mini|Das Hauptgebäude der British Library in St Pancras, London Borough of Camden. Im Hintergrund sieht man die Türme des Bahnhofs St Pancras.
Die British Library (BL), übersetzt „Britische Bibliothek“, ist die Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs. Sie befindet sich in London und ist eine der bedeutendsten Forschungs- und Universalbibliotheken der Welt. Sie beherbergt mit über 170 Millionen Werken den weltweit größten Medienbestand aller Bibliotheken. Im Unterschied zur Deutschen Nationalbibliothek sammelt sie Bücher aus allen Zeiten, allen Ländern und in allen Sprachen und verwahrt Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren, Tonaufnahmen, Patente, Datenbanken, Karten, Briefmarken, Kunstdrucke, Gemälde und vieles mehr.
Ihre 25 Millionen ExemplareEintrag im Internetangebot der Encyclopædia Britannica, hier nachzulesen umfassende Büchersammlung wird nur noch von der US-amerikanischen Library of Congress in Washington, D.C., übertroffen. Der Bestand umfasst Werke bis zurück in die Zeit um 1600 v. Chr.In Our Time: The Written World. Bericht über einer fünfteiligen BBC-Radio-4-Sendung, die vom 2. bis zum 6. Januar lief. (englisch)
Die 1973 durch Zusammenlegung der British Museum Library und einiger weiterer Bibliotheken gegründete British Library ist dem Department for Culture, Media and Sport untergeordnet und erhält ein Pflichtexemplar aller in Großbritannien, Nordirland und der Republik Irland gedruckten Bücher.
2019 wurde die British Library von rund 1,53 Millionen Personen besucht. 2024 betrug die Besucherzahl etwa 1,36 Millionen Personen.
Geschichte Vorläuferbibliotheken British Museum Library Die meisten Bücher der BL stammen von der British Museum Library, der Bibliothek des British Museum in London, die 1753 mit der Übernahme der Büchersammlung von Hans Sloane gegründet wurde.Franz Georg Kaltwasser: Die Bibliothek als Museum, 1999, S. 220. Als Grundstock diente ferner die später als Cotton Library bekannte Bibliothek von Robert Bruce Cotton sowie der Bücherbestand der Harleian Collection von Robert und Edward Harley. Später folgten die Büchersammlung von Charles Townley und die 17.000 Bände zählende Buchkollektion von König George II., die 1757 eingegliedert wurde. 1823 wurden die 65.000 Bücher der King’s Library, der Privatbibliothek von George III., in die Bibliothek integriert.George III Collection: the King’s Library auf: bl.uk 1846 folgte die Aufnahme der Büchersammlung von Thomas Grenville.Barry Taylor: Thomas Grenville (1755–1846) and his Books. In: Giles Mandelbrote (Hrsg.): Libraries within the library. The origins of the British Library’s printed collections. British Library, London 2009, ISBN 978-0-7123-5035-8, S. 321–340.
Aufgrund von Platzmangel durch die neu gewonnenen Buchkollektionen zog das British Museum vom Montagu House in ein zwischen 1823 und 1826 im Garten des Montagu House entstandenes Gebäude, das bis heute das Hauptgebäude des Museums ist.Christoph Krempe: Neubau der British Library St. Pancras: Anspruch und Realität. Institut für Bibliothekswissenschaft, 2002, , S. 3. Der 1857 eröffnete Kuppel-Lesesaal war einer der berühmtesten Bibliotheksbauten der Welt.Franz Georg Kaltwasser: Die Bibliothek als Museum, 1999, S. 221.
