Astana [],Kasachisches Audio-Aussprachebeispiel für „Astana“ auf forvo.com deutsch auch []Duden online zu „Astana“ (kasachisch und russisch ; ist auch das kasachische Wort für Hauptstadt) ist seit dem 10. Dezember 1997 die Hauptstadt Kasachstans. Sie befindet sich im nördlichen Teil des Landes inmitten der Kasachischen Steppe am Ufer des Flusses Ischim. Mit Einwohnern (Stand ) ist sie nach Almaty die zweitgrößte Stadt des Landes.
Die Stadt wurde 1830 als russische Festung gegründet. In den 1950er Jahren wurde der Ort zum Zentrum der sowjetischen Neulandkampagne zur Gewinnung von landwirtschaftlichen Anbauflächen. Dies führte dazu, dass sich das Stadtbild veränderte und die Entwicklung der Stadt vorangetrieben wurde. Nach der Unabhängigkeit Kasachstans von der Sowjetunion wurde eine Verlegung der Hauptstadt beschlossen und die Stadt somit am 10. Dezember 1997 zur Planhauptstadt. Im Süden der Stadt entstand daraufhin ein modernes Regierungsviertel mit markanten Bauwerken wie dem Bajterek-Turm, dem Khan Shatyr oder der Pyramide des Friedens und der Eintracht.
Entwicklung des Ortsnamens Entwicklung des Ortsnamens Akmolinsk 1830–1961 Zelinograd 1961–1991 Aqmola 1992–1998 Astana 1998–2019 Nur-Sultan 2019–2022 Astana seit 2022
Die Stadt hat in jüngster Vergangenheit mehrmals ihren Namen gewechselt. So hieß sie bis 1961 , von „weiße Grabstätte“, von 1961 bis 1991 , von „Neuland“, von 1992 bis 1998 Aqmola, ab dann , kasachisch für „Hauptstadt“.
Von 2019 bis 2022 hieß die Stadt zu Ehren des langjährigen Präsidenten Kasachstans Nursultan Nasarbajew . Am 17. September 2022 unterzeichnete Kasachstans Präsident Toqajew ein verfassungsänderndes Dekret, mit dem die Rückbenennung in Astana vollzogen wurde (Details siehe Abschnitt „Geschichte“).
Geografie Geografische Lage Der Ort liegt in einer großräumigen Steppenlandschaft im Übergangsbereich zwischen dem russisch geprägten Norden Kasachstans und dem extrem dünn besiedelten Landeszentrum am Fluss Ischim. Die älteren Stadtviertel liegen nördlich des Flusses, während die neuen Stadtviertel vor allem südlich des Ischim angelegt wurden.
Stadtgliederung mini|Stadtbezirke von Astana (2023)
Die Stadt kann geografisch in verschiedene Gebiete eingeteilt werden. Nördlich der Eisenbahn, welche den Norden der Stadt in ost-westlicher Richtung durchquert, befinden sich Industrie- und ärmere Wohnviertel. Zwischen der Eisenbahnlinie und dem Fluss Ischim befindet sich die Innenstadt, in der aktuell eine rege Bautätigkeit herrscht. Westlich und östlich davon schließen sich gehobenere Wohnviertel an. Südlich des Ischim befinden sich Parks und das neue Regierungsviertel. Hier sind ebenfalls viele große Bauprojekte im Entstehen, so zum Beispiel der Bau eines Diplomatenviertels, verschiedener Regierungsgebäude und einer repräsentativen Uferpromenade. Bis 2030 sollen diese Stadtteile vollendet sein. Astanas Chefplaner, Wladimir Laptew, will ein Berlin in eurasischer Version erbauen. Gelegentlich wird auch eine Parallele zu Ankara gezogen, welche nach Gründung der modernen Türkei Hauptstadt wurde. Eine reine Verwaltungs-Hauptstadt wie Brasília oder Canberra ist nicht das Ziel der Stadtplaner.
