlernen schon einmal erbrachte Abstraktionsleistung (das Erlernen von Signifikanten für die Objekte des Alltags) hochgradig ins Schreiben hinübergerettet und deren Wiederholung für das Schreibenlernen eingespart. Eine Zwischenform aus Alphabetschrift und Silbenschrift sind die sogenannten Abugidas, zu denen die indischen Schriften gehören.
Das Alphabet dient auch dem Erlernen des Lesens und des Schreibens; eine Merkhilfe dazu waren die Buchstabentafeln; jemand, der lesen kann, wird darum als Alphabet bezeichnet,Vgl. Duden online: Alphabet, der, abgerufen am 8. September 2016. das Gegenteil ist der Analphabet. Ein wichtiges Ziel von Kulturpolitik ist die Alphabetisierung der jeweiligen Bevölkerung – also die Beherrschung des Lesens und des Schreibens durch alle.
Deutsches Alphabet
Das deutsche Alphabet ist eine Variante des lateinischen Alphabets. Von diesem stammen die 26 Buchstaben A bis Z; hinzu kommen noch die Umlaute (Ä/ä, Ö/ö, Ü/ü) sowie das Eszett (ẞ/ß).
Großbuchstaben A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Ä Ö Ü ẞ Kleinbuchstaben a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z ä ö ü ß
Weitere Alphabete (Auswahl) mini|hochkant=2|Übersicht der weltweit verwendeten Alphabete
Natürliche Schriftsprachen + Bezeichnung/Name Zeit Zeichen Althebräische Schrift 1000 v. Chr. 22 Altnubische Schrift 800 n. Chr. 30 Altsüdarabische Schrift 800 v. Chr. 29 Alttürkische Schrift (Orchon-Runen) 700 n. Chr. Altungarische Schrift unbekannt 35 Arabisches Alphabet 800 n. Chr. 28 Aramäische Schrift 900 v. Chr. Armenisches Alphabet 400 n. Chr. 36–39 Deutsches Alphabet 1500 n. Chr. 30 Georgisches Alphabet 400 n. Chr. 33 Germanische Schrift (Runen) 100 n. Chr. Glagolitische Schrift 860 n. Chr. 41 Gotisches Alphabet 350 n. Chr. 25 Griechisches Alphabet 900 v. Chr. 24 Koptisches Alphabet 200 n. Chr. 32 Koreanisches Alphabet 1446 n. Chr. 24 Kufische Schrift 600 n. Chr. 28 Kyrillisches Alphabet 1000 n. Chr. 33 Lateinisches Alphabet 700 v. Chr. 26 Libysche Schrift 300 v. Chr. Phönizisches Alphabet 1000 v. Chr. 22 Protosinaitische Schrift 1700 v. Chr. 22–24 Tifinagh-Schrift unbekannt 21–27 Wadi-el-Hol-Schrift 1900–1800 v. Chr. 13 oder mehr Ugaritische Schrift 1400 v. Chr. 30
Plan-, Sonder- und Geheimsprachen Bezeichnung/Name Zeit Anmerkungen Henochische Sprache 1583 n. Chr. – Klingonische Schrift 1984 n. Chr. – Schrift des Codex Seraphinianus 1978 n. Chr. von Luigi Serafini entwickelt Tengwar-Alphabet 1919 n. Chr. von J. R. R. Tolkien entwickelt, wird für die fiktiven Sprachen Sindarin und Quenya verwendet Thebanisches Alphabet 1500 n. Chr. – Voynich-Alphabet unbekannt –
Funktionsweise Die Buchstaben eines Alphabetes sind schriftliche Symbole für die kleinsten bedeutungsunterscheidenden lautlichen Einheiten der Sprache, die Phoneme; zum Beispiel unterscheiden und in und die Bedeutung der Wörter (siehe auch Minimalpaar und Allophon).
