Die TUI AG (ursprünglich für Touristik Union International, ehemals Preussag AG) ist ein Touristikkonzern mit rechtlichem Doppelsitz in Berlin und Hannover, die Konzernverwaltung sitzt in Hannover. TUI ist das größte Touristikunternehmen der Welt mit Reisebüros, Incoming-Agenturen, Hotels, Fluggesellschaften, Kreuzfahrtschiffen und Reiseveranstaltern. Die TUI AG ging 1997 aus dem 1923 gegründeten Mischkonzern Preussag AG hervor und vollzog eine Neuausrichtung zum heutigen weltweit aktiven Touristikkonzern.

Zahlen Aus dem Geschäftsbericht 2024 der TUI Group gehen folgende Eckdaten hervor: 20 Millionen Gäste 66.800 Mitarbeiter (Stand: 30. September 2024) 125 Flugzeuge 365 Hotels 18 Hochsee- und 6 Flusskreuzfahrtschiffe mit TUI Cruises, Hapag-Lloyd Cruises und Marella Cruises sowie TUI River Cruises (Stand 11/2025)

Geschichte mini|Konzernzentrale der TUI AG in Hannover mini|TUI-Logo (1970er/80er Jahre) mini|TUI-Logo (1980er/90er Jahre)

Am 1. Dezember 1968 wurde das Unternehmen Touristik Union International GmbH & Co. KG durch TOUROPA, Scharnow-Reisen, Hummel-Reisen und Dr.-Tigges-Fahrten gegründet. 1970 wurden Airtours und TransEuropa Teil der TUI und der vorher bei der Hapag Lloyd GmbH tätig gewesene Volkswirt Paul Lepach (* 1925 in Breslau; † 2013 auf Mallorca)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 785. wurde Vorstandssprecher. Daraufhin erfolgte die Gründung von Robinson Club (zusammen mit Steigenberger). Ab 1972 beteiligte sich TUI an diversen Hotelketten (unter anderem 1972 an Iberotel, ab 1977 an RIU, 1981 an Grecotels). Ab 1978 wurde der Sonderzug TUI-FerienExpress eingesetzt.

1990 wurden die Veranstalternamen zu TUI Schöne Ferien vereinheitlicht. 1995 wurden TUI Nederland und TUI Austria gegründet, 1996 die schweizerische Imholz Reisen AG übernommen und 2006 in TUI Suisse umbenannt. 1997 gehörten 45 % der TUI-Anteile der Hapag-Lloyd AG, 30 % der WestLB und 25 % über die Deutsche Reisebüro GmbH (unter anderem mit DER Tour) der Deutschen Bahn AG. 1998 stockte die Hapag-Lloyd, die seit 1997 zu 99,2 % der Preussag gehörte, ihren Anteil an der TUI auf 50,1 % auf. Nach dieser faktischen Übernahme durch die Preussag AG wurden die Touristik-Sparten der Konzerne zusammengeführt und in die Hapag Touristik Union (HTU) eingegliedert. Zu den weiteren Touristik-Beteiligungen von TUI gehörten 1998: 1-2-Fly, Air Conti Flugreisen, Airtours und die Gebeco mit 51,1 %.

2000 wurde die HTU in TUI Group umbenannt. Im Jahr 2001 ging die TUI Group in die Preussag über und wurde 100-prozentige Tochter derselben. 2002 beschloss die Hauptversammlung eine Umbenennung der Preussag AG in TUI AG. Damit begann die groß angelegte Umstrukturierung, die das Unternehmen weg von einem Mischkonzern und hin zu einem reinen Touristik- und Logistikkonzern führte. Die WestLB verkaufte 2004 ihren 31,4-prozentigen Anteil an der TUI AG. Zunächst veräußerte die Westdeutsche Landesbank ihre Beteiligung an die Deutsche Bank, die einen Teil ihrer Beteiligung unmittelbar an mehrere spanische Investoren weiterreichte (Familie Riu, Unternehmensgruppe Matutes, Sparkasse Caja de Ahorros del Mediterraneo).

mini|Zentrale der TUI Deutschland GmbH in Hannover

TUI veräußerte 2005 ihr unter der 100-prozentigen Beteiligungsgesellschaft VTG AG zusammengefasstes Schienenlogistikgeschäft an die Compagnie Européenne de Wagons. Die Logistikaktivitäten, die unter dem Dach der Hapag-Lloyd AG gebündelt sind, wurden 2005 auf das ertragsstarke Wachstumsfeld Schifffahrt konzentriert. Mit der Übernahme der kanadischen Containerschifffahrts-Gesellschaft CP Ships gehört die Unternehmensgruppe somit zu den fünf größten Containerschifffahrtsunternehmen der Welt. Die TUI AG verkaufte 2006 ihre Geschäftsreisesparte TQ3 Travel Solutions an die niederländische BCD Holdings N.V. und veräußerte ihre indirekte 100-prozentige Beteiligung am US-Stahlhandelsgeschäft der PNA Group Inc. an den Finanzinvestor Platinum Equity.

