Der Grabenbach mündet im Stadtgebiet von Meßkirch im Landkreis Sigmaringen im südlichen Baden-Württemberg von links und Westen kommend in die Ablach. Während seines rund 8,3 Kilometer langen Verlaufs wechselt er mehrfach seinen Namen: Dorfbach, Talbach, Weiherbach, Mühlenbach, Stadtbach, GrabenbachAlfred Heim: Ein Bach mit sechs Namen, Südkurier vom 14. August 1990, Lokalausgabe Meßkirch, in früheren Zeiten teilweise auch Heudorfer Bach; so bezeichnet ihn auch heute, und zwar auf ganzer Länge, die für den Gewässerschutz zuständige Landesbehörde.
Geographie und Abschnitte Dorfbach mini|links|Der Dorfbach kurz unterhalb der Quelle, auf Altheim zulaufend (0,0 – 5,3 km ab der Quelle)
Der Bach entspringt etwa einen Kilometer westlich von Altheim, einem Teilort der Gemeinde Leibertingen in 692 Meter über NN. Er durchfließt die Dörfer Altheim und die zu Meßkirch gehörende ehemalige Gemeinde Heudorf in überwiegend östlicher Richtung. In beiden Orten heißt der Bach Dorfbach. (Atlas Heudorf, 1872), (TK, 1925 und 2001)
Am Ortseingang von Heudorf wird der Bach von zwei Quellen gespeist, die etwa 100 und etwa 50 Meter rechts vom Lauf entfernt entspringen. Dieser Zufluss ist auch in der Heudorfer Dorfansicht von 1575Dorfansicht von Heudorf, 1575 zu erkennen. Er speist den Dorfbach ganzjährig mit Wasser, während das Bachbett von Altheim her im Sommer und im Herbst oftmals trockenfällt.
Talbach mini|Das Weiherbachtal, im Hintergrund die Talmühle (Blick bachaufwärts) (5,3 – 6,1 km ab der Quelle: )
Etwa ab der Gemarkungsgrenze von Heudorf in Richtung Meßkirch, wo seit 1989Einbetonierte Jahreszahl am Fundament des Talbachviadukts das etwa 20 Meter hohe Talbachviadukt der B 311/B 313 das Tal überspannt, heißt der Bach Talbach, in früheren Unterlagen Thalbach. Er trieb früher die zwei- bis dreihundert Meter weiter bachab stehende Talmühle an, das Geburtshaus des Komponisten Conradin Kreutzer. Für den Betrieb der Talmühle war der Bach oberhalb der Mühle zu einem kleinen Weiher angestaut.
Weiherbach mini|links|Das Weiherbachtal und die Lohmühle (Blick bachaufwärts). Das linke Gebäude ist die frühere Mühle. mini|Bei der früheren Ölmühle (Blick bachabwärts). Die Wiese rechts wurde regelmäßig vom Bach überschwemmt, bis sie um 1980 im Zuge des Straßenbaus aufgefüllt wurde. (6,1 – 7,5 km ab der Quelle: )
Bei der Talmühle macht das Tal einen scharfen Knick aus südlicher Richtung in östliche. Das Tal besitzt nun einen sehr flachen, etwa 50 Meter breiten Talgrund und einen sehr steilen, etwa 20 Meter hohen Hang auf der Nordseite des Tales. Es ist einer der wenigen Trockenhänge in der Gegend. Während der Schlacht bei Meßkirch am 5. Mai 1800 diente dieser Talabschnitt als natürliche Festung.Armin Heim: Zum 200. Jahrestag der Schlacht bei Meßkirch am 5. Mai 1800, Meßkircher Heimathefte Nr. 7, Museumsgesellschaft Meßkirch e. V., 2000Paul Azan in Bücheler, Fischer, Kessinger: Die Schlacht bei Meßkirch, Armin Gmeiner Verlag, 2000, Seite 109 ff.
750 Meter unterhalb der Talmühle trieb der Bach früher die Lohmühle an. Der alte, etwa 400 Meter lange Mühlkanal ist zwar verfallen, jedoch ist sein Verlauf direkt unterhalb des Steilhanges noch gut zu erkennen. Die Mühle wurde vermutlich um 1690 an Stelle der früheren Unteren Talmühle erbaut und erhielt danach den Eigennamen Lohmühle (Fischer, 1998, Seite 54 „Lohmühle“).
