mini|hochkant|Arno Breker (1972) in seinem Düsseldorfer Atelier Arno Breker (* 19. Juli 1900 in Elberfeld; † 13. Februar 1991 in Düsseldorf) war ein deutscher Bildhauer und Architekt. Künstlerische Prägung und erste Erfolge hatte er in Frankreich erfahren, bevor er sich ab 1936 in Deutschland zu einem der prominentesten Künstler des nationalsozialistischen Staats entwickelte, protegiert unmittelbar durch Adolf Hitler. In dessen Auftrag wirkte er vor allem am Skulpturenwerk für die geplante Welthauptstadt Germania. Sein markanter Stil wurde prägend für die Ästhetik des NS-Systems. Hitler veranlasste 1944 die Aufnahme von Brekers Namen in die Gottbegnadeten-Liste. Trotz des großen Stellenwerts seines Werks und seiner Person für das NS-Regime wurde Breker wegen seiner Hilfe für Verfolgte nach Kriegsende (1948) als Mitläufer eingestuft. Noch lebenslang hochumstritten, blieb ihm besonders der Vorwurf fehlender Reue anhaften. Vor und nach der NS-Zeit machte der Künstler sich vor allem mit der Gestaltung von Porträtbüsten einen Namen. Sie brachten ihm internationale Anerkennung ein, insbesondere unter Künstlerkollegen wie Aristide Maillol, Ernst Fuchs oder Salvador Dalí.Maillol 1942: „Deutscher Michelangelo des 20. Jahrhunderts“, Ernst Fuchs 1972: „Prophet des Schönen“, Salvador Dalí 1975: „Gott ist die Schönheit und Arno Breker sein Prophet“.
Leben und Wirken Ausbildung Arno Breker wurde als ältester Sohn des Steinmetz-Meisters und Grabmalkünstlers Arnold Breker und dessen Frau Luise im Jahre 1900 in Elberfeld geboren. Hans Breker, der auch Bildhauer wurde, war sein jüngerer Bruder. Arno Breker besuchte die Oberrealschule, erlernte im elterlichen Betrieb schon früh das Steinmetz-Handwerk, besuchte die Handwerker- und Kunstgewerbeschule Elberfeld und beschäftigte sich mit den Werken Auguste Rodins und Michelangelos. Nachdem er eine Zusammenarbeit mit dem Künstler Adolf von Hildebrand (München) aus wirtschaftlichen Gründen nicht hatte verwirklichen können, begann Breker 1920 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie. Dort begegnete er den revolutionären Künstlern des Jungen Rheinland, von denen er sich aber nach einiger Zeit distanzierte. Er schloss sich der Rheingruppe an, die sich 1923 vom Jungen Rheinland abgespalten hatte. Hier entwickelte sich im Laufe der Jahre eine enge Freundschaft zu Ernst Gottschalk.Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe NL 046 Ernst Gottschalk A022 (1-5) Sein Vorbild wurde Rodin, weil eine Skulptur des französischen Bildhauers bei ihm einen starken Eindruck hinterlassen hatte. Er studierte Architektur bei Wilhelm Kreis und Plastik bei Hubert Netzer, einem Schüler Adolf von Hildebrands.
Er beteiligte sich erfolgreich an mehreren Architekturwettbewerben und Wettbewerben für Ehrenmale, so etwa 1922/23 an einem Wettbewerb für die Gestaltung des Ehrenfriedhofs seiner Heimatstadt Elberfeld (Mutter-Sohn-Gruppe, Pietà-Typus). Der Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen beauftragte ihn mit der Gestaltung von Jahresgaben. 1924, kurz vor dem Ende seines Studiums, unternahm er seine erste Reise nach Paris, dem damaligen Zentrum der modernen Plastik. Dort begegnete er dem Schriftsteller und Maler Jean Cocteau, dem Filmregisseur Jean Renoir, dem Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler und dem Kunsthändler und Publizisten Alfred Flechtheim. Auch lernte er dort Pablo Picasso kennen. Flechtheim nahm Breker unter Vertrag und machte ihn in der Pariser Kunstszene bekannt.
Im Jahr 1925 schloss Breker sein Studium in Düsseldorf ab. Die zur Ausstellung GeSoLei im Auftrag von Wilhelm Kreis geschaffene Monumental-Figur der liegenden Aurora auf dem Dach des Ehrenhofes in Düsseldorf verdeutlicht Brekers Begabung für baugebundene Bildhauerei. Arno Breker erhielt den Wanderpreis des Regierungspräsidenten in Düsseldorf verliehen.
