Rivaldo (* 19. April 1972 in Paulista, Bundesstaat Pernambuco; voller Name Rivaldo Vítor Borba Ferreira) ist ein ehemaliger brasilianischer Profifußballer, der 1999 die Auszeichnungen als FIFA-Weltfußballer des Jahres und den Ballon d’Or als „Europas Fußballer des Jahres“ erhielt.
Während seiner aktiven Profikarriere spielte Rivaldo für 16 Vereine auf vier Kontinenten und beendete seine Laufbahn im Alter von 43 Jahren.„Rivaldo gab in Brasilien Comeback mit 43 Jahren“ sport.orf.at Rivaldo zählte zu den torgefährlichsten Mittelfeldspielern seiner Generation und erlebte seine herausragenden sportlichen Jahre zwischen 1997 und 2002 beim FC Barcelona. Mit der brasilianischen Nationalmannschaft wurde er 2002 Fußballweltmeister und als fünffacher Torschütze in das All-Star-Team des Turniers gewählt.
Jugend Rivaldo Vítor Borba Ferreira wurde am 19. April 1972 in Paulista, einer Vorstadt von Recife im Nordosten Brasiliens (Bundesstaat Pernambuco), geboren. Recife gilt als „Hauptstadt der sozialen Ungleichheit“ und mit seinen Eltern und den vier Geschwistern wuchs Rivaldo in einer ärmlichen Favela auf. Die wirtschaftliche Not der Familie war so groß, dass er unter Mangelernährung litt, die Auswirkungen auf seine körperliche Entwicklung hatte: Rivaldo verlor mehrere Zähne und entwickelte eine stark ausgeprägte Varusstellung der Knie („O-Beine“). Obwohl Rivaldo bereits als Kind ein leidenschaftlicher Fußballspieler war und mit dem Nationalsport die Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg verband, erschien eine Karriere als Profi aufgrund seiner Herkunft zunächst unwahrscheinlich. Um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen, musste sich Rivaldo beispielsweise als Eisverkäufer auf der Straße durchschlagen. Ein Schlüsselerlebnis für den 16-Jährigen war der frühe Tod seines Vaters Romildo Ferreira, der auf dem Weg zur Arbeit von einem Bus überfahren wurde und wegen unzureichender medizinischer Versorgung verstarb. Die traurige Nachricht erreichte die Familie erst einen Tag später, als Nachbarn in einem lokalen Radioprogramm die Polizeimeldung des tragischen Unfalls hörten.
Rivaldo hat deutsche Vorfahren aus dem münsterländischen Südlohn.
Vereinskarriere Als Jugendlicher spielte Rivaldo für den unterklassigen Paulistano FC aus seiner Heimatstadt, bevor er 1991 mit 19 Jahren seinen ersten Profivertrag beim Zweitligisten Santa Cruz FC aus Recife unterschrieb. 1992 erhielt Rivaldo ein Angebot von Mogi Mirim EC aus der sportlich wesentlich anspruchsvolleren Campeonato Paulista und ging in den südlichen Bundesstaat São Paulo.
SC Corinthians Der sportliche Durchbruch gelang Rivaldo mit seinem Wechsel zu Corinthians São Paulo, einem der bekanntesten Fußballvereine Brasiliens, für den er 1993 auf Leihbasis spielte. Rivaldo konnte in der Campeonato Paulista mit 11 Toren in 19 Spielen überzeugen und erhielt eine Nominierung für die Mannschaft des Jahres (Bola de Prata). Im Dezember 1993 gab er sein Debüt für die Nationalmannschaft.
