mini|Laupheim um 1900 mini|Obersulmetingen um 1900
Laupheim ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Biberach (Baden-Württemberg) und seit dem 1. Januar 2016 eine Große Kreisstadt. In: Schwäbische Zeitung, 14. Oktober 2015 Sie liegt im Norden des Kreisgebiets, bildet ein Mittelzentrum in Oberschwaben und gehört zur Region Donau-Iller. Laupheim ist Standort des Hubschraubergeschwaders 64 der Luftwaffe sowie einiger überregional bekannter Firmen.
Geografie Geografische Lage Laupheim liegt rund 20 km südsüdwestlich von Ulm. Die Kernstadt wird in Nord-Süd-Richtung von der Rottum durchflossen, die etwas weiter nördlich in den von Süden kommenden Donau-Nebenfluss Dürnach mündet. An der Rottum liegt auch der Laupheimer Stadtteil Baustetten. Die westlichen Stadtteile Obersulmetingen und Untersulmetingen liegen am Donau-Nebenfluss Riß, das ostnordöstlich gelegene Bihlafingen befindet sich an der Schmiehe.
Stadtgliederung Laupheim mit (2022) insgesamt 22.910 Einwohnern besteht aus der gleichnamigen Kernstadt (16.853 Einwohner) und den Stadtteilen Baustetten (2.230 Einwohner), Bihlafingen (bekannt durch die Bihlafinger Madonna) (950 Einwohner), Obersulmetingen (1.466 Einwohner) und Untersulmetingen (2.279 Einwohner). Der Stadtteil Bihlafingen ist eine Exklave und grenzt an den Alb-Donau-Kreis.
Nachbargemeinden An das Gebiet der Stadt Laupheim grenzen die Gemeinde Achstetten, der zur Stadt Ehingen gehörende Ort Rißtissen und die Gemeinde Griesingen im Norden, die zur Stadt Ehingen gehörenden Orte Schaiblishausen und Kirchbierlingen im Westen, die zur Gemeinde Schemmerhofen gehörenden Dörfer Ingerkingen und Schemmerberg sowie die Gemeinde Mietingen im Süden, die Gemeinde Schwendi im Südosten und die Gemeinde Burgrieden im Osten. Die Laupheimer Exklave Bihlafingen grenzt im Norden und im Osten außerdem an die Gemeinden Achstetten-Oberholzheim, Hüttisheim und Schnürpflingen.
Schutzgebiete Auf dem Gebiet der Stadt Laupheim gibt es insgesamt fünf Naturschutzgebiete: Westlich von Untersulmetingen liegt das Naturschutzgebiet Schand, südlich von Obersulmetingen liegen die Naturschutzgebiet Müsse, Mohn’scher Park und Südsee-Kingenbühl und ganz im Süden des Stadtgebiets liegt das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Osterried.
Müsse und Osterried sind gleichzeitig Teile des FFH-Gebiets Rot, Bellamonter Rottum und Dürnach.
Die effektive Schutzgebietsfläche liegt bei rund 188 Hektar bzw. 3,04 % der Stadtfläche.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Laupheim um 1726 mini|Laupheim um 1850 mini|Der Notgeldschein von 1921 zeigt auf der Vorderseite das Laupheimer Wappen, auf der Rückseite eine Silhouette der Stadt (links das Schloss Großlaupheim)
Ortsname Im Laufe der Zeit wurde das heutige Name von Laupheim auch Loubhaim, Louüheim, Laubheim, Lauphaim oder Lopheim geschrieben, der Name leitet sich vom Laubgehölz ab und bedeutet somit „Siedlung im Laubwald“.Stadtarchiv Laupheim: Woher hat Laupheim seinen Namen?
