alt=|mini|Klaus Staeck 2018 Klaus Staeck (* 28. Februar 1938 in Pulsnitz, Amtshauptmannschaft Kamenz) ist ein deutscher Verleger, Satiriker und Rechtsanwalt. Von April 2006 bis Mai 2015 war er Präsident der Akademie der Künste in Berlin.
Leben Jugend und Ausbildung Klaus Staeck wuchs, wie sein 1943 geborener Bruder Rolf,Rolf Staeck, mailartists.wordpress.com, abgerufen am 24. Mai 2015. in der DDR in der Industriestadt Bitterfeld auf, wo er auch den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erlebte.Zeitzeugenbericht von Klaus Staeck zum Volksaufstand 1953 in Bitterfeld auf jugendopposition.de (Bundeszentrale für politische Bildung / Robert-Havemann-Gesellschaft e. V.), gesichtet am 20. März 2017. In der Schule litt er sehr unter Ungerechtigkeiten und Manipulation durch die kommunistische Ideologie. Unmittelbar nach dem Abitur im Jahre 1956 flüchtete er in die Bundesrepublik, wo er in Heidelberg 1957 das Abitur am Bunsen-Gymnasium wiederholte, da die DDR-Reifezeugnisse nicht anerkannt wurden.Setzen, Sechs! – Schulgeschichten aus Deutschland (2/3). Verpasste Chancen. Dokumentarfilm von Christina Brecht-Benze im Auftrag des SWR. Deutsche Erstausstrahlung am 15. Dezember 2005. Danach arbeitete er als Bauhilfsarbeiter. Von 1957 bis 1962 studierte Staeck Jura in Heidelberg, Hamburg und Berlin, wo er sein Erstes Staatsexamen ablegte. Den anschließenden juristischen Vorbereitungsdienst (Referendarausbildung) schloss er mit dem Zweiten Staatsexamen ab.
Haupt- und nebenberufliches Wirken Bereits 1962 organisierte Staeck seine erste politische Demonstration in Heidelberg, Thema war die Spiegel-Affäre.Kolumne zur Spiegel-Affäre: Mit Duden zur Demo, in: Berliner Zeitung vom 7. Mai 2014. 1965 gründete Staeck den Produzentenverlag „Edition Tangente“ (heute: „Edition Staeck“), die seit Ende der 1960er Jahre auch Auflagenobjekte (Multiples) von international anerkannten Künstlern herausgibt.Klaus Staeck: Ohne Auftrag. Unterwegs in Sachen Kunst und Politik. Göttingen 2000, S. 103. So von Joseph Beuys, mit dem er seit 1968 zusammenarbeitete, Panamarenko, Dieter Roth, Nam June Paik, Wolf Vostell, Daniel Spoerri, und vielen anderen. 1968 erhielt Staeck seine Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg und Mannheim.
Im Jahre 1969 organisierte Klaus Staeck eine Kunstaktion des damals noch weitgehend unbekannten Künstlers Christo, der mit weißen Laken das Heidelberger Amerikahaus vollständig verhüllte. Es war die erste künstlerische Verhüllungsaktion von Christo in Deutschland. Für Staeck entwickelte sich diese Kunstaktion zum finanziellen Desaster.Die Kunst findet nicht im Saale statt – Der Plakatkünstler Klaus Staeck, Dokumentarfilm von Andreas Ammer, 60 Minuten, 2019, produziert von SWR Fernsehen
Seit Anfang der 1970er Jahre ist Klaus Staeck als Grafiker im Bereich der Politsatire in der Tradition John Heartfields tätig. In dieser Zeit begann eine enge Zusammenarbeit mit dem Göttinger Verleger Gerhard Steidl. Sein Hauptwerk umfasst bislang rund 300 Plakate, die größtenteils aus Fotomontagen bestehen, die er mit eigenen ironischen Sprüchen versieht. Seine satirischen Plakate und die von ihm kommerziell vertriebenen Postkarten-Ausgaben richteten sich häufig gegen Inhalte der Politik von CDU/CSU. Seine Satire provozierte immer wieder Politiker in konservativen Kreisen. Dadurch kam es des Öfteren zu Eklats und juristischen Streitigkeiten, was ihm allerdings durchaus entgegenkam, da dies seine Bekanntheit förderte.Klaus Staeck, Plakate, Göttingen 2000, S. 27.
