mini|Abraham Lincoln (1863)Foto: Alexander Gardnerrahmenlos|hochkant|klasse=skin-invert-image Abraham Lincoln (* 12. Februar 1809 bei Hodgenville, Hardin County, heute: LaRue County, Kentucky; † 15. April 1865 in Washington, D.C.) amtierte von 1861 bis 1865 als 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahr 1860 erstmals gewählt, gelang ihm 1864 die Wiederwahl für eine zweite Amtszeit. Er war der erste Präsident aus den Reihen der Republikanischen Partei und der erste, der einem Attentat zum Opfer fiel.

Lincolns Präsidentschaft gilt als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten: Nach der Wahl des Sklavereigegners traten elf der sklavenhaltenden Südstaaten aus der Union aus und bildeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Lincoln führte die verbliebenen Nordstaaten durch den daraus entstandenen Sezessionskrieg, setzte die Wiederherstellung der Union durch und sorgte mit seiner Emanzipationsproklamation und dem 13. Zusatzartikel zur Verfassung für die rechtliche Abschaffung der Sklaverei in den USA. Unter Lincolns Präsidentschaft schlug das Land endgültig den Weg zum zentral regierten, modernen Industriestaat ein und schuf so die Basis für seinen Aufstieg zur Weltmacht im 20. Jahrhundert.

Leben mini|Nachbau der Blockhütte, in der Lincoln von 1816 bis 1830 lebte (Lincoln Boyhood National Memorial) mini|Vater Thomas Lincoln mini|Lincolns Stiefmutter Sarah Bush Johnson

Kindheit und Jugend Abraham Lincoln kam in einer einfachen Blockhütte auf der Sinking Spring Farm nahe dem Dorf Hodgenville in Kentucky zur Welt. Seine Eltern waren der Farmer und Zimmermann Thomas Lincoln (1778–1851) und dessen Ehefrau Nancy Hanks Lincoln (1784–1818), die beide aus Virginia stammten. Zur Familie gehörten noch seine ältere Schwester Sarah (1807–1828) sowie ein 1812 geborener Bruder Thomas jr., der jedoch schon kurz nach der Geburt verstarb. Die Familie stammte von Samuel Lincoln (1622–1690) ab, der aus der ostenglischen Grafschaft Norfolk nach Amerika ausgewandert war und sich in der Massachusetts Bay Colony niedergelassen hatte.

Als frommer Baptist lehnte Lincolns Vater die in Kentucky erlaubte Sklaverei ab, obwohl einige seiner Verwandten Sklavenhalter waren. Wegen Landstreitigkeiten zog die Familie Ende 1816 von Hodgenville nach Little Pigeon Creek im Südwesten des sklavenfreien Indiana-Territoriums, dem heutigen Spencer County. Auch hier lebte sie in einer einfachen Blockhütte, die der Vater erbaut hatte. Mit neun Jahren wurde Lincoln Halbwaise, als seine Mutter 1818 an der so genannten Milchkrankheit starb.David_Herbert_Donald: Lincoln. Simon & Schuster, 1st Touchstone Ed (5. November 1996). Sie galt als Infektionskrankheit, wurde aber tatsächlich durch die Milch von Kühen ausgelöst, in deren Futter sich das Gift der Pflanze Weiße_Natternwurz (englisch: „White Snakeroot“, lat. Ageratina altissima) befand. Im Jahr darauf heiratete Thomas Lincoln die Witwe Sarah Bush Johnston (1788–1869), die drei eigene Kinder in die Ehe mitbrachte. Zeitlebens pflegte Abraham Lincoln eine warmherzige Beziehung zu seiner Stiefmutter, auch weil sie, anders als sein Vater, sein Streben nach Bildung unterstützte.

