Brandenburger war die Bezeichnung für Angehörige einer deutschen Spezialeinheit des Amtes Ausland/Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges. Zu ihren Hauptaufgaben gehörten Operationen und Kommandounternehmen hinter den feindlichen Linien. Zum Ziel hatten sie die überraschende Einnahme operativ wichtiger Angriffsziele und Kampfhandlungen durch Handstreiche und Hinterhalte oder durch die Kooperation mit verbündeten politischen Gruppierungen.

Häufig wurden Einsätze in Halbtarnung (übergeworfene Feinduniform) oder völkerrechtswidrig in Volltarnung (gesamte Ausrüstung und Uniform der Feindkräfte) geführt. Die Angehörigen dieser Division kamen zumeist aus der Gebirgstruppe oder traten freiwillig als Auslandsdeutsche und überzeugte Nationalsozialisten in diesen Verband ein, da sie Fremdsprachen beherrschten und mit den Lebensgewohnheiten im Einsatzraum vertraut waren.

Die Division wurde bis kurz vor Kriegsende nie geschlossen eingesetzt, sondern war in einzelnen Kommandos den Heeresgruppen unterstellt, vielfach als infanteristische Einsatzreserve, und wurde ohne Rücksicht auf ihre besonderen Fähigkeiten „verheizt“, sowohl im unmittelbaren Frontgebiet in allen Feldzügen und auf allen Kriegsschauplätzen als auch selbstständig im südlichen Afrika, Afghanistan, im Nahen Osten und im Kaukasus. Im späteren Kriegsverlauf wurden Teile der Spezialeinheit auch in der Partisanenbekämpfung („Bandenbekämpfung“) in Jugoslawien, Griechenland (Attika) und Frankreich eingesetzt, bevor die Division in den letzten Kriegsmonaten mit Masse zu einer regulären Panzergrenadier-Division umgegliedert wurde.

Aufbau und Gliederung +UnterstellungsverhältnisAngaben nach: „Die Brandenburger“ – Kommandotruppe und Frontverband (Stand: 24. Januar 2018). Zeit Kommandobehörde 10. Oktober 1939 bis 1. April 1943 OKW / Amt Ausland/Abwehr 1. April 1943 bis 15. September 1944 OKW / Wehrmachtführungsstab 15. September 1944 bis Februar 1945 OKH / Generalstab des Heeres Februar bis 30. April 1945 Panzerkorps „Großdeutschland“ 30. April bis 10. Mai 1945 LIX. Armeekorps

Noch vor Beginn des Krieges gegen Polen 1939 stellten die Abwehrabteilung II unter dem Kommando des Oberstleutnants i. G. Erwin von Lahousen und die Abwehrgruppen der Wehrkreise VIII und XVII, also der deutsche Militärgeheimdienst, auf Empfehlung von Hauptmann Theodor von Hippel mehrere „K-Trupps“ (K = Kampf) auf, die aus Polnisch sprechenden Schlesiern und Volksdeutschen bestanden. Deren Aufgabe war es, wichtige Schlüsselpositionen zu besetzen und bis zum Eintreffen regulärer Wehrmachtverbände zu halten. So besetzte z. B. der 500 Mann starke „Kampfverband Ebbinghaus“ (auch „Freikorps Ebbinghaus“) unter dem Kommando von Hauptmann Ernst Ebbinghaus Industrieanlagen in Ostoberschlesien. Fast alle dieser Aktionen wurden mit Erfolg durchgeführt. Bekanntheit erlangte jedoch später das Unternehmen des „K-Trupp Herzner“ (Hans-Albrecht Herzner), welcher am 26. August, also am ursprünglich geplanten Datum des Überfalls auf Polen, den operativ wichtigen Tunnel am Jablunka-Pass einnahm und mehrere Stunden besetzt hielt, weil er nicht von der kurzfristigen Verschiebung des Angriffstermins benachrichtigt worden war.Dazu im Detail: Herbert Schindler: Mosty und Dirschau 1939 – Zwei Handstreiche der Wehrmacht vor Beginn des Polenfeldzuges, Rombach Verlag Freiburg 1971. Er stieß mit seinen „gedeckten Kämpfern“ bis zur Bahnstation Mosty vor, in der Annahme, der Krieg gegen Polen sei bereits Realität. +Baulehrbataillon z. b. V 800 (Frühjahr 1940) Truppenteil Standort Sprachraum Bataillons-Stab Brandenburg 1. Kompanie Baden bei Wien russisch-baltisch 2. Kompanie Brandenburg an der Havel englisch-nordafrikanisch 3. Kompanie Münstereifel tschechisch-jugoslawisch 4. Kompanie Niederrhein u. a. polnisch