Verwaltungsbezirk Kasachischer Name Russischer Name Einwohner Fläche [km²] Almaty Алматы ауданы Алматинский район 85,18 Baikonur Байқоңыр ауданы Байконурский район 181,29 Jessil Есіл ауданы Есильский район 200,22 Saryarqa Сарыарқа ауданы Сарыаркинский район 67,75 Nura Нұра ауданы Нуринский район 193,36 Saraischyq Сарайшық ауданы 69,53 Astana 797,3 Stand:
Klima
Astana gilt klimatisch nach Ulaanbaatar als die zweitkälteste Hauptstadt der Welt; sie wird vom Kontinentalklima geprägt. Die Winde aus Nordsibirien gelangen in den Wintermonaten aufgrund fehlender geografischer Barrieren nahezu ungebremst nach Nord- und Zentralkasachstan. Die winterliche Durchschnittstemperatur beträgt ca. −15 Grad Celsius mit vereinzelten Nachtfrösten bis −40 Grad Celsius. Das absolute Temperaturminimum liegt bei −51,6 Grad Celsius. Dagegen sind im Sommer Spitzentemperaturen von über 35 Grad Celsius zu verzeichnen.
Bevölkerung
+ Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung Ethnie 1989 1999 2012 Bevölkerung Anteil Bevölkerung Anteil Bevölkerung Anteil Kasachen 49.798 17,71 % 133.585 41,83 % 480.815 66,80 % Russen 152.147 54,10 % 129.480 40,55 % 188.928 23,35 % Ukrainer 26.054 9,26 % 18.070 5,66 % 13.453 1,81 % Tataren 9.339 3,32 % 8.286 2,59 % 9.937 1,34 % Deutsche 18.913 6,72 % 9.591 3,00 % 7.930 1,07 % Belarussen 8.220 2,92 % 5.761 1,80 % 3.834 0,52 % Koreaner 1.329 0,47 % 2.028 0,64 % 4.981 0,67 % Usbeken 640 0,23 % 429 0,13 % 8.166 1,10 % Polen 2.762 0,98 % 2.537 0,79 % 2.412 0,32 % Inguschen 1.889 0,67 % 1.822 0,57 % 2.732 0,30 % Aserbaidschaner 997 0,35 % 902 0,28 % 2.978 0,40 % Kirgisen 94 0,03 % 196 0,06 % 1.808 0,20 % Tschetschenen 514 0,18 % 752 0,24 % 1.063 0,14 % Baschkiren 1.187 0,42 % 870 0,27 % 1.009 0,14 % Armenier 814 0,29 % 576 0,18 % 790 0,10 % Moldauer 1.004 0,36 % 629 0,20 % 700 0,09 % Uiguren 53 0,02 % 161 0,05 % 881 0,12 % andere 5.498 1,64 % 3.649 0,83 % 8.711 0,90 % Gesamt 281.252 100 % 319.324 100 % 742.918 100 %
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1939¹ 33.209 1945 69.400 1959¹ 102.276 1970¹ 179.514 1979¹ 233.638 1989¹ 277.365 1992 298.700 Jahr Einwohner 1993 292.200 1994 294.600 1995 293.200 1996 289.700 1997 287.200 1998 300.500 1999¹ 328.341 Jahr EinwohnerЧисленность населения на начало периода. taldau.stat.gov.kz (russisch). 2000 380.990 2001 440.209 2002 493.062 2003 501.998 2004 510.533 2005 529.335 2006 550.438 Jahr Einwohner 2007 574.448 2008 602.684 2009¹ 613.006 2010 649.146 2011 697.156 2012 742.884 2013 778.198 Jahr Einwohner 2014 814.401 2015 852.882 2016 872.655 2017 972.672 2018 1.032.475 2019 1.078.362 2020 1.136.008 Jahr Einwohner 2021 1.184.411 2022 1.295.711 2023 1.354.556 2024 1.430.417 2025 1.528.703
¹ Volkszählungsergebnis
Geschichte mini|Plan der Festung Akmolinsk Gründung bis Zweiter Weltkrieg Spuren skythischer Besiedlung finden sich im Grab des Sonnenherrschers (vor etwa 2500 Jahren).
Die Stadt wurde 1830 als russische Festung Akmolinsk gegründet (von kasachisch Aqmola (Ақмола), ‚weißes Heiligtum‘, aber auch ‚weißes Grab‘ für einen nahe gelegenen Platz, an dem heller Kalkstein zutage tritt). Lange Zeit fungierte sie nur als Fort in der kasachischen Steppe. Die Bedeutung der Stadt wuchs Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als Akmolinsk ein Eisenbahnknotenpunkt an der Turksib wurde. Dies führte zur ersten wirtschaftlichen Blüte der Stadt, die bis zum Russischen Bürgerkrieg anhielt. Dieser betraf auch das Gebiet des heutigen Nordkasachstans und damit auch Akmolinsk.
