mini|Läufer beim Stadtmarathon in Salzburg mini|Laufstudie Der Begriff Laufsport fasst alle Sportarten zusammen, bei denen die natürliche menschliche Laufbewegung, meist auf eine bestimmte Distanz technisch optimiert, im Vordergrund steht. Obwohl es zahlreiche andere Sportarten wie z. B. Schwimmen gibt, deren Ausübung weniger Verschleißgefahr für den Bewegungsapparat bedeutet, ist Laufen aufgrund der Entwicklungsgeschichte eine „natürliche“ Sportart des Menschen.

Im modernen Sport ist Laufen Teil der Leichtathletik und mit zahlreichen Disziplinen bei den Olympischen Spielen vertreten. Auch im Breitensport gibt es zahlreiche Bahnlaufwettbewerbe.

Geschichte Antike mini|Antikes griechisches Vasenbild Entgegen landläufiger Meinung sind die ersten Laufsportveranstaltungen nicht für das antike Griechenland belegt. Aus sumerischen Texten geht hervor, dass athletische Wettkämpfe, darunter auch Wettläufe spätestens im 21. Jahrhundert v. Chr. stattfanden.R. Rollinger, Sport und Spiel, in: M. P. Streck (Hg.): Reallexikon der Asssyriologie, Band 13, Berlin/Boston 2011-13, ISBN 978-3-11-030715-3, S. 6–12 Besonders verbunden war der Laufsport mit dem Kult der Liebes- und Kriegsgöttin Inanna (akkadisch Iṥtar). In einer altbabylonisch überlieferten Hymne heißt es: „Schnell laufen, sprinten, planen und das Ziel zu erreichen - Inanna, das gehört Dir!“The electronic Text Corpus of Sumerian Literature, Z. 139, https://etcsl.orinst.ox.ac.uk/cgi-bin/etcsl.cgi?text=t.4.07.3&charenc=j#. In einer Hymne rühmt sich der sumerische König Ṥulgi (auch Sulge) von Ur (2092 bis 2045 v. Chr.) an einem Tag von Nippur nach Ur und obwohl er dabei in ein heftiges Gewitter geriet, wieder nach Nippur zurück gelaufen zu sein, was einer Entfernung von rund 320 km entsprechen würde.The electronic Text Corpus of Sumerian Literature, https://etcsl.orinst.ox.ac.uk/cgi-bin/etcsl.cgi?text=t.2.4.2.01&charenc=j# Dieser Text ist allerdings erst durch die Übungen späterer Schüler überliefert und könnte als interessanter Text für an Sport interessierte Schüler verfasst worden sein.

In Griechenland finden sich literarische Erwähnungen bereits in den homerischen Epen Ilias und Odyssee. Vasenbilder zeigen, dass zum Laufstil beim Sprint – wohl um den Schwung zu erhöhen – ein weites Ausholen mit den Armen gehörte, während man über längere Strecken ähnlich lief wie heute.

Laufwettbewerbe gab es schon bei den antiken Olympischen Spielen, allerdings nur in den kurzen Strecken. Auch wenn es in der Antike die Langstrecke als Botenläufe gab, so wurde im Stadion hin- und hergelaufen, um Überrundungen zu vermeiden.

Stadionlauf: Die älteste Disziplin, bei der die Teilnehmer einfach einmal längs durchs Stadion zu laufen hatten. Die Distanz war dabei je nach Austragungsort unterschiedlich und reichte von 167 Metern (Delos) bis 192,24 Meter (Olympia). Laut Hippias von Elis war von 776 v. Chr. bis 728 v. Chr. der Stadionlauf der einzige Wettkampf bei den Olympischen Spielen; die einzelnen Olympiaden wurden üblicherweise nach den Stadionsiegern benannt. Entsprechend groß waren die Teilnehmerzahlen, weshalb schon damals Vorläufe erforderlich waren. Diaulos: Lauf über die Distanz von zwei Stadien, bei dem die Teilnehmer um einen Pfosten (Kampter) wendeten und zur Startlinie zurückkehrten. Unklar ist, ob es nur einen Kampter für alle Läufer gab (Kollisionsgefahr!) oder ob jeder seinen eigenen hatte. Dromos hippios („Pferdelauf“): Ein Lauf über vier Stadien, der zwar nie zum olympischen Programm gehörte, wohl aber zu den ebenfalls bedeutenden Sportfesten in Korinth und Nemea. Die Distanz entsprach etwa der Länge der Pferderennbahn, daher der Name. Dolichos: Langstreckenlauf über 7 bis 24 Stadien, je nach Austragungsort. In Olympia waren es 20 Stadien, also 3,84 Kilometer. Waffenlauf: Ein Lauf, bei dem die Teilnehmer gewöhnlich in voller Kriegsrüstung, mindestens aber mit Helm und Schild antreten mussten.

