Akne, früher Finnenausschlag genannt,Finnenausschlag. In: Lexikon der Biologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1999. ist eine Sammelbezeichnung für Erkrankungen des Talgdrüsenapparates und der Haarfollikel,Akne. In: Roche Lexikon Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, 2003. . die zunächst nichtentzündliche Mitesser (Komedonen) hervorbringen, im späteren Verlauf aber auch eine Reihe entzündlicher Effloreszenzen wie Papeln, Pusteln und Knoten entstehen lassen können. Betroffen sind meist die Talgdrüsenfollikel, bei einigen Akneformen die Terminal- und Vellushaarfollikel. Bei der Akne handelt es sich um eine polymorphe Erkrankung mit vielfältigen Ausprägungen
Am häufigsten betroffen sind Körperstellen, an denen sich viele Talgdrüsen befinden. Dazu gehören das Gesicht, der obere Brust- und Rückenbereich, insbesondere Dekolleté, Oberarme und Schultern sowie der Nacken.
Hauterscheinungen bzw. -erkrankungen, die der Akne ähneln, werden auch akneiform (von ) genannt.Marina Bährle-Rapp: akneiform. In: Springer Lexikon Kosmetik und Körperpflege. Springer, 2007, ISBN 978-3-540-71094-3, S. 16, 3 ().
Die Etymologie des Begriffs Akne ist unsicher, möglicherweise ist die Bezeichnung durch Verballhornung von „Spitze, Schärfe, Zenit, Akme“ entstanden. Siehe dazu ausführlich unter Wortherkunft von Akne.
Epidemiologie Akne ist seit dem Altertum als eine der häufigsten Hauterkrankungen bekannt. 70 bis 95 Prozent aller Jugendlichen weisen Akne-Hautveränderungen auf, betroffen sind insbesondere das Gesicht und der obere Rumpfbereich.S. Z. Ghodsi, H. Orawa, C. C. Zouboulis: Prevalence, severity, and severity risk factors of acne in high school pupils: A community-based study. In: Journal of Investigative Dermatology. Band 129, 2009, S. 2136–2141. PMID 19282841 (Volltext) Die Inzidenz der Erkrankung hat ihr Maximum im Alter von 15 bis 18 Jahren. In der Mehrzahl der Fälle erfolgt nach der Pubertät eine spontane Rückbildung, davon bei 2 bis 7 Prozent mit erheblicher Narbenbildung. In 10 Prozent der Fälle verharrt die Erkrankung bis über das 25. Lebensjahr hinaus. 10 bis 30 Prozent der Betroffenen benötigen eine medikamentöse Therapie.C. C. Zouboulis: Moderne Aknetherapie. In: Akt Dermatol. Band 29, 2003, S. 49–57
Cordain et al. berichteten im Jahr 2002 über die Kitava-Insulaner und die Jäger und Sammler der Aché, bei denen so gut wie keine Akne beobachtet wurde.
Akneformen Akne wird nach Lebensalter, Ursache und Ausprägung bzw. Schweregrad systematisiert.
mini|220px|Acne vulgaris bei einem 14-jährigen Jungen
Am bekanntesten und verbreitetsten ist die Acne vulgaris oder „gewöhnliche Akne“, gelegentlich auch Acne simplex genannt. „Gewöhnlich“ bedeutet hier, dass die Akne bedingt durch verstärkten Androgeneinfluss während der Pubertät auftritt und spätestens zum Anfang des dritten Lebensjahrzehnts abklingt. Weil ihre Ursachen in Veränderungen des Körperstoffwechsels liegen, gehört die Acne vulgaris zu den endogenen Akneformen.
Nach Lebensalter werden im Weiteren unterschieden: Acne neonatorum: Akne im Neugeborenenalter Acne infantum: Akne im vorpubertären Kindesalter (ab drittem Lebensmonat) Acne tarda: Auch unter der Bezeichnung der „Spätakne“ bekannt. Akne im fortgeschrittenen Erwachsenenalter, hier üblicherweise nach dem 25. Lebensjahr.
Die Akne endogener Ursache ist prinzipiell in jedem Lebensalter möglich. Insbesondere präpubertär und im fortgeschrittenen Erwachsenenalter kommen als Hintergrund Stoffwechselerkrankungen in Betracht.