1926–1934 1927 bekam Breker von der Stadt Budberg (Rheinberg/Niederrhein) einen Auftrag für die Gestaltung eines Kriegerdenkmals. Ein 1928 eingeweihtes Denkmal bei Kleve-Kellen, das an Übergriffe belgischer Truppen während der Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg (1918–1926) erinnert, stammt ebenfalls aus seinem Atelier. Dies waren Arbeiten, die er wahrscheinlich – ebenso wie die Aurora – der Vermittlung seines ehemaligen Lehrers Wilhelm Kreis verdankte. So folgten Porträtbüsten, etwa die des Malers Otto Dix, oder im Regierungsauftrag eine Büste Friedrich Eberts, des im Februar 1925 verstorbenen ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik. Er unternahm eine zweite Reise nach Paris und begegnete dort unter anderem Alexander Calder.
Breker beschloss, sich in Paris niederzulassen. Er knüpfte zahlreiche Kontakte – darunter lebenslange Freundschaften – zu Künstlern und Intellektuellen wie Aristide Maillol, Charles Despiau, Maurice de Vlaminck, Robert Delaunay, Emile Antoine Bourdelle, Constantin Brâncuși, Jules Pascin, Jean Fautrier, Isamu Noguchi oder Man Ray und bereiste Nordafrika. Dabei begegnete er der Griechin Demetra Messala, genannt „Mimina“, die seine Lebensgefährtin wurde. Demetra war die Tochter eines griechischen Diplomaten, die bereits für Pablo Picasso und Aristide Maillol Modell zu stehen pflegte. Breker fertigte 1933 von ihr eine Skulptur an.Breker und Demetra heirateten 1937. Ein Foto der Büste von Demetra, die hier verwendeten Angaben und weitere Informationen zu Demetra finden sich hier (englisch) abgerufen am 13. Januar 2012. Es entstanden zahlreiche Skizzen und Zeichnungen sowie die Radierungs- und Lithographienfolge Tunesische Reise. 1927 stellte er gemeinsam mit Alf Bayrle aus, der ebenfalls in Paris lebte.Andreas Holleczek, Andrea Meyer: Französische Kunst – Deutsche Perspektiven, 1870–1945: Quellen und Kommentare, S. 35 Daraus entstand eine langjährige Freundschaft, die auch durch einen regen Briefaustausch belegt ist., 2014 versteigert; abgerufen am 20. Juni 2014.
Brekers plastische Arbeiten wurden in diesem Zeitabschnitt stark von Aristide Maillol, Charles Despiau und Auguste Rodin beeinflusst. Breker versuchte bei seinen Akten, Torsi und Porträtbüsten die unterschiedlichen Stile, auch die Oberflächenbehandlungen seiner Vorbilder zu verschmelzen. Außerdem entwickelte er das Gussverfahren der reinen Form – ohne Unebenheiten an den Oberflächen seiner Figuren –, das später für seine Darstellungen zur Zeit des Nationalsozialismus kennzeichnend wurde.
Die Verbindung nach Deutschland riss jedoch nicht ab. So erhielt er Aufträge für eine Großplastik für die Matthäikirche in Düsseldorf und für das Denkmal Wilhelm Conrad Röntgens in Remscheid. Es fanden Ausstellungen seiner Werke statt, er nahm an Wettbewerben in Deutschland teil, unter anderem am Wettbewerb der Stadt Düsseldorf für ein Heinrich-Heine-Denkmal (Standort seit 1983 vor dem Kurtheater Norderney). Breker hinterließ Ernst Gottschalk 1928 sein Atelier in der Neuen Kunstakademie, nachdem er dieses zuvor an den Künstler Jankel Adler untervermietet hatte und es wegen Mietschulden der Stadt Düsseldorf gegenüber durch Adler zu einem Konflikt kam.Rheinisches Archiv für Künstlernachlässe NL 046 Ernst Gottschalk A022 (1-5)
Im Jahre 1932 erhielt er den Rom-Preis der Preußischen Akademie der Künste. Mit diesem Preis war ein Stipendium verbunden, das Breker für sieben Monate, von Oktober 1932 bis Mai 1933, in die Villa Massimo zu einem Studienaufenthalt brachte. Hier war einer seiner jüdischen Bekannten, der Künstler Felix Nussbaum, sein Ateliernachbar. Während seines Romaufenthaltes gestaltete Breker unter anderem eine Rekonstruktion der ersten Fassung von Michelangelos Pietà, die auch in Fachkreisen Erwähnung fand, und beteiligte sich an einem Wettbewerb für einen Soldatenfriedhof in Frankreich (Fricourt/Departement Somme). Seine Zeit in Rom sah Breker selbst als „Vorbereitung auf die monumentale Arbeit großen Ausmaßes, die mich erwartete“.Jobst C. Knigge: Die Villa Massimo in Rom 1933–1943. Kampf um künstlerische Unabhängigkeit. Humboldt-Universität Berlin 2013 open access, S. 16–22.