Die Angehörigen der „K-Trupps“ im Fall Weiss – dem deutschen Überfall auf Polen – waren zum überwiegenden Teil Zivilisten, die von der Abwehr extra für diese spezielle Verwendung militärisch und nachrichtendienstlich ausgebildet worden waren. Die Erfahrungen aus diesen Einsätzen gaben dann jedoch Anlass dazu, eine reguläre Truppe für Kommandounternehmen aufzustellen. So entstand unter dem Kommando von Theodor von Hippel am 15. Oktober 1939 auf dem ehemals österreichischen Truppenübungsplatz Bruck an der Leitha unter der Tarnbezeichnung Baulehrkompanie (D.K.) z. b. V. (D.K. = „Deutsche Kompanie“) die erste reguläre deutsche Kommandoeinheit, der bereits am 25. Oktober die Baulehrkompanie z. b. V. 800 in Brandenburg an der Havel folgte. Nachdem in zwei verschiedenen Standorten am 1. und 23. November 1939 zwei weitere Kompanien vorbereitet worden waren, wurden sie alle am 10. Januar 1940 im Baulehrbataillon z. b. V. 800 zusammengefasst. Dies war allerdings nur eine rein administrative Maßnahme, da die Einheiten auch weiterhin in verschiedenen Garnisonen untergebracht waren (siehe: Tabelle rechts unten). Die Organisation und Koordination aller Teileinheiten erfolgte durch den Stab des Bataillons, welcher ebenso wie die 2. Kompanie in Brandenburg an der Havel lag, weswegen der Verband innerhalb der deutschen Streitkräfte bald nur noch kurz als „Brandenburger“ bezeichnet wurde. Am 1. Juni 1940 erreichte die Größe des Verbandes einen Umfang, der eine Umbenennung in Lehrregiment Brandenburg z. b. V. 800 sinnvoll machte. Nun erst, nach zahlreichen Einsätzen, wurde die Bezeichnung „Brandenburger“ auch zum Synonym für deutsche Kommandoeinheiten.

Als dann im weiteren Kriegsverlauf fast ganz Europa und Teile Afrikas zum Kriegsschauplatz wurden, stiegen auch die Anforderungen an diese Art von Kommandoverbänden. So wurden zahlreiche neue Spezialeinheiten wie z. B. eine Fallschirmjägerkompanie aufgestellt.Gliederung: I. Btl. (4 Kp.) in Brandenburg; II. Btl. (4 Kp.) in Baden/Wien; III. Btl. (4 Kp.) Aachen, später Düren; 1 Nachrichten-Kp. und weitere 5 Spezialkompanien; siehe:

Sonderverband Brandenburg Am 20. November 1942 erhielt der stark angewachsene Verband die Bezeichnung Sonderverband Brandenburg. Dieser administrative Verband in Regimentsstärke umfasste fünf Verbände, mit drei Bataillonen, einer Küstenjäger-Abteilung sowie einer Nachrichtenabteilung.Gliederung: Verband 801 (Brandenburg), 802 (Baden/Wien), 803 (Düren), 804 (Langenargen), 805 (Ergänzungs- und Versorgungsabteilungen); Küstenjäger-Abteilung 800; Nachrichten-Abteilung 800; siehe: Die Einrichtung erfolgte durch die Erweiterung des Lehrregiment Brandenburg z. b. V. 800.

Gliederung:

Verband 801 mit drei Bataillonen (Brandenburg) aus I./800 Verband 802 mit drei Bataillonen (Baden bei Wien, Admont) aus II./800 Verband 803 mit drei Bataillonen (Düren) aus III./800 Verband 804 mit drei Bataillonen (Langenargen) aus V-Kompanie 1 und 2 und aus Verband Könen (Tropenkompanie für das Afrikakorps) Verband 805 Abwehr-Stamm-Abteilung und Ergänzungs-Abteilung aus 3. bis 6. V-Kompanie und Ergänzungs-Kompanie Küstenjäger-Abteilung 800 Nachrichten-Abteilung 800

Division Brandenburg Bereits am 1. April 1943 wurde der Sonderverband Brandenburg wiederum umbenannt und erhielt diesmal die Bezeichnung Division Brandenburg, was allerdings keinen wesentlichen Einfluss auf die Gliederung hatte.Gliederung: Regiment Brandenburg 1 bis 4; Lehr-Regiment 5 Brandenburg; Küstenjäger-Abteilung Brandenburg; Nachrichten-Abteilung Brandenburg; siehe: zu Gliederung siehe auch.