Weitere 250 Meter bachabwärts stand die Ölmühle , die in den 1980er Jahren nach Brandstiftung restlos abbrannte. Sie wurde in der Folge durch ein Wohnhaus ersetzt. Nur wenige Meter unterhalb der ehemaligen Ölmühle entspringen zwei Karstquellen auf der linken Seite des Weiherbaches . Vermutlich werden sie durch das einen Kilometer nordwestlich gelegenes Schluckloch im Sautal gespeistJörg Werner et al.: Geologische Karte von Baden-Württemberg 1:25000, Erläuterungen zum Blatt Meßkirch Nr. 8020, Geologisches Landesamt Freiburg im Breisgau 1994, Seite 103 . Entgegen der dort gegebenen Beschreibung führen die beiden Quellen ganzjährig Wasser.Stefan Teuscher: Eigene Beobachtung
Der Weiherbach durchfließt zwei Gewanne, deren Namen auf frühere Weiher hindeuten: Im Weiher: Der Bach durchfließt dieses Gewann direkt oberhalb der Lohmühle . Wahrscheinlich gab es dort im flachen Talgrund früher einmal einen Weiher. (Fischer, 1998) Am Weiherdamm: Im 18. Jahrhundert ist noch innerhalb der Ettergrenze der Vermerk „Herrschaftliche Weÿher“ verzeichnet. Auf der Stadtansicht von 1575 sind links oben, knapp innerhalb der Ettergrenze, zwei Weiher zu sehen. Es dürfte sich jeweils um das Gewann am Weiherdamm handeln, das z. B. im Atlas von 1872 etwa hinter dem heutigen Gröberhaus (dem früheren Krankenhaus) zu finden ist. ()
Mühlenbach oder Weiherbach? mini|links|Die Mauchenmühle mini|hochkant|Bei der Mauchenmühle (Blick bachaufwärts) an der Stelle der Einmündung (auf dem Bild nicht sichtbar) des Mühlkanals in den Mühlenbach. Hier beginnt heute die Verdolung des Bachlaufs bis zu seiner Mündung in die Ablach (7,5 – 7,75 km ab der Quelle: )
Etwa 600 Meter unterhalb der ehemaligen Ölmühle treibt der Bach noch heute die Mauchenmühle an. Deren Mühlrad ist allerdings seit langem durch eine Turbine zur Stromerzeugung ersetzt. Die Mühle als solche war noch bis etwa 1995 in Betrieb. Die Mauchenmühle hieß in früheren Zeiten auch Angermühle, weil sie durch das Angertor von der Stadt aus erreichbar war. Mauchenmühle wurde sie vermutlich nach ihrem Besitzer Jakob Mauch (um 1561) genannt. (Fischer, 1998, Seite 54 „Hinter der Mauchenmühle“)
Ob der Bach nur in diesem Bereich den Namen Mühlenbach trug, ist nicht klar. In früheren Zeiten wurde der gesamte Bachlauf von Heudorf bis Meßkirch als Heudorfer Bach oder Heudorfer Mühlbach bezeichnet. (Fischer, 1998, Seite 54 „Hinter der Mauchenmühle“) Andererseits trägt der Bach in der Topografischen Karte von 1988 dort den Namen Weiherbach und auch in der Katastervermessung von 1872 wird der Bach selbst am weiter bachabwärts gelegenen Adlerplatz noch als Weiherbach bezeichnet. In Anbetracht der vielen Details einer solchen Katastervermessung kann aber auch diese Quelle irren.
Kurz unterhalb der Mauchenmühle fließt der Mühlkanal wieder in den Mühlenbach, der ab dieser Stelle verdolt ist. Er fließt 50 Meter weiter unterirdisch durch die so genannte Weißenburg zum Adlerplatz.
Stadtbach oder Weiherbach? mini|links|hochkant|Die Grabenbachstraße vom Adlerplatz aus. Im Hintergrund die Heilandskirche (Blick bachabwärts) (7,75 – 7,85 km ab der Quelle: )
Bis zur Umgestaltung des Adlerplatzes um das Jahr 1967 war der Bachlauf offen und wurde von hohen Kastanienbäumen gesäumt.Armin Heim: Ein Spaziergang durch das alte Meßkirch, Armin Gmeiner Verlag, 1993
In (Heim, 1990) wird beschrieben, der Bach habe im Bereich des Adlerplatzes den Namen Stadtbach. In den Plänen der Katastervermessung um 1872 trägt der Bach an dieser Stelle allerdings den Namen Weiherbach. Es ist deshalb auch möglich, dass dieser Teil des Bachlaufs nur im Volksmund Stadtbach genannt wurde. Hinzu kommt, dass (Restle, 1932)Walburga Restle: Heimatkundliches vom Amtsbezirk Meßkirch, Preßverein Meßkirch, 1932 mit dem Begriff Stadtbach den Mühlkanal durch die Stadt bezeichnet, der bis Mitte der 1960er Jahre die Stadt durchflossen hat. Es gibt jedoch noch heute in der Innenstadt die Kanalgasse, eine Gasse parallel zum früheren Stadtkanal. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass die in (Heim, 1990) genannten Bezeichnungen zumindest im Volksmund so verwendet so wurden: Stadtbach: Der Weiherbach im Bereich des Adlerplatzes. Stadtkanal: Abgezweigter Teil des Stadtbaches durch die Innenstadt.
