Bei den III. Olympischen Spielen 1904 in St. Louis wurden in der Leichtathletik insgesamt 25 Wettbewerbe ausgetragen. Diese fanden vom 29. August bis 3. September 1904 im Stadion Francis Field statt. Ausnahmen waren die Mehrkämpfe, die schon auf Anfang Juli terminiert wurden: Zehnkampf – 4. Juli, amerikanischer Nationalfeiertag – sowie Dreikampf – 1. und 2. Juli.
Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20x20px|Gold 20x20px|Silber 20x20px|Bronze Gesamt 1 23 24 22 69 2 1 1 – 2 3 1 – – 1 4 – – 1 1 — – 1 1 Gesamt 25 25 24 74
Medaillengewinner Disziplin Gold Silber Bronze 60 m Archie Hahn (USA) William Hogenson (USA) Fay Moulton (USA) 100 m Archie Hahn (USA) Nate Cartmell (USA) William Hogenson (USA) 200 m Archie Hahn (USA) Nate Cartmell (USA) William Hogenson (USA) 400 m Harry Hillman (USA) Frank Waller (USA) Herman Groman (USA) 800 m James Lightbody (USA) Howard Valentine (USA) Emil Breitkreutz (USA) 1500 m James Lightbody (USA) Frank Verner (USA) Lacey Hearn (USA) 110 m Hürden Fred Schule (USA) Thaddeus Shideler (USA) Lesley Ashburner (USA) 200 m Hürden Harry Hillman (USA) Frank Castleman (USA) George Poage (USA) 400 m Hürden Harry Hillman (USA) Frank Waller (USA) George Poage (USA) 2590 m Hindernis James Lightbody (USA) John Daly (GBR) Arthur Newton (USA) Marathon Thomas Hicks (USA) Albert Corey (USA) Arthur Newton (USA) 4 Meilen Mannschaftslaufnicht vergeben Hochsprung Samuel Jones (USA) Garrett Serviss (USA) Paul Weinstein (GER) Stabhochsprung Charles Dvorak (USA) LeRoy Samse (USA) Louis Wilkins (USA) Weitsprung Meyer Prinstein (USA) Daniel Frank (USA) Robert Stangland (USA) Dreisprung Meyer Prinstein (USA) Fred Englehardt (USA) Robert Stangland (USA) Standhochsprung Ray Ewry (USA) Joseph Stadler (USA) Lawson Robertson (USA) Standweitsprung Ray Ewry (USA) Charles King (USA) John Biller (USA) Standdreisprung Ray Ewry (USA) Charles King (USA) Joseph Stadler (USA) Kugelstoßen Ralph Rose (USA) Wesley Coe (USA) Lawrence Feuerbach (USA) Diskuswurf Martin Sheridan (USA) Ralph Rose (USA) Nikolaos Georgandas (GRE) Hammerwurf John Flanagan (USA) John DeWitt (USA) Ralph Rose (USA) Gewichtwurf Étienne Desmarteau (CAN) John Flanagan (USA) James Mitchel (USA)Dreikampf Max Emmerich (USA) John Grieb (USA) William Merz (USA)Zehnkampf Tom Kiely (GBR) Adam Gunn (USA) Truxtun Hare (USA)
Teilnehmer Von den insgesamt 117 gemeldeten Athleten aus 10 Ländern waren 88 US-Amerikaner, die in 22 von 24 Disziplinen die Goldmedaillen gewannen. Einzige nichtamerikanische Olympiasieger wurden der Kanadier Étienne Desmarteau im Gewichtweitwurf und der für das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland startende Tom Kiely im Zehnkampf. Teilnahmeberechtigt waren nur Männer. Frauen waren bei Olympischen Spielen in der Leichtathletik erstmals 1928 in Amsterdam zugelassen.
Es war noch nicht das Zeitalter für längere Reisen. Den Europäern blieb wie auch Sportlern aus anderen Kontinenten nur der teure und langwierige Weg per Schiff. Das führte dazu, dass vielen Athleten eine Anreise gar nicht möglich war. Deutschland zum Beispiel war in der Leichtathletik einzig durch den Mittelstreckler Johannes Runge sowie den Hochspringer Paul Weinstein vertreten. So waren diese Olympischen Spiele nicht vergleichbar mit den heutigen, bei denen die komplette Weltelite gegeneinander antritt.
