mini|Definitionen von Waren
Die Warenlehre ist die naturwissenschaftliche Thematik der Waren. Deren Lehre bildet eine Grundlage für ökologisches und wirtschaftliches Handeln im Privathaushalt, im Betrieb sowie im öffentlichen Haushalt. Mit naturwissenschaftlichem Ansatz ist sie die Lehre zur wirtschaftlichen und ökologischen Bedeutung der Waren, im Hinblick auf deren Beschaffenheit in Produktion, Allokation, Konsumtion. Die Warenlehre dient in den Wegen der Ressourcen zum Nutzen dem theoretischen Rahmen der Warenkunde.Josef Hölzl: Einführung in die Warenlehre. R.Oldenbourg Verlag, München und Wien 1989, (hier auf S. 22): Die Warenlehre dient dem theoretischen Rahmen der Warenkunde, die Warenwissenschaft stellt den Oberbegriff zur naturwissenschaftlichen und wirtschaftlichen Richtung dar.
Die Warenwissenschaft oder Warenlehre ist damit ein Generalismus, der sich der sozialökologischen Komplexität von „Ware“ widmet. Sie befasst sich transdisziplinär mit der Untersuchung der gesamtwirtschaftlichen Funktion der Waren und fachdidaktisch mit der Vermittlung von Orientierungswissen in den beruflichen Fach- und Oberschulen. Die Warenlehre ist dort im Überblick die Lehre von Produktion, Gebrauch und Entsorgung von Waren, sowie den Zusammenhängen zwischen Waren, Konsumenten und Umwelt.
In der naturwissenschaftlichen Thematik der physischen Ökonomie geht es um die Verfügbarkeit der Ressourcen, um die raum-zeitlichen Grundlagen des Wirtschaftens: Materie, Energie und Information. In der transformierenden Ökonomie (Technologie) werden die aus der physischen Ökonomie stammenden Ressourcen physikalisch und/oder chemisch umgewandelt und zu Waren für den menschlichen Gebrauch transformiert. In der sozialen Ökonomie geht es nicht um die Herstellung von Waren, sondern um deren Verteilung und Konsum der Produkte, um die Mechanismen und Kriterien der Allokation der Waren (Wirtschaftliche Warenlehre).
Naturwissenschaft, Technologie, Nachhaltigkeit sind die fachdidaktischen Elemente der Warenwissenschaft. Das dreigliedrige Lehrgebäude ist aus der Physikalischen Ökonomie zur Zeit der Aufklärung entstanden und bildet den theoretischen Rahmen, damit ist sie eine soziale Naturwissenschaft. Die Ganzheitlichkeit der Fachausrichtung fokussiert auf den vom physischen Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt ausgehenden biologischen und kulturellen Zweck der Ware. Diese teleologische Verbindung zwischen Wirtschaft und deren Umwelt hat Nicholas Georgescu-Roegen (1906–1994) als „Bioeconomics“ bezeichnet.
Die Warenwissenschaft begreift die Ware als Wirtschaftsgegenstand insgesamt und geht von einem naturwissenschaftlichen Zugang zur Realökonomie aus. Die Warenlehre unterscheidet in der Abfolge zwischen Naturwert als physische Ressourcen, den Gebrauchswerten und Tauschwerten im Sozialwert der Waren. Sie betrachtet die Ware als Gesamtheit der Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, die als Gegenstand des Handels und als Gegenbegriff zu Geld in Betracht kommen.
Warenlehre und Warenkunde In der naturwissenschaftlich orientierten Warenlehre gilt Viktor Pöschl (1884–1948) mit seinem Hauptwerk „Prinzipien natürlicher Ordnung in Technik und Wirtschaft. Eine Einführung in die Wirtschaftswissenschaft, insbesondere in die Technologie und Warenkunde“ (1947) als richtungsweisend, so wie die Warenkunde zumeist theorielos betrieben wurde. Die im Überblick wissenschaftliche Befassung bezeichnete Ernst Beutel (1877–1944) als unentbehrlich für jene, die richtungsgebende Verantwortung im Wirtschaftsleben tragen. Die Ware in ihrer ganzheitlichen Bedeutung bezeichnete Otto Gekeler (1913–1999) als „Elementarform“ des Wirtschaftens.