Am südlichen Adlerplatz befand sich bis zur Verdolung 1967 ein interessantes Bauwerk. Der Stadtbach wurde durch ein Wehr angestaut und ein Teil des Wassers in den Stadtkanal geleitet. Dieser überquerte mit einer Brücke den direkt unterhalb des Wehres in den Stadtbach einmündenden Mettenbach. Es wurde somit nur Wasser des Stadtbaches in den Stadtkanal geleitet.Erinnerung von Zeitzeugen
Ab der Einmündung des Mettenbachs in den Stadtbach knickt der Bachlauf nun scharf in dessen Zulaufrichtung nach Osten ab in den früheren Stadtgraben entlang der Stadtmauer und ändert seinen Namen zu Grabenbach.
Nur wenige Meter oberhalb dieser Einmündung führte vom Mettenbach ein etwa 150 Meter langer unterirdischer Gang vermutlich bis ins Schloss.Kindheitserinnerungen Durch diverse Baumaßnahmen ist dieser Gang jedoch verschüttet. Möglicherweise handelt es sich hierbei um den in (Restle, 1932, Seite 27 unten) erwähnten unterirdischen Gang.
Heute ist der Zusammenfluss von Stadtbach und Mettenbach unterirdisch verdolt, der Stadtkanal existiert nicht mehr.
Stadtkanal mini|Das Marktbrückle, der Stadtkanal floss rechts am Fachwerkhaus vorbei und trieb die dahinter liegende ehemalige Langenmühle an (Blick kanalabwärts)
Der Stadtkanal wurde zum Teil unter den Häusern durch die Stadtmitte am Marktbrückle vorbei über die ehemalige Langenmühle zur Niederen Mühle geleitet. Danach floss er mit dem parallel zur Ablach fließenden ehemaligen Feuerbach zusammen und mündete etwa 50 Meter oberhalb der Mündung des Grabenbachs in die Ablach . Diese Einmündung ist in der in (Heim, 1993) abgedruckten Stadtansicht auf Seite 40 oben und auf dem Foto auf Seite 42 unten, aufgenommen um 1950, noch zu erkennen.
Grabenbach und Voglerbächle mini|links|Die Grabenbachstraße. Das rosarote Haus ist das frühere Malergeschäft Vogler: Voglerbächle, (Blick bachaufwärts) (7,85 – 8,3 km ab der Quelle: )
Ab dem Zusammenfluss von Weiherbach und Mettenbach trägt der Bach den Namen Grabenbach.
Er fließt entlang der Grabenbachstraße am heute so genannten Stachus vorbei bis zur Mündung in die Ablach. Der Grabenbach führte früher entlang der Stadtmauer, war also der Stadtgraben. Die Bezeichnung Grabenbach ist jedoch nicht zu verwechseln mit dem Graben, einem anderen Teil der Meßkircher Altstadt.
Seit etwa 1967 ist der Grabenbach auf seiner gesamten Länge verdolt und größtenteils mit der Grabenbachstraße überbaut. Bis zur Verdolung war er offen und wurde im Volksmund beim Malergeschäft Vogler im Volksmund auch Voglerbächle genannt. Das Haus Vogler war über einen Steg über den Bach zu erreichen.Alfred Heim: Meßkircher Geschichten und Originale, Meßkircher Heimathefte Nr. 7, Museumsgesellschaft Meßkirch e. V., 2000
Auch von dort war ein unterirdischer, gemauerter Gang zugänglich. Er war etwa 1 Meter breit und 1,50 Meter hoch, führte jedoch kein Wasser. Ob er als Geheimgang bis ins Schloss führte oder früher eine andere Funktion hatte, ist nicht klar. Falls er ins Schloss führte, dann müsste er jedoch den Stadtkanal unterirdisch gekreuzt haben, was eher unwahrscheinlich ist. Es könnte sich jedoch auch um einen früheren Verlauf des Stadtkanals handeln oder um einen Gang oder Kanal zum nahegelegenen Unteren Hof. Durch etliche Baumaßnahmen ist dieser Gang jedoch heute verschüttet.
Mündung in die Ablach mini|Die Mündung des Grabenbachs in die Ablach. Im Hintergrund die Stadtkirche St. Martin. 8,3 km ab der Quelle: ()
Der bis dahin verdolte Grabenbach mündet direkt unterhalb der Ablachbrücke der Mengener Straße in die Ablach. Am Flussufer gegenüber steht die Liebfrauenkirche.
Zuflüsse, Seen und Trockentäler Liste der Zuflüsse und 10px Seen von der Quelle zur Mündung. Gewässerlänge, Seefläche, Einzugsgebiet und Höhe nach den entsprechenden Layern auf der Onlinekarte der LUBW. Andere Quellen für die Angaben sind vermerkt. Name des Hauptstrangs hier in diesem Abschnitt nach dem Online-Kartenserver der LUBW, der ihn nämlich von Anfang bis Ende Heudorfer Dorfbach nennt.
Ursprung des Heudorfer Dorfbachs auf etwa westlich des Leibertingener Dorfes Altheim fast schon am Waldrand und etwa 400 Meter nordwestlich der oben bewaldeten Kuppe des Gunzenbühls (). Der Bach fließt durchwegs etwa östlich.