Nörvenich ist eine Gemeinde im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.

Geografie Nörvenich liegt in der Zülpicher Börde und wird von Südwest nach Nordost vom Neffelbach durchflossen.

Geologie Unter Nörvenich liegt eines der größten Braunkohle-Vorkommen Deutschlands, das Isweiler Feld. Mit 1,396 Milliarden m³ ist es die größte noch unerschlossene Lagerstätte des Rheinischen Reviers. Die Zukunft der Braunkohle in ausgewählten Revieren, Neue Tagebaue: …, Erp-Irresheim. Forschungsstelle Umweltpolitik der Freien Universität Berlin, April 2008, S. 1. (PDF; 147 kB; abgerufen am 26. März 2010) PDF; 145 kB; 2 S.

Nachbargemeinden Die Gemeinde Nörvenich grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend): Kerpen, Erftstadt (beide im Rhein-Erft-Kreis), Vettweiß, Kreuzau, Düren und Merzenich.

Gemeindegliederung Nörvenich besteht aus 14 Ortsteilen mit dem Hauptort Nörvenich (3848 Einwohner am 31. Dezember 2020).https://www.noervenich.de/Startseiten-Artikel/20190809-Einwohnerzahlen.php Binsfeld Dorweiler Eggersheim Eschweiler über Feld Frauwüllesheim Hochkirchen Irresheim Nörvenich Oberbolheim Pingsheim Poll Rath Rommelsheim Wissersheim Bis 1969 zählte Alt-Oberbolheim zu den Ortsteilen. mini|Das Rathaus Nach der eigenen Fortschreibung hat die Einwohnerzahl am 31. Juli 2019 die Grenze von 11.000 überschritten (11.020).

Geschichte Ortsname Im Altertum hieß der Ort Norboniacum,Norboniacum – Die Geschichte Nörvenichs. Mathieu Mausbach, Nörvenich 1975, herausgegeben von der Gemeinde Nörvenich und dem Geschichts- und HeimatvereinFranz Cramer: Rhein. Ortsnamen aus römischer und vorrömischer Zeit. 1970, ISBN 3-253-02165-3. wie z. B. Jülich = Juliacum oder Zülpich = Tolbiacum. Die Endung -iacum oder -acum tritt in deutschen Ortsnamen fast immer zu nichtgermanischen Personennamen. Sie bezeichnet Besitz oder Eigentum. Der Name Norboniacum (Nörvenich) bedeutet demnach Eigenbesitz oder Zugehörigkeit oder Heim des Noribo oder Norbod. Norbod ist ein keltischer Name. Die Änderung des Namens muss im 9. oder 10. Jahrhundert erfolgt sein. Urkundlich erscheint der Name Noruenich erstmals im Jahr 1028. Immer wieder gab es andere Schreibweisen. Seit dem 16. Jahrhundert ist Nörvenich die amtliche Schreibweise.

Spuren der Bandkeramischen Kultur Bei Nörvenich wurde eine 31 cm lange Dechselklinge aus Amphibolit bzw. Grünschiefer aus der bandkeramischen Zeit gefunden. Neben einem weiteren Fund aus Miel mit 45 cm, ist die Nörvenicher wahrscheinlich die zweitgrößte Klinge Mitteleuropas. Vieles spricht dafür, dass es sich nicht um ein Werkzeug, sondern um ein Prestigeobjekt handelte.P. Lauster: Statussymbole. München 1977.

Kelten Um 2000 v. Chr. siedelten im Raum Nörvenich Kelten. Urnen aus dieser Zeit wurden im Jahr 2015 bei Erschließung eines Neubaugebietes an der Zülpicher Straße gefunden. Ortsnamen mit der Endung „(n)ich“ gelten als keltischen Ursprungs. Die Kelten legten auch die ersten Wege an, die später von den Römern für ihre Zwecke genutzt werden konnten.

Ubier und Römer Von etwa 50 v. Chr. bis 450 n. Chr. siedelten im Raum Nörvenich die Ubier. Cäsar hatte 58 bis 51 v. Chr. die Eburonen vernichtet und den Ubiern aus dem rechtsrheinischen Lahn-Taunus-Gebiet hier Siedlungsland angeboten. Sie siedelten sich dann linksrheinisch, auch im hiesigen Raum, an (ca. 38 bis 19 v. Chr.). Angrenzend an den heutigen Ort wurde ein römischer vicus ausgemacht (→ Vicus Nörvenich).