Zur Bundestagswahl 1972 wurde sein ironisches politisches Plakat Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen veröffentlicht.Polit-Kunst: Alles ordentlich, in: Der Spiegel, Ausgabe 44/1972, S. 197. Das Plakat erreichte eine Druckauflage von 75.000 Exemplaren und ist das bekannteste seiner Motive.Klaus Staeck: Ohne Auftrag. Unterwegs in Sachen Kunst und Politik. Göttingen 2000, S. 44. Insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren waren seine Grafiken populär, so dass er von den Erlösen des Postkarten-Vertriebs leben konnte. Trotz seiner Mitgliedschaft in der SPD legt er Wert darauf, nie Parteigrafiker gewesen zu sein und keine Auftragsarbeit für die SPD gemacht zu haben.Ich will runter von der Liste: Spiegel-Interview mit Klaus Staeck, in: Der Spiegel, Ausgabe 4/1975. mini|Signatur Klaus Staeck
1971 verfasste er mit Beuys und Erwin Heerich einen Aufruf gegen die Exklusivität des Kölner Kunstmarktes. Im selben Jahr führte er seine erste Plakat-Aktion zum Dürerjahr in Nürnberg mit seinem Plakat Sozialfall. Für das Plakat verwendete er Albrecht Dürers Kohlezeichnung Bildnis der Mutter aus dem Jahre 1514 und kombinierte es mit der Frage: Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?Michael Roth: Dürers Mutter. Berlin 2006, S. 177.
Klaus Staeck war Teilnehmer der Documenta 5 in Kassel im Jahr 1972 in der Abteilung Parallele Bildwelten: politische Propaganda. (Er war auch auf der Documenta 6 (1977), der Documenta 7 (1982) und der Documenta 8 im Jahr 1987 als Künstler vertreten.) Bis 2012 konnte Staeck rund 3.000 Einzelausstellungen im In- und Ausland präsentieren.
Am 30. März 1976 zerriss der CDU-Politiker Philipp Jenninger in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn ein dort in einer Ausstellung aufgehängtes Plakat Staecks mit der Aufschrift Seit Chile wissen wir genauer, was die CDU von Demokratie hält.Rechtfertigung von Gewalt, in: Der Spiegel, Ausgabe 22/1976, S. 200–201.Der Spiegel 25/1976, S. 10. Mit dem Plakat spielte Staeck auf eine Aussage Bruno Hecks an: Nach dem Putsch in Chile durch den General und späteren Diktator Augusto Pinochet im Jahr 1973 hatte Heck die Zustände in einem Sportstadion in Santiago de Chile, das als Konzentrationslager und Folterstätte diente, mit dem Satz beschrieben: Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm.Süddeutsche Zeitung, 18. Oktober 1973.Gestorben: Bruno Heck, in: Der Spiegel, Ausgabe 39/1989. Die Aktion der Abgeordneten um Jenninger, die Staeck in die Nähe der verbrannten Dichter rückte,Raimund Hoghe: Innere Uhren, äußere Zeichen – Ein Besuch bei dem Graphiker Klaus Staeck, in: Die Zeit Nr. 40, 1. Oktober 1982. wurde in den Medien als Bonner Bildersturm bezeichnet.Die Zeit Nr. 16/1976, 9. April 1976. Die Ausstellung wurde nach einem Beschluss des Vorstandes der Parlamentarischen Gesellschaft noch am selben Abend geschlossen,Der Spiegel 25/1976, S. 10. Jenninger wurde dagegen im Juni 1976 zu einer Schadensersatzzahlung von 10 D-Mark an Staeck plus 35 Mark Gebühren für Staecks Anwalt und 18 Mark Gerichtskosten verurteilt.Urteil: Philipp Jenninger, in: Der Spiegel, Ausgabe 27/1976, S. 156. Auch ein CDU-Politiker, der 1976 Staecks Werke mit den Hetzkarikaturen der Nationalsozialisten verglich, unterlag dem Grafiker vor Gericht. Anfang der 1980er Jahre erhielt Staeck vermehrt Drohbriefe mit vollem Namen und Anschrift und die Zahl der Ausstellungen im Inland ging drastisch zurück.
mini|Klaus Staeck bei einer Rede im Plenarsaal der Akademie der Künste, Berlin 1989 Im Jahr 1971 erhielt Staeck eine Gastdozentur an der Gesamthochschule Kassel sowie 1986 an der Kunstakademie Düsseldorf.
Noch im Jahre 1989 wurde Staeck zum Korrespondierenden Mitglied in die Akademie der Künste der DDR gewählt, nach 1990 zum Ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin. Durch die Vereinigung der beiden Berliner Akademien wurde Staeck 1993 Mitglied der gemeinsamen Akademie der Künste.
Am 29. April 2006 wurde Staeck auf der Mitgliederversammlung der Berliner Akademie der Künste unerwartet zu deren Präsidenten gewählt. Er war Nachfolger des zurückgetretenen Schweizer Schriftstellers Adolf Muschg. Im selben Jahr brachte er sich als Kritiker einer Arno-Breker-Ausstellung in Schwerin ins Gespräch, um in der gleichen Zeit eine Ausstellung für Johannes Heesters in Berlin zu organisieren, welcher der Akademie seinen Nachlass geschenkt hatte.Johannes Heesters: KZ-Besuch ohne Gesang?, in: Spiegel Online vom 22. August 2006.