Im März 2007 kündigte die Konzernleitung an, einen Teil des Tourismusgeschäftes mit dem britischen Unternehmen First Choice Holidays zu fusionieren, indem es in die gemeinsam neu zu gründende TUI Travel eingebracht wird. Auf diese Weise entstand, bei einem Umsatz von rund 18 Milliarden Euro pro Jahr, die größte Touristikgruppe der Welt. Die TUI AG hält an diesem Unternehmen rund 54 %. Sitz der neuen TUI Travel ist Großbritannien. Die Hotels, Kreuzfahrtschiffe und die Beteiligung an Hapag-Lloyd verbleiben bei der TUI in Hannover.netzeitung.de

Die TUI war von 1990 bis 2008 im DAX und anschließend bis Ende März 2015 im MDAX an der Frankfurter Wertpapierbörse sowie im niedersächsischen Aktienindex Nisax20 notiert. Von 2014 bis 2020 war sie im FTSE 100 notiert, seither im FTSE 250.

Entsprechend einer im September 2009 getroffenen Vereinbarung hat die TUI Travel 8.437.393 neu auszugebende Aktien an der Air Berlin zu einem Preis von Euro 3,97 pro Aktie erworben. Dies entsprach einer Beteiligung an Air Berlin von 9,9 %.

Im Juni 2014 gab die TUI bekannt, mit dem britischen, an der Londoner Börse notierten Touristikunternehmen TUI Travel in Form eines Aktientausches zu fusionieren. Dabei erhielten die Aktionäre der TUI Travel je gehaltene Aktie 0,399 Aktien der TUI. TUI Travel entstand 2007 durch die Zusammenlegung der TUI-Touristiksparte mit der First Choice Holidays. Das durch die Fusion ab 2014 neu entstandene Unternehmen behielt plangemäß seinen Sitz in Hannover und wird ausschließlich an der Londoner Börse notiert. Die deutsche Rechtsform behielt das Unternehmen bei. Da das Unternehmen nicht mehr an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet wurde, wurde die Aktie des Unternehmens aus dem MDAX genommen. Der CEO der TUI Travel, Peter Long, soll bis 2016 zusammen mit Friedrich Joussen die TUI als Vorstandsvorsitzender leiten. Daimler-Chef Dieter Zetsche wiederum wurde im Februar 2018 in den Aufsichtsrat gewählt und übernahm im Mai 2019 die Position von Klaus Mangold als Aufsichtsratsvorsitzender. Die Fusion wurde 2015 abgeschlossen. Am 17. Dezember 2014 startete die Aktie der TUI an der Londoner Börse und wurde gleichzeitig in den FTSE 100 Index aufgenommen; die Notierung im regulierten Markt der Frankfurter Börse wurde zum 31. März 2015 aufgegeben. Im Juni 2015 verkaufte TUI ihren Anteil von 50 % an der griechischen Hotelkette Grecotel an die Miteigentümerfamilie mit der N. Daskalantonakis Group. TUI soll durch den Deal 40 bis 50 Millionen eingenommen haben.Tourismusbranche – Aktuelle News, Zahlen & Fakten (Stand Juli 2015), abgerufen am 20. Juli 2015. TUI beteiligte sich seit 1981 an der Hotelkette, die über 23 Hotelanlagen verfügt. Aktuell plant TUI 120 Concept Stores in ganz Europa, welche die klassischen Reisebüros ersetzen sollen.

Während der Wirtschaftskrise 2020 infolge der COVID-19-Pandemie erhielt das Unternehmen Anfang April 2020 auf Antrag einen KfW-Hilfskredit in Höhe von 1,8 Mrd. Euro. Der Tourismusbetrieb des Unternehmens, wie etwa Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Hotelbetrieb, musste aufgrund weltweiter Reisebeschränkungen und Reisewarnungen nahezu komplett heruntergefahren werden. Der Bund stieg über eine Stille Einlage und Optionsanleihen bei TUI ein. Am 13. Mai 2020 wurde bekannt, dass das Unternehmen aufgrund seiner Umsatzeinbußen infolge der Lockdownpolitik weltweit etwa 8000 Stellen abbauen müsse. Mitte August 2020 einigte man sich mit der Bundesregierung auf ein Stabilisierungspaket, welches eine (weitere) KfW-Kreditlinie in Höhe von 1,05 Mrd. Euro und die Ausgabe einer Wandelanleihe an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Volumen von 150 Mio. Euro beinhaltete. Im Mai 2021 wurde bekanntgegeben, dass TUI ihre Beteiligung an der Riu-Hotels an die Familie Riu verkauft.