1933 folgten Studienaufenthalte in Florenz und Neapel. Die hier aufgenommenen Anregungen von der Skulptur der Antike und der Renaissance – insbesondere Michelangelos – beeinflussten nachhaltig Brekers mittlere als klassische Periode bezeichnete Zeit des Nationalsozialismus.
1934–1945 mini|links|Breker porträtiert Albert Speer (1940) mini|hochkant|Verleihung des Titels „Professor“ (ohne universitären Bezug) an Arno Breker, 1937 mini|hochkant|Büste Adolf Hitler (1938) mini|Löwenkopf von Breker im Braunschweiger Dom mini|Berlin, Neue Reichskanzlei, Eingang im Innenhof mit den Skulpturen Die Partei und Die Wehrmacht mini|Die Löwen an der Löwenbastion am Maschsee Im Jahr 1934 verließ Breker Frankreich und kehrte nach Deutschland zurück. Nach Brekers eigenem Bekunden war es das Drängen von Wilhelm Hausenstein, Grete Ring und Max Liebermann, das ihn dazu bewog, Paris zu verlassen, um sich in Berlin niederzulassen. Liebermann vermittelte Breker am neuen Wohnsitz das Atelier des 1921 verstorbenen Bildhauers August Gaul. Es entstand eine Büste von Liebermann. Zu dessen Tod 1935 nahm Breker ihm die Totenmaske ab.
Breker galt den Nationalsozialisten zunächst als dekadent und zu frankreichorientiert, und so erhielt er in der ersten Zeit nach seiner Rückkehr vor allem Porträtaufträge von Industriellen, Militärs oder auch Künstlerkollegen. Erste öffentliche Aufträge führte er 1935 aus: die Hoheitszeichen am Berliner Finanzministerium, Steinreliefs am Gebäude der Nordstern-Lebensversicherung in Berlin-Schöneberg, figürlicher Schmuck am Hauptportal der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Berlin-Adlershof, die Plastik Der Flieger für das Hauptgebäude der Dresdner Luftkriegsschule, doch erst im Jahre 1936 begann sein rasanter Aufstieg zum prominentesten Bildhauer des Dritten Reiches. Am 10. September 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.379.989).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/4371490
Für die von 1936 bis 1938 durchgeführten Umbauten der Gruft von Heinrich dem Löwen im Braunschweiger Dom fertigte Breker ein Löwenkopf-Relief.
Sein Entwurf, den er anlässlich eines Wettbewerbs zur Gestaltung der Torpfeiler der Dietrich-Eckart-Freilichtbühne auf dem Reichssportfeld einreichte, wurde angekauft. Im Anschluss daran erhielt Breker den Auftrag für zwei Monumentalfiguren für das Haus des Deutschen Sports (Zehnkämpfer und Siegerin), die insbesondere Hitlers Aufmerksamkeit erlangten. Für beide Figuren erhielt er bei der olympischen Kunstausstellung in Berlin 1936 im Plastik-Wettbewerb die Silbermedaille des Internationalen Olympischen Komitees.
Zur Gestaltung der Olympischen Spiele 1936 beschloss die NS-Regierung die stilistische Orientierung an der Antike. Brekers Anlehnung an Plastiken der griechischen Antike kam diesen Bestrebungen entgegen. In seinen Figuren sahen die Nationalsozialisten die ästhetischen Ideale ihrer Rassenlehre, den „gesunden, arischen Menschentyp“, versinnbildlicht.
So wurde Brekers Ausdrucksform als „gestaltete Gesinnung, formgewordene Weltanschauung“, als richtungweisend für den neuen deutschen Stil proklamiert. Rückblickend bezeichnete Breker selbst das Jahr 1936 als Wendepunkt seiner Existenz. In der Folgezeit wurde er von der NS-Propaganda zum „bedeutendsten deutschen Bildhauer der Gegenwart“, gar zum Vorkämpfer der nationalsozialistischen Revolution stilisiert, schienen seine monumentalen Figuren doch hervorragend geeignet, den Kampf des Neuen Reiches gegen die Verfallserscheinungen in der Kunst (Entartete Kunst) und der Gesellschaft insgesamt visuell fassbar zu machen.