Die Bildungsmöglichkeiten an der kaum erschlossenen Frontier, der Siedlungsgrenze zur Wildnis, waren äußerst begrenzt. Auch in der Region von Indiana gab es nur sporadisch betriebene Einraum-Schulen in Blockhütten, in denen die Kinder aller Jahrgänge gemeinsam unterrichtet wurden. Viel mehr als Grundkenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen wurde dort nicht vermittelt. Die Schüler lernten meist durch gemeinsames Rezitieren. Selbst diese Art des Unterrichts hat Lincoln nur sehr unregelmäßig genossen. Von 1816 bis 1827 besuchte er zwar verschiedene Schulen in und um das heutige Cannelton,Karen M. Kostyal: Abraham Lincoln’s extraordinary era : the man and his times. National Geographic, Washington, D.C. 2009, S. 24. zwischen seinem 11. und seinem 15. Lebensjahr aber nicht länger als insgesamt ein Jahr.Jörg Nagler: Abraham Lincoln. Amerikas großer Präsident – Eine Biographie. C. H. Beck, München 2009, S. 32. Seine umfassende Bildung hat er sich vor allem als Autodidakt angeeignet.Shirley Samuels (Hrsg.): The Cambridge companion to Abraham Lincoln. Cambridge University Press, Cambridge 2012, S. 17. Der junge Lincoln war lesehungrig und verschlang jedes Buch, dessen er habhaft werden konnte. Neben der King-James-Bibel beeinflussten ihn vor allem die Dramen William Shakespeares sowie Werke von Homer, Vergil, John Dryden, John Milton und Daniel Defoe.Jörg Nagler: Abraham Lincoln. Amerikas großer Präsident – Eine Biographie. C. H. Beck, München 2009, S. 33. Seine Belesenheit und Gewandtheit im Ausdruck wurden bald im näheren Umkreis bekannt, so dass Nachbarn ihn schon als Jugendlichen baten, Briefe für sie aufzusetzen.Francis Marion Van Natter: Lincoln’s Boyhood. A Chronicle of his Indiana Years. Public Affairs Press, Washington, D.C. 1963, S. 102.

Im Wesentlichen aber bestand Lincolns Leben damals aus der harten und ungeliebten Feldarbeit mit seinem Vater. Thomas Lincoln lieh seinen Sohn gegen Bezahlung auch an Nachbarn aus, wenn diese Unterstützung benötigten. Bis zu seinem 19. Lebensjahr teilte Abraham Lincoln das Pionierdasein seiner Familie in Indiana. 1830 zogen die Lincolns erneut weiter nach Westen, ins Macon County in Illinois. Kurz darauf verließ Abraham das Elternhaus und ließ sich im Präriestädtchen New Salem im benachbarten Sangamon County (heute Menard County) nieder, wo er eine Stelle als Kaufmannsgehilfe annahm. In den nächsten Jahren war er dort auch als Landvermesser und Posthalter tätig. In seiner Freizeit betätigte er sich damals als Ringer. Er war 1830 Meister in seinem County und musste in den folgenden zehn Jahren nur eine Niederlage hinnehmen. Das städtische Amerika lernte er erstmals im Jahr 1831 kennen, in dem er als Flößer auf dem Ohio River und dem Mississippi flussabwärts bis nach New Orleans fuhr.

Lincolns Aufstieg Im Jahr 1832 nahm Lincoln als Freiwilliger am Kriegszug gegen die Sauk-Indianer unter Häuptling Black Hawk teil, ohne aber in Kämpfe verwickelt zu werden. Seine Kameraden wählten ihn bei dieser Gelegenheit zum Captain. Dies und die Tatsache, dass er sich in einem Debattierclub in New Salem als guter Redner erwiesen hatte, ermutigten ihn, noch im selben Jahr für das Repräsentantenhaus von Illinois zu kandidieren. Als Parteigänger der Whigs trat er im Wahlkampf für den Ausbau der Verkehrswege und eine Verbesserung des Schulwesens ein. Im ersten Anlauf scheiterte Lincoln, aber 1834 errang er das Mandat, das er über vier Legislaturperioden bis 1842 behalten sollte.

Parlamentarier und Anwalt in Illinois mini|Lincolns Wohnhaus in Springfield Das Staatsparlament von Illinois hatte bis 1839 seinen Sitz in der ersten Landeshauptstadt Vandalia. Als Honest Abe – ehrlicher Abe –, ein Spitzname, der ihm bleiben sollte, erwarb sich Abraham Lincoln dort rasch so viel Vertrauen, dass er zum Sprecher des Finanzausschusses und bereits mit 27 Jahren zum Parteiführer der oppositionellen Whigs gewählt wurde. Aus dem Jahr 1837 datiert seine erste öffentliche Stellungnahme gegen die Sklaverei. In einer Parlamentsdebatte stellte er fest, „dass die Institution der Sklaverei auf Ungerechtigkeit und schlechte Politik zurückzuführen ist“.