Unter Anthony Panizzi, der während seiner Amtszeit erstmals den Bestand der Bibliothek von 1856 bis 1866 katalogisierte, erreichte die British Museum Library zwischen 1856 und 1866 den Bestand von 1 Million Bände. Die Bibliothek war ab 1950 für die Erstellung der Nationalbibliografie, der British National Bibliography, zuständig.Andy Stephens: The history of the British national bibliography 1950–1973. British Library, Boston Spa 1994, ISBN 0-7123-1069-X. Bekannte Benutzer der Bibliothek waren etwa Charles Dickens, Lenin, Karl Marx, George Bernard Shaw oder Virginia Woolf. (englisch); die Persönlichkeiten stehen in der drittletzten Zeile.Dietmar Strauch, Margarete Rehm: Lexikon Buch – Bibliothek – Neue Medien. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-092121-2, S. 81. So verfasste beispielsweise Karl Marx Teile seines Buches Das Kapital im Lesesaal. Wladimir Iljitsch Lenin besuchte zwischen 1902 und 1911 mehrmals die Bibliothek, allerdings meist unter seinem Pseudonym Jacob Richter. Über die Bibliothek schrieb Lenin 1907: „Es ist eine bemerkenswerte Institution, besonders diese außergewöhnliche Präsenzabteilung. Stellen Sie ihnen irgendeine Frage und in kürzester Zeit wird man Ihnen sagen, wo sie suchen müssen, um das Material zu finden, das Sie interessiert. […] Lassen Sie mich Ihnen sagen, es gibt keine bessere Bibliothek als das British Museum. Hier gibt es weniger Lücken in den Sammlungen als in jeder anderen Bibliothek.“Der Originaltext lautet: „It is a remarkable institution, especially that exceptional reference section. Ask them any question, and in the very shortest space of time they’ll tell you where to look to find the material that interests you. […] Let me tell you, there is no better library than the British Museum. Here there are fewer gaps in the collections than in any other library.“ ( nachzulesen).
Auch nach der Gründung der British Library 1973 blieb die Bibliothek vorerst im British Museum. Erst 1997 wurden die Bücher in das neue Gebäude der British Library im St.-Pancras-Quartier gezügelt.Seite zur Geschichte auf der Website des British Museum, abgerufen am 21. Juli 2018.
Weitere Vorläuferbibliotheken Ein weiterer wichtiger Bestandteil der British Library war die Patent Office Library, die Bibliothek des britischen Patentamtes, welche auf das Patent Law Amendment Act aus dem Jahr 1851 zurückgeht. Eröffnet hat die Bibliothek 1855. Bereits nach wenigen Jahren litt das Patent-Archiv an Platzmangel, weswegen unter anderem an eine Vereinigung mit der Bibliothek des British Museum gedacht wurde. Sie wurde 1962 in National Library of Science and Invention umbenannt.
1916 wurde die Central Library of Students zur Bücherversorgung der Studentenschaft gegründet. 1927 wurde die Bibliothek als zentrales Clearinghaus für Fernleihe vorgeschlagen. Aufgrund der Einverleibung der Royal Charter wurde die Bibliothek in National Central Library umbenannt.
Ebenfalls 1916 wurde die National Lending Library for Science and Technology gegründet, welche sich ab 1961 in Boston Spa befand und 1973 mit der British Library Lending Division fusioniert ist. Mit der Aufgabe zur Erstellung einer wöchentlichen Liste aller im Vereinigten Königreich verlegten Bücher war die 1950 gegründete British National Bibliography als Zweig der British Museum Library zuständig. Nach der Unabhängigkeit Indiens wurde aus dem britischen Außenministerium das India Office Library and Records ausgegliedert, welche unter anderem die Dokumente der Britischen Ostindien-Kompanie beinhaltete.
Zusammenschluss zur British Library mini|hochkant|Eingangstor zur BL Viele der erwähnten Bibliotheken mussten mit enormem Platzmangel kämpfen. So scheiterte 1960 die Zusammenlegung der British Museum Library mit der Patent Office Library an fehlenden Raumkapazitäten.Zur Geschichte der British Library (PDF; 9 kB), Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft in Berlin Daher schlug unter anderem Frederick Sydney Dainton bereits 1969 und der National Heritage CommitteeChristoph Krempe: Neubau der British Library St. Pancras: Anspruch und Realität. Institut für Bibliothekswissenschaft, 2002, , S. 5. die Gründung einer einheitlichen Nationalbibliothek vor.
1972 beschloss das Parlament des Vereinigten Königreichs den British Library Act: Die British Museum Library wurde mit anderen Bibliotheken von nationaler Bedeutung wie der National Library of Science and Invention, der National Central Library und der National Lending Library for Science and Technology zur British Library zusammengefasst. Die BL übernahm mit der Gründung das Pflichtexemplarrecht der British Museum Library sowie die Aufgabe der Erstellung der Nationalbibliografie. Die offizielle Inbetriebnahme war am 1. Juli 1973. Die Aufsicht oblag dem British Library Board. 1974 folgten die British National Bibliography und das Office for Scientific and Technical Information. 1982 wurde die India Office Library and Records und 1983 das British Institute of Recorded Sound eingegliedert. Das neue Hauptgebäude in St Pancras im London Borough of Camden wurde 1998 bezogen. 2003 wurde das Vereinsarchiv der Royal Philharmonic Society für 1 Million Pfund an die British Library verkauft, darunter befinden sich 270 Partituren.