Mittelalter mini|Festungsplan Nörvenich

Die mittelalterliche Festungsanlage „Noruenich“, Ersterwähnung 1028, ist vermutlich aus einem römischen Kastell hervorgegangen, welches in den Zeiten der ersten Einfalle germanischer Stämme im 3. oder 4. Jahrhundert angelegt wurde. Derartige mit Wall und Graben umgebene Bollwerke wurden an besonders geeigneten und zweckmäßigen Orten erstellt. Sie sollten auf der linken Rheinseite dem Ansturm der Barbaren entgegengestellt werden, gleichzeitig aber auch der Bevölkerung Schutz bieten. Sie mussten dem Gelände angepasst werden, um ein schnelles Ausrücken der Truppen nicht zu erschweren (Ammianus Marcellinus). In Nörvenich diente die Anlage dem Schutz des alten Vicus „Norboniacum“, der großen römischen Ansiedlung an der Römerstraße oder Heerweg, sowie der Überwachung der Heer- und Handelsstraßen. Sie befand sich etwa an der heutigen B 477, rechts der Einfahrt zum Fliegerhorst.

Die Größe des Nörvenicher Bollwerks betrug 616 m in der Länge und 308 m in der Breite (Vegetius), die den klassischen Maßen derartiger römischer Anlagen von 1000 × 2000 griechischer Fuß entsprach. Als Größenvergleich mag das im Jahre 9 n. Chr. angelegte Bopparder Castell dienen, das eine Länge von 308 m und eine Breite von 154 m hatte. Die römische Form der Nörvenicher Anlage ist heute noch erkennbar. Die ausgeworfenen Spitzgräben maßen noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an einigen Stellen 4 m in der Tiefe und 16 m in der Breite, die Wallhöhe je nach Lage 5 bis 7 m.

Bei dieser Anlage muss besonders auf die mittelalterlichen Wehr- und Brandgassen hingewiesen werden. Diese Gassen führten vom Marktplatz und den Durchgangsstraßen zu den Wällen. Die Gassen sind z. T. heute noch vorhanden. Zum Ostwall führte die Gasse „An der Vikarie“, in welche um 1830 die alte Schule (An der Vikarie 1) quer eingebaut wurde. Die zweite Gasse zum Ostwall ist die heutige „Vogelgasse“. Die dritte Gasse führte vom Marktplatz zum Ostwall, dort, wo heute die Neffeltalapotheke Marktplatz 7 befindet. Diese Gasse war die „Hölzjesgasse“, da sie kurz vor dem Wall durch ein Gehölz führte. 1982 wurden beim Aushub des Kellers beim Hausbau Am Wallgraben 20 Stegpflöcke, Muschelschalen und Scherben in 2–3 m Tiefe gefunden. Die Bodenformation ergab, dass das Haus genau im alten Wassergraben gebaut wurde.

Von der Zülpicher Straße führte eine Wehr- und Brandgasse gegenüber der Kirchgasse, nach dem Haus Zülpicher Straße 20, zum Westwall. Eine zweite Gasse führte vom Marktplatz ausgehend zwischen dem Haus Marktplatz 2 (altes Kloster) und dem Haus Marktplatz 4 zum Westwall (heutiger Kindergarten „St. Medardus“).

Die dritte Gasse verlief von der Bahnhofstraße zwischen den Häusern Bahnhofstraße 7 und 9 ebenfalls zum Westwall. Noch in den kriegerischen Ereignissen des 16. Jahrhunderts war die gesamte Befestigungsanlage voll funktionsfähig.Engels: Landwehren im Herzogtum Jülich.

Im Burgpark liegen zwischen dem Ehrenmal und der Grundschule ein mit alten Bäumen bewachsener Hügelzug, der in Richtung Neffeltal im „Kockelsberg“ seine höchste Erhebung hat. Dieser Hügel ist der letzte noch erhaltene Teil der alten Umwallung. Er wurde im Jahre 1904 von dem damaligen Burgbesitzer durchschnitten, um eine Ausfahrt zu der Straße nach Düren (Bahnhofstraße) zu gewinnen. Bei der Öffnung der Durchfahrt wurde eine Tonvase zutage gefördert, die in Formgebung, Profil und Verzierung in die Zeit der Bandkeramiker verwies, in der Zeit um 3000 v. Chr. Ob das Alter der Vase mit dem Alter des Hügels in Einklang gebracht werden kann, ist ungewiss. Im Jahr 1967 wurde diese Durchfahrt auf Veranlassung des Landeskonservators Jung wieder aufgefüllt.

Um das Jahr 1300 ließ der neue Landesherr, der Graf von Jülich Gerhard V. (1241–1328), von Reinhard von Vlatten, Amtmann zu Düren und Nörvenich, und Wilhelm Etges, Rentmeister zu Nörvenich, zwei Festungstore in den Wall- und Grabenring einbauen.M. Mausbach: Norboniacum – Die Geschichte Nörvenichs. Nörvenich 1975. Diese Tore, auf der Höhe der Gymnicher Burg / Einmündung Straße Am Wallgraben/Burgstraße und „Am Köppchen“ in der heutigen Zülpicher Straße Toreinfahrt Haus 38/alte Schule Hirtstraße 28, mit Innenmaßen von 10 × 10 m und einer Mauerstärke von 2 m reichten mit ihren Fundamenten tief in den Schwemmsand. Die Fundamente wurden im Jahr 1967 gefunden, ausgemessen und fotografiert.