Römische Präsenz im Gebiet von Laupheim In der näheren Umgebung von Laupheim wurden nicht wenige römische Münzen gefunden. Da Belege für eine römische Siedlung im heutigen Stadtgebiet fehlen, hängen diese Funde am ehesten zusammen mit der wichtigen römischen Fernstraße, die vom Bodensee bei Lindau über Ravensburg, Weingarten und Bad Waldsee durch das heutige Laupheim bis zum Donaukastell Rißtissen führte. Die Straße führte durch Sumpfgebiete und war zwischen sechs und zehn Meter breit. Sie war die einzige befestigte Straße in weitem Umkreis. Südlich der Altstadt von Laupheim gabelte sich diese Straße an der Stelle auf, wo heute das Schloss Kleinlaupheim und die Rottum aufeinandertreffen. Der Weg blieb im ganzen Mittelalter und in der Neuzeit eine bedeutende Verbindung, heute folgt die Bundesstraße 30 über weite Strecken dieser Altstraße.Stadtarchiv Laupheim, Archivalie des Monats Mai 2021
Mittelalter und frühe Neuzeit Im Jahr 778 wurde der Ort als Loubhaim erstmals schriftlich erwähnt. Laupheim, damals Hauptort des Rammachgaus, wurde 926 von den Ungarn zerstört. Im 12. Jahrhundert kam es in den Besitz der Truchsessen von Waldburg, die den Ort 1331 an die Habsburger verkauften. Damit wurde Laupheim zu einem Teil der österreichischen Vorlande. Die österreichischen Habsburger verpfändeten Laupheim 1362 an die Herren von Ellerbach, blieben aber Landesherren bis in das Jahr 1805. 1434 wurde durch Kaiser Sigismund der Gemeinde das Marktrecht und dem Ritter Burkhard von Ellerbach die Halsgerichtsbarkeit verliehen. Während der Bauernkriege zerstörte 1525 der „Baltringer Haufen“ das Schloss, das nach Ende der Auseinandersetzungen wieder aufgebaut wurde. Nach dem Aussterben der Ellerbacher belehnte Österreich 1582 die Reichsfreiherren von Welden mit Laupheim. Diese gründeten bereits zwei Jahre später die erste Schule der Gemeinde.
Württembergische Zeit Mit der Neuordnung Deutschlands nach dem Reichsdeputationshauptschluss kam Laupheim 1806 zum Königreich Württemberg, wo die Gemeinde zunächst zum Oberamt Wiblingen gehörte. Erst 1836 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft. 1845 erhielt Laupheim anstelle von Wiblingen den Sitz des Oberamts. Seither hieß es auch Oberamt Laupheim. Mit dem zwei Kilometer westlich des Zentrums gelegenen Bahnhof an der 1850 eröffneten Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen (Südbahn) kam der Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn. Im Jahre 1869 erhielt Laupheim die Stadtrechte.
Im Zuge der Kreisreformen während der Zeit des Nationalsozialismus in Württemberg wurde das Oberamt Laupheim 1934 in Kreis Laupheim umbenannt und fiel 1938 zum größten Teil an den Landkreis Biberach, zu dem seither auch die Stadt Laupheim gehört.
Seit 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Laupheim 1945 in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 als Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern im Land Baden-Württemberg aufging.
Nachdem die Einwohnerzahl von Laupheim basierend auf der Fortschreibung der Volkszählungsergebnisse von 1987 die Marke von 20.000 Einwohnern im Jahr 2011 überschritten hatte, stellte die Stadt beim baden-württembergischen Innenministerium den Antrag auf Ernennung zur großen Kreisstadt. Nach der Veröffentlichung des Zensus 2011, nach der Laupheim diese Marke erst 2013 überschritten hat, ruhte der Antrag vorläufig. Seit dem 1. Januar 2016 ist Laupheim Große Kreisstadt.
siehe auch Burg Bihlafingen, Wasserburg Bihlafingen, Burg Laupheim, Burg Kreppach
Eingemeindungen 1. Januar 1972: Baustetten und Untersulmetingen 1. April 1972: Bihlafingen 1. Januar 1975: Obersulmetingen
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen von Laupheim nach dem Gebietsstand der Stadt von 1970, also vor sämtlichen Eingemeindungen:Bevölkerungsentwicklung in Laupheim nach altem Gebietsstand von 1970, Leo BW, abgerufen am 10. April 2021 mini|380px|Einwohnerentwicklung von Laupheim von 1871 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner 1852 3.519 1871 4.090 1880 4.524 1890 4.549 1900 4.859 1910 5.463 1925 5.783 Jahr Einwohner 1933 5.953 1939 5.832 1950 7.371 1956 8.323 1961 8.712 1963 9.340 1970 10.491