Pflichtexemplarrecht Seit 1911 erhält die Bibliothek Copyright-Exemplare aller im Vereinigten Königreich veröffentlichten Werke.Legal Deposit Libraries Act 2003, vom Government Online gestellter Paragraf des neuen Pflichtexemplarrechts; Abgerufen am 8. Oktober 2012 (englisch) Seit 1869 bekommt die Bibliothek ebenfalls ein Pflichtexemplar aller in Großbritannien gedruckten Zeitungen. Damit besitzt die BL neben den Nationalbibliotheken von Schottland und Wales, den Bibliotheken der Universitäten Cambridge und Oxford sowie der Bibliothek des Trinity College in Dublin als eine der wenigen Bibliotheken im Vereinigten Königreich und in Irland das Recht, ein Pflichtexemplar einzufordern.Nancy Schön:
Von diesen Bibliotheken ist die BL die einzige des Vereinigten Königreichs, die unaufgefordert neue Bücher und Zeitungen bekommt, während die anderen Bibliotheken bei Interesse vorher formell fragen müssen. Seit einer Gesetzesänderung des irischen Urheberrechts im Jahr 2000 bekommt die British Library ebenfalls alle in der Republik Irland gedruckten Bücher. Nach einer von Chris Mole vorgeschlagenen Gesetzesänderung im Jahr 2003 bekommt die Bibliothek Pflichtexemplare von elektronischen Dokumenten.
Bestand mini|hochkant|Die haushohen Bücherregale der BL mini|Die Bronzestatue Sitting on History von Bill Woodrow
Jährlich wächst der Bestand um 3 Millionen Medien,Lesley Reader: London. Mair Dumont Spirallo, 2008, ISBN 978-3-8297-3232-1, S. 147. das sind rund 8.000 Neuzugänge am Tag. Die Regale der Bibliothek haben insgesamt eine Länge von 625 Kilometern; jährlich kommen 12 Kilometer hinzu. Die ältesten Archivstücke sind chinesische Orakelknochen aus der Zeit um 1600 v. Chr. Ferner befinden sich im Besitz der Bibliothek über 25 Millionen Bücher, 58 Millionen Patente,https://librarytechnology.org/pr/15226 rund 920.000 Zeitungen und Zeitschriften, 1,6 Millionen Musikalien, 800 Datenbanken, 400.000 Mikrofilmrollen, 8 Millionen philatelische Zeugnisse und rund 4,3 Millionen kartografische Artikel.
Büchersammlung Wichtigste Werke im Bestand der British Library sind zwei Originale der Magna Carta,: auf der Homepage der BL angesiedelte Beschreibung der Magna Carta mit Übersetzung, OnlineViewer etc., abgerufen am 8. Oktober 2012. das einzige erhaltene Manuskript des Beowulf,Beowulf: Ein altenglisches Heldenepos. Übersetzt und herausgegeben von Martin Lehnert. Reclam, Stuttgart 2004, ISBN 3-15-018303-0.Franz Georg Kaltwasser: Die Bibliothek als Museum, 1999, S. 222. zwei Exemplare der Gutenberg-Bibel,: Beschreibung der Gutenberg-Bibel auf der Homepage der Bibliothek. Abgerufen am 8. Oktober 2010. fünf Exemplare von Shakespeares First Folio, Beschreibung der First Folio von William Shakespeare auf der Homepage der British Library. Abgerufen am 8. Oktober 2012.Wertvoller Dramatiker. In: Nürnberger Nachrichten. (Quelle:dpa), 15. Juli 2006, (online) Abgerufen am 8. Oktober 2012. sowie der Codex Sinaiticus.Bruce Metzger: The Text of the New Testament: Its Transmission, Corruption and Restoration. 3. Auflage. Oxford University Press, Oxford 1992, S. 46. Zu den über 25 Millionen Büchern gehören nach Angaben der British Library fast jedes jemals in Großbritannien gedruckte Buch.