Im Dezember 2022 verkündete das Unternehmen alle verbliebenen Unterstützungen bis zum Ende des Jahres 2023 zurückzahlen zu wollen und dazu auch eine Kapitalerhöhung durchführen zu wollen. Diese wurden auch durchgeführt. TUI hat alle Staatshilfen aus der Corona-Krise zurückgezahlt. Zeitraum Vorstandsvorsitz (CEO) Zeitraum Aufsichtsratsvorsitz (Chair) 2022- Sebastian Ebel 2019– Dieter Zetsche 2013–2022 Friedrich Joussen 2011–2019 Klaus Mangold 2014–2016 Peter Long (Co-CEO) 2009–2011 Dietmar Kuhnt 2004–2009 Jürgen Krumnow

Umstrukturierungen Von der Preussag zur TUI An dem Konzernumbau der ehemaligen Preussag zur TUI schieden sich schon vor der Fusionsankündigung die Geister. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bezeichnete in ihrem Schwarzbuch Börse 2006 den Umbau als „eine der größten Wertvernichtungsaktionen der deutschen Unternehmensgeschichte“. In: Manager Magazin, 5. Februar 2007. Abgerufen am 25. November 2015. Die Übernahme von CP Ships sei „völlig überteuert“ gewesen und die Profitabilität des Gesamtkonzerns immer schlechter geworden. Die Schulden seien „ins Unermessliche“ gestiegen. Eine Studie von Ökonomen der Universitäten Mannheim und Rotterdam errechnete einen Verlust für die Anleger durch den Konzernumbau von bis zu acht Milliarden Euro, da „man in eine Branche investiert hat, die man nicht verstand“ und „zu viel für Unternehmen gezahlt [hat], deren Wert man nicht steigern konnte“.

Ausstieg bei der Hapag-Lloyd AG Die TUI gab im März 2008 bekannt, dass sie sich von der Reederei Hapag-Lloyd trennen wolle, um sich zukünftig ganz auf das Reisegeschäft zu konzentrieren. Nicht veräußert werden sollte dagegen das Unternehmen Hapag-Lloyd Cruises. Zum 1. Januar 2009 gingen dann 61,6 Prozent von Hapag-Lloyd für rund 4,4 Milliarden Euro an das Konsortium Albert Ballin.Hapag-Lloyd – Schlussverkauf bei Staatsreederei, abgerufen am 4. Januar 2020. Dabei handelte es sich um einen 2008 gegründeten Zusammenschluss von insgesamt sechs Hamburger Investoren (darunter die Stadt Hamburg selbst als größter Anteilseigner sowie Klaus-Michael Kühne). 2012 kaufte das Konsortium weitere 16,4 Prozent und zahlte der TUI dafür rund 600 Millionen Euro. Die Beteiligung von der TUI an Hapag-Lloyd reduzierte sich damit auf 22 Prozent.Hamburg wird größter Aktionär der Reederei Hapag-Lloyd, abgerufen am 4. Januar 2020. Bis Mitte 2017 veräußerte die TUI schließlich die verbliebenen Anteile für etwa 400 Millionen Euro und stieg damit komplett bei Hapag-Lloyd aus.TUI steigt komplett bei Hapag-Lloyd aus, abgerufen am 4. Januar 2020.

Börse und Aktionäre Die Aktien des Unternehmens notieren an der Börse Frankfurt sowie der Börse Hannover.TUI Group ab 1. April im Open Market an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. IR-News, TUI Group, 1. April 2015, abgerufen am 27. Dezember 2015. Die Notierung an der London Stock Exchange wurde nach einem entsprechenden Aktionärsbeschluss vom 13. Februar 2024 beendet.

Im Frühjahr 2007 ist der norwegische Großreeder und Finanzinvestor John Fredriksen mit 15,01 % bei TUI eingestiegen. Auf der TUI Hauptversammlung im Mai 2008 forderte Fredriksen eine Aufsplittung des Konzerns und eine Entlassung des TUI Chefs Michael Frenzel.Machtkampf in der Hauptversammlung bei TUI Fredriksen forderte zur Hauptversammlung am 13. Mai 2009 eine Abwahl des Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Krumnow, um dann selbst in den Aufsichtsrat einzuziehen. Diese Versuche blieben jedoch erfolglos. Am 28. Februar 2014 hat die Monteray Enterprises Ltd. (John Fredriksen) mitgeteilt, dass ihr Stimmrechtsanteil an der TUI am 24. Februar 2014 die Schwellen von 3 % unterschritten hat.