Wettbewerbe Das Wettbewerbsprogramm war noch nicht so standardisiert wie heute. Im Laufbereich wurde der 4000-Meter-Hindernislauf, der vier Jahre zuvor ein einziges Mal olympische Disziplin war, wieder gestrichen, während der Hindernislauf über die kürzere Distanz – es waren dieses Mal 2590 Meter – Programmteil blieb. Der 60-Meter-Lauf sowie der 200-Meter-Hürdenlauf blieben ebenfalls im olympischen Angebot. Der Mannschaftslauf, der bei den letzten Spielen über 5000 Meter ausgetragen worden war, kam nun als Mannschafts-Querfeldeinlauf über 4 Meilen (ca. 6437,38 m) ins Programm. Es gab auch weiterhin keine Langstreckenläufe auf der Bahn. Die 1500 Meter waren als Mittelstreckenlauf die längste Einzellaufdistanz auf der Bahn. Längere Strecken waren nur der Hindernislauf über 2950 Meter sowie der Querfeldein-Mannschaftslauf über 4 Meilen. Dann gab es natürlich den Marathonlauf, der auf der Straße ausgetragen wurde. Die drei Standsprungwettbewerbe Standhoch-, Standweit- und Standdreisprung waren auch hier in St. Louis weiterhin olympische Disziplinen. In den Wurfwettbewerben kam jetzt der Gewichtweitwurf ins Programm, während der Speerwurf noch warten musste, ehe es bei den Olympischen Zwischenspielen 1906 in Athen sein Debüt gab. Ganz neu kam bei den Spielen in St. Louis der Mehrkampf ins olympische Angebot. Ausgetragen wurden ein Dreikampf – der nicht in allen Quellen überhaupt Erwähnung findet – und ein Zehnkampf. Dieser setzte sich allerdings aus völlig anderen Disziplinen zusammen als heute – dazu mehr in der Einzelbeschreibung zu diesen Wettkämpfen unten.
Stadion und Sportanlage Es stand eine Rundbahn zur Verfügung mit einer Rundenlänge von 536,45 Metern. Enthalten darin war eine 200-Meter-Gerade. Es handelte sich um eine Aschenbahn in sehr gutem Zustand. Diesbezüglich waren die Verhältnisse und Voraussetzungen besser als bei den beiden Spielen in Athen und Paris zuvor. Allerdings beschreibt Johannes Runge die weiteren Rahmenbedingungen als weitgehend katastrophal. In der Arena, die ca. 40.000 Zuschauer fasste, gab es nirgendwo Überdachungen, sodass alle Menschen der glühenden Sonne ausgesetzt waren. An den Sprunganlagen war das Gelände uneben, überall von Erdklumpen und Steinen übersät, das Problem betraf auch die Absprungbereiche. Hochspringer, die von der Seite anliefen, befanden sich ständig in der Gefahr von Fußverletzungen und Verstauchungen. Der Zustand der Umkleideräume war für die Sportler eine Zumutung. Für sämtliche Aktiven stand nur ein einziger Raum zur Verfügung, der vor Schmutz starrte. Alles war voll von fingerhohem Staub. Jedem Athleten wurden ein Stuhl und ein in eine Latte eingeschlagener Nagel als Kleiderhaken zur Verfügung gestellt. Es gab keine einzige Waschgelegenheit, Duschen schon gar nicht. Für die US-amerikanischen Sportler wurden von deren Klubs improvisierte vor Ort zusammen genagelte Holzpritschen zur Verfügung gestellt, auf denen sie massiert werden oder sich ausruhen konnten. Während die Organisatoren in Sachen Zeitplan und Abwicklung der Wettkämpfe in der Regel gut arbeiteten, wenn man einmal von den Vorlaufeinteilungen absieht, blieb die Athletenbetreuung hier vollkommen auf der Strecke.Ekkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 43f
Sportliche Erfolge Natürlich war es bei der beschriebenen Ausgangssituation mit weitaus überwiegenden Teilnehmern aus dem Gastgeberland klar, dass die USA die absolut dominante Nation sein würde. Allerdings lag das Leistungsniveau der US-Athleten auch auf einem international sehr hohen Niveau, was die Resultate der letzten beiden Olympiaaustragungen schon gezeigt hatten. Es gab vier Athleten, allesamt US-Amerikaner, die jeweils drei Goldmedaillen gewannen: James Lightbody war siegreich auf beiden Mittelstrecken (800, 1500 Meter) sowie im 2590-Meter-Hindernislauf. Außerdem errang er noch die Silbermedaille im 4-Meilen-Mannschaftslauf. Überragender Sprinter war Archie Hahn, der die 60, 100 und 200 Meter gewann. Wie schon in Paris 1900 entschied Standsprungspezialist Ray Ewry all drei dieser Disziplinen (Standhoch-, Standweit- und Standdreisprung) für sich. Harry Hillman siegte über 400 Meter, 200 Meter Hürden und 400 Meter Hürden. Zweifaches Gold gab es für Meyer Prinstein, ebenfalls US-Amerikaner, im Weit- und Dreisprung.
Es wurden drei Weltrekorde erzielt: James Lightbody – 1500-Meter-Lauf: 4:05,4 min Ray Ewry – Standweitsprung: 3,47 m Ralph Rose – Kugelstoßen: 14,81 m – Weltrekord egalisiert Darüber hinaus gab es zwölf olympische Rekorde, einer davon eingestellt.