Mittelalter und Neuzeit Auch im Mittelalter wurden Dauerläufe als Botenläufe organisiert.

Obwohl er seinen Namen von der griechischen Stadt Marathon hat, gab es in der Antike noch keinen Marathonlauf. Er geht vielmehr auf eine Idee von Michel Bréal und Baron de Coubertin zurück, der diese Disziplin bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 einführte und damit an die von Plutarch herrührende Sage anknüpfte, wonach ein Bote namens Pheidippides nach der Schlacht bei Marathon 490 v. Chr. die Nachricht vom Sieg über die Perser im Laufschritt nach Athen gebracht habe und nach seiner Ankunft tot zusammengebrochen sei.

Im 19. Jahrhundert setzte sich zunächst in England und den USA der Pedestriantismus als Ultralangstrecke durch. Das Sechstagerennen zu Fuß ging dem Sechstagerennen mit dem Fahrrad voraus. Wer eine Pause machte, war selbst schuld. So wurde durchschnittlich 120 Stunden gelaufen und Strecken über 1000 km waren keine Seltenheit, auch Frauen erreichten Strecken über 600 km.John A. Lucas (1968): Pedestrianism and the Struggle for the Sir John Astley Belt, 1878–1879, in: Research Quarterly for Health, Physical Education and Recreation 39: 3, 587–594. Erst über hundert Jahre später überbot der Grieche Yiannis Kouros die damaligen (durch Hallenbahnen exakt vermessenen) Rekorde.

Eine Renaissance findet im Laufsport in großer Breite jedoch ausgehend von den Vereinigten Staaten seit Mitte der 1980er Jahre in Gestalt von in Zahl und Größe stetig wachsender Straßenlaufwettbewerbe statt. An den Marathonwettbewerben in New York, Berlin, London, Chicago und Boston nehmen Jahr für Jahr jeweils mehrere zehntausend Läufer, vom Weltrekordläufer bis hin zum Gelegenheitsjogger, teil. In den letzten drei Jahrhunderten haben sich ganz unterschiedliche Trainingssysteme für Dauerlauf entwickelt.Arnd Krüger: Viele Wege führen nach Olympia. Die Veränderungen in den Trainingssystemen für Mittel- und Langstreckenläufer (1850–1997), in: N. Gissel (Hrsg.): Sportliche Leistung im Wandel. Hamburg 1998: Czwalina, S. 41–56. So entstanden hier durch neue Bewegungen durch etwa Run Clubs flexiblere Angebote, gemeinsam Laufen zu gehen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) zählte bereits Mitte der 2010er Jahre rund 3.500 Lauf- und Walkingtreffs mit über 2 Millionen Teilnehmern im Bundesgebiet.

Disziplinen Kurzstrecke mini|Erklärvideo: Was passiert bei einem Sprint? (1:50) Läufe bis 400 Meter werden als Sprint bezeichnet. Dabei werden die Füße nicht komplett abgerollt, der Läufer stößt sich mit den Fußballen mit maximaler Geschwindigkeit ab (Vorfußlaufen). Entscheidend ist die hohe Beschleunigung nach dem Start. Dabei werden besonders die Achillessehnen und die Wadenmuskeln belastet. Üblicherweise kann ein gut trainierter Mensch seine Maximalgeschwindigkeit über ca. 80 Meter halten. Läufe über 100 und 200 Meter werden daher nahezu ausschließlich durch die Schnellkraft entschieden. Die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit wird wegen der Startphase beim 200-Meter-Lauf erreicht. Die 400 Meter gelten hingegen als besonders schwierig, da im zweiten Teil der Strecke die Sauerstoffvorräte in den Muskeln aufgebraucht sind, die Geschwindigkeit jedoch gehalten werden muss. Der Läufer wird „blau“ (siehe Azidose).

Mittelstrecke Zwischen 800 und 1609 Metern (eine englische Meile) spricht man von Mittelstrecke. Auch diese Distanzen werden mit Sauerstoffunterschuss im anaeroben Bereich und durchgehend mit maximal möglichem Sauerstoffumsatz (VO2max) gelaufen. In diesem Bereich nimmt die Durchschnittsgeschwindigkeit rapide ab. Besonders problematisch ist dabei die Distanz von 800 Metern. Die letzten 400 Meter werden normalerweise ausschließlich im anaeroben Bereich gelaufen. Daraus resultierend kann im Ziel der Kreislauf sehr großen Belastungen ausgesetzt sein. Die Strecke von 1500 Metern läuft sich von der Belastung her ganz anders, im Ziel tritt nicht das mögliche Übelkeitsgefühl von der 800-Meter-Strecke auf.