Über einen Knüppeldamm, der den Toren vorgelagert war, war das Vorfeld Nörvenichs zu erreichen. Hier bot sich einem Angreifer der stärkste Widerstand. Die Tore sind vermutlich bei der Belagerung Nörvenichs und der anschließenden Einnahme und Brandschatzung durch die Truppen des französischen Generals, des Marschalls von Luxemburg François-Henri de Montmorency-Luxembourg (1628–1695) im Jahre 1678 zerstört und als Steinbruch genutzt worden. Auf der gesamten Strecke zwischen dem Festungstor in Höhe der Gymnicher Burg (heute Schloss Nörvenich), also Burgstraße und dem Marktplatz, wurden unter der heutigen Burgstraße sehr viele Hufeisen aus dem Schwemmsand zutage gefördert.

Die Funde bestätigen eine frühere Vermutung, wonach die Burgstraße im Hochmittelalter von starken Reiterverbänden viel benutzt worden ist. Alle Hufeisen stammten aus der Zeit um 1000–1400 n. Chr. (Oberingenieur Haubrock, Randerath) Die Westseite Nörvenichs war durch vorgelagerte übergreifende Wälle und Gräben und die auf dem Kockelsberg unterhaltene ständige Wache gesichert, die den Schlagbaum, den „Grindel“ unter Aufsicht hatte.Rumpel-Fischbach: Materialien. S. 622. In Zeiten der Gefahr wurde hier die Zufahrtsstraße (heute Bahnhofstraße) abgegraben, so dass das Wasser des vor dem Walle liegenden Kappusweihers die Abgrabung der Straße auffüllte. Die übergreifenden Wälle waren noch im Anfang dieses Jahrhunderts auf der Wiese neben dem Gut Gymnichshof, Bahnhofstraße 13, und der gegenüberliegenden Grundschule erkennbar. Der Wall wurde bis auf den erhaltenen Rest in den 1830er Jahren abgetragen. Dem Damm war an der Außenseite des Dorfes ein ca. 7 m tiefer und 12 m breiter Graben vorgelagert. Dieser Graben umschloss wie der Wall das ganze Dorf. Seine Form als Spitzgraben wies auf den römischen Ursprung hin. Er zog sich vom Kockelsberg ausgehend, den Ostteil schützend, (sichtbarer Rest im Garten der Pfarrei) in südlicher Richtung an der Harff’schen Burg vorbei bis kurz vor den heutigen Annahof bzw. Obere Mühle, wo er im Wiesengelände des Gutes Trompeterhof, Leunissen, noch deutlich erkennbar ist (mittlerweile aufgefüllt). Bis zu dieser Stelle war der Graben mit Wasser gefüllt. Als tiefer und breiter Trockengraben verlief er an der südlichen und westlichen Seite des Dorfes, wo er im Garten des Gymnichshof, von Laufenberg in seiner ganzen Breite noch erhalten ist, leider heute überbaut. An der südwestlichen Ecke, heute Josef-Pütz-Straße/Jakob-Breidkopff-Straße, stand ein Wachturm, nur durch spezielle Luftbilder erkennbar.

An der Südwestseite befand sich als weiterer Schutz noch der wilde Hag. Bei der Wall- und Grabenanlage, dem Jobberath und sumpfigen Neffeltal wird auf das Bild von Renier Roidkin Bezug genommen, etwa 1730. Alte Urkunden geben über Wall und Graben noch Auskunft.Altes Urbar im Mauritiuskloster zu Köln Den Hag, im Volksmund „die Haag“ als Schutzwehr der West- und Südseite des Dorfes dem Trockengraben vorgelagert, befand sich zwischen der heutigen Jakob-Breidkopff-Straße/Rathausstraße und den rückwärts liegenden Häusern der Bahnhof- und Zülpicher Straße in einer Breite von ca. 40 m. Das Wort Hag kommt aus dem althochdeutschen Hiac und bedeutet Dornengestrüpp, Gebüsch, Einfriedung, besonders aber das Finstere, Düstere und Unheimliche bezeichnend. Um beutemachende Gegner abwehren zu können, wurden junge Bäume angeschnitten und umgebogen. Zwischen die in großer Anzahl herauswachsenden jungen Triebe wurden Brombeer- und Dornsträucher gepflanzt. So bildeten diese Hecken Befestigungen, durch die man nicht gehen und sehen konnte (Cäsar 11,17,4). Bis zum Jahr 1800 war niemals gerodet worden. Im Jahr 1857 wurde der Hag vom Grundeigentümer, der Gemeinde Nörvenich, an die Anlieger in der Bahnhof- und Zülpicher Straße verkauft. Der Hag hatte als Wehr- bzw. Festungsschutz-Anlage somit ausgedient.