SE Palmeiras Im Juli 1994 wechselte Rivaldo für 2,4 Millionen US-Dollar zum amtierenden Landesmeister Palmeiras São Paulo, für den er insgesamt zwei Jahre spielen sollte. Sponsor des Klubs war der finanzkräftige Parmalat-Konzern, der es Palmeiras ermöglichte, mit Spielern wie Roberto Carlos, César Sampaio, Flávio Conceição, Zinho, Evair und Edmundo eine der stärksten Vereinsmannschaften in der Geschichte der brasilianischen Liga aufzubieten. Trainer Vanderlei Luxemburgo integrierte Rivaldo in seine Startelf und der Neuzugang konnte mit seinen Leistungen sofort überzeugen. Palmeiras gewann die brasilianische Meisterschaft 1994 und Rivaldo war, gemeinsam mit Evair, mit 14 Ligatreffern bester Torschütze seines Klubs. In den beiden Finalspielen gegen den Erzrivalen Corinthians São Paulo (3:1 und 1:1) war er mit insgesamt drei Toren der entscheidende Schlüsselspieler. Die Sportzeitung Placar wählte Rivaldo am Saisonende zum zweitenmal in die Mannschaft des Jahres (Bola de Prata). Nach diesem Erfolg gingen viele Stammspieler nach Europa und Luxemburgo musste eine neue Mannschaft aufbauen. 1996 kehrte Palmeiras in die Erfolgsspur zurück und gewann mit 28 Punkten Vorsprung vor dem FC São Paulo die Regionalmeisterschaft Campeonato Paulista. Erfolgsgarant war das Quartett bestehend aus Rivaldo, Luizão, Müller und Djalminha, die als torgefährlichste Offensive Südamerikas galten und allein 70 der insgesamt 102 Tore beisteuerten. Die 1:2-Niederlage gegen Cruzeiro Belo Horizonte im Finale der Copa do Brasil am 19. Juni 1996 war Rivaldos letztes Spiel für Palmeiras.https://www.palmeiras.com.br/craques/rivaldo/
Deportivo La Coruña Nach den Erfolgen in der heimischen Liga, folgte für Rivaldo im Sommer 1996 mit einem Wechsel nach Europa der nächste logische Karriereschritt. Gemeinsam mit seinem Mitspieler Amaral stand er kurz vor einem Transfer zur AC Parma, die wie Palmeiras von Parmalat finanziert wurden. Doch nachdem man ihn in Brasilien zum Sündenbock für das enttäuschende Abschneiden bei den Olympischen Spielen gemacht hatte, sagte er Parma ab und entschied sich für einen Wechsel zu Deportivo La Coruña. Der spanische Erstligist ließ sich Rivaldos Transfer umgerechnet zwölf Millionen Euro kosten, was ihn bis heute zu einem der teuersten Neuzugänge der Vereinsgeschichte macht. Bei Depor sollte er den abgewanderten Topstar Bebeto ersetzen, dem 100 Tore für den Klub gelungen waren und traf mit Mauro Silva und Donato auf zwei weitere Brasilianer, die ihm die Eingewöhnungszeit erleichterten. „Sie haben mir so viel Positives über die Stadt und die Fans erzählt, dass ich mich sehr freue, hier zu spielen“, erklärte Rivaldo und Vereinspräsident Augusto César Lendoiro bedachte ihn mit Vorschusslorbeeren, indem er verlauten ließ, Rivaldo sei „besser als Barcelonas Giovanni.“https://www.goal.com/de/meldungen/rivaldo-deportivo-la-coruna-ftr-barca-brasilien/1e9de2hyozi9n1v4b5k6fygoze
Rivaldo sollte die Erwartungen der Galicier weit übertreffen. Von Beginn an war er in der Mannschaft von Trainer John Toshack gesetzt, spielte eine Mischung aus Achter und Zehner, genoss viele spielerische Freiheiten. Im Auswärtsspiel beim amtierenden Meister Atletico Madrid am 3. Spieltag hatte Rivaldo seinen ersten großen Auftritt. Er präsentierte sich als leichtfüßiger Spielmacher und markierte sein erstes Tor für Deportivo. Nach zuvor zwei Unentschieden war der 2:0-Auswärtssieg der Startschuss in eine überragende Spielzeit, in der La Coruña erst am 18. Spieltag gegen den FC Barcelona seine erste Niederlage kassierte. Bis zum Jahreswechsel lagen sie nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Real Madrid und durften von der ersten Meisterschaft überhaupt träumen. Rivaldo war der herausragende Offensivspieler, der seine kreative Spielweise mit Effektivität zu verbinden wusste und in 41 Spielen 21 Tore erzielte. Damit hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass Deportivo nach Rang neun im Vorjahr nun am Saisonende 1996/97 den dritten Platz belegte und sich für den UEFA-Pokal qualifizierte. Nach dieser überragenden Saison galt Rivaldo als einer der weltweit torgefährlichsten Mittelfeldspieler und auch abseits des Platzes konnte er gefallen, weil er anders als viele seiner brasilianischen Landsmänner bescheiden und demütig auftrat.