In einem idealen Alphabet entspricht jeder Buchstabe einem Phonem und umgekehrt. In der Praxis finden sich aber immer Abweichungen:
Es kann dasselbe Zeichen für verschiedene Laute gelten (z. B. für in und in oder die drei in ). Es kann derselbe Laut mit verschiedenen Zeichen notiert werden (z. B. in und ). Es können mehrere Zeichen für ein einziges Phonem stehen (). Es können mehrere Laute durch ein einziges Zeichen wiedergegeben werden (z. B. für ). Es kann ein Laut unbezeichnet bleiben (z. B. der Knacklaut in ).
Darüber hinaus geht die einmal festgelegte Korrespondenz von Phonem und Graphem auch durch den Sprachwandel verloren (vergleiche englisch und gegenüber lateinisch ).
Fehlen in einem Schriftsystem Zeichen für Phoneme, können sprachliche (inhaltliche) Unterschiede eventuell nicht schriftlich wiedergegeben werden. So bestanden einige Alphabete ursprünglich nur aus Konsonanten (Konsonantenschrift). Später wurden sie mit Zeichen für Vokale ergänzt, die als kleine Zusätze (z. B. Punkte, Striche) zu den Konsonanten gesetzt werden konnten (z. B. arabisches und hebräisches Alphabet).
Sind hingegen in einem Schriftsystem Zeichen für Phoneme im Übermaß vorhanden, können semantische (inhaltliche) Unterschiede selbst bei gleicher Lautung schriftlich ausgedrückt werden. Zum Beispiel im Deutschen und .
Die Schriftsysteme für die meisten europäischen Sprachen nutzen Varianten des lateinischen Alphabets. Dabei wurden den Zeichen für lateinische Laute ähnliche Laute der jeweiligen Sprache zugeordnet. Dieselben Zeichen standen in den verschiedenen Sprachen für teilweise unterschiedliche Laute. Zudem ist es im Zuge der Sprachentwicklung zu weiteren Veränderungen der Aussprache gekommen (vgl. im Deutschen und Englischen).
Da die Zahl und Art der Phoneme in den verschiedenen Sprachen unterschiedlich ist, genügte der Zeichenvorrat des lateinischen Alphabetes oft nicht. Deshalb wurden zur Darstellung der betreffenden Phoneme Buchstabenkombinationen (z. B. , , ) und diakritische Zeichen eingeführt (z. B. auf , ).
Daneben wurden Varianten der ursprünglichen lateinischen Zeichen ( → , → ) und Ligaturen ( → , / → , / → ) zu eigenständigen Zeichen weiterentwickelt und gelegentlich auch Buchstaben aus anderen Alphabeten übernommen ().
Lautschrift
Ein absolut phonetisches Alphabet wäre in der Praxis unbrauchbar, weil es aufgrund der mannigfaltigen Nuancen einer Sprache sehr viele Zeichen hätte. Ein in Bezug auf die phonetische Wiedergabe optimiertes Alphabet ist das IPA, welches möglichst vielen Lautnuancen ein grafisches Zeichen zuordnet.
Eine phonemische Schreibweise behandelt unterschiedliche Aussprachen desselben Phonems gleich. So wird beispielsweise in der deutschen Orthografie die regional unterschiedliche (phonetische) Aussprache des Phonems in als norddeutsch und hochdeutsch nicht berücksichtigt. Daneben sorgen morphemische Schreibungen für ein konstanteres Schriftbild bei der Flexion, z. B. schreibt man wegen des Plurals nicht *, sondern , und bei der Derivation, z. B. statt .
Buchstabieren Wenn Menschen einander mündlich die korrekte Schreibweise eines Wortes mitteilen, indem sie nacheinander alle Buchstaben jenes Wortes nennen, so bezeichnet man diesen Vorgang als Buchstabieren (Verb: buchstabieren). Dabei werden Konsonantenbuchstaben meist mit Hilfe von zusätzlichen Vokalen ausgesprochen, im Deutschen zum Beispiel [beː] für B oder [kaː] für K (siehe Benennung der Buchstaben). Um Missverständnisse auszuschließen, können auch in einer Buchstabiertafel festgelegte Ansagewörter (beispielsweise Namen) ausgesprochen werden, die mit dem betreffenden Buchstaben beginnen, zum Beispiel „Aachen“ für A oder „Berlin“ für B. Für Deutschland sind Buchstabiertafeln und Buchstabierregeln in der DIN 5009 enthalten.