Langstrecke Läufe über 2000 Meter bis 42,195 Kilometer (Marathon) werden als Langstrecke bezeichnet. Bei Läufen dieser Distanz und Dauer wäre es nicht mehr möglich, die Muskelfunktion bei einer Akkumulation von Milchsäure durch Laufen im anaeroben Bereich aufrechtzuerhalten. Der Lauf erfolgt also im „aeroben Bereich“, d. h. die Energieumwandlung (chemisch → kinetisch) in den Muskeln erfolgt vollständig durch Oxidation von zunächst ausschließlich Glucose. Der Blutkreislauf ist in der Lage, alle Verbrennungsprodukte – insbesondere die Milchsäure – abzutransportieren. Bereits nach ca. zwei Minuten wird auch aus Fettmolekülen Energie gewonnen. Der Anteil ist zunächst gering, wächst jedoch stetig und wird im Schnitt nach ca. 90 Minuten Ausdauerbelastung dominierend. Die Glykogenspeicher sind dann aufgebraucht. Zwar hat jeder (normalgewichtige) Mensch ausreichend Fettvorräte, um damit im Prinzip mehrere Marathonläufe hintereinander bestreiten zu können, jedoch kann bei der Fettverbrennung (Lipolyse) im Vergleich zur Glykolyse bei gleichem Sauerstoffumsatz weniger Energie umgewandelt werden. Aus diesem Grund ist es für den Erfolg auf Langstrecken wichtig, die Glykogenspeicher zu vergrößern und sich während des Laufens richtig zu ernähren. Nur dadurch kann eine gleichmäßige Energiezufuhr garantiert werden. Im Weltspitzenbereich wird der Marathon gerade noch mit einem dominierenden Glykolyse-Anteil zu Ende gelaufen. Trotz des allmählichen Anstiegs des Anteils der Lipolyse im Vergleich zur Glykolyse gibt es häufig subjektiv den Eindruck einer plötzlichen Umstellung, der von den Läufern häufig als „gegen die Wand laufen“ oder „dem Mann mit dem Hammer begegnen“ beschrieben wird.

Ultralangstrecke/Berglauf/Treppenlauf mini|Jungfrau-Marathon 2004 (Eiger Gletscher) Läufe über größere Distanzen als der Marathonlauf werden als Ultramarathon bezeichnet. Der längste Lauf, bei dem die Stoppuhr während der Nachtruhe nicht angehalten wird, geht über 3100 Meilen (ca. 5000 Kilometer) und dauert 51 Tage (Self-Transcendence 3100 Mile Race). Beliebt ist auch die Ultravariante Bergmarathon (s. vor allem Swiss Alpine Marathon in Davos).

Bei dem Backyard-Ultra-Format läuft man eine unbeschränkte Zahl an Runden, bei dem eine Runde 6,706 Kilometer lang ist, und die Läufer jeweils genau eine Stunde Zeit haben, um je eine Runde zu laufen. Sieger ist derjenige, der noch läuft, wenn alle anderen aufgegeben haben.

Der Berglauf ist ein Laufwettbewerb mit großen Höhenunterschieden. Typischerweise ist ein Berg oder eine markante Höhe das Ziel des Laufs oder wird vor dem Ziel als Zwischenstation erreicht. Die Strecke verläuft oft auf Wegen und Bergpfaden, mitunter auch auf der Straße.

Beim Treppenlauf werden ebenfalls Höhenunterschiede zurückgelegt.

Hürdenlauf/Hindernislauf/Crosslauf

Distanzunabhängige Lauftechniken des Breitensports Neben der Laufstilspezialisierung auf diese Strecken gibt es weniger leistungsorientierte Lauftechniken wie Jogging, bei dem man einen Trab mit kurzen Schritten läuft, was – vor allem bei falscher Lauftechnik wie dem Rückfußlauf – die Knie belasten kann, aber kreislauftechnisch auch über lange Distanzen gehalten werden kann. Walking und Nordic Walking ergänzen als Trendsportarten den Laufsport. Freizeitläufer schließen sich oft in Lauftreffs zusammen.

Laufsport als Teil von Kombinationssportarten Laufsport ist Teil von Kombinationssportarten. Läufe auf Kurz- und Mittelstrecke sind Teil des Siebenkampfes und des Zehnkampfes. Ausdauerlaufen auf Langstrecken zwischen 5 Kilometer und Marathon ist Bestandteil des Duathlons, Triathlons und Fünfkampfes. Beim Sommerbiathlon werden im Sprint und Einzelrennen 4 Kilometer (Damen 3 Kilometer), unterbrochen durch zwei Schießeinlagen und im Massenstart und Verfolgung 6 Kilometer (Damen 5 Kilometer), unterbrochen durch vier Schießeinlagen gelaufen. Ebenfalls zentral ist das Laufen für den Orientierungslauf.

Olympische Disziplinen mini|Geschwindigkeiten bei Streckenweltrekorden 100 Meter (auch Teil des Zehnkampfes der Männer) 200 Meter (auch Teil des Siebenkampfes der Frauen)