FC Barcelona Rivaldo hatte das Interesse des FC Barcelona auf sich gezogen und wechselte 1997 für 23,5 Millionen Euro (umgerechnet vier Milliarden Peseten) zum katalanischen Spitzenklub. Damit war er zusammen mit Sonny Anderson der Königstransfer, denn man hatte ihnen die Rolle der Nachfolger des Weltfußballers Ronaldo zugedacht, der zu Inter Mailand gewechselt war. Barças neuer Trainer Louis van Gaal gestaltete den Spielerkader radikal um und sollte dabei hauptsächlich auf niederländische Akteure setzen. In seiner 4-3-3-Formation setzte er Rivaldo als linken Flügelstürmer ein. Auf der neuen Position wusste Rivaldo mit seinen Fähigkeiten zu überzeugen und war auf Anhieb ein Schlüsselspieler: Im ersten Ligaspiel gegen Real Sociedad San Sebastián (3:0) gelang ihm ein Doppelpack und auch beim 2:3-Auswärtssieg im prestigeträchtigen El Clásico gegen Real Madrid schoss er ein Tor. Mit 19 Ligatreffern war Rivaldo bester Torschütze seiner Mannschaft, die am Saisonende das Double aus Meisterschaft und der Copa del Rey gewinnen konnte. In dem hart umkämpften Endspiel hatte Rivaldo gegen RCD Mallorca den wichtigen 1:1-Ausgleich erzielt. Der Sieg im UEFA-Super-Cup gegen Borussia Dortmund (2:0, 1:1) war sein erster internationaler Titel. Im zweiten Jahr (1998/99) spielte Rivaldo den wohl besten Fußball seiner Karriere und konnte die Leistungen aus der Vorsaison mit 40 Scorerpunkten (24 Tore, 16 Vorlagen) nochmals steigern.Dietrich Schulze-Marmeling: Barça oder: Die Kunst des schönen Spiels. Die Werkstatt, 2013, ISBN 978-3-89533-720-8, S. 220 Dabei bildete er mit Patrick Kluivert und Luís Figo eine der besten Angriffsreihen Europas. Gemeinsam führten sie den FC Barcelona erneut zum Meistertitel und Rivaldo belegte hinter Raúl den zweiten Platz der spanischen Torschützenliste (Pichichi-Trophäe). Dabei hatte er sechsmal einen Doppelpack erzielt und in der Partie gegen Real Oviedo (3:1) war ihm ein Hattrick gelungen. Folgerichtig erhielt Rivaldo am 20. Dezember 1999 mit dem Ballon d’Or die Auszeichnung als „Europas Fußballer des Jahres“ und wenig später die Ehrung als FIFA-Weltfußballer des Jahres 1999. In der folgenden Saison 1999/00 hatte der FC Barcelona in der Liga das Nachsehen und verpasste als Vizemeister mit fünf Punkten Rückstand den Titel-Hattrick. Während Barça in den beiden Vorjahren bereits nach der Gruppenphase der Champions League vorzeitig ausgeschieden war, legten sie nun den Fokus auf den Europapokal, scheiterten jedoch im Halbfinale am FC Valencia. Mit zehn Treffern war Rivaldo neben Rául und Mário Jardel Co-Torschützenkönig der Champions League. Doch die Spielzeit wurde durch den seit Monaten schwelenden Konflikt zwischen Rivaldo und van Gaal überschattet, der im Dezember 1999 offen ausgebrochen war, nachdem der Brasilianer erklärt hatte, er wolle künftig nicht mehr auf der Position des Linksaußen spielen. Stattdessen verlangte er im offensiven Mittelfeld aufgestellt zu werden, was van Gaal als Disziplinlosigkeit wertete. Der Trainer warf Rivaldo öffentlich mangelhaften Ehrgeiz und Einsatzwillen vor und strich ihn vorübergehend aus dem Aufgebot.Dietrich Schulze-Marmeling: Barça oder: Die Kunst des schönen Spiels. Die Werkstatt, 2013, ISBN 978-3-89533-720-8, S. 160 Der Streit weckte vor allem bei Lazio Rom Hoffnungen, Rivaldo verpflichten zu können, dessen Ablösesumme auf umgerechnet 89 Millionen Euro festgesetzt war. In der spanischen Sportpresse kursierten auch Spekulationen über einen Spielertausch mit David Beckham von Manchester United. Nach einer titellosen Saison endete im Mai 2000 van Gaals erste Amtszeit beim FC Barcelona und der ungeliebte Niederländer wurde durch den bisherigen Jugendtrainer Llorenç Serra Ferrer ersetzt. Nachdem Luís Figo zum Erzrivalen Real Madrid gewechselt war, erhöhte auch Rivaldo den Druck auf den neuen Vereinspräsidenten Joan Gaspart, um seine Gehaltsforderungen durchzusetzen. Nach langwierigen Verhandlungen unterschrieb Rivaldo im August 2000 schließlich einen neuen Vertrag, der sein Nettogehalt auf 6,6 Millionen Euro verdoppelte und ihn zum bestbezahlten Fußballer der Welt machte. Der Vertrag lief bis 2003 und legte die Ablösesumme für ausländische Vereine auf 178 Millionen Euro fest.