Verschiedene Quellen Die Darstellung der exakten Resultate für diese Wettbewerbe ist wie schon bei den Spielen vorher nicht immer eindeutig. Je nach Quelle – siehe Literatur bzw. Weblinks, Link 1 und 2 unten – gibt es vor allem in den hinteren Platzierungsbereichen voneinander abweichende Darstellungen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Zeiten der Platzierten in den Läufen nicht exakt gemessen, sondern geschätzt wurden. Die Abweichungen in den Quellen sind allerdings deutlich geringer als für die beiden vorausgegangenen Olympischen Spiele 1896 in Athen und 1900 in Paris.
Resultate 60 m mini|hochkant=1.6|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Archie Hahn 7,0 ORe 2 William Hogenson 7,2 3 Fay Moulton 7,2 4 Clyde Blair 7,2 5 Meyer Prinstein k. A. 6 Frank Castleman Datum: 29. August oder 1. September 1904
Nach 1900 in Paris war der 60-Meter-Lauf zum zweiten und zugleich letzten Mal im olympischen Programm. Die fünfzehn Teilnehmer traten zunächst zu vier Vorläufen an. Die Vorlaufsieger qualifizierten sich direkt für das Finale. Die jeweils Zweitplatzierten machten in einem Hoffnungslauf den fünften und sechsten Finalstartplatz unter sich aus. Archie Hahn gewann die Goldmedaille mit einer Zeit von 7,0 s und egalisierte damit den olympischen Rekord – gleichzeitig auch inoffiziellen Weltrekord – von Alvin Kraenzlein.
Das Ergebnis ist in der unten genannten Literatur von Ekkehard zur Megede in der Rangfolge so dargestellt wie in der hier nebenstehenden Tabelle, die auf den Angaben von SportsReference beruht. Die geschätzten Zeiten für die Plätze zwei bis vier betragen dort 7,3 s. Außerdem unterscheiden sich die Datumsangaben: Bei zur Megede ist der 1. September, bei SportsReference der 29. August als Finaltag angegeben.
100 m mini|hochkant=1.2|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Archie Hahn 11,0 2 Nathaniel Cartmell 11,2 3 William Hogenson 11,3 4 Fay Moulton 11,4 5 Frederick Heckwolf k. A. 6 Lawson Robertson Datum: 3. September 1904
Je nach Quelle nahmen elfSports-Reference, Athletics at the 1904 St. Louis Summer Games: Men's 100 metres, englisch, abgerufen am 5. August 2018 bzw. vierzehnEkkehard zur Megede, Die Geschichte der olympischen Leichtathletik, Band 1: 1896–1936, Verlag Bartels & Wernitz KG, Berlin, 2. Auflage 1970, S. 45 Sportler teil. Diese traten zu drei Vorläufen an, wobei sich die jeweils zwei Schnellsten für das Finale qualifizierten. Archie Hahn hatte im Finallauf bereits nach einem Fünftel der Strecke einen Vorsprung von drei Metern und hielt diesen bis ins Ziel. Nate Cartmell lag nach vierzig Metern noch auf dem letzten Platz, konnte sich jedoch auf den zweiten Platz vorarbeiten.
Die Daten stimmen in den verwendeten Quellen für das Finale überein.
200 m mini|hochkant=1.5|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Archie Hahn 21,6 OR 2 Nathaniel Cartmell 21,9 3 William Hogenson k. A. 4 Fay Moulton k. A. Datum: 31. August 1904
Zum einzigen Mal in der olympischen Geschichte fand das 200-Meter-Rennen auf einer Geraden statt. Die sieben gemeldeten Athleten traten zu zwei Vorläufen an. Die beiden jeweils Schnellsten kamen ins Finale. Drei Finalteilnehmer verursachten beim ersten Startversuch einen Fehlstart und wurden den damaligen Regeln entsprechend beim folgenden Start um ein Yard (0,9144 m) zurückversetzt. Archie Hahn profitierte und gewann das Rennen mit deutlichem Vorsprung. Sein olympischer Rekord hielt bis 1932.
Für diese Disziplin gibt es bezüglich des Finales keinen Unterschied in den Quellen.
400 m mini|hochkant=1.7|
Platz Athlet Land Zeit (s) 1 Harry Hillman 49,2 OR 2 Frank Waller 49,9 3 Herman Groman 50,0 4 Joseph Fleming 50,5 5 Meyer Prinstein 50,6 6 George Poage 51,0 Datum: 29. August 1904
Es waren dreizehn Athleten gemeldet, die von den Organisatoren in einen einzigen Finallauf geschickt wurden. Das dicht gedrängte Teilnehmerfeld zerfiel kurz nach dem Start in zwei Gruppen, in Führung lag George Poage. Harry Hillman übernahm bei Rennhälfte die Spitzenposition und gab diese bis ins Ziel nicht mehr ab.