Gliederung:

Regiment 1 Brandenburg mit drei Bataillonen Regiment 2 Brandenburg mit drei Bataillonen Regiment 3 Brandenburg mit drei Bataillonen Regiment 4 Brandenburg mit drei Bataillonen und Legionärs-Bataillon Lehr-Regiment 5 Brandenburg mit Abwehr-Stamm- und Ergänzungs-Abteilung Küstenjäger-Abteilung Brandenburg Nachrichten-Abteilung Brandenburg

1944 wurde das Lehr-Regiment 5 Brandenburg in Lehr-Regiment Brandenburg mit zwei Bataillonen und Lehr-Regiment Kurfürst mit Abwehr-Stamm-Abteilung und Abwehrschule aufgeteilt.

Personelle Zusammensetzung mini|240px|Ärmelband der Division „Brandenburg“, getragen ab 1944

Die ersten Angehörigen der „K-Trupps“ waren Volksdeutsche. Sie meldeten sich freiwillig oder wurden wegen ihrer Sprachfertigkeiten gezielt angeworben. In der Regel hatten diese Männer nicht in der Wehrmacht gedient und wurden nur kurz von der Abwehr II ausgebildet. Sie waren deswegen selbst keine Soldaten, sondern Zivilisten, obwohl sie von Wehrmachtsoffizieren geführt wurden. Dies änderte sich erst nach dem Überfall auf Polen, als die Angehörigen der neu aufgestellten Kommandotruppe den Status von Wehrmachtangehörigen erhielten, um zum einen die Möglichkeit zu disziplinarrechtlichen Maßnahmen zu eröffnen und zum anderen die Versorgung der Hinterbliebenen sicherzustellen.

Für die Rekrutierung der neuen Mannschaften stellte die Abwehr II hohe Anforderungen. „Die erste Voraussetzung war Freiwilligkeit, dann Wendigkeit und schnelle Reaktionsfähigkeit, die Gabe zu improvisieren, ein hohes Maß an Eigeninitiative auch beim letzten Schützen, gepaart mit ausgesprochener Kameradschaft; außerdem eine gewisse, aber disziplinierte Abenteuerlust, Takt im Umgang mit Fremdvölkern und natürlich körperliche Leistungsfähigkeit. Dringend erwünscht waren gediegene Auslands- und Sprachkenntnisse, die so weit gehen sollten, dass der Betreffende überzeugend als britischer Offizier oder Rotarmist auftreten konnte.“Dietrich F. Witzel: Kommandoverbände der Abwehr II im Zweiten Weltkrieg. In: Militärgeschichtliche Beiträge, Bd. IV, Herford/Bonn 1990, S. 120. Den ersten Grundstock der Baulehrkompanien bildeten die Angehörigen der „K-Trupps“ (Schlesier, Volks- und Sudetendeutsche). Mit der Ausweitung der Kriegsschauplätze kamen auch Deutsche aus anderen Regionen wie dem Baltikum, dem Balkan oder Südafrika hinzu, die sich über die NSDAP/AO zum Dienst in der Wehrmacht meldeten und sich damit dem möglichen Dienst in den Streitkräften ihrer neuen Heimatländer entzogen. Als sich die Nachricht von der neuen Elite-Einheit in der Wehrmacht herumsprach, meldeten sich Soldaten aus den regulären Heeresteilen. Erst als der Personalbedarf mehr und mehr wuchs, begannen Werbeoffiziere mit Anwerbungen in Truppenschulen der Wehrmacht. Bei der Auswahl von Rekruten wurde den Sprachkenntnissen und der Zuverlässigkeit größere Aufmerksamkeit gewidmet. Die Abwehr-Spezialausbildungen wurden dann in der Ausbildungsschule der Abwehr II (Quenzgut) nahe Brandenburg an der Havel vorgenommen. Da mit zunehmendem Umfang der Sonderverbände der Bedarf an sprachkundigen Kommandosoldaten nicht mehr gedeckt werden konnte, ging man dazu über, den militärischen Spezialisten sogenannte Kampfdolmetscher aus Einheimischen zur Seite zu stellen, zumeist Kriegsgefangene aus Minderheiten des Einsatzlandes.

Kampfdolmetscher waren Muttersprachler aus dem Einsatzgebiet, die meist in ihren Heimatländern eine militärische Ausbildung durchlaufen hatten und teilweise hochqualifiziert waren. Bei Einsätzen hinter gegnerischen Linien fiel ihnen die Aufgabe zu, für die Tarnung der Einsatzgruppe beim Auftreffen auf Militärpolizisten oder gegnerischen Kontrollposten zu sorgen. Da in solchen Situationen keine Rücksprache zwischen Kampfdolmetscher und deutschem Kommandotruppführer möglich war, lag bei den Dolmetschern oft eine große Verantwortung für die Einsatzgruppe. Besonders an der Ostfront war die Zahl der Kampfdolmetscher mit zunehmender Kriegsdauer oft größer als die Zahl der eigentlichen Kommandosoldaten.