Die Warenkunde baut auf den Naturwissenschaften auf und benutzt zur Beschreibung der Waren die in der Naturgeschichte üblichen Fachausdrücke. Da die Waren unmittelbar oder mittelbar den drei Naturreichen entstammen, pflegt die Warenkunde die Waren aus dem Pflanzenreich, dem Tierreich und dem Mineralreich zu unterscheiden. Die Warenlehre begreift die Ware als lebensdienliche Mittel zur Bedürfnisbefriedigung und fasst die wichtigsten Warengruppen analog zur Biologie nach den Gesichtspunkten des Gebrauchswertes zu Warenkategorien zusammen: Warenart, Warengattung, Warenfamilie (als Unter- u. Obergruppen) und Warenordnung (Warenbereiche: Gebrauchs- und Verbrauchswaren).
Die Warenlehre ist ganzheitlich angelegt, von den natürlichen Ressourcen ausgehend behandelt sie die Waren in deren „Life-Cycle“ von der Produktion über den Konsum bis hin zur Entsorgung. Zum Warenkreislauf erfasst die allgemeine Technologie der Ware als Technosphäre die Wechselbezüge von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Im Konzept geht die Umweltorientierung der Warenwissenschaft auf Artur Kutzelnigg und in Konkordanz mit Georgescu-Roegen die „Biologie und Warenlehre“ auf den Ordinarius für Warenwissenschaft Josef Hölzl zurück.
Integrationsfach an den kaufmännischen Schulen Österreichs Im Unterschied zur Warenwirtschaftslehre (= Wirtschaftliche Warenlehre als betriebswirtschaftliches Teilgebiet) wird die physische Ökonomie, der naturwissenschaftliche Zugang zu den Waren und den Wirtschaftswissenschaften, betont. Die Warenlehre geht daher von dem Verhältnis aus, das zwischen dem Menschen und seiner Umwelt besteht, denn alle sozioökonomische Wertschöpfung basiert auf Natur. Stoffstromanalysen und Abfallwirtschaft sowie Energiestrombilanzen sind naturwissenschaftliche Anwendungen auf die Realökonomie. Die Warenwissenschaft ist eine soziale Naturwissenschaft, in Hinblick auf die Ressourcen eine wirtschaftsorientierte Humanökologie, in physischer Orientierung an der Ökonomie ein bioökonomisches Fach. Sie befindet sich an der Schnittstelle zwischen Natur- und Wirtschaftswissenschaften, in Reflexion gesellschaftlicher Naturverhältnisse hat die Warenlehre den Kontext zur Sozialen Ökologie. Die soziale Ökologie ist realökonomischer Hintergrund des Kapitals.Éric Pineault: Die soziale Ökologie des Kapitals. Karl Dietz Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-320-02423-9
In Österreich ist die Warenlehre an den kaufmännischen Schulen im Gegenstand „Biologie, Ökologie und Warenlehre“ ein integratives naturwissenschaftliches Fach, vom „Naturgeschichtlich-warenkundlichen Unterricht“ abgeleitet. In der Lehrplanreform 2014 wurde der Gegenstand umbenannt.Lehrplan der Handelsakademie, BGBl. II Nr. 209, ausgegeben am 27. August 2014, Anlage A1 In den Handelsschulen wird im 2. und im 3. Jahrgang der Gegenstand Angewandte Naturwissenschaften und in den Handelsakademien wird der Gegenstand Naturwissenschaften in den ersten 4 Jahrgängen und Technologie, Ökologie und Warenlehre im 5. Jahrgang unterrichtet. Darüber hinaus können in Seminaren, Freigegenständen und Unverbindlichen Übungen Vertiefungen in Teilbereichen des Faches vermittelt werden. Dazu wurden u. a. die folgenden Lehrpläne erlassen: Handelsschule – Lehrplan 2014,Lehrplan der Handelsschule, BGBl. II Nr. 209/2014 Handelsakademie – Lehrplan 2004 (auslaufend),Lehrplan der Handelsakademie, BGBl. II Nr. 291/2004 (auslaufend!) Handelsakademie – Lehrplan 2014.Lehrplan der Handelsakademie, BGBl. II Nr. 209/2014 Mit Schuljahr 2027/28 wird in Österreich ein neuer Lehrplan für die Handelsakademie und die Handelsschule eingeführt. An der Handelsakademie wird der Gegenstand in Naturwissenschaften, Technologie und NachhaltigkeitLehrplan der Handelsakademie - Entwurf, A.1.9. Naturwissenschaften, Technologie und Nachhaltigkeit, Lehrplanentwurf NTN umbenannt, womit der Schwerpunkt in der Ausbildung bei Nachhaltigkeit und Technologie liegen wird. An der HandelsschuleLehrplan der Handelsschule - Entwurf, A.1.7 Angewandte Naturwissenschaften, Lehrplanentwurf Handelsschule werden die Inhalte auf 3 Jahre aufgeteilt, wobei eine starke Ausrichtung auf Projektarbeit und fächerübergreifendem Unterricht liegen wird. Die Lehrinhalte in den neuen Lehrplänen sind so aufgebaut, dass warenkundliches Wissen und Nachhaltigkeit als grundlegende Basis für die anderen Unterrichtsgegenstände dienen.