Am 9. Mai 2009 wurde Staeck auf der Frühjahrsmitgliederversammlung der Akademie wiedergewählt. in art – Das Kunstmagazin vom 11. Mai 2009. Im Rahmen der Kandidatur hatte er ein „tatkräftiges Einmischen“ der Künstler „auch in den kommenden gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen“ angekündigt. In diesem Zusammenhang betonte Staeck auch, dass er inzwischen in den Reihen der Union akzeptiert sei, vor allem auch durch den Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU).Mitteldeutsche Zeitung, 4. Mai 2009.
2012 erneut wiedergewählt, trat er seine dritte und (satzungsgemäß) letzte Amtszeit bis zum Mai 2015 als Akademiepräsident an. Seit 2015 ist er Ehrenpräsident der Akademie der Künste, Berlin.
Im März 2015 eröffnete in der Berliner Akademie der Künste eine Staeck-Werkschau unter dem Titel Kunst für alle. Gezeigt werden die Plakatkunst des Grafikers sowie Kunstobjekte aus der Edition Staeck. Auch eine Mohammed-Karikatur ist dabei. Im Rahmenprogramm der Ausstellung gibt es eine Diskussion zum Thema Charlie Hebdo unter dem Titel Nicht Einknicken!.Klaus Staeck – Politische Werkschau eines zornigen Mannes, Rezension von Oliver Kranz im Deutschlandfunk vom 18. März 2015, abgerufen am 24. Mai 2015.
Staeck schrieb viele Jahre regelmäßig vierzehntäglich eine Kolumne in der Berliner Zeitung (bis April 2021) und in der Frankfurter Rundschau (bis Februar 2025).
Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. 1997 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Willy-Brandt-Kreises.
Am 16. April 2020 sendete das SWR Fernsehen den von Andreas Ammer produzierten Dokumentarfilm Die Kunst findet nicht im Saale statt – Der Plakatkünstler Klaus Staeck über den Künstler, in dem sich zudem der Verleger Gerhard Steidl, der SPD-Politiker Martin Schulz, ehemalige Mitarbeiterinnen der Akademie der Künste Berlin und sein Bruder Rolf Staeck über Staeck äußern.
Politische Ämter und Funktionen mini|Klaus Staeck auf dem Bundesparteitag der SPD 2015 in Berlin Seit 1. April 1960 ist Staeck Mitglied der SPD.Klaus Staeck, Ernst Volland: Kunst und Politik. Politische Arbeiten aus vier Jahreszeiten. Wetzlar 2012, S. 66. 1969 kandidierte Staeck erfolglos für den Heidelberger Stadtrat und wurde Mitglied des Kreisvorstandes der SPD und der Jungsozialisten.
Er ist Beisitzer im Vorstand des Förderkreises Darmstädter Signal.
1973 war er Vorsitzender des Vereins Free International University (FIU) und gründete die Initiative Aktion für mehr Demokratie. Staeck ist seit 1977 Einzelmitglied und seit 2016 Ehrenmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft (Bonn), für die er sich fast seit Anbeginn an engagierte.Kulturpolitische Gesellschaft e. V. Mitgliederinfo 1•2023 Seite 14: Künstler und kulturpolitischer Aktivist, von Olaf Schwencke
1983 wurde er Mitglied im Beirat der Humanistischen Union.
2004–2013 war Staeck Mitglied des Kultursenats des Landes Sachsen-Anhalt.Polit-Künstler Klaus Staeck: Ich lasse mich nicht instrumentalisieren in Spiegel Online vom 24. Juni 2004.
Zitate
Audio Klaus Staeck „Die Satire lebt mit dem Zweifel“, 55.01 Minuten Audio-Version, von Stefan Koldehoff, Deutschlandfunk "Zeitzeugen im Gespräch", 25. Januar 2025
Ausstellungen (unvollständig) Einzelausstellungen 1960: Heidelberg, Haus Buhl 1965: Prag, Galerie Viola 1967: Ithaca, N.Y., Museum of Art 1970: Frankfurt am Main, Galerie Lichter 1972: Zürich, Galerie Bischofberger; Bonn, Galerie Magers 1973: Düsseldorf, Kunsthalle; Heidelberg, Kunstverein 1974: Bern, Kunstmuseum 1975: Bochum, Galerie m; Berlin (West), Neue Gesellschaft für Bildende Kunst; Eindhoven, Stedelijk Van Abbe-Museum (mit John Heartfield) 1976: Stockholm, Kulturhuset; Berlin (Ost), Galerie Arkade; Bonn, Parlamentarische Gesellschaft; Budapest, Künstlerklub; Zürich, Galerie Daniel Keel 1977: Bochum, Museum (mit John Heartfield) 1978: Frankfurt am Main, Kunstverein; Berlin (West), Kongresshalle; Arhus, Rathaus 1979: Duisburg, Lehmbruck-Museum; Wien, Künstlerhaus 1980: Hannover, Kunstverein