Die nachfolgenden Einwohnerzahlen beziehen sich für die Vergangenheit rückgerechnet auf den heutigen Gebietsstand der Stadt und sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Die Zahlen vor 1970 sind somit höher als sie es nach dem damaligen Gebietsstand von Laupheim tatsächlich waren:
Datum Einwohner 1. Dezember 1871 6.302 1. Dezember 1880 6.836 1. Dezember 1890 6.949 1. Dezember 1900 7.319 1. Dezember 1910 8.017 16. Juni 1925 8.467 16. Juni 1933 8.572 17. Mai 1939 8.402 13. September 1950 10.337 6. Juni 1961 11.744 27. Mai 1970 14.099 Datum Einwohner 31. Dezember 1980 14.970 27. Mai 1987 15.014 31. Dezember 1990 16.286 31. Dezember 1995 17.750 31. Dezember 2000 18.460 31. Dezember 2005 19.192 31. Dezember 2010 19.796 31. Dezember 2015 21.153 31. Dezember 2020 22.579 31. August 2021 22.679
Religionen mini|hochkant|PfarrkircheSt. Peter und Paul
Katholische Kirche Bereits im 10. Jahrhundert ist eine Pfarrkirche in Laupheim nachgewiesen. Noch heute ist die Stadt wegen der einstigen Zugehörigkeit zu Vorderösterreich überwiegend römisch-katholisch geprägt und war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts kirchlich dem Bistum Konstanz zugeordnet. Seit 1821 gehören die Laupheimer Katholiken zur Diözese Rottenburg, derzeit im Dekanat Biberach seit der Auflösung des Dekanats Laupheim im Jahr 2007. In Laupheim gibt es zudem seit 1966 das Dreifaltigkeitskloster der Steyler Missionsschwestern. Nach Abbruch des Klosters im Jahr 2024 trat an seine Stelle ein neu errichteter Wohnpark mit Pflegeheim, das von den Steyler Missionsschwestern gemeinsam mit illerSENIO betrieben wird und in welchem die Kommunität des ehemaligen Klosters mit untergebracht ist.
Evangelische Kirche Seit 1845 gibt es auch eine evangelische Gemeinde. Seit dem ersten Advent 2025 gehört sie zur Kirchengemeinde Donau-Iller-Riß, die aus dem Zusammenschluss der bis dahin unabhängigen Kirchengemeinden Dietenheim, Ersingen, Laupheim und Oberholzheim hervorgegangen ist. Innerhalb der Evangelischen Landeskirche gehört die Kirchengemeinde zum Kirchenbezirk Biberach.
Sonstige christliche Konfessionen Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Entstehung einer Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten). Seit 1962 hat die Gemeinde im Synagogenweg auf dem früheren Synagogen-Gelände ein eigenes, als Kapelle bezeichnetes Kirchengebäude. Die Baptisten-Gemeinde zählt ca. 60 Mitglieder, hinzu kommen 20–30 Kinder.
Seit 1993 existiert in Laupheim auch eine zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden gehörende Ecclesia-Gemeinde, zu der sich nach eigenen Angaben etwa 200 Personen (einschließlich Kinder) bekennen.
Judentum in Laupheim mini|Synagoge in Laupheim, 1932 Die 1724 gegründete Jüdische Gemeinde Laupheim, zeitweise die größte jüdische Gemeinde Württembergs, erreichte um 1869 mit 843 Personen ihre höchste Mitgliederzahl. Durch Ab- und Auswanderung nahm sie danach kontinuierlich ab. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 flohen 126 von 235 jüdischen Einwohnern ins Ausland, die meisten von ihnen nach dem Novemberpogrom im Jahre 1938, bei dem SA-Leute die Synagoge niederbrannten. Die jüdischen Unternehmen und Geschäfte wurden arisiert.Paul Sauer: Laupheim. Leo-BW – Landeskunde entdecken, abgerufen am 18. Dezember 2024. Im folgenden Jahr wurden die noch verbliebenen jüdischen Bürger innerhalb von Laupheim in das Barackenlager Wendelinsgrube zwangsumgesiedelt und in den Jahren 1941 und 1942 in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert. Nach dem letzten von vier Transporten am 19. August 1942 hörte die jüdische Gemeinde in Laupheim auf zu existieren. Zwischen 62 und 102 jüdische Laupheimer wurden Opfer des Holocaust.Klaus-Dieter Alicke: Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum.
Politik Gemeinderat In Laupheim wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis: Parteien und Wählergemeinschaften % 2024 Sitze 2024 % 2019 Sitze 2019 FW Freie Wähler 30,4 10 37,4 10 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,5 8 27,9 8 OL Offene Liste für Laupheim 18,4 6 26,8 7FLFreie Liste11,44 -- -- SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 10,4 3 7,9 2AfDAlternative für Deutschland4,82 -- -- Gesamt 100 33 100 27 Wahlbeteiligung 58,3 % 53,4 %
Bürgermeister mini|Schloss Großlaupheim mini|Schloss Kleinlaupheim