Akne kann aber auch „von außen“ verursacht werden. Bekannte exogene Akneformen sind: mini|220px|Verschiedene Akneformen mini|Acne comedonica, Stirn Acne aestivalis, auch bekannt als „Mallorca-Akne“, erscheint nach UV-Einwirkung. Hintergrund sind vermutlich Reaktionen freier Radikale mit den Lipiden aus fetthaltigen Kosmetika, Sonnenschutzmitteln oder dem körpereigenen Talg, aus denen entzündungsfördernde Substanzen hervorgehen. Acne cosmetica, tritt nach Anwendung komedogener Kosmetika auf. mini|Acne conglobata, RückenAcne medicamentosa kann auftreten unter der Therapie mit Tumortherapeutika, so genannten EGFR-Inhibitoren, als Klasseneffekt. Des Weiteren wird es als Steroide-Akne bei der Anwendung von Glukocorticoiden und Androgenen beobachtet. Lithium zeigt dieses Phänomen als sehr seltene unerwünschte Wirkung, bei Isoniazid kommen akneiforme Exantheme vor allem bei jüngeren Patienten vor. Ein vielfach postulierter Zusammenhang mit generell halogenhaltigen Wirkstoffen besteht, trotz vielfach geäußerten Meinungen, nicht. Acne venenata – die „Kontaktakne“. Hierzu gehören Chlor-, Öl- und Teerakne.
Die Acne inversa ist eine häufig schwere Entzündung der Talgdrüsen und Terminalhaarfollikel, vorzugsweise in intertriginösen Arealen wie z. B. Achselhöhle, Leistenregion und Gesäßfalte. Die Pathogenese ist nicht vollständig geklärt, als besonderer exogener Faktor scheint oft Tabakrauchen eine Rolle zu spielen.Helmut Breuninger, Volker Wienert: Acne inversa. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 98, Heft 44, 2001, S. A2889–A2892. (Volltext)
Nach Ausprägung bzw. Schweregrad unterscheidet man die Acne comedonica von der Acne papulo-pustulosa und der Acne conglobata. Das Hautbild der Acne comedonica ist von Komedonen und höchstens wenigen, sehr leichten Entzündungen (Papeln) geprägt. Narbenbildung ist nicht zu befürchten. Bei der Acne papulo-pustulosa dominieren Papeln und Pusteln, Narbenbildung infolge der Entzündungsprozesse ist möglich. Die Acne conglobata bezeichnet das zusätzliche Auftreten von Fistelkomedonen und Knoten, in der Folge droht erhebliche Vernarbung.
Pathogenese Aufgrund verstärkter Talgproduktion (Seborrhoe) und einer Verhornungsstörung im Ausgang des Talgdrüsenfollikels bilden sich Komedonen. Daraus resultierend bildet sich am Follikelausgang ein stabiler Hornpropf aus vermehrt abgestorbenen Hautzellen aus dem Talgdrüsenfollikel. Dies führt dazu, dass der Talg am Abfließen an die Hautoberfläche behindert wird. Als Konsequenz staut sich dieser Talg und weitet den Talgdrüsenfollikel weiter aus, was zur Bildung eines Mitessers führt. Entzünden sich diese, entwickeln sich Papeln, Pusteln oder Knoten. Die Akne gehört zu den vielgestaltigen (polymorphen) Hauterkrankungen mit einem komplexen genetischen Hintergrund. Untersuchungen an homozygoten Zwillingen zeigten, dass beide Zwillinge in 98 Prozent der Fälle bezüglich Erkrankungsalter, Talgproduktionsrate und Zahl der Komedonen sehr ähnlich betroffen waren. Im Gegensatz dazu ergab eine Studie mit heterozygoten Zwillingen, dass in der Hälfte der Fälle nur ein Zwilling betroffen war. Auch gab es in diesen Fällen wenig bis keine Ähnlichkeiten hinsichtlich der Talgproduktion und Komedonenzahl.William J Cunliffe, Harald PM Gollnick: 5. Klinische Aspekte der Akne. In: Akne: Diagnose und Therapie. 1. Auflage. Martin Dunitz - Taylor & Francis Group 2004, ISBN 1-84184-404-7, S. 64–65. Beobachtet wurde eine familiäre Häufung: Wenn beide Eltern Akne hatten, dann liegt das Akneerkrankungsrisiko für ihre Kinder bei über 50 Prozent.C. Borelli, G. Plewig, K. Degitz: Pathophysiologie der Akne. In: Der Hautarzt. Vol. 56, Nr. 11, 2005, S. 1013–1017. doi:10.1007/s00105-005-1043-1.