In den ersten Jahren seiner politischen Tätigkeit absolvierte Lincoln ein diszipliniertes Selbststudium der Rechtswissenschaften; 1836 wurde er zur Anwaltskammer von Illinois zugelassen. Im folgenden Jahr gründete er mit dem Rechtsanwalt John T. Stuart eine gemeinsame Kanzlei in der neuen Hauptstadt von Illinois, Springfield. Doch auch als Anwalt lebte Lincoln noch lange in äußerst bescheidenen Verhältnissen.

Während seiner Zeit in Springfield näherte sich Lincoln den Freimaurern an, die damals hohes Ansehen genossen. Obwohl er der Vereinigung wohlwollend gegenüberstand, wurde er jedoch nie – wie später irrtümlich behauptet – ihr Mitglied.William R. Denslow, Harry S. Truman: 10,000 Famous Freemasons from K to Z, ISBN 1-4179-7579-2.The Lehrman_Institute: . Kurz vor seiner Wahl zum Präsidenten zog er ein Gesuch um Aufnahme in die Tyrian Lodge No. 333 in Springfield zurück, weil er diesen Schritt nicht als Wahlkampftaktik missverstanden sehen wollte.Jonathan Byron (Hrsg.), Philip Militz (Autor): Freimaurer in 60 Minuten. Thiele, München 2009.

Familiengründung mini|Mary Lincoln (1818–1882) Im Jahr 1842 heiratete Abraham Lincoln Mary Todd, die einer reichen Familie von Pflanzern und Sklavenhaltern aus Kentucky entstammte. Bei den Todds stieß diese Verbindung auf erheblichen Widerstand, da Lincoln nur wenig Vermögen besaß und seine politischen Ansichten den ihren weitgehend widersprachen. Ein Verwandter Mary Lincolns, ihr Schwager Benjamin Hardin Helm, stieg im Sezessionskrieg sogar zum General der konföderierten Armee auf. Er fiel später in der Schlacht am Chickamauga.

Abraham und Mary Lincoln wurden vier Söhne geboren: Robert Todd Lincoln (* 1. August 1843 in Springfield, Illinois; † 26. Juli 1926 in Manchester, Vermont) Edward „Eddie“ Baker Lincoln (* 10. März 1846 in Springfield, Illinois; † 1. Februar 1850 ebenda) William „Willie“ Wallace Lincoln (* 21. Dezember 1850 in Springfield, Illinois; † 20. Februar 1862 in Washington, D.C.) Thomas „Tad“ Lincoln (* 4. April 1853 in Springfield, Illinois; † 15. Juli 1871 in Chicago, Illinois). Zwei Kinder starben also bereits zu Lincolns Lebzeiten und nur Robert erreichte das Erwachsenenalter. Wie sein Vater schlug er eine Karriere als Anwalt und Politiker ein und war von 1881 bis 1885 US-Kriegsminister. Der letzte direkte Nachfahre Abraham Lincolns, Robert Todd Lincoln Beckwith, ein Urenkel, starb 1985 im Alter von 81 Jahren.Last Surviving Descendant of Lincoln Dead. In: Associated Press. 25. Dezember 1985, abgerufen am 8. Februar 2014.

Abgeordneter im Repräsentantenhaus mini|Lincoln als Mitglied des Kongresses (1847) Im Jahr seiner Heirat schied Lincoln aus dem Staatsparlament von Illinois aus, um sich verstärkt seiner Anwaltstätigkeit zu widmen. Er erwarb sich einen Ruf als Spezialist für Eisenbahnrecht und kam allmählich zu bescheidenem Wohlstand. 1842 bemühte sich Lincoln vergebens darum, bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus als Kandidat der Whigs aufgestellt zu werden. Er führte sein Scheitern darauf zurück, dass er keiner Kirche angehörte und sich am 22. September mit dem demokratischen Politiker James Shields zu einem Duell mit Korbschwertern verabredet hatte, auch wenn es aufgrund des Einschreitens der Sekundanten nicht zum Kampf kam und niemand verletzt wurde.Richard Carwardine: Lincoln. A Life of Purpose and Power. Vintage Books, New York 2006, S. 57 f.; Jörg Nagler: Abraham Lincoln. Amerikas großer Präsident – Eine Biographie. C. H. Beck, München 2009, S. 84 f.James E. Underwood: Lincoln: A Weberian Politician Meets the Constitution. In: Presidential Studies Quarterly. Vol. 34, No. 2, Juni 2004, , S. 341–365; hier: S. 346.