Entstehung und Entwicklung
Die Alphabetschrift entstand in der ersten Hälfte des 2. Jt. v. Chr. in Ägypten durch semitisch-sprachige Menschen. Die bildhafte ägyptische Hieroglyphenschrift hatte auch sog. Einkonsonantenzeichen. Diese wurden verwendet, um die Konsonanten darzustellen. Der Name des Gegenstandes wurde zugleich zum Namen des Buchstabens, z. B. ein Hausgrundriss = bayt > „b“; die Silhouette eines Kopfes = resch = „r“. Dass die ägyptischen Zeichen mit dem semitischen Wort benannt wurden, zeigt, dass das Alphabet zwar in Ägypten und auf Basis der Hieroglyphen entstand, aber von semitisch bzw. kanaanäisch sprechenden Personen (Händler, Handwerker etc.) entwickelt wurde. Da im Ägyptischen im Prinzip nur Konsonanten geschrieben wurden (mit eigenen Zeichen für den Stimmeinsatz vor Vokalen), wurde auch die semitische Alphabetschrift eine Konsonantenschrift, was auch der semitischen Sprache entspricht. Diese sog. protokanaanäische Schrift wurde auch in Serabit el-Khadim, auf der Sinaihalbinsel gefunden, wo Ägypter und Einheimische um ca. 1500 v. Chr. Bergbau betrieben. Das Alphabet verbreitete sich bald in Kanaan und Syrien. Es gab ein Langalphabet mit 27 und ein Kurzalphabet mit 22 Zeichen, und es entwickelten sich eine kanaanäische und eine südarabische Version. Diese Schriften sind Linearschriften, d. h. sie werden in Form von Linien geschrieben.
Schon um 1400 v. Chr. wurde in Ugarit, einer Stadt an der syrischen Mittelmeerküste, das Alphabet auf Tontafeln in Keilschrift geschrieben. Dabei wurde das 27-Zeichen-Alphabet am Ende mit drei Vokalzeichen ergänzt. Die ugaritischen Texte zeigen, dass sich das Alphabet um 1400 schon weit verbreitet hatte, und dass sich auch schon eine bestimmte Reihenfolge des Alphabets etabliert hatte.Dennis Duncan: Index, A History of the, Penguin Books, Dublin, 2022. ISBN 978-0-141-98966-2. S. 28 Auf Grund des Schreibmaterials Tontafeln blieben in Ugarit relativ viele Text erhalten, während sonst auf vergänglichem organischem Material (Holz, Leder) geschrieben wurde, sodass meistens nur kurze Inschriften auf Stein oder Verputz erhalten blieben. Aus der kanaanäischen Linearschrift (nicht aus der ugaritischen Keilschrift) haben sich verschiedene lokale Schriften (althebräisch, altmoabitisch, phönizisch, aramäisch) entwickelt, die zunächst alle sehr ähnlich ausgeschaut haben. Auf Grund der großen Bedeutung der phönizischen Städte wie etwa Byblos und ihres Handels im Mittelmeer erlangte die phönizischen Ausprägung der Alphabetschrift die größte Verbreitung und wurde so zum Vorläufer der griechischen (und auch der lateinischen) Schrift. In der älteren Zeit wurde sowohl von rechts nach links als auch von links nach rechts geschrieben, später setzte sich die Schreibung von rechts nach links durch. Schon im Kanaanäischen konnten einzelne Konsonanten auch Vokale andeuten, nämlich j für helle Vokale (i, e) und w für dunkle Vokale (o, u;). Dieses „Hilfsmittel“ ergibt sich aus der semitischen Sprache und wurde dann auch in Hebräisch, Aramäisch und Arabisch angewandt.