Weitere Ursachen sind: Bakterien: Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass es für den Beginn des Akne-Entzündungsprozesses nicht der übermäßigen Besiedlung (Hyperkolonisation) mit Propionibacterium acnes bedarf. Gleichwohl spielen jene Bakterien, die die entstehende Wunde besetzen, für den weiteren Verlauf des Entzündungsprozesses eine Rolle. Androgene: Androgene stimulieren die Zunahme des Talgdrüsenvolumens (Talgdrüsenhyperplasie) wie auch die Keratinozytenproliferation bzw. die Ausbildung einer Proliferationshyperkeratose im Ausführungsgang des betroffenen Follikels. Liganden von Peroxisom-Proliferations-aktivierenden Rezeptoren (PPAR): Menschliche Talgdrüsen sind üppig mit PPAR ausgestattet. Unter den verschiedenen PPAR-Subtypen ist besonders PPARα bei der Regulation der Lipidsynthese beteiligt. Das 5-Lipoxygenase-Produkt Leukotrien B4 (LTB4) ist einer der stärksten natürlich vorkommenden PPARα-Liganden, stimuliert zusammen mit Androgenen die Lipidsynthese der Talgdrüsen. mini|Acne papulopustulosa, DecolletéKomedogene Stoffe: Komedogene Substanzen etwa aus Kosmetika behindern auf Grund ihrer stofflichen Eigenschaften die Abschilferung der Korneozyten (Retentionshyperkeratose) und fördern so die Bildung von Komedonen (Komedogenese). Rauchen: Untersuchungen zeigten, dass Zigarettenrauch hohe Mengen an Arachidonsäure und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen enthält. Diese initiieren einen Phospholipase-A2-abhängigen Signalweg, der die proentzündliche Wirkung von Arachidonsäure weiter stimulieren kann. Stress: Das Stresshormon CRH vermag die Lipidgenese und die Umwandlung von DHEA nach Testosteron in den Sebozyten zu beeinflussen. Inwieweit sich dies in der Praxis auswirkt und ob die Erkenntnis neue Therapieansätze eröffnet, muss noch geklärt werden.C. C. Zouboulis u. a.: CRH: An autocrine hormone that promotes lipogenesis in human sebocytes. In: Proc Natl Acad Sci USA. Band 99, Nr. 10, 14. Mai 2002, S. 7148–7153. (Volltext)
Folgen und Komplikationen mini|Acne vulgaris, eingesunkene Narben
Aknebedingte Entzündungen können mit Rötung, Schwellung, Juckreiz und Druckschmerz einhergehen. Bei größeren Entzündungen drohen zusätzlich Lymphknotenschwellungen, Kopfschmerz, Fieber und Sepsis. Auf dem Wege der Schmierinfektion kann der Ausbruch einer Follikulitis/Furunkulose begünstigt werden. Schwere, d. h. stark entzündliche Akneformen sind mit Narbenbildung verbunden. Des Weiteren kann die Akne zu psychischen und sozialen Problemen beim Betroffenen führen, da sie als stigmatisierend empfunden wird. Phobische Störungen, Neurosen, Beziehungsstörungen, Mobbing des Betroffenen durch seine soziale Umwelt, Depressionen und Suizidalität sind möglich.Gieler u. a.: Psychosomatische Aspekte bei Hauterkrankungen: Akne vulgaris. In: Psychosomatische Dermatologie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/024. awmf.org
Behandlung Außer in leichten Fällen von Akne ist die Behandlung durch einen Hautarzt anzuraten. Dabei erfolgt die Behandlung der verschiedenen Ausprägungen der Akne entweder topisch (lokal) für komedogene und milde Verläufe, oder aber systemisch (körperweit) für schwerwiegendere Verläufe. Es stehen mehrere Wirkstoffe und unterstützende Therapie-Methoden zur Verfügung. Die medikamentöse Therapie versucht, die Talgproduktion zu reduzieren, den Verhornungsvorgang im Ausführungsgang des Talgdrüsenfollikels zu normalisieren, Bakterien zu bekämpfen und die Entzündungsreaktion günstig zu beeinflussen.
Alpha-Hydroxycarbonsäuren α-Hydroxycarbonsäuren, die zu den natürlichen „Fruchtsäuren“ zählen, wirken komedolytisch. Zur Aknetherapie werden neben Glycolsäure noch Milchsäure, Äpfelsäure, Zitronensäure und Mandelsäure eingesetzt. Mit Hilfe 10–15%iger Cremezubereitungen erfolgt eine Reduktion des Zusammenhalts follikulärer Korneozyten in den unteren Schichten des Stratum corneum und schließlich die Komedolyse. In den meisten Fällen ist hierfür aber eine 3-monatige Behandlung notwendig.A. Fratila, M. Uerlich: Fruchtsäurepeeling - Die dermatologische und ästhetisch-korrektive Anwendung von Alpha-Hydroxysäuren(AHA). In: Der Hautarzt. Band 50, 1999, S. 457; doi:10.1007/s001050050942. Es ergibt sich auch eine Prophylaxe gegen Komedonenneubildung. Im Unterschied zur Therapie mit Benzoylperoxid, Retinoiden oder Salicylsäure kommt es beim Einsatz von α-Hydroxycarbonsäuren nicht zum epidermalen Wasserverlust. Das im Zweiwochenintervall wiederholte Peeling mit 30%iger Glycolsäure erwies sich ab der zweiten Behandlung als signifikant effektiv.E. Kessler, K. Flanagan, C. Chia, C. Rogers, D. A. Glase: Comparison of alpha- and beta-hydroxy acid chemical peels in the treatment of mild to moderately severe facial acne vulgaris. In: Dermatologic Surgery. Band 34, Nr. 1, Jan 2008, S. 45–50. PMID 18053051.
Antibiotika