In Akmolinsk bestand das Kriegsgefangenenlager 330 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.Erich Maschke (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
Stadterweiterung im 20. Jahrhundert Als Nikita Chruschtschow in den 1950er Jahren ein Mammutprojekt startete, um die nordkasachische Steppe in eine zweite Kornkammer der Sowjetunion zu verwandeln, wurde die Stadt zur Hauptstadt dieser sogenannten Neuland-Region (Целинный край / Zelinny krai) und 1961 in Zelinograd umbenannt. Der hohe Anteil an russischer Bevölkerung in dieser Gegend, der zu ethnischen Spannungen geführt hat, lässt sich auf den Zuzug von Landarbeitern in dieser Zeit zurückführen. In der Umgebung der Stadt wurden daneben viele Russlanddeutsche angesiedelt, die vorher unter der Herrschaft Josef Stalins deportiert worden waren.
Hauptstadt Nachdem Kasachstan mit dem Zerfall der Sowjetunion die Unabhängigkeit erlangt hatte, wurden die Stadt und ihre Region 1992 nach dem ursprünglichen Namen in Aqmola umbenannt und 1994 als zukünftige Hauptstadt nominiert. Nach der Verlegung der Hauptstadt von Almaty nach Aqmola am 10. Dezember 1997 wurde die Stadt am 6. Mai 1998 abermals umbenannt und erhielt den Namen Astana. Der Grund für die Verlegung der Hauptstadt bestand neben der hohen Erdbebengefahr in Almaty vor allem darin, dass die kasachische Regierung unter Nursultan Nasarbajew hoffte, durch diesen Schritt eventuellen separatistischen Tendenzen der mehrheitlich von Russen bewohnten Gebiete im Nordosten des Landes besser entgegentreten zu können. Des Weiteren wurden Astana die besten Entwicklungsmöglichkeiten – resultierend aus möglichen Bebauungsflächen und Verkehrsinfrastruktur – prognostiziert. Schließlich war der Umzug – was in Kasachstan eher hinter vorgehaltener Hand erwähnt wird – durch einen Interessen- und Machtausgleich zwischen den drei traditionellen kasachischen Stammesföderationen der Großen Horde im städtisch geprägten Süden – der der ehemalige Präsident Nasarbajew angehört –, der Mittleren Horde im zentralen und östlichen Kasachstan, in deren Gebiet Astana liegt, und der in der erdöl- und gasreichen Kaspischen Senke im Westen Kasachstans ansässigen Kleinen Horde bedingt. Seit Astana als Hauptstadt fungiert, erlebt die Stadt ein starkes Wirtschaftswachstum. Damit einhergehend sind ein starkes Bevölkerungswachstum und eine hohe Bautätigkeit. Am 23. März 2019 wurde die Stadt zu Ehren des langjährigen Präsidenten Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, in Nur-Sultan umbenannt. Die Umbenennung erfolgte auf Vorschlag seines Nachfolgers Qassym-Schomart Toqajew. Im September 2022 willigte er aber ein, den Namen der kasachischen Hauptstadt zurück in Astana zu ändern.
mini|900px|zentriert|Panorama des modernen Regierungsviertels und Geschäftszentrums von Astana.Von links nach rechts befinden sich die Zentrale Konzerthalle Kasachstan, der Ak-Orda-Präsidentenpalast, dahinter in der Ferne der Bajterek-Turm, rechts daneben weitere moderne Wolkenkratzer
Politik Bürgermeister Bürgermeister (Äkim) von Astana ist seit Dezember 2022 Schengis Qassymbek. Während sowjetischer Zeit stand der Stadtverwaltung der Vorsitzende des Exekutivausschusses vor. Nachfolgend die Bürgermeister der Stadt seit 1992: Amanschol Bölekpajew (1992–1997) Ädilbek Schaqsybekow (1997–2003) Temirchan Dosmuchambetow (2003–2004) Ömirsaq Schökejew (2004–2006) Asqar Mamin (2006–2008) Imanghali Tasmaghambetow (2008–2014) Ädilbek Schaqsybekow (2014–2016) Ässet Issekeschew (2016–2018) Baqyt Sultanow (2018–2019) Altai Kölginow (2019–2022) Schengis Qassymbek (seit 2022)
Wappen und Flagge Geplantes Wappen der Stadt Akmolinsk aus dem Jahr 1868 Wappen der Stadt Zelinograd in der Sowjetunion Wappen und Flagge der Stadt Astana 1998–2008 Wappen und Flagge der Stadt Astana 2008–2019, seit 2022 Wappen und Flagge der Stadt Nur-Sultan 2019–202290px70px90px100px90px100px90px100px