Zur biologischen Bedeutung von Ware und Wirtschaft Die Gesellschaft ist ein Teil der Biosphäre. Die Schnittstellen zwischen der Gesellschaft und der Biosphäre sind die „materia prima“ der Bioökonomik (so gedacht ist die biophysikalische und wirtschaftsphysiologische Grundbedeutung dieses Begriffs). Der Mensch strebt danach, sein Lebensumfeld und seine Lebensbedingungen optimal zu gestalten und seine Lebensfunktionen zu erhalten.
Die Sonderstellung des Menschen in der Biosphäre ist, dass er mithilfe von Politik seine Bedürfnisse zu befriedigen und das Überleben der Nachkommen zu sichern versucht. Die Fragen nach dem Einfluss von Macht und Politik auf die Produktion von Waren und das Wissen um die Praktiken verschiedener Akteure sind Gegenstand der Politischen Ökologie.
Die Bioökonomik ist eine im Interesse der Lebensfähigkeit transdisziplinäre Verbindung von Biologie und Ökonomie, die strukturellen Mittel zur Lebenserhaltung und Lebensqualität sind die Waren. Der Gebrauchswert der Ware ist dessen bio-kultureller Zusammenhang zur Gesundheit. Waren sind die (biologischen) Mittel zur Bedürfnisbefriedigung, die als (kultureller) Gegenstand des Handels in Betracht kommen, insofern sind sie der (ökonomische) Gegenbegriff zu Geld.
Im Mittelpunkt der Wirtschaft steht der Mensch als Wirtschaftssubjekt, die Ware ist das Wirtschaftsobjekt: zu unterscheiden ist zwischen den funktionalen, institutionellen und gesamtwirtschaftlichen Interessen. Waren sind über deren materielle Beschaffenheit hinaus auch Wissensträger, die Problemlösungskapazität der Ware beruht auf der in sie investierten Information. Der technologische Hintergrund hat eine operative, strategische und normative Dimension. Wirtschaftsethisch kommt der Ware – Lebensmittel und Mittel zum Leben – die integrative Aufgabe der sozioökonomischen Zukunftsfähigkeit und der biologischen Lebensfähigkeit zu: Biokratie ist ein im Kontext der Bioökonomie diskutiertes Konzept„Biokratie“ ist ein Terminus, der auf den Physiologen Walter Bradford Cannon (1871–1945) zurückgeht und vom Politikwissenschaftler Lynton K. Caldwell (1913–2006) aufgegriffen wurde. Eine biokratische Lehrmeinung der Warenlehre vertritt Richard Kiridus-Göller, in dem die Ware als biointelligentes Prinzip des Wahrens bei Rückbesinnung auf die Physiokratie zum aktuellen naturwissenschaftlichen Stand betrachtet wird.Thomas Göllinger: Biokratie – Die evolutionsökonomischen Grundlagen. Metropolis-Verlag, Marburg 2015, ISBN 978-3-7316-1117-2 . Im Bedingungsgefüge von Ökologie-Ökonomie-Gesellschaft ist die Warenlehre auf Grundlage naturverstehender Wirtschaftsweise als Nachhaltigkeitslehre anzusehen.
In ökologischer Sicht ist alles menschliche Wirtschaften eine durch Arbeit bewirkte Erweiterung des menschlichen Stoffwechsels: Die biologische Leistung und kulturelle Aufgabe der Wirtschaft ist die Erhaltung und Verbesserung der Qualität menschlichen Lebens. Es ist das primäre Sachziel der Wirtschaft; daran zu „verdienen“ ein sekundäres Formalziel. Die Warenlehre führt damit – in Unterscheidung zwischen Ökonomik und Chrematistik – zum Gegenstandsbereich der Verbraucherbildung. Der betriebswirtschaftliche Zugang zur Warenlehre ist die Warenwirtschaftslehre (engl.: Trade & Commerce), die sich an der Ware als Gegenstand des Handels (engl.: Commodity, Handelsware) am Tauschwert und dem Bedarf orientiert. An Warenbörsen werden fungible Naturprodukte gehandelt. Für die Wertschöpfung aus Naturprodukten ist das Stoffstrommanagement bedeutend. Im Weg von den Ressourcen zum Nutzen verbindet das Systemdenken die Warenlehre mit der lebensdienlichen Managementlehre und betrachtet die nachhaltige Entwicklung als biologische Transformation des Wertschöpfungssystems.